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Forschungsflüge und die Asche

20.04.2010, von

Wir sind so daran gewöhnt, dass uns „die Wissenschaft“ mal eben schnell husch-husch alle Erkenntnisse brühwarm und präzise serviert, dass oft vergessen wird, unter welchen Rahmenbedingungen Erkenntnisse produziert werden. Da wird die Grundlagenforschung runtergeschrumpft und nur noch „anwendungsorientierte“ Wissenschaft gefördert, aber wenn dann der Vulkan spuckt, dann sollen die Forscher gleich sofort alles über die Asche und ihre Zusammensetzung wissen. Und wehe, das Forschungsflugzeug steigt nicht gleich sofort auf. Jan Woerner vom DLR hat völlig Recht, wenn er in seinem Blog an Selbstverständlichkeiten im Zusammenhang mit der Erkundung der Atmosphäre und Forschungsflügen erinnert, die längst nicht mehr selbstverständlich sind:

Wenn die Öffentlichkeit in einer schwierigen Situation wie einer Krise oder einer Katastrophe rasch zuverlässige Informationen erwartet, so ist der dafür erforderliche Betrieb und die damit verbundene Notfallvorsorge parallel zur Forschungstätigkeit zu planen und zu finanzieren.

Ohne ausreichend Asche wird’s halt schwierig was zur Asche des Eyjafjalla zu sagen. Und nicht nur dazu. Wäre schön, wenn das als weitere Erkenntnis für den Umgang mit Wissenschaft hängen bleiben würde. Mehr dazu: DLR Blogs – Ein Vulkan bricht aus und beeinflusst ganz Europa – Teil 2.

Erstaunlich ähnliche Elemente

17.06.2009, von

Element Hafnium - Copyright Axel Weiss/SWR

Alle Umwelt ist (auch) Chemie. Die chemischen Elemente mal in Reinform und fast greifbar vor sich zu haben, das ist eine erstaunliche Erfahrung. Die sehen nämlich gar nicht sonderlich verschieden aus: ganz viele Elemente ähneln dem   Hafnium: sie schimmern silbrig-glänzend metallisch. Im Max-Planck-Institut für Polymerchemie in Mainz hängen Proben der Elemente jeweils einzeln an der Wand in einem mehrere Meter großen „Periodensystem“, eingepackt in unterschiedliche Behälter. Alle Elemente sind vertreten bis Nummer 102, es fehlen freilich die radioaktiven Elemente (ist auch besser so). Der Wasserstoff hat sich leider auch schon verflüchtigt (was niemanden richtig wundert). Und Nummer 112 ist natürlich auch noch nicht dabei, das ist ja gerade erst „entdeckt“ (oder besser: erzeugt) worden.

Lecker Walfleisch

09.06.2009, von

Eine neue Untersuchung macht deutlich: Walfleisch mag zwar lecker schmecken, im 21. Jahrhundert scheint es aber aufgrund der Verunreinigungen der Meere einige Nebenwirkungen zu geben. Zumindest ergibt das eine Studie, die Naturschützer zum nächsten Treffen der Internationalen Walfangkommission in anderthalb Wochen vorlegen wollen:

Laut der Untersuchung leiden Volksgruppen, die Wal- und Delfinfleisch essen, häufiger an Gedächtnisstörungen, der Schüttellähmung Parkinson und Immunschwächen.

Böswillige werden jetzt natürlich der Meinung sein, dass die Naturschützer von Pro Wildlife diese Studienergebnisse frei erfunden haben, um Wale weniger attraktiv zu machen.

Quelle: Pro Wildlife : Walfleisch oft zu giftig zum Verzehr – Wissenschaft – STERN.DE.

Wohin mit dem Weltraumschrott?

30.03.2009, von

Müll gibt’s nicht nur auf der Erde. Derzeit debattieren Wissenschaftler der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA in Darmstadt darüber, wie sich Weltraumschrott vermeiden läßt. Das Problem:

Selbst ein verlorener Handschuh kann gefährlich werden, wenn er mit rund 50.000 Kilometern pro Stunde auf einen Satelliten oder ein Shuttle trifft. Rund 600.000 Objekte, die größer als ein Zentimeter sind, vermuten ESA-Wissenschaftler im Weltraum.

