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SENDETERMIN Fr, 4.7.2014 | 12:15 Uhr | Das Erste

Hallo Buffet Heilpflanzen

Ringelblume, Spitzwegerich, Johanniskaut, Quendel - im Moment ist Hochsaison für viele Heilpflanzen. Oft wissen wir allerdings gar nicht, dass die wild wuchernden Kräuter Heilpflanzen sind und schon gar nicht, wofür man sie anwenden kann. Heilpraktikerin Astrid Fiebich zeigt uns diejenigen, die gerade wachsen, wie und wofür man sie einsetzen kann. Haben Sie Fragen zu Heilpflanzen? Schreiben Sie an Astrid Fiebich unter studio@ard-buffet.de.

Spitzwegerich – Plantago lanzeolata

Der Spitzwegerich war eine bereits in Antike geschätzte Heilpflanze bei Husten und Schüttelfrost, Brandwunden, Hundebissen sowie Geschwüren. Auch Pfarrer Kneipp hat die Pflanze zur Wundbehandlung und Blutstillung geschätzt. Seine Inhaltsstoffe (Schleim, Bitterstoffe, Kieselsäure) machen den Spitzwegerich zu einer hervorragenden haut- und hustenheilenden Pflanze und er hat einen hervorragenden Ruf in der Behandlung von Insektenstichen und Verbrennungen. Der feuchte, kühle Charakter kommt vor allem zum Vorschein, wenn wir die Blätter zerreiben und den Saft auftragen – wir haben es sozusagen mit einem pflanzlichen Feuerlöscher zu tun, denn er überzieht die Brandstellen mit einer kühlenden, schleimartigen Schicht, die sich befeuchtend und beschützend über die Flächen legt (heilend und kühlend auf entzündliche Erkrankungen der Atemwege und Haut). Für den Fall, dass wir Spitzwegerich im Notfall nicht zur Hand haben sollten, können wir ein Spitzwegerich-Öl zur Stich- oder Sonnenbrandbehandlung herstellen.

Rezept: Spitzwegerich-Öl

Spitzwegerich

Spitzwegerich

Ein Schraubverschlussglas locker zur Hälfte mit klein geschnittenen Spitzwegerichblättern füllen, dann vollständig mit Olivenöl (aus kontrolliert biologischem Anbau) auffüllen und sechs Wochen an einem warmen Ort ziehen lassen und dabei täglich schütteln. Anschließend abseihen und kühl und dunkel aufbewahren.
Schnelle Variante: das Öl mit dem klein geschnittenen Spitzwegerich in einem Topf auf max. 60 °C erwärmen und ca. 20 Minuten unter ständigem Rühren ausziehen lassen.
Wer lieber eine Salbe daraus herstellen mag, muss nach dem Abseihen das Öl nochmals erhitzen und auf 100 ml Öl 10 g Bienenwachs (ungebleicht aus der Apotheke) hinzu fügen und rühren, bis es sich vollständig aufgelöst hat.
Sowohl das Öl als auch die Salbe können mit einigen Tropfen ätherischem Lavendelöl in ihrer Wirksamkeit verstärkt werden.

Das Johanniskraut - Hypericum perforatum

Es gibt wohl keine andere Pflanze, die in ihrem Namen bereits die Sammelzeit andeutet: das Johanniskraut (einst bis zur Christianisierung "Sonnwendkraut" genannt), welches zur lichtreichsten Zeit im Jahr in voller Blüte steht und am besten am Johannistag (24. Juni) oder nach heidnischem Brauch zur Sonnenwende (21. Juni) gesammelt werden soll. Dann sei die Heilkraft am stärksten – vorausgesetzt natürlich, dass das Wetter mitspielt und die Sonne strahlt. Doch auch später noch bietet sich nach einer Schönwetterperiode das Sammeln an, solange das Kraut in voller Blüte steht.
Interessant ist die Signatur bzw. das Aussehen der Pflanze, welches bereits auf die Wirkungen hinweist: die Blattaderung erinnert an unsere Nerven, die durchlöchert scheinenden Blätter und der rote Farbstoff deuten auf Verletzungen (Stichwunden) hin und die gelbe Blütenfarbe kann an unsere Leber erinnern (Gelbsucht).

