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Milch wird aus einer Flasche in ein Glas geschüttet

SENDETERMIN Di, 28.5.2019 | 12:15 Uhr | Das Erste

Ernährung Macht's die Milch?

Haben Sie sich schon mal überlegt, was in der Milchpackung aus dem Supermarkt so alles drin steckt und wie sich die verschiedenen Milchsorten unterscheiden? Wir haben die wesentlichen Fakten gesammelt.

Milch enthält Milchzucker, Fette, Eiweiße, Mineralstoffe und Vitamine. Sie ist besonders gehaltvoll und zählt deshalb auch als Lebensmittel und nicht als Getränk. Rund ein Glas am Tag trinkt dabei durchschnittlich jeder Deutsche.

Wie gesund ist Milch?

Milch ist ein sehr wertvolles Lebensmittel, insbesondere als Calciumquelle, für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene - etwa zur Vorbeugung von Osteoporose. Milch von Kühen, die viel weiden dürfen, enthält zudem die wertvollen Omega-3-Fettsäuren. Laktosefreie Milch ist nur für die Menschen verträglicher, die tatsächlich an einer - leicht beim Arzt diagnostizierbaren - Laktose-Intoleranz leiden.

Kann Milch auch schädlich sein?

Dass Milch generell für Erwachsene unverträglich sei, ist ein Mythos ohne wissenschaftliche Grundlage. Etwa 15 Prozent der Deutschen leiden unter Laktoseintoleranz - doch selbst die vertragen oft kleine Mengen, etwa in Joghurt oder bestimmten Käsesorten, die deutlich weniger Milchzucker enthalten. Und wer tatsächlich unter einer Allergie leidet, muss auf Milch verzichten - aber das trifft auf weniger als ein Prozent der Erwachsenen in Europa zu.

Was unterscheidet Frischmilch, ESL-Milch und H-Milch voneinander?

Frischmilch wird aus Hygienegründen in der Regel pasteurisiert, also 15- 30 Sekunden auf etwa 75°C erhitzt. Dabei gehen im Vergleich zur Rohmilch kaum Nährstoffe verloren. Diese Milch ist gekühlt maximal 10 Tage haltbar.

Sehr viel verbreiteter in unseren Supermärkten ist die so genannte ESL-Milch ("extended shelf life" bedeutet wörtlich übersetzt "längeres Regalleben"). Diese Milch wird kürzer, dafür aber stärker erhitzt (85 bis 127°C für ein bis vier Sekunden). Weil so mehr Keime abgetötet werden, hält die Milch länger. Das bedingt allerdings einen deutlich höheren Vitaminverlust im Vergleich zur pasteurisierten Milch. Beim Vitamin B1 können das bis zu 15 Prozent sein.

H-Milch wird für einige Sekunden auf mindestens 135°C erhitzt und ist dadurch praktisch keimfrei und entsprechend länger haltbar. Die hohen Temperaturen verändern den Geschmack allerdings deutlich, und der Vitaminverlust ist größer.

Was muss auf der Milchverpackung angegeben werden?

Auf der Packung stehen der Fettgehalt und die Herstellungsweise - also ob es sich um Frisch-, ESL- oder H-Milch handelt. Das ovale Identitätskennzeichen verrät, in welcher Molkerei die Milch abgefüllt wurde, nicht jedoch woher die Milch in der Packung stammt. Angaben dazu oder zur Haltungsweise der Kühe sind freiwillig. Begriffe wie "Weidemilch" oder "Alpenmilch" sind nicht gesetzlich geschützt - die Kriterien dafür definieren die Hersteller selbst.

Wie erkenne ich eine gute Milch?

Was auf der Packung steht, muss stimmen - je konkreter die Informationen etwa zum Weidegang der Kühe, zur Verwendung von gentech-freiem Futter oder zum Preis für die Bauern sind, desto besser. Biomilch stammt laut EU-Verordnung von Kühen mit einem ständigen Zugang zu einem Freigelände. Dies ist vorzugsweise Weideland, kann in der Praxis aber auch ein Stall mit angeschlossenem Laufhof sein. Die strengsten Haltungsvorschriften hat der Bio-Verband Demeter, wo beispielsweise das Enthornen von Kühen nicht erlaubt ist.


Im Studio: Katarina Schickling, Journalistin und Buchautorin



Literaturtipps:

Cover

Broschüre

Freispruch für die Milch!. Ein Überblick über die aktuelle wissenschaftliche Literatur

Verlag:
Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)

"Freispruch für die Milch!" geht auf die wichtigsten Fragestellungen zur Milch ein und versucht, Mythen auszuräumen – z.B. was das Krebsrisiko oder das Allergiepotential angeht. Die Publikation wurde im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten erstellt. Sie ist kostenlos als Download oder für 5 Euro als Printausgabe erhältlich.


Cover

Broschüre

Milchratgeber

Verlag:
Welttierschutzgesellschaft e.V.

Der "Milchratgeber" erklärt, wo sich am meisten für eine tiergerechte Milchkuhhaltung eingesetzt wird. Dabei werden vier Kriterien hinter verschiedenen konventionellen und Bio-Milchmarken verglichen. Der Ratgeber ist nur als Download erhältlich.


Cover

Broschüre

Milch, Käse und Co . Echte Multitalente in der Ernährung

Verlag:
Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)

"Milch, Käse & Co: Echte Multitalente in der Ernährung" beschreibt die wichtigsten Nährstoffe und die ernährungsphysiologische Bedeutung von Milch. Außerdem geht es um die Bedeutung der Milch in bestimmten Lebenslagen, wie z.B. in der Schwangerschaft, in der Wachstumsphase und auch im Alter. Neben den wissenschaftlichen Ausführungen gibt es auch praktische Tipps für den Alltag, sowie eine Rezeptsammlung. Die Publikation kann kostenlos heruntergeladen oder für 10 Euro bestellt werden.


Cover

Buch

Schickling, Katarina

Aber bitte mit Butter. Warum Brot nicht dumm und Fett nicht krank macht

Verlag:
Herder
Produktion:
2016

Von Low Carb und fettfrei bis vegan und die zahlreichen Milchersatzprodukte - das Buch entlarvt gängige Ernährungsmythen. Dabei trifft die Autorin Experten in ganz Europa und recherchiert die wahren Fakten hinter der Hysterie.


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Buch

Schickling, Katarina

Besser einkaufen. Der Lebensmittel-Ratgeber für kritische Verbraucher

Verlag:
Herder
Produktion:
2018

Ein Wegweiser durch den unübersichtlichen Dschungel der Lebensmittelvorschriften von Katarina Schickling. Mit praktischen Tipps für den täglichen Einkauf - welche Siegel vertrauenswürdig sind und was die Angaben auf der Zutatenliste wirklich bedeuten.


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Di, 28.5.2019 | 12:15 Uhr

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