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SENDETERMIN Di, 11.12.2018 | 12:15 Uhr | Das Erste

Stiftung Warentest Küchenmaschinen im Test

Zwölf Geräte traten zum Küchenmaschinen-Test der Stiftung Warentest an: Acht klassische Küchenmaschinen mit Schwenkarm und vier Geräte, die von unten angetrieben werden, Food Processor genannt. Die Maschinen von KitchenAid, Bosch, Kenwood & Co mussten Sahne schlagen, Teig kneten, Gemüse hacken oder Käse reiben. Keine kann überall überzeugen.

Worin unterscheiden sich Foodprozessoren und klassische Küchenmaschinen?

Foodprozessoren und Küchenmaschinen mit Schwenkarm unterscheiden sich im Antrieb. Beim meist kompakteren Foodprozessor kommt die Kraft von unten. Bei Küchenmaschinen dagegen bearbeitet ein starker Arm von oben Teige oder Pürees. Küchenmaschinen haben zusätzlich ein oder zwei Anschlüsse, an die sich Zubehör anbringen lässt.

Foodprozessoren sind eher zum Schneiden, Raspeln, Reiben gedacht. Küchenmaschinen mit Schwenkarm eignen sich vor allem zum Backen, Rühren und Aufschlagen. Ein Grund ist das spezielle Planetenrührsystem: es schlägt besonders viel Volumen in Eiweiß, Sahne und Butter. Hier schwächeln alle Foodprozessoren im Test.

Beide Systeme sind aber vielseitig. Mit einem Foodprozessor lässt sich auch ein kleiner Gugelhupfteig zubereiten, Schwenkarmmaschinen können – mit Zubehör – auch raspeln oder hacken. Einzige Einschränkung: Foodprozessoren haben meist kleinere Schüsseln. Sie eignen sich daher in erster Linie für kleinere Mengen.

Wie und was haben Sie getestet?

Getestet wurden Funktion, Vielseitigkeit, Handhabung, Geräusch, Haltbarkeit und Sicherheit. Die Funktionsprüfungen haben den größten Anteil an der Bewertung. Sie sind quasi der Praxistest.

Wie schlägt das Gerät Sahne? Reibt Käse? Mahlt Mandeln? Wie rührt Rührteig oder Hefeteig?

Bei der Vielseitigkeit wird geprüft, wie viele der elf Funktionen das Gerät bewältigen kann. In der Handhabungsprüfung testen zwei Experten und drei Hobbyköche, wie gut sich die Maschine bedienen lässt. Wie gut lässt sich z.B. der Rührbesen anbringen? Der Deckel? Wie viel Platz braucht die Maschine? Wie gut ist sie zu reinigen? Das Geräusch wird im Akustik-Labor gemessen und subjektiv bewertet.

Die Haltbarkeit überprüft die Stiftung Warentest in Dauertests. In diesem Fall mussten alle Maschinen 500 Zyklen überstehen. So wird jahrelanger Gebrauch simuliert. Die Sicherheit überprüfen die Experten im Labor. Wie steht es um die elektrische Sicherheit? Und die mechanische? Besteht zum Beispiel Klemmgefahr?

Welche Probleme gab es mit der Sicherheit?

Die meisten Küchenmaschinen im Test bieten Mixaufsätze, sogenannte Mixtulpen, an. Bei allen Mixtulpen lässt sich der Deckel während des Betriebs öffnen. Das scharfe, rotierende Messer schaltet nicht ab. Das „funktioniert“ auch beim Einschalten. Kinder, aber auch Erwachsene können sich schwer verletzen, wenn sie z.B. beim Zubereiten von Milkshakes in den Behälter greifen oder in die leere Mixtulpe fassen und dann anschalten.
Die Anbieter könnten das mit wenig Aufwand beheben. Ein kleines Bauteil mit elektrischem Kontakt könnte regeln, dass das Messer nur bei geschlossenem Messer läuft. Eine EU-weit gültige Norm verbietet zwar offen arbeitende Mixtulpen nicht. Deutschland hat aber Einspruch dagegen eingelegt. Nun muss die EU-Kommission entscheiden. Wir haben Geräte mit einer offen betreibbaren Mixtulpe abgewertet.