Die legendäre Werkzeugtasche, die vor einiger Zeit bei Reparaturarbeiten an der Internationalen Raumstation ISS verloren ging, hat also noch 599.999 Begleiter. Auch wenn das einerseits Anlaß für wunderbares Gespöttel ist – die Sache ist ernst. Was tun mit dem Schrott? Darauf eine brauchbare Antwort zu finden ist für die Zukunft der Raumfahrt eine existentielle Frage.

Quelle: Weltraumschrott-Konferenz: Die Angst vor dem Geschoss im Orbit | Weltraum | Wissen | BR.

Darwin Preis für Dummies

12.02.2009, von

Achja, good ol‘ Charles D., der vor 200 Jahren das Licht das Welt erblickte, wenn der gewußt hätte, was für ein Preis dereinst nach ihm benannt werden würde.  Die Biologin Wendy Northcutt zeichnet seit 1994 merkwürdige Todesfälle aus. Natürliche Auslese als Evolutionsmotor, ja schon, aber so?

Die Gewinner des Darwin-Preises schaffen es, «sich auf derart blödsinnige Weise aus dem Genpool zu eliminieren, dass dadurch das langfristige Überleben der Art gesichert wird», erklärt Northcutt in ihrem Buch «Die Darwin Awards».

An Tagen, an denen sonst nicht viel geboten ist, sind die Einzelheiten immer wieder schön zu lesen und daher von den Schweizer Kollegen passend zu Darwins Geburtstag ausgegraben. Die Geschichte etwa vom 63jährigen, der mit Starkstrom die  Maulwürfe aus seinem Garten vertreiben wollte etc. Aber Vorsicht: Rabenschwarzer Humor.

Apropos Darwin: Es ist  großartig, wie heute an seinem 200. Geburtstag alle auf den Galapagos-Inseln als Darwins Charles DarwinMega-Inspirationsquelle herumreiten. Als ob die für Darwins Evolutionstheorie so ausschlaggebend gewesen wären. Kaum einer erwähnt dagegen den Geologen Charles Lyell, dessen „The principles of Geology“ Darwin auf seine Expeditionsreise mitgenommen hatte. Lyells Erkenntnisse über die Entstehungsgeschichte der Gesteine und vor allem seine geomorphologischen Betrachtungen haben Darwin maßgeblich beeinflußt. Und, auch das wird gern weg gelassen, Darwins Erkenntnisse über Veränderungen im Erscheinungsbild einer Art stammten vor allem von Tauben bzw. Taubenzüchtern, mit denen Charles Darwin eine rege Korrespondenz pflegte. Aber zugegeben: Darwinfinken auf Galapagos machen einfach mehr her als Tauben in England. Die schönere Story setzt sich halt meistens durch.

Quelle: Wer ist der Dümmste? / Vermischtes / SF Tagesschau.

Pleite – und sonnig

11.02.2009, von

Nicht schön: die Uni Hohenheim und die dort zumindest geplante Verwendung von Studiengeldern – zur Grundfinanzierung, nicht zum Ausbau der Lehre und der Verbesserung von Studienbedingungen.

Die Universität Hohenheim möchte Löcher, die sich aus geringeren Zuweisungen vom Land ergeben, mit Studiengebühren stopfen. Es geht um 3,2 Millionen Euro, aber auch um den Erhalt der Grundausstattung.

Eine Uni in Notwehr – mit den Kürzungen der letzten Monate verabschiedet sich der Staat rsp. das Land Baden-Württemberg aus seiner Bildungsverantwortung, vielen Dank.

Schön dagegen: Studies engagieren sich für Solarenergie auf den Dächern, Beispiel Berlin:

Aktuell entsteht eine 600m² große Photovoltaikanlage auf dem Dach der „Rostlaube“, dem Hauptgebäude der Freien Universität Berlin. Die Anlage wird durch Einlagen der Studenten selbst finanziert. Die finanzielle Einstiegshürde für den Anteil an der ‚eigenen‘ Solaranlage ist mit 250,- Euro niedrig gehalten. Sich refinanzieren und eine Verzinsung von durchschnittlich 5 Prozent bringen soll das Projekt über die Einspeisevergütung.

Quelle: Telepolis enews: Unidächer zu Solaranlagen.

