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SENDETERMIN Do, 9.5.2019 | 12:15 Uhr | Das Erste

Allgemeines Persönlichkeitsrecht Mein Recht am eigenen Bild

Das Recht am eigenen Bild ist eine besondere Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Dieses Grundrecht leitet sich aus den Artikeln 2 und 1 des Grundgesetzes ab: Jeder Mensch darf selbst bestimmen, ob er fotografiert wird und ob diese Bilder veröffentlicht werden dürfen!

Wann darf ich „gefahrlos“ fotografieren?

Solange keine Personen auf dem Foto sind, darf grundsätzlich alles fotografiert werden, was von öffentlichem Grund aus zu sehen ist.

Die "Panoramafreiheit” erlaubt mir: “If you see it, you can shoot it”

Meine persönliche Freiheit endet dort, wo die Grenze des anderen beginnt: Auf privatem Gelände greift das Hausrecht des Eigentümers, der das Fotografieren erst erlauben muss.

Wann dürfen Menschen auf dem Bild sein?

Solange man keine Person erkennen kann, ist das Fotografieren von Menschen kein Problem. In aller Regel braucht man sich auch keine Sorgen machen, wenn man beispielsweise auf einer Sightseeing-Tour ist und Bilder von Bauwerken macht, vor denen Menschen stehen: Es ist im Allgemeinen gestattet, andere Personen auch ohne deren explizite Einwilligung abzubilden, sofern die Bilder allein für den privaten Gebrauch gedacht sind.

Das ist jedoch kein Freifahrtschein! Wenn jemand nicht damit einverstanden ist, fotografiert zu werden, kann er Unterlassung und Löschung des Bildes vom Fotografen verlangen.

In jedem Fall ist es verboten, mit seinem Foto in die Intimsphäre eines Menschen einzugreifen oder ihn in einer hilflosen Situation darzustellen - zum Beispiel beim Fotografieren von Unfallopfern. Wer dabei erwischt wird, kann mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren belangt werden.

§ 23 Kunst-Urheber-Gesetz

Fotos können auch ohne vorherige Einwilligung der abgelichteten Personen verwertet werden:

  • Wenn die Personen nur als Beiwerke einer Landschaft oder Örtlichkeit erscheinen, eine Personengruppe also “nur zufällig vor Ort ist”.
  • Wenn das Bildnis Versammlungen, Aufzüge oder ähnliche Vorgänge darstellt, an denen der Abgebildete teilgenommen hat und das Event im Mittelpunkt steht.
  • Wenn das Bild einem höheren Interesse der Kunst dient.
  • Wenn der oder die Abgelichtete eine Person der Zeitgeschichte ist, beispielsweise ein Promi oder ein Schwerverbrecher. Aber: Es ist immer zwischen dem “Persönlichkeitsrecht des Abgebildeten” und dem “Recht der Öffentlichkeit auf Information” abzuwägen.

Was muss ich bedenken, wenn ich Fotos "posten” will, auf denen Personen zu erkennen sind?

Wollen Sie ein Foto auf zum Beispiel auf einer öffentlichen Social-Media-Plattform verbreiten, dann müssen Sie in jedem Fall zuvor eine Einwilligung der Betroffenen einholen. Sonst machen Sie sich unter Umständen strafbar.

Gilt etwas anderes für Gruppenbilder?

Wer selbst eine öffentliche Veranstaltung besucht, muss zwar damit rechnen, von anderen abgelichtet zu werden. Wer sich aber einfach nur gemeinsam mit einer Gruppe ablichten lässt, muss genauso wie eine Einzelperson gefragt werden. Das gilt grundsätzlich; auch dann, wenn mehr als drei Personen auf einem Bild zu sehen sind.

Kinder haben ein besonderes Recht

Auch Kinder haben selbstverständlich ein allgemeines Persönlichkeitsrecht. Zwar entscheiden für sie grundsätzlich die Eltern über die Veröffentlichung von Fotos. Bilder von nackigen Kindern im Internet sind aber in jedem Fall tabu und stellen eine schwere Persönlichkeitsverletzung dar! Sofern außerdem ältere Kinder betroffen sind, die über die notwendige Einsichtsfähigkeit verfügen, ist vor einer Veröffentlichung auch deren Einwilligung einzuholen. Davon ist gewöhnlich ab dem 14. Lebensjahr auszugehen.

Was sollte ich beim Teilen von Selfies oder privaten Bildern bedenken?

Wer Fotos bei Facebook einstellt, der sollte wissen, dass Facebook diese Bilder nach seinen AGB so gut wie uneingeschränkt verwenden darf. Sollte Ihr Bild auf Facebook öffentlich zugänglich sein, darf ein anderer Nutzer eine Kopie erstellen und diese – privat – nutzen, aber nicht weiterverbreiten. Wer nicht bereit ist, Bildrechte abzugeben, der sollte private oder sehr persönliche Bilder lieber nie in Sozialen Medien teilen.

Wie kann ich die Einhaltung meiner Rechte am eigenen Bild einfordern, wenn ich das Gefühl habe von jemandem Fremden gezielt fotografiert zu werden?

  1. Sie können der Aufnahme widersprechen und das Löschen der Bilder verlangen.
  2. Wenn dies nicht geschieht, haben Sie einen Anspruch auf Unterlassung, Schadensersatz und Herausgabe des Bildmaterials, zudem die Vernichtung der Fotos. Diese Ansprüche können Sie mittels einer Abmahnung oder zivilrechtlichen Klage vor Gericht durchsetzen.
  3. Im Moment der Rechtsverletzung selbst können Sie sich gegebenenfalls auch körperlich dagegen wehren (Stichwort: Notwehr).
  4. Sie können in berechtigten Fällen einen Strafantrag stellen, wenn Sie möchten, dass die Person auch strafrechtlich verfolgt wird.

Quelle: Frank Bräutigam, ARD Rechtsexperte

aus der Sendung vom

Do, 9.5.2019 | 12:15 Uhr

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