Erleichtern die Geräte die Arbeit in der Küche oder sind sie nur teurer Schnickschnack?

Letzten Endes muss das jeder für sich selbst entscheiden. Puristen schwören zum Beispiel darauf, Sahne immer mit der Hand aufzuschlagen, da sie so noch luftiger werden soll. Bei Rotkohl für die Adventsfeier oder Pizza für die Party wird das schon schwieriger. Für größere Mengen und häufigen Gebrauch lohnen sich Küchenmaschinen auf jeden Fall. Aber auch hier kommt es auf den Anspruch an. Viele Aufgaben lassen sich auch gut mit vorhandenen Maschinen bewältigen, z.B. mit Handrührer oder Blitzhacker. Kleinere Mengen Käse sind mit der Hand ebenso schnell gerieben. Zudem ist nur eine Reibe zu säubern – nicht Deckel, Einfüllschacht, Reibscheibe, Stopfer, Schüssel. Hobbyköche mit Ambitionen wissen aber die vielfältigen Möglichkeiten der Sets zu schätzen. Außerdem sind viele Maschinen erweiterbar, wenn die Kochkenntnis steigt, etwa um Pasta-Aufsätze.

Was, wenn man nur eine will?

Wichtigste Erkenntnis unseres Tests: Keine kann alles. Erste Frage sollte daher sein, für was die Maschine vorwiegend verwendet wird. Wer gerne viel und häufig backt, sollte zur Küchenmaschine mit Schwenkarm greifen. Von den acht Maschinen im Test sind fünf befriedigend. Hier muss jeder selbst entscheiden, was ihm oder ihr wichtig ist. Design? Großes Volumen? Viel Zubehör? Geringer Preis? Preis-Leistungs-Sieger ist die Bosch Mum5, ein Küchenklassiker mit Tradition.

Wer hauptsächlich Gemüse fürs Mittagessen der Großfamilie schnippeln möchte, ist besser mit einem Foodprozessor beraten. Sie beiden sichersten ohne Mixtulpe sind zugleich die teuersten. Die beiden günstigeren Prozessoren sind etwas unsicherer, kosten dafür aber nur rund ein Drittel der Siegermodelle.

Für was nehme ich die großen Küchenmaschinen und wann den Foodprozessor?

Die großen Küchenmaschinen mit Schwenkarm können vor allem Sahneschlagen, Teig kneten und Kuchen rühren. Patissiers, Hobbybäcker und Kuchenfans sollten also zu einem dieser Modelle greifen. Immer, wenn man Volumen in Sahne, Butter oder Eiweiß schlagen will, sollte man auf jeden Fall zur Schwenkarmmaschine greifen. Also bei Sahne für Desserts, Eiweiß für Mousses, Cremes für Torten oder für Kuchen, etwa um Butter weiß zu schlagen. Bei größeren Mengen Teig ist auch fast immer die Schwenkarmmaschine Mittel der Wahl. Also bei Pizzateig für die Party, beim Brotbacken oder für Obstkuchen.

Große Mengen Rohkost, Gemüse und Salate sind besser beim Foodprozessor aufgehoben. Karottensalat, Lauchquiche, Antipasti, Gurkensalat, Rotkohl, Krautsalat, Gemüse fürs Mittagessen: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

100 Euro für eine Küchenmaschine bei Lidl – kann das was sein – was war daran schlecht?

Die Lidl Silvercrest hat im Dauertest versagt. Sie machte schon beim Rühren von Hefeteig schlapp. Ohne den Dauertest wäre sie wahrscheinlich sogar unter den Besten. Sie sieht der Kitchen Aid sehr ähnlich, hat aber nichts von deren Robustheit. Sie fiept und riecht bei Beanspruchung. Außerdem ist sie sehr laut. Mit 89 Dezibel ist sie die lauteste im Test. Sie ist damit ähnlich laut wie eine Bohrmaschine. Außerdem hat sie nur das Nötigste an Zubehör.

