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Wasserglas mit Besteck

SENDETERMIN Do, 6.6.2019 | 12:15 Uhr | Das Erste

Gesundheit und Ernährung Fasten - So leben Sie länger und gesünder

Regelmäßiges Fasten kann unser Leben um 20 bis 30 Prozent verlängern. Heilfasten gibt es schon seit vielen Jahren, Intervallfasten scheint gerade in Mode zu sein - doch welche Fastenart ist ideal für uns?

Bis zu 10x täglich nehmen wir Kalorien auf, nicht nur zu den Mahlzeiten, sondern auch zwischendurch. Dieses pausenlose Überangebot von Snacks, Smoothies, Riegeln überfordert unseren Stoffwechsel permanent. Früher hingegen galten längere Essenspausen zwischen den Mahlzeiten als normal.

Grundregeln für das Heilfasten

Langsam beginnen und aussteigen: Der Verdauungstrakt muss sich bei leichter Kost auf die Schonzeit vorbereiten können. Nach der Kur wird er schrittweise wieder an das Essen gewöhnt.

Viel trinken: Mindestens 3-4 Liter Flüssigkeit sind ein Muss. Geeignet sind Kräutertees, Fruchtsäfte, salzarme Gemüsebrühe, Molke oder Mineralwasser.

Kein Stress: Entspannen Sie sich und lösen Sie sich so gut es geht von den Zwängen und Verpflichtungen des Alltags.

Verzicht: Alles, was belastet und nicht lebensnotwendig ist, wird weggelassen. Also auch Nikotin, Alkohol, Kaffee, Süßigkeiten, Appetitzügler & Co.

Arzt-Check: Für Fasten-Einsteiger gilt: Ob gefastet werden darf, sollte der Arzt entscheiden.

Die bekanntesten Fasten-Kuren

Das ist täglich erlaubt:Das gehört dazu:Bewertung durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung:
Heilfasten nach Buchinger
Unbegrenzt Wasser, Früchte- und Kräutertees mit etwas Honig. Mittags ein Teller Gemüsebrühe, abends ein Glas Obstsaft.Regelmäßige Darmentleerung durch Einläufe, Hydro-Therapie. Viel Bewegung an der frischen Luft. Entspannungsübungen. Leberwickel.Unter ärztlicher Anleitung kann Heilfasten ein Einstieg in eine vollwertige Ernährung sein.
Klassische F.X.-Mayr-Kur
Ca. zwei Tage alte Brötchen werden beim Verzehr eingespeichelt, bis ein Sättigungsgefühl auftritt. Später wird Milch "durchgekaut".Regelmäßige Darmentleerung mit Bittersalz. Tägliche Darmmassagen.Durch die Darmsanierung sollen vor allem Funktionsstörungen im Körper behoben werden. Die Kur ersetzt keine medizinische Behandlung. Man lernt, gründlich zu kauen, und bekommt ein Gefühl für Sättigung.
Null-Fasten
Nur Wasser und Tee - manchmal unter Zugabe von Vitaminen und Mineralstoffen.Keine weiteren Maßnahmen.Nicht empfehlenswert, da keine Energie zugeführt wird. Null-Fasten sollte, wenn überhaupt, nur unter ärztlicher Kontrolle im Krankenhaus geschehen.
Molkefasten
Einen Liter Molke, über den Tag verteilt. Plus Kräutertees und Frisch-Pflanzen-Säfte.Bewegung an der frischen Luft.Modifizierte Form des Null-Fastens. Vorteil: Es werden Vitamine und Mineralstoffe zugeführt. Durch die Proteine der Molke wird dem Abbau von körpereigenem Eiweiß gegengesteuert.
Basen-Fasten
Drei bis fünf Mahlzeiten aus "basischem" Gemüse und Obst, Mineralwasser, Kräutertees.Regelmäßige Darmreinigung durch Glaubersalz. Einläufe oder Spülungen, Basenbäder, Sauna, regelmäßige Bewegung.Keine klassische Fastenform, da gegessen wird. Ziel: Der Säure-Basen-Haushalt soll ins Lot gebracht werden. Das lässt sich jedoch weder berechnen noch kontrollieren. Gegenthese: Der Körper reguliert das von selbst.

Was unterscheidet eine Fastenkur von einer Schlankheits-Diät?

Während das traditionelle Heilfasten für eine Reinigung des Körpers sorgt, ist eine Schlankheits-Diät zur Gewichtsreduktion vorgesehen. Ein Gewichtsverlust findet zwar auch beim Heilfasten bei Übergewichtigen statt (nicht bei Schlanken), steht aber nicht im Vordergrund.

Eine Schlankheits-Diät bringt durch einseitige Nahrungszufuhr den Stoffwechsel in arge Probleme und der Körper verliert auf diese Art und Weise Gewicht. Nach Beendigung einer solchen Diät versucht der Körper, das Versäumte wieder aufzuholen und es kommt zum bekannten Jojo-Effekt. Dies kann beim Heilfasten nicht passieren, da durch die Kombination verschiedener Anwendungen die Ausscheidungsorgane gereinigt und der Stoffwechsel stets ausgewogen bleibt. Das Heilfasten ist weder eine Hungerkur, noch gesundheits-belastend.

Was passiert während des Heilfastens im Körper?

