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SENDETERMIN Fr, 4.12.2015 | 12:15 Uhr | Das Erste

UN-Klimagipfel Paris 2015 Eine lange Geschichte der Absichtserklärungen

Stolze 43 Jahre wird nun schon über das Weltklima beraten. Immer wieder, in immer hochkarätiger besetzen Konferenzen. Warum sie bis heute nur wenig Konkretes beschlossen haben...

UN-Klimakonferenz  in Warschau

Die Zeit läuft: Immer mehr Umweltkatastrophen weltweit zeigen, dass es eigentlich höchste Zeit ist, etwas gegen die Klimaerwärmung und ähnliches zu unternehmen

Eine Gipfel-Chronologie von Werner Eckert, SWR Umweltredaktion

Start für den Weltklimagipfel war vor 43 Jahren: 1972 beschäftigt sich die Welt zum ersten Mal organisiert mit dem Thema "Umwelt" bei einer UN-Konferenz in Stockholm. Die Botschaft lautet zunächst: "Houston, wir haben ein Problem!" Und dabei blieb es - vorerst einmal.

Gruppenbild der 106 Staats- und Regierungschefs

1992 – Der Erdgipfel in Rio de Janeiro ist das Mutterschiff aller Klimakonferenzen.

Erst 1992 in Rio wurde es (ein bisschen) konkreter

Konkreter wurde es nämlich erst 20 Jahre später 1992:Der Erdgipfel in Rio de Janeiro ist so etwas wie "das Mutterschiff aller Klimakonferenzen". Dort wird festgehalten: "Wir haben den ganz großen Ofen angeworfen und jetzt glüht die Stube". In der Klimarahmenkonvention steht: Wir wollen gefährliche Wirkungen verhindern. Klaus Töpfer war als Bundesumweltminister damals dabei: "Rio war ein großes Gefühl des Aufbruchs, der Erleichterung, der Euphorie, die ja auch, was Papiere betrifft, sehr weitreichende und sehr gute Signale gesetzt hat, aber leider dann in der Umsetzung erheblich hinter dem zurückgeblieben ist."

Die Industriestaaten sollen, so steht in der Konvention, ihren Ausstoß an Treibhausgasen auf das Niveau von 1990 festschreiben. Das tun sie aber nicht.

Klima-Aktivisten demonstrieren in der Nacht zum 19.12.2009 am Rande der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen

Klima-Aktivisten demonstrieren seit Jahren für mehr konkrete Maßnahmen, etwa am Rande der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009

Auch Deutschland hat schon viel versprochen (und weniger gehalten)

1995 startet auf dieser Basis die erste UN-Klimakonferenz in Berlin. Kanzler damals ist Helmut Kohl, und er überrascht die Welt mit der starken Ansage, dass Deutschland 2005 ein Viertel weniger CO2 ausstoßen wird als 1990. Das ging später sang- und klanglos unter und wurde auch weit verfehlt. Angela Merke, damals Bundesumweltministerin, gab die Divise für die nächsten Jahre aus: "Die Rio-Konvention war nur ein erster Schritt und wenn das Problem natürlich nach wie vor und viel dramatischer noch auf der Tagesordnung ist, dann muss ein zweiter Schritt folgen."

Das "Kyoto-Protokoll" regelt erstmals verbindlich den CO2-Ausstoß

Rio alleine reicht jedenfalls nicht. 1997 bei der Klimakonferenz im japanischen Kyoto kriegt die Rahmenkonvention deshalb Nachwuchs: das Kyoto-Protokoll. Raul Estrada hämmerte es am Ende einfach durch. Es regelt, diesmal verbindlich, dass die Industriestaaten gemeinsam den Ausstoß an Treibhausgasen zurückfahren müssen – mit genauen Vorgaben für jeden Einzelnen. Gut 5 Prozent im Schnitt bis 2012 gegenüber 1990.

Teilnehmer applaudiert in Doha, Katar, auf der 18. UN-Klimakonferenz bei der Verkündung zur Verlängerung des Kyoto-Protokoll-Abkommens

Ein erster (magerer) Erfolg fürs Weltklima? Auf der Konferenz 2012 in Doha wurde auf Druck von Gastgeber Katar immerhin das Kyoto-Protokoll ("Kyoto II") bis 2020 zu verlängern.

Doch immer wieder stehen Wirtschafts- versus Umweltinteressen

Im Jahr 2000 reichen in Den Haag die zwei Wochen einer Klimakonferenz gar nicht für ein Ergebnis. Der niederländische Umweltminister und Konferenzpräsident Jan Pronk gesteht am Ende das Scheitern: "Wir müssen heute sagen, dass wir keine Vereinbarung erzielt haben. Ich muss sagen, ich bin persönlich sehr enttäuscht." Und die USA steigen aus dem ganzen Protokoll-Prozess einfach aus. Der neu gewählte Präsident George W. Bush: "Ich werde doch nichts akzeptieren, was unsere Wirtschaft schädigt und den amerikanischen Arbeitern wehtut."

