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Mehrere Menschen legen ihre Hände übereinander.

SENDETERMIN Fr, 26.3.2021 | 12:15 Uhr | Das Erste

Gemeinsam statt einsam Gemeinschaftliches Wohnen

Die Pandemie hat uns gezeigt: Einsamkeit macht krank. Wenn man über zukünftiges Wohnen nachdenkt, muss man neue Wege gehen, sagt Alexander Grünenwald, Architekt und Bauwohnberater.

Die Vorzüge gemeinschaftlicher Wohnprojekte zeigen sich jetzt in der Ausnahmezeit der Pandemie: Vereinsamen in der eigenen Wohnung gibt es nicht, umeinander kümmern ist selbstverständlich, „Homeoffice“ im Gemeinschaftsraum kann Familien entlasten, ältere Mitbewohner können mit der Hilfe jüngerer rechnen.

Neben dem herkömmlichen Wohnen zur Miete oder im Eigenheim in mehr oder weniger angenehmer Nachbarschaft gibt es mittlerweile eine enorme Vielzahl an Wohnform-Varianten. Sie gehen über das normale Lebensgefüge einer Studenten-Wohngemeinschaft oftmals weit hinaus, sind immer abgestimmt auf verschiedene Bedürfnisse. Dazu gehören u.a. Pflege-Wohngemeinschaften, Wohnen auf Zeit oder Siedlungsgemeinschaften. Bekannt ist auch der Begriff des Mehrgenerationenwohnens. Dabei kommen beispielsweise Menschen unterschiedlicher Altersgruppen zusammen. Das Ziel ist, dass sich alle gegenseitig unterstützen, dabei aber ihren eigenen individuelle Lebensbereich haben.

Wer sich für eine „gemeinschaftliche“ Lebensform entscheidet, sollte sich aber zuvor einige Fragen ganz ehrlich beantworten. Vor allem die: Was bringe ich mit, was mich für eine Gemeinschaft attraktiv macht?

CHECKLISTE

1) In welcher Lebenssituation befinde ich mich?

Sind die Kinder gerade aus dem Haus und steht der Unruhe-Stand bald vor der Tür, stellen sich Menschen oftmals die Frage: Wie soll es weitergehen? Wie will ich wirklich leben? Wie will ich im Alter leben? Junge Paare mit Kindern suchen gern die Gemeinschaft, wenn die eigenen Verwandten nicht greifbar sind. Oma- und Opa-Ersatz findet sich so oft in einer Wahl-Familie. Wenn Sie sich frühzeitig Gedanken über ein gemeinschaftliches Wohnen machen, haben Sie länger etwas davon, sagt Alexander Grünenwald.

2) Wo will ich wohnen und leben?

Landei oder Stadtmaus – das ist die Frage. Was ist Ihnen wichtig? Lieben Sie Kultur, Kunst und Theater? Dann entscheiden Sie sich für urbanes Wohnen. Mögen Sie Kinder? Dann bietet sich das Mehrgenerationenwohnen an. Oder sagen Sie: Die Kinderzeit ist für mich vorbei! Dann sollten Sie eher eine Gemeinschaft mit gleichaltrigen Gleichgesinnten suchen. War es schon immer Ihr Traum auf dem Land einen eigenen Garten zu bewirtschaften? Dann gehen Sie diesbezüglich keinen Kompromiss ein! Suchen Sie sich ihr Lebensumfeld!

3) Wann will ich mein Ziel erreicht haben?

Das richtige „Gemeinschaftliche Wohnprojekt“ zu finden oder selbst zu entwerfen, kann oft eine Handvoll Jahre dauern. Kurzfristige Lösungen gibt es nur, wenn Sie sich in ein schon bestehendes Projekt einklinken. Es gibt zahlreiche Portale, die Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen.

Vielleicht finden sich auch in Ihrem Freundeskreis Gleichgesinnte und sie gründen eine eigene Wohngemeinschaft. Viele Gemeinschaften sind auch an einem Ideenaustausch interessiert und berichten gern darüber welche Hürden es zu meistern gilt.

4) Was erwarte ich von der Gemeinschaft?

Suche ich Hilfe und Unterstützung im Alter oder interessiert mich eine besondere Art sozialen Engagements? Möchte ich musische Menschen um mich haben, oder schlägt mein Herz für die solidarische Landwirtschaft? Gruppen finden sich je nach Neigung. Wichtiger, sagt Alexander Grünenwald, ist aber die Umkehr-Frage zu stellen: Was bringe ich mit, was mich für eine Gemeinschaft attraktiv macht? Wer darauf keine Antwort hat, sagt Bau-Wohnberater Grünenwald, der ist beim „Gemeinschaftlichen Wohnen“ fehl am Platz!

5) Was kann ich mir leisten?

So unterschiedlich die Beweggründe, so unterschiedlich ist oft auch die Finanzierung der Wohnprojekte. Kann ich einen Teil Eigenkapital mit investieren? Oder möchte ich nur Miete zahlen? Und was bin ich bereit an Gemeinschaftsfläche mitzufinanzieren?

Das "Mietshäuser Syndikat" z.B. berät selbstorganisierte Hausprojekte unterschiedlichster Art, auch wenn der Gruppe kein Eigenkapital zur Verfügung steht. Beachtenswert sind auch genossenschaftlich organisierte Wohnprojekte und Wohn-Kommanditgesellschaften.

Beratungsangebote finden Sie darüber hinaus z.B. auch beim Projektformat i3-community und der BauWohnberatung Karlsruhe (Telefon 0721 / 59 272 18).

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