Im Gegensatz dazu die Küchenmaschine von Bosch als Testsieger?

Küchenmaschine Bosch MUM4880

Küchenmaschine Bosch MUM4880

Die Bosch Mum5 ist mit rund 200 Euro Preis-Leistungssieger und beste Schwenkarmmaschine. Der kompakte, preiswerte Allrounder ist mit 4,5 kg eine der leichtesten im Test und gut zu verstauen. Die Schüssel ist mit 3,9 l aber eher klein.

Sie schneidet in der Funktionsprüfung unter allen 12 Maschinen am besten ab und ist vielseitig durch viel Zubehör. Sie ist komplett aus Plastik. Das muss man mögen. Sie ist aber eine der leisesten Maschinen im Test.

Unverständlich ist die Haltung von Bosch in Punkto Sicherheit: Die Bosch Mum5 hatte bereits einen Kontakt eingebaut, mit dem die Mixtulpe anhält, wenn der Deckel entfernt wird. Diese Deckelverriegelung wurde jedoch Anfang 2017 entfernt. Bosch schreibt auf Anfrage, man habe „vielfachem Kundenfeedback“ Rechnung getragen.

Soll ich auf Zubehör achten ­ das ist ja meist sehr kostspielig wenn ich es nachkaufe – z.B. Fleischwolf?

Nutzer sollten sich auf jeden Fall vorher überlegen, was sie brauchen – und was nicht. Viele Küchenmaschinen werden im Set angeboten: Kenwood hat zum Beispiel das umfangreichste Set, die Maschinen von Lidl und Profi Cook bieten nur das Nötigste.

Alle Foodprozessoren haben Zitruspressen an Bord, die teureren außerdem einen Minihacker. Einige Zusätze sind nur bei Schwenkarmmaschinen möglich, z.B. Pasta-Aufsätze, Fleischwolf und Plätzchensets. Wichtig zu wissen: Zubehör kann SEHR teuer werden. Kunden sollten das in ihre Überlegungen einbeziehen. Der Getreidemühlen-Aufsatz eines Anbieters kostet über 200 Euro, dafür bekommt man auch ein neues Gerät.

Wichtige Fragen zur Kaufentscheidung:

  • Wie oft möchte ich was machen?
    Fürs Backen und für größere Mengen eignen sich eher Schwenkarmmaschinen.
    Gemüse- und Salatfans sollten eher zum Foodprozessor greifen.
  • Wie bewerte ich die Unfallgefahr durch eine unsichere Mixtulpe?
    Die beiden Foodprozessoren ohne Mixtulpe sind Testsieger.
    Wer das Risiko in Kauf nimmt oder die Mixtulpe wegräumt, hat volle Auswahl.
  • Welche Geräte habe ich schon zu Hause?
    Überprüfen Sie, welche Geräte Sie schon zu Hause haben und wofür Sie die Küchenmaschine brauchen. Kleinere Mengen lassen sich auch mit Handmixer oder Stabmixer zubereiten.
  • Was ist Ihnen wichtig?
    Suchen Sie sich in der Tabelle die wichtigen Eigenschaften heraus. Kenwood z.B. bietet das umfangreichste Set, die Bosch Mum5 ist Preis-Leistungssieger, die Bosch Optimum ist Sieger in der Teigzubereitung. Bedenken Sie: Großer Funktionsumfang bedeutet oft auch viel Platzverbrauch.
aus der Sendung vom

Di, 11.12.2018 | 12:15 Uhr

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