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Grimme-Preis für „Hundesoldaten“

08.03.2017, von

Ausgezeichnete Filme gibt’s bei uns im SWR ja öfter, aber dass wir Filme von Grimme-PreisträgerInnen zeigen, kommt nicht ganz so oft vor. Umso mehr freue ich mich, dass unsere Autorin Lena Leonhardt jetzt für ihren Film „Hundesoldaten“ ausgezeichnet wurde. Die Kurzfassung lief bei „natürlich!“, die lange Fernsehfassung lief am 23.11.2016. Der einfühlsame Film beschreibt die Arbeit der einzigen Diensthundeschule  der Bundeswehr in der Eifel.

Und dass Lena ausser der Regie auch die Arbeit mit der Kamera gut drauf hat, das hat sie 2015 unter Beweis gestellt. Gute zwei Wochen waren wir zusammen in den Regenwäldern Nordost-Brasiliens unterwegs, mit zwei Kameras auf den Spuren des unterschätzten Forschers Max zu Wied – eine „natürlich!-Spezialsendung und ein „Bekannt im Land“ waren das Ergebnis. Dem Forscher Max widmet das ZDF demnächst auch einen aufwändig produzierten Film in der Terra X Reihe. Die Brasilien-Expedition des baden-württembergischen Brasilienzentrums ist übrigens derzeit wieder unterwegs. 

Plastik-Tod: ein Meister auch aus Deutschland

22.02.2017, von

Wir verdanken dem Plastik eine Menge. Seit die synthetischen Polymere 1907 erfunden wurden, haben sie unser Leben ordentlich umgekrempelt. Essen, Reisen, Anziehen, Verpacken – alles inzwischen kaum mehr ohne Verwendung von Plastik denkbar. Der Haken: fast zehn Milliarden Kilogramm (ich red mal nicht von Tonnen), also 10.000.000.000 Kilogramm Plastikmüll geraten jedes Jahr (!) in die Weltmeere. Beschädigen die empfindlichen Ökosysteme. Geraten als winzige, teils mikroskopisch kleine Partikel in die Nahrungskette und töten, mal schnell, mal langsam. Entweder ersticken die Tiere, weil sie sich in groben Teilen verheddern, mal vergiften sie sich durch als Nahrung aufgenommene Kleinstlebewesen, die selbst bereits voller Plastikteilchen stecken. Dabei müsste das Ausmaß bei weitem nicht so schlimm sein, oft wird Plastik ohne zwingende Notwendigkeit eingesetzt. Die weltweite Aufmerksamkeit für das Problem steigt langsam aber sicher. Selbst in Indien gibt’s inzwischen in manchen Städten zumindest Putzkolonnen für die völlig plastikvermüllten Ganges-Ufer. Und aus gesammeltem Plastik entstehen inzwischen neue Produkte, etwa in Chile. Dort baut ein junger Ami Skateboards und Sonnenbrillen aus Meeresmüll. Aber der Kampf gegen die Plastikverseuchung und – verschwendung ist zäh und bleibt eine große Herausforderung.

Seit heute gibt’s dafür noch mal etwas mehr an argumentativer Unterstützung. Die Weltnaturschutzunion hat einen neuen Bericht herausgegeben. „Primary Microplastics in the Oceans: a Global Evalutation of Sources“ schließt manche Wissenslücke. Er unterscheidet zwischen Plastikpartikel, die aus degradiertem Plastikmüll entstanden sind und Plastikteilchen aus Primärquellen wie Reifenabrieb oder textile Kunstfasern. Solcher Müll macht bis zu einem Drittel der jährlichen Plastikbelastung der Meere aus. Im Schnitt wirft rein statistisch jeder Erdbewohner Woche für Woche eine schwere Plastiktasche à 200 Gramm ins Meer.  Wobei die globalen Unterschied enorm sind, sie reichen von 110 Gramm pro Kopf und Jahr bis 750 Gramm.  So stammen, wie wir jetzt wissen, zwei Drittel des primären Plastikdrecks im Meer letztlich von textilen Kunstfasern beim Waschen und von Reifenabrieb oder Markierungsabrieb von den Straßen. Kann jetzt keiner mehr sagen: Och, wir wissen gar nicht wo dieser Plastikmüll herkommt.

