. .

Eigenstrom-Steuer trifft nicht nur Solarbranche!

25.05.2016, von

Die Bundesregierung will in Zukunft Stromsteuer auch auf selbstverbrauchten Strom erheben. Dagegen hat sich dieser Tage vor allem die Solarwirtschaft positioniert. Solaranlagen rechnen sich ja seit Änderungen am EEG vor einiger Zeit im Allgemeinen nur noch, wenn der Strom selbst verbraucht wird. Die jüngsten Steuerpläne für den Eigenverbrauch stammen aus dem Bundesfinanzministerium und dort heißt es: die EU verlangt das so. Und es trifft eben nicht nur die Solarbranche. Ich habe meinen Kollegen Werner Eckert aus der SWR Umweltredaktion gefragt: wen trifft das wirklich?

„Es geht nicht nur um Solarkraftwerke, sondern um schlichtweg allen Strom, der von den Erzeugern selbst verbraucht wird. Also auch um die Kraftwärme-gekoppelte Anlagen von Industriebetrieben, um Biogasanlagen und anderes. Den größten Nutzen von der Stromsteuerbefreiung hatten tatsächlich bislang konventionelle Anlagen bis 2 MW elektrische Leistung. Für die alleine rechnet das Finanzministerium mit rund 1 Milliarde Euro Mehreinnahmen in den Jahren 2018-2023. Bei den Solaranlagen geht es wohl nur um einen Bruchteil davon.
Den Versuch, die Stromsteuer auch für all das einzuführen, hat es schon mal gegeben. Er ist aber gescheitert. Auch jetzt handelt es sich erst mal um eine Idee des Finanzministeriums. Und der Entwurf muss mit dem Umwelt- und dem Wirtschafts-Ministerium abgestimmt werden – da gibt es erhebliche Vorbehalte – und dann eben auch mit der Wirtschaft. Und die ist nicht amüsiert. 2 Cent verändern halt die Kalkulation nachhaltig.“

In der politischen Diskussion ging es diese Woche aber interessanterweise nur um die Solaranlagen. Warum das?

„Die Solarlobby ist besonders empfindlich derzeit. Denn auf der Agenda steht ja auch ein neues EEG- Erneuerbare-Energien-Gesetz. Da gibt es jede Menge Streit, weil in diesem Fall dann Wirtschaftsminister Gabriel die Förderung deutlich eindampfen will. Die Sorge: wenn das zusammen kommt, dann ist Schicht im Schacht mit Sonnenstrom. Da gehen die Neubauzahlen sowieso drastisch zurück. Das dritte Jahr in Folge wird die Mindestmenge nicht erreicht.
Und gerade jetzt geht es eigentlich erst richtig los mit der Energiewende. Bislang war das eigentlcih mehr ein „weiter wie gehabt + Erneuerbare oben drauf“.  an den vergangenen Wochenenden gab es aber Mittags fast genug Strom – nur aus den Erneuerbaren Quellen. Beides nebeneinander – Sonne und Kohle – vertragen Netz und Markt nicht dauerhaft.“

Ob sich tatsächlich die Erneuerbaren durchsetzen erscheint mir bei der derzeitigen politischen Großwetterlage fraglich. Ja, Siemens verkaufte gerade 84 Offshore-Windräder mit der Produktionskapazität eines halben Großkraftwerks an die Schotten. Aber: Die Kohlelobby ist stark und selbst die Atomlobby probiert es immer wieder, die Interessen ihrer Steinzeittechnologie voran zu bringen, trotz gesellschaftlich breiter Ablehnung. Wenn sich der jetzt kursierende Entwurf des Finanzministeriums durchsetzt, wäre das meines Erachtens ziemlich fatal für die Umwelt. Nur ein Beispiel, das ich aus eigener Anschauung kenne. Da überlegt ein energieintensives Unternehmen sein bisheriges umweltfreundliches Holzhackschnitzel-BHKW, das erneuert werden müsste, nicht mehr durch ein BHKW, sondern durch ein Gaskraftwerk zu ersetzen, wenn der Eigenverbrauch besteuert wird. Das umweltfreundliche Kraftwerk würde sich dann nicht mehr rechnen. Danke, Berlin.