Dem Severin gefällt die Kält‘

08.01.2009, von

Tegeler Fließ - Copyright Stefanie Peyk

Dieses hier passt doch wunderbar zur aktuellen Lage heute:

Wenn es dem Severin gefällt, dann bringt er mit die große Kält‘.

Sagt nicht der Bauernkalender, sondern das steht im Buch „Kosmos Wetterjahr 2009“, das gerade auf meinem Schreibtisch liegt. Darin erfahre ich ferner über den heutigen Tag des Heiligen Severin:

Eine Häufung von Kältewellen um den 8. Januar gibt es nicht. Aber wenn sich die seltene Wetterlage mit einer großräumigen Nordostströmung einstellt, sind durchaus extreme Minusgrade möglich, denn in Sibirien herrschen in diesen Wochen Temperaturen zwischen -30 und -50 Grad Celsius.

Zum Beispiel anno 1987, da gab’s Mitte Januar Tiefstwerte bis unter -20 Grad. Und ich bin damals mit einem 2CV und kaputter Heizung über die Schwäbische Alb ins Allgäu gefahren. Verpackt wie ein Eskimo und mit der linken Hand ständig mit dem Eiskratzer die von der Atemluft zufrierende Windschutzscheibe von innen freikratzend.

Aber zurück zum Wetterjahr 2009. Ich finde solche Bücher spannend, die mir Naturbeobachtungen erklären. Jetzt gibt’s auch das Wetter als Jahrbuch. Die zwölf Monate des Jahres bilden das Grundgerüst. „Dem Severin gefällt die Kält‘“ weiterlesen →

Späte Ehrung für Naturschützer

20.11.2008, von

Das ist doch mal prima: Nach dem verstorbenen Ornithologen und engagierten Naturschützer Gerhard Thielcke ist in Radolfzell eine Realschule benannt worden. Thielcke werde damit für sein ehrenamtliches Engagement, für Rückrat und Zivilcourage geehrt, zitiert das BUND-Magazin die Realschulleiterin Gabriele Wiedemann. Der letztes Jahr im Alter von 76 Jahren tödlich verunglückte Konstanzer Professor war Mitbegründer des BUND und der Umweltstiftungen Euronatur sowie Global Nature Fund.

Marswasser im Sommerloch

01.08.2008, von

Das war der Hype heute morgen: Wasser auf dem Mars gefunden! In den Nachrichten tönte das die Republik hoch und runter. Wie schlecht ist unser Gedächtnis eigentlich? 2001, 2003 wurden die damals jüngsten Erkenntnisse auch schon so verkauft: Wasser auf dem Mars gefunden! Dass dessen hübsche Polkappen aus  CO2 und Wasser bestehen ist auch nicht gerade neu. Und spätestens 2005 hat die ESA Wasser definitiv nachgewiesen. „Marswasser im Sommerloch“ weiterlesen →

Kreationisten ante portas

04.06.2008, von

Bauzaun bemalt - Copyright Axel Weiss

Zugegeben, meine erste religiöse Krise hatte ich als 13jähriger. Nämlich ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, als mir der nette alte Pfarrer im Konfirmandenunterricht weismachen wollte, Gott hätte Eva wirklich und ganz tatsächlich aus einer Rippe gebastelt. Sorry, aber dazu hatte ich bis dahin schon zuviel Biologie gelernt als dass ich das hätte glauben können. Soviel zum Thema Bekenntnis des Tages. Umso mehr bin ich immer wieder neu überrascht, wieviele Anhänger die Kreationisten haben, also jene Verkündiger, die Darwins Evolutionslehre ablehnen und eine sehr direkte Schöpfungstheorie vertreten. Bisher trieben die ihr Wesen meist in den USA, aber wie alles andere auch: von dort schwappt die Erkenntnis über den Teich zu uns. Nun also: Kreationisten ante portas, lese ich bei heise.de, jetzt wollen sie einen Themenpark bauen. Damit noch mehr Leute diesen mittelalterlichen Krimskrams glauben. Herr, schmeiß‘ Hirn ‚ra (wie sie auf der Schwäbischen Alb sagen)! Wie gut, dass es Leute gibt, die ein bisschen Gegenpropaganda machen.

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