Die Verschmutzung hat enorme Ausmaße und fängt bei uns vor der Haustür an. Als ich vor einigen Monaten mit dem Greenpeace-Messschiff Beluga auf dem Main unterwegs war, da reichte es, einen Filter für eine Minute in den Fluss zu halten, um massenhaft winzige Partikel im Wasser sichtbar nachweisen zu können. All das landet letztlich im Meer. Wir müssen und können die Art ändern, wie wir Plastik konsumieren, herstellen, designen und verwerten. Zum Beispiel mit Kleidung, die weniger Kunstfasern beim Waschen verliert bzw. mit Filtern in den Waschmaschinen. Das geht. Man muss es nur wollen.

Die Studie der IUCN auf englisch hier: https://portals.iucn.org/library/sites/library/files/documents/2017-002.pdf

Luftverschmutzung – „weiter so“ wird immer schwieriger

15.02.2017, von

Stuttgart, Mainz und viele andere Städte – wir haben da ein Problem. Dreck in der Atmosphäre. Feinstaub. Und: Zuviel Stickoxid in der Luft, vor allem NO2. Schlimm vor allem für Asthmatiker, weil die Bronchien verengt werden können. Nicht lustig. Die Ursachen sind bekannt:

40 Prozent der NO2-Emissionen stammen aus dem Verkehr, davon wiederum werden etwa 80 Prozent von Dieselfahrzeugen verursacht.

Wobei von den fast zwei Dritteln Emissionen aus Nicht-Verkehrs-Quellen seltener die Rede ist, weil in Ballungsräumen halt der Verkehr die Hauptursache ist. Aber lohnen würde sich ein Blick auf die Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfälle allemal. Nur Passivhäuser sind fein raus. Ob ein Dieselfahrverbot für Städte kommt? Das wäre schon eine drastische Maßnahme. Aber von Betroffenheitsanalysen allein wird die Luft halt nicht sauberer.

Quelle: EU zu Luftverschmutzung: Letzte Warnung für Deutschland | tagesschau.de

Trump: Profitgier statt Klimaschutz

20.01.2017, von

„Ich bin stolz Amerikaner zu sein“, klampfte ein Countrysänger heute anlässlich des bevorstehenden Amtsantritts Donald Trumps. Stolz? Auf Gier und Ignoranz?

„Trump hat angekündigt, fast alle Errungenschaften Obamas für den Klimaschutz rückgängig zu machen. So will er alle Einschränkungen für die Gas- und Kohleindustrie wieder aufheben.“

Mir tun die Millionen armer Schweine auf diesem Planeten einfach nur leid, die ob der Arroganz der Klimawandelleugner unter Dürren, Überschwemmungen usw. leiden und die heisse Klimasuppe auslöffeln müssen, die ihnen die gierigen Profiteure des Wandels eingebrockt haben. Und 2016 war schon wieder ein klimatisches Rekordjahr, was (fast) niemanden wirklich wundert. Es ist zum Mäusemelken.

Quelle: Donald Trump: Die Abschussliste des neuen US-Präsidenten – SPIEGEL ONLINE

Dieselgate: Milliarden in USA, Tankquittung vorlegen in D

29.12.2016, von

Wie peinlich ist das denn? Wer einen Diesel von VW fährt, der aufgrund der Abgasmanipulationen des Autobauers in die Werkstatt zurück gerufen wird, bekommt einen Leihwagen, muss aber bei der Rückgabe die Tankquittung vorlegen. Wieder volltanken allein reicht offenbar nicht. Was für ein Misstrauensvotum gegenüber der eigenen Kundschaft. Schließt der Konzern von sich auf andere? 16.000.000.000 Dollar muss der Autobauer in den USA wohl allein für Entschädigungsprogramme wg. Dieselgate zahlen. In Deutschland gönnt er offenbar dem Kunden, der wegen des Fehlverhaltens von VW in die Werkstatt geordert wird, keinen Cent mehr als unbedingt nötig.