Johanniskraut 'Schwefelperle' (Hypericum polyphyllum)

Johanniskraut 'Schwefelperle'

Auch äußerlich spielt das Johanniskraut als "Arnika der Nerven" eine große Rolle - so ist beispielsweise das Johanniskrautöl ein altbewährtes Mittel bei leichteren Verbrennungen, Schürfwunden, Muskelzerrungen, Rheuma, Gicht und Ausschlägen wie bei Gürtelrose. Es beruhigt äußerlich aufgetragen die verletzten schmerzenden Nerven und wirkt wundheilend, während es innerlich beispielsweise bei Magenschleimhautentzündung hilfreich sein kann. Es wird auch zur Pflege von spröder Haut eingesetzt und ist ein bewährtes Mittel gegen Sonnenbrand oder zur Einreibung von Narben. Einem Wundliegen (Dekubitus) kann es vorbeugen. Als entspannend wirkendes Öl findet es oft auch als Massageöl Einsatz. Für die äußeren Einreibungen hat sich das Zufügen von 10 Tropfen ätherischem Lavendelöl auf 50 ml Rotöl sehr bewährt.

Rezept: Johanniskrautöl

Das sogenannte Rotöl (es färbt sich durch einen Farbstoff aus dem Johanniskraut blutrot) kann leicht selber hergestellt werden. Dazu pflücken wir an einem sonnigen Tag die fünfstrahligen goldgelben Blüten, Knospen und junge Früchte (insgesamt 50 Gramm), legen sie in ein Schraubglas, füllen dieses mit 200 Gramm hochwertigem Olivenöl und lassen sie darin ungefähr sechs Wochen in der Sonne (welche am Herauslösen der Heilstoffe beteiligt ist) ziehen, während wir das Glas regelmäßig schütteln. Abgeseiht durch einen Teefilter oder ein Stoffsieb und in einer dunklen Flasche aufbewahrt besitzen wir eines der besten Mittel bei Sonnenbrand. Allerdings dürfen wir das Öl nie vor dem Sonnenbad auftragen und auch bei innerlicher Einnahme sollten wir die pralle Sonne meiden, denn Johanniskraut wirkt photosensibilisierend (s.u.).

Nebenwirkungen

Die im Johanniskraut enthaltenen Hypericine können photosensibilisierend wirken, d.h. eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht auslösen, was aber, wenn überhaupt, während der Einnahme von inzwischen hochdosierten Fertigpräparaten auftritt. Diese können auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen, so dass die Einnahme therapeutisch abgeklärt werden sollte.

Die Ringelblume - Calendula officinalis

Ringelblume

Ringelblume

Der Einsatz der Ringelblume als Hautheilmittel hat eine lange Tradition und ist durch viele wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt. Ihre wertvollen Eigenschaften wirken jedoch nicht nur äußerlich positiv auf die gestresste Haut, sie sind auch innerlich hilfreich bei Entzündungen des Mund- und Rachenraumes, bei Magen-Darm-Störungen, Leberschwäche oder Gallenbeschwerden.

Seit dem Mittelalter ist die Ringelblume, auch "Arnika der Gärten" genannt, bei uns heimisch und erfreut mit ihrem freundlichen, warmherzigen Wesen und ihrer Farbenpracht unser Gemüt. Nur selten finden wir sie verwildert, aber der problemlose Anbau und die selbständige Vermehrung machen die Ringelblume zu einer sehr beliebten Gartenpflanze.
Ihr botanischer Name "Calendula" stammt vom lat. "calendae", dem ersten Tag des Monats, da die Ringelblume an so vielen calendis = Monaten blüht. Der geringelte Samen wiederum verlieh ihr den deutschen Namen.
Als Inhaltsstoffe sind heute u.a. ätherisches Öl, Schleim, Bitterstoffe und Saponine bekannt mit entzündungshemmender, krampfstillender, wundheilender, desinfizierender, granulationsfördernder, kühlender und entgiftender Wirkung.