Ein halbes Jahr später in Bonn gibt’s die Verlängerung. Und am Ende wird – auch ohne die USA – das Kyoto-Protokoll wiederbelebt. 2005 tritt es dann tatsächlich in Kraft. 2007 bei der COP 13 in Bali ist längst klar, dass Kyoto nicht reichen wird. Dass ALLE Staaten, auch die Schwellenländer, viel mehr tun müssen, um die Klimaerwärmung zu stoppen. In der Bali-Road-Map wird der Weg zu einem neuen Abkommen skizziert. Es soll bis zur COP 15 fertig sein.

COP und CMP

Englisch abgekürzt werden die Klimakonferenzen mit COP und/oder CMP. Und zwar, je nach Zählweise, als Konferenz der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (dann COP für Conference of the Parties). Und zugleich als Treffen im Rahmen des Kyoto-Protokolls (dann CMP). Unter der Abkürzung CMP werden im UN-Jargon jene Staaten zusammengefasst, die das Kyoto-Protokoll von 1997 nicht nur unterschrieben, sondern auch ratifiziert, also in nationales Recht umgesetzt, haben. Paris ist das 21.Treffen der COP-Staaten, also COP21.

I believe that we can act boldly, and decisively, in the face of this common threat. And that is why I have come here today.

Hohe Erwartungen vorne weg. Beim Klimagipfel von Kopenhagen 2009. Doch auch Hoffnungsträger, US-Präsident Barack Obama, scheute neue konkrete Zusagen fürs Weltklima

Mehr Teilnehmer - höhere Erwartungen in Kopenhagen 2009

2009 in Kopenhagen findet die bis dahin 15. offizielle Weltklimakonferenz statt. Es ist die bislang größte mit rund 33.000 Teilnehmern. Und mit ungeheuren Erwartungen: Die ultimative Lösung des Problems soll es (nun endlich) geben. Doch die Rettung der Welt scheitert einmal mehr, auch wenn der gerade gewählte US-Präsident Barack Obama stammelnd versucht etwas anderes zu sagen. Die Staaten beschließen schlicht nichts. Sie nehmen nur ein mageres Ergebnis „zur Kenntnis“.

cancun klimagipfel 2010

Proteste, etwa von Greenpeace, auch wieder beim Weltklimagipfel 2010 im mexikanischen Cancun - bei dem die Teilnehmer sprichwörtlich "baden" gingen

2010 Cancun, 2011 Durban, 2012 Doha, 2015 Paris ...

2010 in Cancun werden dann die Scherben dieses Desasters weggeräumt, die Wunden geleckt. Immerhin: erstmals wird die Zwei-Grad-Grenze rechtsverbindlich als Maßstab für den Internationalen Klimaschutz anerkannt. Nur so viel Temperaturerhöhung wollen die UN-Staaten gegenüber der vorindustriellen Zeit zulassen. 2011 in Durban startet der nächste Anlauf zu einem globalen Abkommen: bis 2015 soll er zu einem Ergebnis führen.

Einmal mehr: Jetzt zählt´s!

Nun also 2015 in Paris der nächste Versuch: "Wir wollen in deutsch-französischer Partnerschaft alles tun, dass wir diese Pariser Konferenz zu einem Erfolg machen", sagt Bundeskanzlerin Merkel schon Monate vorher. Die Staaten haben diesmal vorab und ohne Druck mitgeteilt, was sie in Sachen Klimaschutz und Anpassung freiwillig zu tun gedenken. Das will man einfach zusammenpacken und in irgendeiner Form verbindlich machen.

Ein Selbstläufer wird das aber auch nicht. Eigentlich wollte Frankreichs Staatschef Hollande alles unter Dach und Fach haben: "Das beste Abkommen von Paris wird das sein, das schon vor Paris beschlossen ist", sagte er im Sommer. Doch die Gesamtheit der 195 Staaten lässt nicht zu, dass in kleinen Cliquen im Vorfeld ein Deal gemacht wird. Wie immer wird es auch in Paris bis zur letzten Minute spannend bleiben.

Kunstinstallation des amerikanischen Künstlers Shepard Fairey anlässlich der Klimakonferenz in Paris am Eiffelturm

In Paris hat die Weltklima-Konferenz begonnen. Vertreter von fast 200 Staaten beraten über einen neuen Weltklimavertrag, der die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzen soll.


Online: Lutz Heyser & Utku Pazarkaya

aus der Sendung vom

Fr, 4.12.2015 | 12:15 Uhr

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