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Welche Schritte wirklich helfen So klappt es mit dem Wiedereinstieg in den Beruf

Nach 5 oder 10 Jahren oder auch nach 20 Jahren wieder arbeiten gehen, wieder berufstätig werden. Das ist nicht einfach und es betrifft zu 99 Prozent Frauen, die Kinder groß gezogen haben oder Angehörige gepflegt haben. Yvonne Skowronek von der Beratungsstelle "Berufswege für Frauen e.V." beantwortet Fragen rund um den Wiedereinstieg von Frauen und welche Schritte wirklich helfen, zurück in den Job zu finden.

Frau Yvonne Skowronek, bitte erzählen Sie über die Vorurteile: Frauen seien oft zu alt und zu wenig qualifiziert. Wie sieht es gerade auf dem Arbeitsmarkt aus?

Auf dem Arbeitsmarkt sieht es so gut aus, wie seit 30 Jahren nicht mehr. Wir haben aktuell eine sehr gute Arbeitslage und die Vorurteile können wir so nicht mehr stehen lassen. In unseren Gesprächen mit Unternehmen wird immer wieder betont, wie wichtig 'Diversity' (Auf Deutsch: 'Vielfältigkeit') ist. Also ein gemischtes Team, welches aus älteren und jüngeren Männern, sowie Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und ohne, besteht. Wir haben aktuell eine 64-jährige Frau eingestellt, weil ihre Qualifikationen von allen BewerberInnen mit Abstand die besten waren. Das ist letztendlich das Ausschlaggebende.

Wie viel Mut und Glück braucht eine Frau, die über Vierzig ist und 10 Jahre draußen war wieder einen Job zu finden?

Mut und Glück braucht jeder, der sich neu auf dem Arbeitsmarkt orientieren will oder der eine neue Stelle sucht. Insofern braucht es auch eine Frau, die sich neu orientieren möchte, aber nicht mehr als jeder andere auch. Wichtig ist, dass man sich über die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen und weiß was man an Stärken anbringen kann, die auf dem Arbeitsmarkt gebraucht werden und das ist das, was den meisten Frauen leider fehlt. Sie haben nach der Zeit, wo sie zuhause waren und sich um die Familie gekümmert haben, nicht mehr so viel Selbstbewusstsein und nicht mehr so viel Klarheit darüber, was sie an Fähigkeiten haben, die für den Arbeitsmarkt wichtig sind.

Welchen Rat geben Sie einer Frau in dieser Situation?

Man kann allen Frauen in dieser Situation den Rat geben, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Anfangs ist es ein Berg, der auf einen zukommt und es ist immer gut sich Unterstützung und Beratung zu holen. Es kann die Arbeitsagentur sein, die viele Informationsmaterialien für Wiedereinsteigerinnen bereithält oder eine Beratungsstelle, die es in jeder Stadt gibt. Gezielt hinzuschauen: Ist es der richtige Zeitpunkt für den Wiedereinstieg? Hab ich die Kinderbetreuung geregelt? Dann muss eine Kompetenzanalyse gemacht werden, um zu überprüfen, welche Stärken man überhaupt genau hat. Der Selbstwert muss gestärkt werden, um zu sehen wo man gerade steht.
Letztendlich ist ein Wiedereinstieg immer eine große Chance: Die Weichen können neu gestellt werden. Will man in den gleichen Bereich zurück, wo man früher gearbeitet hat oder sieht man die Kompetenzen mittlerweile in einem ganz anderen Bereich? Vielleicht hat man während der Familienzeit Dinge an sich entdeckt, die einem vorher nicht bewusst gewesen sind. Schließlich sollten von dieser Basis ausgehend, neue Ziele geplant werden und auch überlegt werden, ob eine Weiter- oder Umbildung eventuell sinnvoll ist. Dann sollte der Wiedereinstieg schließlich in kleinen Schritten angegangen werden und so sollte es auch klappen!

Auch wenn Frauen flexibel und lernfähig sind, wie flexibel sind denn die Firmen. Welche Erfahrungen machen Sie da?

In letzter Zeit machen wir die Erfahrung das die Firmen aufgrund des Fachkräftemangels ein Stück weit gezwungen sind, flexibler zu sein. Diese ganzen Themen: Home-Office, flexible Arbeitszeiten, Job-Sharing, Führungsposition mit zwei Kräften..., all diese Dinge erfahren im Moment mehr Offenheit in den Unternehmen. Einfach, weil gutes und qualifiziertes Personal nicht mehr so einfach zu finden ist. Die Frauen, die zuhause sitzen, werden auch 'Stille Reserve' genannt und stellen ein wichtiges Potenzial für den Arbeitsmarkt dar. Insofern kann ich Frauen immer nur ermutigen, nicht sofort zu verzweifeln oder keine Chancen zu sehen, wenn Stellen nur in Vollzeit ausgeschrieben werden, sondern einfach nachfragen und sich nach Möglichkeiten erkundigen und das eigene Potenzial einzubringen, aber auch ganz klar die Grenzen zu setzen: Was kann ich leisten?

Durch die Digitalisierung ändert sich viel im Berufsleben, selbst in wenigen Monaten. Wie machen Sie Frauen Mut sich nicht zu alt und zu wenig qualifiziert zu fühlen?

Einerseits muss man sehen das auch Menschen, die schon im Berufsleben stehen und berufstätig sind, sich auch weiter qualifizieren müssen. Diese befinden sich also in der gleichen Situation. Und andererseits bringt die Digitalisierung auch Chancen für die Frauen mit sich. Zum einen, weil sie flexible Arbeitszeiten ermöglicht- beispielsweise Home-Office oder ortsungebundenes Arbeiten über Projektgruppen, über Ortsgrenzen hinweg. Das alles sind sicherlich Chancen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern und zum anderen sind im Zeitalter der Digitalisierung viele Fähigkeiten von Frauen gefragt. Beispielsweise die kommunikativen Fähigkeiten oder ein Team virtuell zusammenzuhalten. Das alles sind Dinge, die Qualifikationen erfordern, welche in erster Linie Frauen zugesprochen werden. Insofern sehe ich in der Digitalisierung durchaus auch eine Chance, gerade beim Wiedereinstieg in den Beruf.

Sie haben selbst eine 64-jährige Frau eingestellt. Auch um ein Zeichen zu setzen?

Sicherlich auch um ein Zeichen zu setzen, aber der wichtigste Punkt war, dass sie die besten Qualifikationen hatte. Daher war es von uns unerheblich, ob eine Frau 20, 40 oder 64 Jahre alt ist. Sie hat eine gute Qualifikation und war hochmotiviert. Sie wollte unbedingt arbeiten und hat gesehen, dass ihr Zug noch lange nicht abgefahren war. Sie will ihre Fähigkeiten noch einmal einbringen und hat Lust auf den Job. Das alles ist für mich als Arbeitsgeber entscheidend, wenn ich merke, es sitzt jemand vor mir der Lust hat und der gerne wieder in den Beruf einsteigen möchte. Das ist das was für uns zählt!


Berufswege für Frauen e.V.

Yvonne Skowronek
Neugasse 26
65183 Wiesbaden
Telefon: 0611-590-299
Fax: 0611-59-222

E-Mail: info@berufswege-fuer-frauen.de
Website: berufswege-fuer-frauen.de


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