Im Körper wechseln sich ständig zwei gegenläufige Stoffwechselprozesse ab: Aufbau von Substanzen (anabol) und Abbau von Substanzen (katabol). Beim Heilfasten wird der Abbau von überflüssigen Substanzen gefördert: In den ersten 24 Stunden eingelagerte Zuckerreserven, dann am 2. Tag die Fettdepots, danach werden aus allen Zellen und Geweben überflüssige Stoffwechselschlacken abgebaut. Deshalb ist auch das Trinken während des Fastens so wichtig. Durch die Anregung der Ausscheidungsorgane Leber, Galle, Lymphe, Darm, Niere, Haut und Schleimhäute kommt es zur nachhaltigen Verbesserung der Ausscheidung schädlicher und belastender Stoffe des Körpers.

Da vorher etwa 35 Prozent der Körperenergie zum Verarbeiten des Essens verbraucht wurde, steht dem Körper während des Fastens mehr Energie zur Verfügung, zum Beispiel um Selbstheilungsprozesse anzuregen.

Fasten wirkt bei diesen Erkrankungen positiv aus: Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, Rheuma, Allergien, Haut-, Darmerkrankungen, neurologischen Erkrankungen, Migräne und Kopfschmerz; Fasten bei Krebserkrankungen wird derzeit erforscht.

Allgemeine Wirkung: Selbstheilungsprozesse setzen ein, Stärkung der Immunabwehr, Verbesserung des Mikrobioms, schlaffördernd, stimmungsaufhellend.

Dauer: Ist nicht klar festgelegt und hängt von den individuellen Fettreserven ab. Allgemein gilt: mindestens 5 Tage bis maximal 4 Wochen (unter ärztlicher Aufsicht); nicht häufiger als 2-4x/Jahr.

Es gibt verschiedene Methoden: Nach Buchinger, F.X. Mayr

Wer sollte nicht fasten?

Kinder, Schwangere, stillende Mütter, Essgestörte, Untergewichtige, stark Übergewichtige Personen (BMI >45).

Außerdem Menschen mit: Gicht, Gallenkoliken, -steine, Herzerkrankungen, starke Leber- oder Nierenfunktionseinschränkungen, Netzhautablösung, Diabetes Typ 1, Depressionen.

Medikamente: Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte nur unter ärztlicher Begleitung fasten.

Intervallfasten

Hier unterscheidet man mittlerweile verschiedene Methoden:

  • ADF – Alternate Day Fasting = 1 Tag fasten (ca. 500 kcal) – 1 Tag essen (ca. 2000 kcal) – immer im Wechsel
  • 2-Tage-Diät: 2 Tage pro Woche mit nur 600 kcal, kohlenhydratarm; an den übrigen Tagen mediterrane Ernährung
  • 5:2-Fasten: 2 Fastentage an 2 nicht aufeinanderfolgenden Wochentagen mit ca. 2x 300 kcal (Gemüse, Vollkorngetreide, viel Flüssigkeit) pro Tag; an den anderen Tagen normale Kost
  • TRE – Time Restricted Eating
    Tägliche Esspause von 14 – 16 Stunden einhalten
    Morgentyp: Essen von 7 – 15/16 Uhr, danach nichts mehr nur Wasser, Kaffee/Tee ohne Milch und Zucker
    Abendtyp: Essen von ca. 10/11 Uhr bis 19 Uhr; oder von 12-20 Uhr; Frühstück weglassen, mit den Mittagessen beginnen
    Mittelweg: Essen von 10-18 Uhr

Allgemeine Tipps zum Start
1. Stufe: Lassen Sie Zwischendurch-Snacks und kalorienhaltige Getränke am Abend weg, auch keine Chips knabbern am Abend (evtl. Radieschen, Gurken…).
2. Stufe: Probieren Sie über 2-3 Wochen erst einmal das verlängerte Nachtfasten von 12 Stunden aus.

Dauer
Sie sollten sich mindestens 6 Wochen Zeit nehmen zum Ausprobieren. Danach entscheiden Sie, wie es weitergehen soll. Intervallfasten kann man ein Leben lang praktizieren.

Buchtipps:

Buchcover

Buch

Prof. Dr. Andreas Michalsen

Mit Ernährung heilen. Besser essen. Einfach fasten. Länger leben.

Verlag:
Insel-Verlag
Produktion:
2019
Preis:
24,95 Euro
Buchcover

Buch

Prof. Dr. Andreas Michalsen unter Mitarbeit von Dr. Petra Thorbrietz

Heilen mit der Kraft der Natur. Meine Erfahrung aus Praxis und Forschung - Was wirklich hilft

Verlag:
Insel Verlag
Produktion:
2017
Preis:
19,95 €
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-458-17698-5
Buchcover

Buch

Dr. Matthias Riedl

Abnehmen nach dem 20:80 Prinzip. 20 % Verhalten ändern, 80 % Essgewohnheiten behalten

Verlag:
GU
Produktion:
2017
Preis:
19,99 €
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-8338-5997-7
Buchcover

Buch

Elisabeth Lange

Die 5:2-Diät. 5 Tage essen - 2 Tage Diät

Verlag:
GU
Produktion:
2014
Preis:
19,99 €
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-8338-3806-4

Im Studio: Prof. Andreas Michalsen, Professor für Naturheilkunde an der Charité Berlin

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Do, 6.6.2019 | 12:15 Uhr

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