„Ausgestanden ist Dieselgate noch lange nicht – weder für die Wirtschaft noch die Politik“, schreibt die Stuttgarter Zeitung heute. Und auch nicht für die Kunden, die haben nämlich zumindest bisher nur wenig Lust, ihre Zeit für die Verfehlungen eines Konzerns zu vergeuden: Zumindest in Baden-Württemberg haben viel weniger Diesel-Besitzer ihre Wagen bisher umrüsten lassen als Volkswagen geplant hatte. Diese Quittung bekommt VW also auch.

Rettet die Daten – Trump ante portas

20.12.2016, von

Soweit sind wir offenbar wieder: Wissenschaftliche Daten müssen vor staatlicher Willkür geschützt werden. Ausgerechnet in den USA. Die Inquisition lebt. Wo leben wir denn? 2016? Von wegen: Back to the Middle Age und das aber mit Hightech-Waffen. Mad Max lässt grüßen.

Wissenschaftler kopieren fieberhaft Daten zum Klimawandel von Regierungsservern. Sie wollen bis zu Trumps Amtseinführung im Januar so viel Material wie möglich sichern. Denn sie haben Angst, dass wissenschaftliche Daten verschwinden könnten, sobald Donald Trump Präsident ist – ein Mann, der Klimawandel als Scherz der Chinesen bezeichnete.

Quelle: Sorge um wissenschaftliches Material: Klimaforscher schützen Daten vor Trump | tagesschau.de

Klimafreundlich Online-Shoppen

14.12.2016, von

Online-Shoppen, das ist praktisch, geht schnell und ist bequem. Nachteil: Verödende Innenstädte, wenn immer mehr Leute nicht in Läden kaufen (ok, da sind auch die Centren auf der grünen Wiese mitverantwortlich), und: erhöhter Ressourcenverbrauch. Aber: das geht besser, hat sich das Mainzer Umweltministerium gedacht und eine lesenswerte Liste mit Tipps erstellt, wie sich klimafreundlich Onlineshoppen lässt. Besonders schlecht weg kommt die verbreitete Variante, erst im Laden zu gucken und dann online zu bestellen = doppelter Ressourcenverbrauch. Obwohl: das vermeidet Retouren. Naja, wie man’s dreht und wendet: letztlich kommt’s immer auf die Details an, ob der Einkauf unter dem Strich  klimafreundliche oder klimaschädlich verläuft.

 

https://umweltschutz-im-alltag.rlp.de/de/monatstipps/online-shopping-was-hat-das-klima-davon-dezember-2016/

DB: Fahrt in die Bedeutungslosigkeit?!

12.12.2016, von

Ein bischen Unkenruf darf und muss sein. Ich sag‘ mal: Wenn die Entwicklung so weitergeht, dann wird die Deutsche Bahn in 20 Jahren eine so große Bedeutung haben wie die Eisenbahn heute in den USA – fast keine mehr. Politisch zumindest geduldet werden durch die Bahnoberen die Weichen seit Jahren in dieser Richtung gestellt, mehr oder minder unauffällig.

Da gibt es Großprojekte wie Stuttgart21, die enorme Ressourcen binden, die woanders dringend gebraucht würden (Stichwort: Förderung des Regionalverkehrs). Mit einem auch monetär zumindest extrem zweifelhaften Nutzen für das Verkehrsmittel und dessen Kunden sowieso.

Die Schweizer feiern gerade den neuen Gotthard-Bahntunnel, der Zugverkehr im längsten Tunnel der Welt rollt, und der Anschluß in Deutschland? Fehlanzeige, die Oberrhein-Bahntrasse ist von der Vollendung weit entfernt, ein Desaster, das sich schon vor Jahren abzeichnete.

Geld ist knapp bei der Bahn. Auch das ist politisch durchaus hausgemacht, denn wer hat denn der Bahn mit den Fernbussen die Konkurrenz erst geschaffen, die jetzt auf den lukrativen Strecken die Profite mindert? Genau: das stand bereits im vorletzten Berliner Koalitionsvertrag. Es hat bloß kaum einer bemerkt und Ernst genommen. Alle freuen sich über vermeintlich billige Busreisepreise, aber aus Steuermitteln muss jetzt die Bahn bezuschusst werden. Gerade erst gab’s deshalb wieder einen Milliardenzuschuss.

