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SENDETERMIN Do, 8.10.2020 | 12:16 Uhr | Das Erste

Umweltkiller? So schädlich ist Palmöl wirklich

Schokolade, Brotaufstriche, Babynahrung und Fertiggerichte – Palmöl findet sich ins fast jedem zweiten Produkt im Supermarkt. Aber nicht nur in Lebensmitteln, sondern auch in Kosmetik-Produkten, Futtermitteln und im Bio-Diesel steckt der Rohstoff. Warum ist das so? Und ist Palmöl wirklich so schlecht wie sein Ruf?

Palmöl ist der Lieblingsschurke der umweltbewussten Kundschaft. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn ganz grundsätzlich schafft die Ölpalme viel Ertrag pro Fläche. Ihr Öl ist damit zumindest im Vergleich zum Kokosöl die bessere Wahl. Und dort, wo Ölpalmen in Entwicklungsländern Kleinbauern ein einträgliches Einkommen liefern, wäre Palmöl eine gute Sache.

Wie gut sind Palmöl-Siegel?

Eine Palmölplantage in Indonesien

Eine Palmölplantage in Indonesien

Hauptproblem beim Palmöl ist die Vernichtung von Regenwäldern für neue Anbauflächen. Die zwei Siegel RSPO und POIG stehen für nachhaltiges Palmöl. Umweltorganisationen kritisieren allerdings, dass die Regeln nicht weit genug gehen und der Klimaschutz nicht ausreichend berücksichtig wird. Trotzdem ist eine Kennzeichnung zumindest ein Schritt in die richtige Richtung ist. Eine bessere Alternative ist hier das Bio-Palmöl aus kleinbäuerlicher Erzeugung.

Gibt es Alternativen zum Palmöl?

Definitiv! Eine gute Alternative ist zum Beispiel heimisches Rapsöl. Sonnenblumenöl ist weniger ertragreich als die Ölpalme, dafür aber garantiert nicht schuld an der Rodung des Regenwaldes.

In welchen Lebensmitteln steckt Palmöl?

Besonders häufig wird Palmöl in Fertiggerichten und anderen verarbeiteten Produkten eingesetzt, weil es eine sehr billige Zutat ist und in der maschinellen Verarbeitung gut funktioniert. Wirklich notwendig ist es allerdings nicht. Eine selbstgemachte Nuss-Nougat-Creme wird auch mit Rapsöl zart schmelzend. Und einige Hersteller werben mit Palmöl-freien Produkten.

Auf Palmöl verzichten – so geht’s

Palmöl taucht in der Zutatenliste teilweise auch unter kryptischen Bezeichnungen auf, wie zum Beispiel „Elaeis Guineensis“. Oft vollständig oder teilweise aus Palmöl sind Inhaltsstoffe mit folgenden Silben und Wortlauten: capr-, vet-, cetear-, cetyl-, coc-, glycer-, laur-, linol-, myrist-, ole-, stear-.
Beim Erkennen von Palmöl in der Zutatenliste können auch verschiedene Apps helfen, wie zum Beispiel CodeCheck.

Und Achtung: Palmöl findet sich nicht nur in Lebensmitteln. Ein Großteil wird auch in der Industrieproduktion in Kosmetika und Futtermittel verwendet. Außerdem steckt Palmöl auch im Bio-Diesel.

Rezept: Selbst gemachte Schokocreme

  • 300g Haselnüsse, geschält und geröstet, fein pürieren bis das Öl austritt
  • 100g Puderzucker, 4 EL Kakao und 4 EL Sonnenblumenöl untermischen und nochmal fein pürieren
  • 200g Vollmilchschokolade im Wasserbad schmelzen und unterheben

Hält im Kühlschrank mehrere Wochen.

Buchtipps

Der Konsum Kompass

Katarina Schickling
Mosaik-Verlag, 2020
Hardcover für 20€

“Gut und nachhaltig leben muss nicht kompliziert sein” - sagt Katarina Schickling. Mit ihrem neusten Buch liefert sie einen praktischen Leitfaden, der Orientierung im Konsumdschungel gibt. Wie viel “Öko” steckt in Bio-Äpfeln aus Neuseeland? Welche Kaffeepads kann man guten Gewissens kaufen? Sind waschbare Windeln nachhaltiger als Öko-Wegwerfwindeln? Ob Wohnen, Körperlege, Kleidung, Essen oder Verkehr – Katarina Schickling schreibt klar, fundiert und nachvollziehbar. Ein Buch für alle, die im Alltag unkompliziert und ohne schlechtes Gewissen konsumieren möchten.

Der Palmöl Kompass

Frauke Fischer, Frank Nierula
Ökom-Verlag, 2019
Taschenbuch für 20€

Damit unsere Wirtschaft wie geschmiert läuft, brauchen wir Fette und Öle. Ihren Liebling hat die Industrie längst gefunden: Palmöl ist seit Jahren das meistgehandelte Pflanzenöl auf dem Weltmarkt. Es ist in großen Mengen verfügbar, haltbar und billig in der Herstellung.
Aber seine Produktion hat dramatische Auswirkungen: Die Vernichtung tropischer Regenwälder zugunsten riesiger Ölpalmplantagen, denn die Nachfrage steigt ständig. Doch was sind die Alternativen? Und wie schädlich sind diese für Mensch und Natur? Das Buch sammelt Wissen über Palmöl und gibt Tipps für alle, die den Konsum einschränken wollen.

Projekt Green Zero

Dirk Gratzel
Ludwig Verlag 2020
Broschiert für 18€

Ist es möglich, den eigenen ökologischen Fußabdruck auf ein Minimum zu reduzieren und sogar die bisher angehäuften Klimaschulden wieder auszugleichen? Autor Dirk Gratzel macht den Selbstversuch. Umweltwissenschaftler der TU Berlin haben für ihn die Ökobilanz seines bisherigen Lebens errechnet. Das Ergebnis: Er muss seine gesamte Lebensweise auf den Kopf stellen, um seinen Ressourcenverbrauch und die Belastung der Ökosysteme zu reduzieren: Duschen? Nur noch 45 Sekunden. Neue Kleidung? Fehlanzeige. Fliegen? Nie wieder. Doch dabei bleibt es nicht: Gratzel möchte alle bisher verursachten Schäden wiedergutmachen und die »Grüne Null« erreichen. Und dafür ergreift er teils erstaunliche Maßnahmen.

aus der Sendung vom

Do, 8.10.2020 | 12:16 Uhr

Das Erste

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