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Alexa

SENDETERMIN Di, 3.7.2018 | 18:45 Uhr | SWR Fernsehen RP

Smarte Technik in den eigenen vier Wänden Wie Sprachassistenten unseren Alltag begleiten

Sie heißen "Siri", "Alexa", "google home" und "Apple Home Pod". Sie gehorchen aufs Wort, bestellen Pizza, spielen Lieblingssongs oder sagen, wie das Wetter wird. Immer mehr dieser sprachgesteuerten Assistenten stehen in den rheinland-pfälzischen Wohnzimmern.

Das klingt äußerst bequem: Mir fällt etwas ein, ich spreche es laut aus und schon wird es erledigt - ein Musikwunsch zum Beispiel, oder auch ein Einkauf oder die Antwort auf eine Frage, die mir gerade durch den Kopf schießt. Kaum gefragt - und schon beantwortet!

Was ist ein Sprachassistent?

Sprachassistenten stehen für sprachgestützte Software-Lösungen, die im Internet Informationen suchen und diese auf Nachfrage dem Nutzer mitteilen.

  • Die Software kann in Laptops installiert sein, wie "Cortana" von Microsoft.
  • "Siri" von Apple steht uns im Smartphone zur Verfügung – und seit Mitte Juni auch als Lautsprecher für die Wohnung.
  • Ebenfalls als Lautsprecher für die Wohnung sind der "Google Assistant" und "Alexa" von Amazon verfügbar.

Sprachassistenten heißen so, weil ihre Softwares auf unsere Stimme reagieren und sie in einer natürlich klingenden Sprache antworten.

SWR Computer-Experte Andreas Reinhardt

SWR IT –Experte Andreas Reinhardt: "Sprachassistenten funktionieren so, dass sie eigentlich die ganze Zeit mit dem Mikrofon zuhören, was im Raum gesprochen wird. Dann findet die Spracherkennung statt. In dem Moment, in dem das Zauberwort kommt, auf das die Sprachassistenten reagieren, wird das, was ich danach spreche in die Cloud geschickt, wird dort in die Spracherkennung geschickt und kommt als Befehl zurück in den Lautsprecher. Und dann wird es ausgeführt."

Wie kann man Sprachassistenten einsetzen?

Die Installation ist einfach, zur Bedienung muss eine App aufs Handy geladen werden. Dann muss nur noch die Verbindung mit dem Anbieter hergestellt werden - und die App führt durch die einzelnen Schritte.

Sprachassistenten sind für alle Fragen offen: Wetter, Backrezepte und Kinoprogramm. Außerdem können sie im Smart-Home Aufgaben übernehmen.

SWR-Experte Andreas Reinhardt sieht viele Möglichkeiten des Einsatzes: "Sprachassistenten können mein smartes Zuhause steuern, sprich 'Rolladen rauf, Rolladen runter', 'Licht an, Licht aus' oder die Heizung steuern. Sie können sagen, wie lange die Waschmaschine noch läuft. Die sogenannten 'Skills' von Sprachassistenten lassen sich erweitern: Plattformen zu Wetter, Bahn oder auch Wikipedia vergrößern ihre Fähigkeiten."

Worin liegen die Unterschiede?

Den Anbietern geht es um Marktdominanz. Sie bieten die Geräte für jeden Bedarf passend und in unterschiedlichen Größen, Formen und Preiskategorien an.

Die Verteilung der Geräte in den Haushalten erweitert den Kundenstamm, denn mit der Wahl eines Sprachassistenten bindet sich der Nutzer noch stärker an den Anbieter.

  • Google weiß in der Regel, wo sich der Nutzer befindet. Stellt der zum Beispiel die Frage: "Wann geht der nächste Zug nach Baden-Baden?", kann Google die Zugverbindungen vom nächstgelegenen Bahnhof - etwa Mainz - durchgeben.
  • Alexa sollte man genau instruieren: "Alexa, frag die Deutsche Bahn: Wann geht der nächste Zug von Mainz nach Baden-Baden?"
  • Google kann mehr aus dem Kontext heraus erkennen, Alexa lässt sich besser erweitern, was die Steuerung fürs Smart-Home angeht.
  • Apple hat Siri als Lautsprecher rausgebracht, den Apple Home Pod.

