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Kühe auf einer Weide

SENDETERMIN Do, 22.10.2015 | 12:15 Uhr | Das Erste

Gutes Fleisch Weideschlachtung auf der Alb

Im ersten Teil unserer Reihe "Gutes Fleisch" widmen wir uns einer außergewöhnlichen Rinderherde in Balingen, in Baden-Württemberg. Rund 300 Tiere leben hier ganzjährig auf der Weide. Ihnen werden die letzten Strapazen des Schlachthofes erspart. Dafür kämpfen Annette Maier und ihr Vater Ernst Hermann schon seit Jahren. Zum Glück mit Erfolg!

Vielen Konsumenten fehlt heute der Zusammenhang zwischen dem Stück Fleisch an der Fleischtheke und dem dahinter stehenden Tier.

Die meisten Rinder werden in Deutschland per Bolzenschuss betäubt. Anschließend werden den Tieren die Kehlen durchtrennt. Aufgrund der Masse der zu schlachtenden Tiere, der Arbeit im Akkord und Fehlern bei der Betäubung, erleben Schätzungen zufolge ca. 4 - 9% der Tiere ihre Schlachtung bei vollem Bewusstsein. Tierschützer fordern hier schon seit langem eine Änderung der Schlachtpraxis, um den Tieren diesen unnötigen Stress und die Qualen zu ersparen.

Wurden früher möglichst alle Teile eines Tieres verzehrt, so werden heute in der Regel nur noch ein bis zwei Drittel je nach Tierart verarbeitet. Der Rest wird weggeworfen.

Ein weiteres Problem: viele Rinder sehen in ihrem Leben kein einziges Mal eine grüne Weide. Hinzu kommt, dass in der intensiven Rindermast Kälber oft kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden, die Tiere also nicht gemeinsam aufwachsen.

Annette Maier und ihr Vater Ernst Hermann stehen mit ihrer Rinderherde in Balingen dem Trend der Massentierhaltung entgegen. Ihre Tiere leben das ganze Jahr über auf der Weide und werden auch nicht nach Alter und Geschlecht getrennt. Es ist nicht die "Leistung" der Tiere, die zählt.

Besonders wichtig ist den beiden, dass die Tiere nicht nur ein gutes Leben führen, sondern dass auch die Schlachtung möglichst schmerzarm und stressfrei abläuft. Keine Trennung von der Herde, keine langen Transportwege, keine Fixierung zur Betäubung - alle Stressfaktoren, die den Tieren beim industriellen Schlachten zusetzen, werden vermieden.

Um das zu gewährleisten, werden die zur Schlachtung vorgesehenen Tiere direkt auf der Weide mit einem Schuss betäubt. Die anderen Tiere der Herde bemerken davon kaum etwas. Anschließend wird das betäubte Tier mittels einer Seilwinde direkt in eine dafür entwickelte Schlachtbox gezogen. Hier wird ihm die Kehle aufgeschnitten, so dass es, entsprechend den gesetzlichen Vorschriften, ausbluten kann.

Das Schlachten auf der Weide ist allerdings nicht jedem Landwirt erlaubt. Dafür gibt es eine Vielzahl bürokratischer Hürden zu überwinden. Eine Bedingung ist beispielsweise, dass die Tiere ganzjährig draußen sein müssen. Auch Ernst Hermann musste lange für seine Genehmigung kämpfen.

Seit 1999 tragen die Rinder von Ernst Hermann und Annette Maier keine Ohrmarken. Wegen der starken Schmerzen beim Einstanzen und dem Wundinfektionsrisiko werden stattdessen Mikrochips zur Identifikation benutzt. Diese sind nur reiskorngroß und können schmerzfrei implantiert werden. Den Landwirten wurden daraufhin mehrfach die EU-Agrarsubventionen stark gekürzt.