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SENDETERMIN Di, 12.3.2019 | 12:15 Uhr | Das Erste

Fertiggerichte Was steckt wirklich drin?

Nicht lang am Herd stehen, sondern einfach aufwärmen und fertig! Zugegeben - Fertiggerichte sind fix gemacht, doch was ist in Tütensuppe und Co. eigentlich wirklich drin? Wer hinten auf der Verpackung die meist sehr klein gedruckten Inhaltsstoffe liest, wird überrascht sein. Katarina Schickling ist der Sache auf den Grund gegangen.

Checkliste:

  • Zutatenliste genau lesen, auch bei Bio-Produkten
  • 1. Zutat Wasser? Vorsicht!
  • Geschmacksverstärker erkennt man an Begriffen wie „Eiweiß“, „hydrolisiert“ oder „Extrakt“
  • sind Aromen oder Farbstoffe enthalten, ist der Anteil "echter" Zutaten niedrig. Das gilt
    auch für färbende pflanzliche Zutaten wie Rote Bete Extrakt
  • Faustregel: Fragen Sie sich immer „Hätte meine Großmutter diese Zutat gekannt und damit gekocht?“

Was muss auf der Zutatenliste angegeben werden?

Auf der Zutatenliste müssen alle Inhaltsstoffe von verarbeiteten Produkten stehen. Sinn ist, dass wir Kunden wissen, was wir da kaufen. Leider gibt es Ausnahmen: So genannte Hilfsstoffe etwa müssen nicht erwähnt werden, zum Beispiel Enzyme.

Was unterscheidet eine Zutat von einem Zusatzstoff?

Es gibt über 300 in der EU zugelassene Zusatzstoffe. Auf der Zutatenliste müssen sie entweder mit ihrem Namen oder der E-Nummer und mit ihrer Funktion angegeben werden - also zum Beispiel Farbstoff oder Verdickungsmittel. Weil viele Verbraucher lieber Produkte ohne Zusatzstoffe kaufen, versucht die Industrie diese durch Zutaten zu ersetzen, die die gleiche Funktion haben, lebensmittelrechtlich aber nicht als Zusatzstoff gelten, sondern als Zutat.

Wenn ein Gericht den Zusatzstoff Glutamat enthält, muss angegeben werden, dass das ein Geschmacksverstärker ist. Enthält das Gericht stattdessen Hefeextrakt, hat der zwar die gleiche Funktion, das muss aber nicht angegeben werden. Der Hersteller kann dann sogar damit werben, dass sein Gericht "ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe" hergestellt ist, obwohl Hefeextrakt nichts anderes bewirkt.

Wie erkennt man Geschmacksverstärker?

Glutamat ist ein Salz der Glutaminsäure. Die lässt sich grundsätzlich aus allen eiweißreichen Lebensmitteln als Geschmacksverstärker extrahieren, beispielsweise aus Hefe, Soja, Weizen oder Milch. Extrakte aus diesen Lebensmitteln und hydrolysierte Eiweiße aller Art sind immer ein Hinweis auf Geschmacksverstärker. Außerdem darf "Aroma" bis zu 30% Glutamat enthalten, ohne dass das extra angegeben werden muss.

Gibt es überhaupt gesunde Fertiggerichte?

Zusatzstoffe in Fertiggerichten machen diese nicht zwangsläufig ungesund. Aber sie sind immer ein Hinweis darauf, dass echte Zutaten durch billige Füllstoffe ersetzt wurden. Verdicker sind beispielsweise immer ein Hinweis auf einen hohen Wasseranteil, Aromen und Geschmacksverstärker täuschen über die geringe Menge von Gemüse, Obst oder Fleisch hinweg. Es gibt Hersteller, die auf den Einsatz von Geschmacksverstärkern und Aromen verzichten - diese Produkte sind hochwertiger.

Wie ist es mit Lebensmittel, bei denen eine Zutatenliste nicht Pflicht ist – wie z.B. Brot?

Fragen Sie ihren Bäcker, womit er backt und ob er Ihnen eine Zutatenliste zur Verfügung stellen kann. Je kürzer die ist, umso besser. Eigentlich braucht man für gutes Brot nur Mehl, Salz, Hefe und Wasser. Und fragen Sie danach, wie lange der Teig gehen darf, denn lange Ruhezeiten sprechen für ordentliche handwerkliche Arbeit und bessere Bekömmlichkeit.

Buchtipps:

Katarina Schickling:
Besser einkaufen: Der Lebensmittel-Ratgeber für kritische Verbraucher
Verlag Herder, 1. Auflage 2018
Ein Wegweiser durch den unübersichtlichen Dschungel der Lebensmittelvorschriften.
Mit praktischen Tipps für den täglichen Einkauf – welche Siegel vertrauenswürdig sind und was die Angaben auf der Zutatenliste wirklich bedeuten.

Stiftung Warentest:
E-Nummern, Zusatzstoffe
2017
Der Ratgeber von Stiftung Warentest informiert über die Herstellung, Verwendung und Risiken von über 300 Zusatzstoffen. Mit Tipps für Allergikern und Anregungen, was empfindliche Menschen beachten sollten.

Verbraucherzentrale:
Lebensmittel-Lügen. Wie die Food-Branche trickst und tarnt
3. Auflage 2016
Mogelpackungen, angeblicher Tierschutz oder vegane Lebensmittel. Der  Ratgeber klärt auf und enttarnt die Tricks der Lebensmittelindustrie. Er hilft, diese zu erkennen und sich dagegen zu wehren.


aus der Sendung vom

Di, 12.3.2019 | 12:15 Uhr

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