Alexa 

... heißt der Sprachassistent, Amazon Echo ist die hauseigene Hardware dazu. 2014 hat Amazon beides erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Der Echo ist dabei ein mit dem Internet verbundener Lautsprecher inklusive mehrerer Mikrofone. Per Sprachbefehl kann er beispielsweise Musik spielen, die Wettervorhersage bekannt geben oder bei Amazon bestellen.

Das System ist über "Skills" (Fähigkeiten) erweiterbar. Drittanbieter können so Alexa weitere Fähigkeiten beibringen.

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Google Assistant

... ist schon länger ein Thema bei Google, und seit 2012 hat es im digitalen Assistenten "Google Now" seine Heimat gefunden. Mit dem Google Assistant soll es nun auf die nächste Stufe und auf Augenhöhe mit der Konkurrenz gebracht werden. Dabei gibt es auch eine Entsprechung zu Amazons Echo, hier Google Home genannt.

Was Amazon "Skills" nennt, heißt hier dann "Actions on Google". Darüber können Entwickler also Drittanbieter-Funktionen für den Assistenten entwickeln. Inzwischen hat Google sein Smart-Speaker-Angebot um den kleinen und günstigen "Home Mini" und den eher wuchtigen "Home Max" erweitert.

Apple Siri

... hat Apple bereits 2011 als Sprachassistenten vorgestellt, damals noch als exklusives Feature des iPhone 4S. Neuester Streich: der smarte Lautsprecher "Home Pod". Mit ihm möchte das Unternehmen wohl an den Erfolg es iPod anknüpfen. Er wird in erster Linie als kompakter, gut klingender Lautsprecher vermarktet, der einen digitalen Musikexperten eingebaut hat – Siri eben. Aber Siri kann auch vieles von dem, was der Assistent sonst kann, also Antworten auf diverse Fragen geben oder das Smart Home steuern. Ähnlich wie bei Alexa können Dritthersteller inzwischen ihre Apps mit Siri verknüpfen. Allerdings ist das derzeit nur sehr eingeschränkt in einigen bestimmten Kategorien von Apps möglich.


Welche Risiken bergen die Assistenten?

Das Ziel der Unternehmen besteht darin, Daten zu sammeln. Der Assistent will per App Zugriff auf umfassende persönliche Daten haben. Man kann bestimmte Informationen ausschließen: Kontakte, Fotos, Geo-Daten. Klar ist, dass die Basis der Sprachassistenten das Sammeln und Auswerten von Daten ist.

Sprachassistenten hören zu und erweitern ihre Fähigkeiten

Computerexperte Andreas Reinhardt: "Amazon weiß ja, wer ich bin, weil ich mich mit meinem Amazon-Konto angemeldet habe. Das heißt, die wissen auch, was ich bestellt habe und wo ich wohne und generieren daraus ein besonders gutes Benutzerprofil. Google weiß auch, wo ich bin, weiß also deutlich mehr von mir."

Die Handhabung der Assistenten scheint einfach, sie hören nur nach Aufforderung mit ihrem jeweiligen Stichwort mit. Wie deutlich das sein muss und wie unverwechselbar dies jeweils ist, lässt sich schwer kontrollieren. Auf Anfrage kann man in seiner App nachlesen, was mitgehört wurde. Eine Kontrolle, ob das Gerät bei ausgeschaltetem Mikrofon tatsächlich nichts mehr von den Gesprächen um sich herum mitbekommt, gibt es nicht.

Stichwort Kommando: Inzwischen haben Sprachwissenschaftler Bedenken angemeldet, der Befehlston, mit dem im Alltag die Assistenten gesteuert werden, könne die Sprache nachhaltig negativ prägen.

Fazit

Sprachassistenten machen das Leben scheinbar leichter. Sie nehmen dem Nutzer das Knopfdrücken und vielleicht den ein oder anderen Weg ab, bringen allerdings kein Mehr an Information. Welche Daten der Anbieter tatsächlich über den Nutzer speichert, ist nicht transparent.