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SENDETERMIN Do, 19.3.2020 | 12:16 Uhr | Das Erste

Gefahr aus dem Supermarktregal? Lebensmittel aus Corona-Risikogebieten

In unseren Supermärkten gibt es zahlreiche Lebensmittel aus Italien und China. Ob Tiefkühlware, Dosenprodukte oder frisches Obst und Gemüse: Können alle Lebensmittel unbedenklich verzehrt werden?

Wie lange hält sich das Coronavirus auf Lebensmitteln?

Sabine Schütze, SWR Redaktion Umwelt und Ernährung: Das kann derzeit niemand sicher beantworten. Aber es gibt Daten von Forschern, die zeigen, dass Coronaviren durchaus zwei Tage durchhalten könnten - also auch aktiv bleiben. Und empfindliche Lebensmittel wie Kräuter etwa, aber auch Salate wie Rucola und anderes Gemüse, sind innerhalb dieser Zeit auf dem Markt. Da könnte unter Umständen ein infizierter Arbeiter tatsächlich Coronaviren beim Ernten, Abpacken und Transportieren auf Kräuter und Gemüse übertragen.

Allerdings zeigen ganz aktuelle Untersuchungen mit dem gerade grassierenden Virus, dass es wahrscheinlich nur wenige Stunden auf Oberflächen aktiv bleibt.

Damit wäre der Verkäufer der Ware der wahrscheinlichste Überträger. Trotzdem ist das Ansteckungsrisiko relativ gering, weil nicht nur die Viren noch aktiv sein müssen, sondern sich auch eine bestimmte Anzahl auf dem Gemüse oder Geld tummeln müsste.

Und wenn die Paprika aus Italien kommen? Ist dann besondere Vorsicht geboten?

Auch hier ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung sehr gering. Paprika oder Rucola aus Italien können und sollten wir trotzdem ordentlich zuhause waschen. Damit spült man auch eventuelle Viren und Keime soweit ab, dass zu wenige drauf bleiben, um uns krank zu machen. Menschen aus Risikogruppen sollten bei empfindlichen Kräutern vorsichtig sein, weil diese zarten Stängelchen ja nur kurz unterm Wasser abgespült und nicht sehr gründlich gewaschen werden können.

Trotzdem, Experten des BfR betonen, dass das Risiko, über importierte Lebensmittel das Virus zu übertragen relativ gering sei.

Wie sieht‘s aus mit Abkochen, um ganz sicher zu gehen?

Erhitzen ist immer gut. Deshalb ist auch Gemüse, das gegart wird, kein Thema - sprich risikofrei. Tomaten kurz in Öl schwenken, Kräuter ebenso. Das tötet nicht nur das Coronavirus. Das intensiviert sogar den Geschmack.

Tiefkühl-Lebensmittel aus Ländern mit Corona, sind die ein Gesundheitsrisiko?

Auf verarbeiteten Lebensmitteln muss die Herkunft aber nicht angegeben sein. Da tappt man leider im Dunkeln, wenn die Hersteller sie nicht freiwillig angeben. Das gilt sowohl für TK-, als auch für Dosenware.

Tiefkühl-Gemüse ist ja generell kein Problem, weil das sowieso gegart wird. Und Hitze tötet mögliche Keime und Viren ab.

Für Obst aus der Tiefkühltruhe gilt: Das Risiko ist auch hier gering, aber nicht völlig von der Hand zu weisen. Denn das Virus übersteht minus 20 Grad eine lange Zeit. Im Herbst 2012 hatten wir in Ostdeutschland mehrere tausend Schulkinder mit Brechdurchfall, weil sie in der Kantine Tiefkühlerdbeeren aus China gegessen hatten, in die das Norovirus geraten war. Dass sowas jetzt nochmal passiert, ist nicht auszuschließen.

Aber, um das mal einzuordnen: inzwischen hat sich bei den Hygienestandards, auch in China, viel getan. Und TK-Obst wird nahezu vollautomatisch gewaschen, schockgefrostet und eingepackt. Sprich, die Wahrscheinlichkeit, dass ein infizierter Arbeiter die Viren da einschleust, ist ziemlich gering.

Also lieber kein TK-Obst aus China?

Ich würde derzeit zumindest Menschen von TK-Obst abraten, die zur Risikogruppe gehören. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) rät sowieso, TK-Obst wegen einer möglichen Keimbelastung zu erhitzen; auch schon vor Corona. Nur: Himbeeren und Erdbeeren will ja niemand garen. Und gerade Beeren kommen oft aus China, genauso wie Dosen-Mandarinen.

Wer beim Obst auf Nummer sicher gehen will, der kann Dosenobst kaufen. Das ist unproblematisch.

Kurz und knapp:

  • Tiefkühlkost
    Generell sollte Tiefkühlkost – auch Obst - vor dem Verzehr erhitzt werden, damit mögliche Krankheitserreger abgetötet werden.
  • Dosenware
    Diese Produkte können unbedenklich verzehrt werden, da Dosenobst und -gemüse konserviert wird.
  • Frischware
    Grundsätzlich gilt hier: besonders gut waschen und die Ware zur Sicherheit erhitzen.
aus der Sendung vom

Do, 19.3.2020 | 12:16 Uhr

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