Verwendete Teile:

Meist werden zur Herstellung von Heilmitteln nur die orangen Zungenblüten verwendet, da der Blütenboden mehr Allergien verursachen kann. Wer ihn aber verträgt, kann diesen mit verarbeiten, denn er enthält mehr ätherische Öle und mehr Allantoin (ein sehr wundheilender Stoff).

Vielfältigste Verwendungsmöglichkeiten:

Tee oder Tinktur aus den Zungenblüten zur Lebereinigung und –stärkung (z.B. bei Gelbsucht, Hepatitis, Leberzirrhose), bei Drüsenleiden, zur Förderung der Gallenabsonderung, bei Neigung zu Magengeschwüren, Dickdarmentzündung, chronischen Halsschmerzen, zur Steigerung der natürlichen Abwehrkräfte (bei Virus- oder Pilzinfektionen), Vaginalinfektionen, Krampfadern, äußerlich bei Bindehautentzündung. In der Naturkosmetik hilft der Tee als Gesichtswasser oder für Kompressen bei entzündeter, geröteter Haut. Der Tee eignet sich außerdem als Haarspülung für blondes Haar, damit es sonnig glänzt, und bei trockener, spröder Kopfhaut.

Öl aus den Blüten angesetzt als Körper-, Massage- oder Babyöl.

Umschläge mit Ringelblumentinktur (1 EL in einer Tasse Wasser verdünnt) bei Wunden, Eiterungen, Venenentzündung, Unterschenkelgeschwür, Hämorrhoiden, Fisteln, Herpes simplex, Drüsenentzündung, Drüsenschwellung, entzündeten Brustwarzen, Geschwüren, Quetschungen, Muskelzerrungen, wundgelegenen Stellen, Nagelbettentzündung, Blutergüssen.

Presssaft aus der ganzen Pflanze, täglich damit ein Heftpflaster befeuchtet, lässt Warzen und Dornwarzen über längere Zeit verschwinden.

Salbe aus den Blüten (und eventuell Kraut) bei Quetschungen, Blutergüssen, Stich- und Risswunden, Verletzungen, Verbrennungen, Sonnenbrand, Fußpilz, rissigen Händen, Venenentzündung. Außerdem kann sie bei Halsproblemen geschluckt werden: z.B. bei Mandelentzündung, Mundschleimhautentzündung, Heiserkeit, nach Mandeloperationen. Als lymphanregende Pflanze wird der Tee und auch die äußerliche Einreibung mit Salbe oder Öl mit sehr gutem Erfolg bei Lymphschwellungen, geschwollenen Mandeln mit dicken Halslymphknoten und Lymphschwellungen nach Brustoperationen verwendet.

Am bekanntesten ist die Ringelblume als Heilpflanze für die Wundheilung: ob Sportverletzungen, wunde Kinderpopos, aufgeschürfte Knie, Quetschungen, Verbrennungen oder Blutergüsse. Die maßgeblichen Wirkstoffe hierfür sind fettlöslich. So kann man die Heilkraft der Ringelblume in Form einer Salbe nutzen, die sehr leicht herstellbar ist.

Rezept: Ringelblumensalbe

Ca. 20 g frische oder getrocknete Ringelblumenblüten in ca. 100 g biologischem Öl 20 Minuten erhitzen (es dürfen dabei nur kleine Bläschen aufsteigen, sonst werden die Blüten frittiert!). Abseihen durch eine Mullwindel, das Öl nochmals erwärmen und ca. 10 g Bienenwachs darin auflösen, in Döschen füllen, abkühlen lassen und verschließen. Im Kühlschrank mindestens ein Jahr haltbar (am besten immer nur kleine Mengen mit sauberem Spatel heraus holen).

Expertin im Studio:
Astrid Fiebich, Heilpraktikerin

aus der Sendung vom

Fr, 4.7.2014 | 12:15 Uhr

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