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SENDETERMIN Mo, 15.4.2019 | 12:15 Uhr | Das Erste

Scheidung Diese Irrtümer sollten Sie kennen

Häufig kursieren falsche Vorstellungen darüber, was auf Eheleute bei einer Scheidung zukommt. Wir klären wichtige Fragen zum Thema.

Unterhalt nach der Scheidung

2008 wurde das Unterhaltsrecht reformiert. Es zielt seitdem auf eine starke Eigenständigkeit der ehemaligen Eheleute nach der Scheidung. So soll der Betreuende nur bis zum jeweils dritten Lebensjahr der Kinder Unterhaltsansprüche haben. Hier hat der Bundesgerichtshof jedoch nachjustiert, da das Gesetz den Partner, der die Hauptbetreuungsleistung erbringt, zu stark benachteilige.

So kann die betreuende Person nach aktuellem Stand weit über das dritte Lebensjahr des Kindes betreuungsunterhaltsberechtigt sein, wenn sie zum Beispiel nachweisen kann, dass sie den Kindern nachmittags bei den Hausaufgaben helfen oder sie zum Sportverein bringen muss und deshalb keine Vollzeitstelle annehmen kann (Siehe BGH, Urteil vom 18.04.2012, XIII ZR 65/10).

Zum 01.03.2013 wurde außerdem Paragraf 1578 b BGB neu ausgerichtet. Seitdem spielt die Dauer der Ehe bei der Berechnung des Unterhaltes eine Rolle. Bei einer lange Ehe sollen die Nachteile berücksichtigt werden, die sich möglicherweise daraus ergeben haben, dass ein Partner zugunsten der Kinder auf eine Karriere verzichtet hat.

Unterhalt mit erwachsenen Kindern

So können auch zu einem Zeitpunkt, wo die Kinder schon aus dem Haus sind, noch Unterhaltsansprüche geltend gemacht werden. Wenn dem einen Ehepartner durch die Aufgabenteilung in der Ehe dauerhaft finanzielle Einbußen entstanden sind, muss der andere Ehepartner dies ausgleichen. Allerdings kann der Unterhalt gemäß Paragraf 1578 b Abs. 1 BGB auf den "angemessenen Lebensbedarf" heruntergesetzt werden. Die Grenze bemisst sich nach dem Einkommen, welches der unterhaltsberechtigte Partner ohne Ehe und Kindererziehung mutmaßlich zur Verfügung hätte.

Nach wie vor gilt prinzipiell der Grundsatz, dass die geschiedenen Partner finanziell eigenständig sein sollen. Man sollte sich darauf einstellen, dass man - vor allem als derjenige, der zuhause geblieben ist und nicht gearbeitet hat - nach einer Scheidung einen geringeren Lebensstandard haben wird, als während der Ehe.

Um nach einer Scheidung nicht in Armut abzurutschen sollten beide Ehepartner während der Ehe auf möglichst hohem Niveau weiterarbeiten. Nützlich sind in vielen Fällen auch Eheverträge, die Themen wie den Versorgungsanspruch etc. nach einer möglichen Scheidung regeln.

Auf einem Tisch liegt ein Papier, darüber hält eine Männerhand den Frauenhänden einen Stift hin. Sie hat einen Ring an, ein weiterer liegt auf dem Papier.

Nach der Scheidung gilt: Beide Ex-Partner sollen möglichst finanziell eigenständig sein.

Trennung im Rentenalter

Wer sich im Rentenalter scheiden lassen möchte, sollte dies genau abwägen. Eine Scheidung kann beiden Ehepartnern erhebliche Nachteile bringen, so dass es sich oftmals anbietet, sich lediglich zu trennen, formell aber verheiratet zu bleiben. So müssen im Fall einer Scheidung Versicherungen von Familien- auf Singleverträge umgestellt werden und auch die Krankenversicherung wird teurer.

