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SENDETERMIN Mo, 3.6.2019 | 12:15 Uhr | Das Erste

Zollbestimmungen Urlaubsmitbringsel - das ist erlaubt

Ein kleines Souvenir aus dem Urlaub mitzubringen ist für viele Reisende ein Muss. Damit eine böse Überraschung am Zoll ausbleibt, sollte man sich jedoch vorab darüber informieren, was man überhaupt mit nach Hause nehmen darf.

Innerhalb der EU können Reisende alle Waren für den persönlichen Bedarf zollfrei hin- und hertransportieren - zum Beispiel einen ganzen Kofferraum voll mit französischen Delikatessen.

Aufpassen muss man nur bei Genussmitteln wie Tabakwaren, Alkohol und Kaffee. Hier gelten Grenzen von beispielsweise 800 Zigaretten, 110 l Bier oder 10 kg Kaffee. Wein darf man für private Zwecke in unbegrenzter Menge mitbringen.

Was darf nicht ins Reisegepäck?

Wer dagegen aus einem Nicht-EU-Land einreist, muss zunächst die generellen Einfuhrverbote beachten. Neben relativ offensichtlichen Gegenständen wie Waffen dürfen auch Kulturgüter und artengeschützte Tiere oder Pflanzen nicht mit ins Reisegepäck. Bei Muscheln, Schneckengehäusen, Steinen oder Tonscherben sollte man also unbedingt prüfen, ob sie geschützt sind. Im Zweifelsfall lässt man sie am besten gleich dort liegen, wo sie hingehören. Außerdem sind einige Lebensmittel verboten, beispielsweise Kartoffeln oder tierische Produkte wie Fleisch, Milch, Käse und Eier. Arzneimittel sind nur in der Menge erlaubt, die dem persönlichen Bedarf des Reisenden entspricht.

Darf ich gefälschte Produkte in meinem Reisegepäck nach Deutschland mitbringen?

Allein der Kauf oder der Besitz gefälschter Artikel ist in Deutschland nicht verboten. Wenn man also eine nachgemachte Sonnenbrille auf der Nase hat oder ein Markenjeans-Duplikat trägt, wird nichts passieren. Dagegen ist der Handel mit gefälschten Artikeln unter Strafe gestellt. Bei mehreren T-Shirts in verschiedenen Größen im Koffer werden die Zollbeamten daher aufmerksam.

Bei Waren, deren Einfuhr grundsätzlich erlaubt ist, stellt sich die Frage, ob man Zoll und Steuern darauf zahlen muss. Das ist nicht der Fall, wenn Reisende unter den sogenannten Reisefreigrenzen bleiben.

Wichtigste Reisefreigrenzen:

Um die Reisefreimengen ausnutzen zu können, müssen die Waren einerseits "mit sich geführt" werden. Das heißt, voraus- oder nachgesandtes Reisegepäck, Frachtsendungen oder Postverkehr kann nicht davon profitieren. Andererseits müssen die Waren für den persönlichen Gebrauch bestimmt sein. Ein entgeltliches Mitbringen für andere ist nicht erlaubt.

Was muss ich bei einer Durchreise durch die Schweiz beachten?

Da die Schweiz nicht zur EU gehört, muss man Waren – auch wenn man mit ihnen nur durchreisen will – anmelden. Dabei muss man wiederum auf Einfuhrverbote aufpassen. Wer außerdem Waren im Wert von über 5000 Schweizerfranken oder Alkohol, Tabak oder Lebensmittel dabei hat, muss eine Kaution hinterlegen, die er dann bei der Ausreise wieder zurück erhält.

Welche Strafen drohen mir bei einem Verstoß gegen Zollvorschriften?

Zurück nach Deutschland: Wenn man mehr Waren einführt, als die Reisefreigrenzen erlauben, muss man dafür Zoll zahlen. Wer dies nicht tut, begeht eine Steuerordnungswidrigkeit. Dafür gibt es ein Bußgeld, das davon abhängt, wieviel die eingeführten Waren wert sind. Wenn man die Behörden sogar vorsätzlich täuscht, begeht man eine Steuerhinterziehung, also eine Straftat. Dann droht eine Geldstrafe. Theoretisch kann man auch ins Gefängnis kommen, aber das geschieht nur im Ausnahmefall. Rausreden kann man sich übrigens schlecht: Die Behörden am Flughafen zum Beispiel gehen davon aus, dass jeder vernünftige Mensch weiß, was der rote und der grüne Ausgang bei der Ankunft bedeutet.

Tipp: Die Smartphone-App "Zoll und Reise"

Wer sich im Urlaub unsicher ist, ob er einen bestimmten Gegenstand mitnehmen darf, kann die Smartphone-App "Zoll und Reise" um Rat fragen. Dort findet man eine Liste mit allen Einfuhrverboten und Reisefreimengen. In jedem Fall sollte man nicht auf gut Glück den grünen Ausgang nehmen und ein Bußgeld oder sogar ein Strafverfahren riskieren.


Im Studio: Dr. Frank Bräutigam, ARD-Rechtsexperte