Vorerst keine Pipeline für schmutziges Öl

25.02.2015, von

Eine umstrittene Pipeline wird vorerst nicht gebaut, die aus Ölsanden gewonnenes und damit besonders umweltbelastendes Erdöl aus Kanada in die USA transportieren soll. Präsident Barack Obama hat sein Veto gegen ein entsprechendes Gesetz vorgelegt, das die Republikaner durchgesetzt haben.

Er will eine erneute Überprüfung des gigantischen Projekts abwarten, gegen das Umweltschützer Sturm laufen.

Eine gute Entscheidung, dieses Veto. Fraglich ist nur, wie lange der Widerstand hält. In dem Moment wo die Ölpreise weltweit wieder steigen, wird es deutlich lukrativer, das Öl aus den kanadischen Böden zu nutzen und damit steigt der Druck, die Pipeline dann doch zu genehmigen.

via Veto gegen umstrittenes Projekt: Obama blockiert Keystone-Pipeline | tagesschau.de.

Schmähpreis für versifften Regenwald

24.01.2015, von

Künftig wird das Weltwirtschaftsforum in Davos um eine – um DIE – kritische Stimme ärmer sein. Noch ein letztes Mal gab’s heuer einen Schmähpreis für die übelsten Konzernpraktiken der Welt. Der Ölkonzern Chevron ist für die Ölverseuchung des südamerikanischen Regenwaldes mit dem Public Eye Livetime Award ausgezeichnet worden. Die Umweltorganisationen Greenpeace und Erklärung von Bern hatten die Public Eye Awards die letzten Jahre immer an wirklich ausgesucht umweltschädlich wirkende Konzerne und Banken wie Gazprom oder Goldman Sachs verliehen bzw. übers Internet wählen lassen. Schade, eine Plattform weniger, auf der die Hintergründe globaler Umweltvernichtung pointiert beleuchtet wurden.

Olympia: Wintersport beim Palmenstrand

06.02.2014, von

Die nächsten Weltmeisterschaften im Bergsteigen sollten im platten Hamburg oder in Amsterdam stattfinden. Und die nächste Regatta für Fünfmast-Großsegler in, sagen wir, Sulz am Neckar, und Ulm an der Donau wäre auch nicht schlecht. Was die in Sochi können, können wir schon lange. Nichts ist unmöglich – auch nicht Wintersport im Sommerparadies. Skifahren an der russischen Riviera. Sochi war schließlich die Sommerresidenz Stalins, (das Haus steht übrigens noch, ein Museum, liebevoll hergerichtet), dort wo das Schwarze Meer am wärmsten ist und Palmen die Straßen zieren.
Tja, ein Teeanbaugebiet im subtropischen Klima des Schwarzen Meeres richtet olympische Winterspiele aus. Warum eigentlich nicht, aber warum eigentlich nicht gleich in Dubai , auch die Zentralafrikanische Republik würde sich anbieten. Das bischen Energiemehraufwand, das spielt doch keine Rolle.
Wir beherrschen die Natur, das war schon unter Stalin das Credo der Grossmannsucht, doch auch nach dem Tod des Tyrannen folgten in den nächsten Jahrzehnten allerlei umfangreiche Pläne zur Umgestaltung der russischen Natur. Real existierende Industrieagrarkultur, geprägt von völlig überzogenen Allmachtsvorstellungen. Gigantische Bewässerungsvorhaben, ewig lange Flussumleitungen sollten zeigen: Technik besiegt Natur, wir Menschen beherrschen alles, wenn wir nur wollen. Heute können wir am ausgetrockneten Aral-See das Resultat des Wahnsinns bewundern.