Der Bundesrechnungshof ist freilich äußerst unzufrieden mit der Bahn:

Trotz Milliardensummen gebe es zu wenige Verbesserungen bei teils veralteten Verkehrswegen.

Dafür trifft man inzwischen Fahrkartenkontrolleure in Springerstiefeln und blauer Security-Uniform in der S-Bahn, antreten zum Fahrkarten-Appell. Irgendwo muss das Geld ja herkommen. Die Pünktlichkeit hat nach einem Zwischenhoch vor einigen Monaten nach eigenen Beobachtungen inzwischen wieder stark nachgelassen, zumindest im süddeutschen Raum. Quo vadis, Bahn? Von Besserung ist wenig zu spüren. Wenn’s so weiter geht, geb‘ ich ihr noch zwanzig Jahre.  Schade eigentlich.

Quelle: Sparkurs bei Infrastruktur: Rechnungshof kritisiert Bahn | tagesschau.de

Apple: Abkassieren durch Elektroschrott?!

30.11.2016, von

Wie lange will unser Gesetzgeber eigentlich noch zugucken ohne einzugreifen, wie Firmen wie Apple munter dazu beitragen, wertvolle Ressourcen wie Metalle zu verschwenden? Gerade mal fünf Jahre alte Rechner werden demnächst wohl faktisch zu nicht-reparierbarem Müll deklariert.

Apple will demnächst verschiedene bekannte Mac-Modelle nicht einmal mehr gegen Geld reparieren. Darunter sind Geräte, die noch nicht wirklich alt sind.

Bei allem Verständnis, dass der Support auch von Hardware nicht unbegrenzt lange gehen kann weil er sich irgendwann betriebswirtschaftlich nicht mehr rechnet: dass sich Apple wie auch die entsprechend authorisierten Werkstätten schlichtweg weigern, Geräte zu reparieren, die noch nicht alt sind, das ist ein echtes Ärgernis. Manches Apple-Produkt ist eh schon katastrophal reparaturunfreundlich konstruiert, wie z.B. die Timemachine, und dann auch noch die Totalverweigerung nach fünf Jahren für Laptops…

In Kalifornien und der Türkei scheint es allerdings auch anders zu gehen: dort gelten offenbar längere Fristen, in denen ein Hersteller sich noch um seine Gerätschaften kümmern muss. So etwas ist auch bei uns bzw. in der EU überfällig. Da könnte doch z.B. die Ecodesign-Richtlinie der EU mal entsprechend angepasst werden, dass sie längere Reparaturzeitfenster erzwingt.

Milliardengewinne einfahren auf Kosten von Lieferanten und Kundschaft und gleichzeitig Elektro-Schrottberge anwachsen lassen durch Reparaturverweigerung, das passt nicht in die Zeit und sollte auch politisch nicht noch länger geduldet werden.

 

Quelle: Ausgelistet: 2011er Macs werden „obsolet“ | Mac & i

Unterm Sarkophag strahlt’s weiter

29.11.2016, von

Dreißig (!) Jahre hat es gedauert, bis mit gigantischem technischem und finanziellen Aufwand ein erster großer Schritt zur Aufarbeitung der Atomkatastrophe von Tschernobyl gelang:

Der Reaktor von Tschernobyl ist unter einem gigantischen Hightech-Sarkophag verschwunden.

Leider ist damit das Problem nicht gelöst. Hundert Jahre hat die Ukraine jetzt Zeit gewonnen, um den hochproblematischen strahlenden Sondermüll unter der Hülle zu beseitigen. Hundert Jahre hält die Hülle. Danach? Mh. Tja. Also. Ähm. Soviel zum Thema: Atomkraft als Alternative zu fossilen und erneuerbaren Energien.

Quelle: Tschernobyl-Schutzhülle: „Yes! Wir haben es geschafft!“ | tagesschau.de

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