Die Rentenansprüche beider Partner, die innerhalb der Ehezeit erworben wurden, werden mit dem sogenannten Versorgungsausgleich aufgeteilt. Ausnahmen bilden Renten, die einen Entschädigungscharakter haben - also beispielsweise Opfer- oder Unfallrenten) und private Kapitallebensversicherungen. Auch sonstiges Kapital wird beim Versorgungsausgleich nicht hinzugerechnet.

Stirbt einer der beiden Ex-Partner, gibt es keine Witwenrente mehr. Auch wird die Rente des Überlebenden nicht aufgestockt.

Aufteilung einer Erbschaft nach der Scheidung

In der Regel (soweit nicht anders vereinbart) bilden Verheiratete während der Ehe eine Zugewinngemeinschaft. Beide bleiben Eigentümer ihres Vermögens. Nach einer Scheidung wird aber ein sogenannter Zugewinnausgleich durchgeführt. Das Vermögen der beiden Partner, das sie vor und nach der Ehe hatten, wird gegenübergestellt. Die Differenz bildet den Zugewinn. Der Partner mit dem höheren Zugewinn muss die Hälfte an den Ex-Partner abgeben.

Erbschaften und Geschenke, die ausdrücklich an einen der beiden Partner gerichtet waren, werden nach einer Scheidung nicht aufgeteilt. Stattdessen werden sie dem Anfangsvermögen zugerechnet, welches der jeweilige Partner mit in die Ehe gebracht hat. Der Zuwachs der Erbschaft während der Ehe wird aber wiederum dem Zugewinn zugerechnet und geteilt.

Sparvermögen beiseite geschafft?

Ab und zu versuchen Ehepartner vor einer Scheidung Vermögen beiseite zu schaffen, damit es nicht aufgeteilt wird. Der andere Partner hat jedoch das Recht, über den Verbleib des Geldes Auskunft zu erhalten - auch nach langer Zeit noch (BGH, Urteil vom 09.02.2005 - XII ZR 93/02). Wenn man das Gefühl hat, der andere ist bei den Finanzen nicht ehrlich, sollte man ihn oder sie zur Not auch eine Eidesstattliche Erklärung unterzeichnen lassen - wer heimlich Vermögen beiseite schafft, kann strafrechtlich belangt werden.

Es ist deshalb ratsam, finanzielle Angelegenheiten nicht nur dem Partner zu überlassen, sondern stets einen Überblick darüber zu behalten, welches Vermögen überhaupt vorhanden ist und wo.

Eine kleine Hochzeitstorte ist in zwei Hälften geschnitten auf denen jeweils ein Teil eines Brautpaares steht, auf der Seite der Braut befinden sich außerdem Tiere und ein Haus.

Wer hat nach einer Scheidung welche Ansprüche?

Haustiere und Hausrat

Generell werden Haustiere als Haushaltsgegenstände behandelt. Wenn ein Partner auf das Tier verzichten muss, werden ihm mehr Hausratsgegenstände zugesprochen, um einen Ausgleich zu schaffen. In der Rechtsprechung werden aber häufig das Wohl des Tieres und die Gefühle der Besitzer berücksichtigt, wenn es darum geht, wo das Tier leben soll.

Der gemeinsame Hausrat wird unter beiden Seiten aufgeteilt. Persönliche Gegenstände wie Sammlungen oder Schmuckstücke werden vom persönlichen Hausrat ausgenommen.

Können sich die Partner nicht einigen, teilt der Familienrichter den Hausrat möglichst gleichmäßig.

Gehört das Auto zum Hausrat?

Wem das Auto nach einer Scheidung zusteht, muss oftmals erst ermittelt werden. Folgende Fragen werden geklärt: Wer trat als Käufer auf? Woher stammten die Mittel bei Anschaffung? Wer ist als Halter eingetragen? Wer hat den Pkw vorwiegend genutzt?

Möglicherweise wird das Auto beiden zugesprochen.


Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautorin: Angelika Scheffler-Ronen | Online: Sola Hülsewig
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