Der Schoß ist fruchtbar noch, geht mir da durch den Kopf, wenn ich die 700.000 Kubikmeter zwischengelagerten Schnees vom Vorjahr betrachte, mit dem der Winter 2014 in Sochi gepimpt wird. Oder die 400 festinstallierten plus 27 mobilen Schneekanonen, die für weiße Abfahrten sorgen sollen. Je nach Lesart kostete der olympische Wahnsinn sieben bis 50 Milliarden Dollar und da reden wir nicht von der energetischen oder ökologischen Bilanz. Dafür steht dann ein 40.000 Plätze fassenden Stadium im Imeretinskaya Feuchtgebiet, das einst für sein reichhaltiges Vogelleben bekannt war.

Offiziell freilich ist das ganz anders: „In Harmonie mit der Natur“, wirbt die Seite www.sochi2014.com für grüne Winterspiele. Null Müll soll anfallen, lautet das Versprechen der Grünen Spiele. Das passt zwar nicht zusammen mit diversen illegalen Bauschuttablagerungen von den Olympiabaustellen nördlich von Sochi. Und auch wie der benachbarte Sochi Nationalpark und das Biosphärenreservat Kaukasus ausgerechnet durch den Ausbau der regionalen Infrastruktur geschützt werden sollen, bleibt das Rätsel der russischen Verantwortlichen. Denn normalerweise gilt: je besser zugänglich eine Region ist, umso stärker wird sie besucht. Das ist schön für den Tourismus und das Bruttosozialprodukt, weniger schön allerdings für bisher eher weniger belastete Naturräume wie den Westkaukasus. Aber wen interessiert schon Natur bei soviel Olympia. (und soviel Geld…)

Bürger retten die Welt, nicht Konsumenten

08.12.2012, von

So ganz taufrisch sind die Erkenntnisse ja nicht, dass eine Minderheit auf diesem unseren Planeten deutlich mehr verbraucht als das auf Dauer zu verkraften ist. Auch die Frage: Was tun? Hat mittlerweile schon ein paar Generationen von Forschern beschäftigt. Die Antworten freilich sind bislang eher unbefriedigend. Von Events wie einer Weltklimakonferenz ist keine schnelle Lösung zu erwarten, also richten sich die Blicke zur Weltrettung auf den Konsumenten. Viele kleine Schritte ergeben schließlich auch einen großen Effekt, wird uns Verbrauchern allerorten gepredigt. Und hängt nicht unsere Wirtschaft zur Hälfte am privaten Konsum?

Gewissen ist geil, die persönliche C02-Bilanz zählt. Licht aus gemacht? Regional gegessen? Den Mallorca-Flug CO2-kompensiert? Nur den kleinen Knopf an der Klospülung betätigt oder hamse etwa den ganze Behälter durchgejagt, Sie kleines speckiges Ökoschweinchen? Dabei ist gut gemeint oft das Gegenteil von gut gelungen. „Bürger retten die Welt, nicht Konsumenten“ weiterlesen →

Ausgezeichnete Gesellschaftskritik: ethecon-Ehrung

19.11.2012, von

Die Schweizer „ethecon Stiftung Ethik und Ökonomie“ zeichnete jüngst den streitbaren Genfer Soziologen Jean Ziegler für seinen Kampf gegen den Hunger aus. Ziegler  wird nicht müde, das kapitalistische Wirtschaftssystem für seine mörderischen Auswirkungen anzuprangern: „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wurde ermordet“, ist nur eine seiner Formulierungen. Dafür gab’s jetzt den Blue Planet Award. Mit dem Negativpreis Black Planet Award wurde hingegen der Rohstoff-Multi Glencore bepreist:

„Multis wie Glencore verletzen Menschen- und Sozialrechte, verursachen Umweltschäden und vergiften Gewässer, verschieben Gewinne in Steuerparadiese, vergrößern den globalen Graben zwischen arm und reich“, heißt es dem Aufruf eines Komitees Solidarität mit den Opfern der Rohstoffmultis.

Kein Wunder, wenn schon der Unternehmensgründer Marc Rich heißt, könnte man meinen.

via „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wurde ermordet“

Etwas mehr Umweltschutz wagen in China

01.11.2012, von

China verändert sich nachhaltig, zu seinem Vorteil:

Gerade ökologisch fragwürdige Projekte durchzusetzen sei in China heute oft schwieriger als in manchen demokratischen Staaten, räumen westliche Unternehmer inzwischen ein.

Das ist doch mal ein Anfang.

via China: Mit dem Aufschwung wächst das Selbstbewusstsein der Chinesen

Die Region. Der Liter. Der neue Golf. Lauter Missverständnisse.

07.09.2012, von

Wir müssen mal zwei Missverständnisse klipp und klar ausräumen. Das mit der Region und die Sache mit dem Liter. Zunächst zur Region. Unter Region versteht ein globaler Nahrungsmittelkonzern etwas anderes als ein kleiner Biobauer etwa auf der Alb. Für den reicht die Region von, sagen wir: Upflamör bis Tigerfeld und vielleicht noch bis Münsingen aber auch wirklich nur vielleicht. Reutlingen ist schon klar Ausland. Tübingen sowieso, das ist evangelisch.

Für den Konzern dagegen ist der blaue Heimatplanet schon Region genug, also: die festkochenden Kartoffeln aus der Region können auch aus Chile stammen. Wir mündigen Verbraucher lassen uns natürlich nichts vormachen, wir erkennen die Unterschiede zwischen Region und Region sofort intuitiv beim Einkaufen, gesetzliche Regelungen für sowas brauchen eh nur Weicheicher oder Sozialisten. Aber keine Sorge: „Die Region. Der Liter. Der neue Golf. Lauter Missverständnisse.“ weiterlesen →

Die etwas andere Krötenwanderung

14.01.2012, von

Auf den ersten Blick zeigt das grüne Vorschaubild, das jemand auf  meine Facebook-Pinwand gestellt hat, einen Nadelwald aus der Luft. Darüber steht: Krötenwanderung. Stimmt, denke ich, ist ja bald wieder so weit und sehe vor meinem geistigen Auge plattgefahrene Amphibien und eimerschleppende Helfer an Krötenzäunen.  Dann freilich fällt mir auf, dass das Wort „Krötenwanderung“ aus Einzelbuchstaben zusammengesetzt ist wie ein klassischer Erpresserbrief. Als ich sehe, wer den Link auf das Youtube-Video gepostet hat – Graswurzel-TV – wird mir klar: Krötenwanderung hat auch noch eine ganz andere Bedeutung:

„Deine Kröten laufen nicht nur durch Geldautomaten, Hände, Bilanzen und Aktienanlagen. Sie können auch viel Unheil anrichten. Wenn Du bei der falschen Bank bist werden deine Kröten in Waffen oder Atomkraft investiert. Und die Banken wetten auf steigende Nahrungsmittelpreise und fördern damit Not und Hunger in der Welt.“

Occupy Economy, hier in der virtuellen Variante. Das Netz ist eine großartige Fläche für Propaganda, „Die etwas andere Krötenwanderung“ weiterlesen →

Alle reden von Nachhaltigkeit – und kaum einer fährt sie

20.06.2011, von

Immer wieder gern unter die Lupe genommen, um die Glaubwürdigkeit unserer Unternehmen in Sachen Umweltengagement zu überprüfen:

CO2 Ausstoß der Dienstwagenflotten deutscher Unternehmen 2011

Die neuesten Zahlen sind wieder ernüchternd. Besonders nett: Laut Deutscher Umwelthilfe verfehlen 27 von 30 Mitgliedern des „Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft“ den Nachhaltigkeitscheck und müssen mit einer „Roten Karte“ leben.

via Deutsche Umwelthilfe e.V.: Publikationen.

Nächste Seite »

Blogeinträge

Häufige Stichworte

 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2018