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Rieslingklone der 1980er – Zeitbombe im Weinberg?

25.04.2012, von

Das Bessere ist der Feind des Guten, sagt man. Ist ja auch nicht verkehrt. Bis auf manchmal halt. Beispiel Rebenklone. In den Weinbergen standen jahrhundertelang sogenannte „Gemischte Sätze“ aus verschiedenen Rebsorten mit unterschiedlichen Eigenschaften.Dann fingen die Bauern und Forscher an, immer stärker nach bestimmten Eigenschaften zu suchen wie „Trägt viele Trauben“, „besonders zuckersüß“. Solche Eigenschaften wurden dann gezielt vermehrt, getrennt angebaut und später auch gezielt entsprechende Sorten neu gezüchtet.

So entstanden dann Rebsorten wie etwa der Kerner, 1969 erstmals zugelassen. Riesenertrag, anspruchlos war die Rebe auch, super. Kerner galt schnell als kommender Superstar unter den Reben – nur dumm, dass er superempfindlich gegen bestimmte Pilze war. Und wer will schon eine Pilzzucht im Weinberg und immer alles totspritzen. Also gibt’s  in den letzten Jahren wieder weniger Kernerreben.

Aber auch innerhalb einer Sorte wurden bestimmte Eigenschaften gezielt mit Stecklingen als besonders wertvoll rausgesucht und vermehrt. Eine Mutterpflanze liefert dann tausende Klone, ganze Weinberge stammten dann letztlich von einer einzigen Pflanze ab, sind genetisch total gleichförmig. Was aber, wenn sich etwa verbreitete Rieslingklone später als besonders anfällig gegen bestimmte Krankheiten erweisen? Dann hätte die genetische Einfalt fatale Folgen.

Die Esca-Krankheit zum Beispiel führt an der Mosel, in der Pfalz und anderen Weinbaugebieten seit einigen Jahren zum Teil zu erheblichen Rebverlusten. Denn bei Befall hilft meist nur die Rodung des betroffenen Stocks. Kürzlich hat mir ein Winzer und promovierter Biologe erzählt, er und auch andere Winzer hätten zehn Mal mehr Esca bei bestimmten Rieslingklonen aus den 1980er Jahren feststellen müssen als bei älteren Reben. Das könnte als noch teuer werden, wenn sich dieser Verdacht bestätigen sollte.

Mittlerweile bauen Winzer eher Klongemische an, das beugt solchen Problemen vor. Immer wieder zeigt sich an solchen Beispielen, dass die Erhaltung der genetischen Vielfalt wichtig ist, in den Ökosystemen der freien Natur wie auch den Kultupflanzen. Immerhin ist inzwischen etwas Bewusstsein für solche  Probleme gewachsen, Unter www.genres.de findet sich übrigens das deutsche Informationssystem genetische Ressourcen: Damit wir wenigstens wissen, dass es um die Vielfalt schlecht bestellt ist.

Mauern für die Ewigkeit

11.11.2009, von

Trockenmauer bei Lorch - Copyright Axel Weiss

Ein alter Mosel-Winzer hat mir mal stolz erzählt, wenn er nicht mehr sei – seine handgesetzten Weinbergsmauern würden noch lange von ihm künden. Nicht nur von Heinrich Stein aus St. Aldegund: dieses Beispiel fand ich dieser Tage am Mittelrhein oberhalb von Lorch. Sie hatten recht, unsere Altvorderen, ihre Namen in Stein in die Mauern zu setzen. Denn solche (ökologisch wertvollen) Trockenmauern zu bauen ist eine Kunst. Die beherrschen nur noch wenige. Zum Glück gibt es Institutionen wie die Umweltakademie Baden-Württemberg, die ab und an dazu (gut besuchte) Seminare anbieten.

Klimawandel fördert Killerpilze

05.10.2009, von

Winzer Stein sägt Esca-kranke Rebe ab - Copyright Axel Weiss/SWR

Zur Säge greifen Winzer nur im Ausnahmefall. Wenn eine Rebe freilich die Esca-Krankheit hat, hilft nur noch ein radikaler Schnitt. Oft muss der ganze Rebstock dran glauben, damit sich die tückische Pilzkrankheit nicht noch weiter ausbreiten kann. Untersuchungen zeigen, dass Pilze wie der Mittelmeerfeuerschwamm, die Esca verursachen, in vielen Rebstöcken im Holz nach zu weisen sind, unklar ist aber nach wie vor, was einen Ausbruch verursacht.

Winzer Dr. Ulrich Stein (links im Bild) aus Alf, bei dem wir heute gedreht haben, könnte sich vorstellen, dass die modernen, auf Zuckerproduktion gezüchteten Riesling-Klone anfälliger sind für Esca als die alten, wurzelechten Reben. Dafür sprechen entsprechende Befallsverteilungen, die er in seinen Weinbergen beobachten konnte. Eine wissenschaftliche Beweisführung steht aber noch aus. Sollte sich Steins Vermutung bestätigen, könnte das für den Weinbau gravierende Folgen haben, denn Esca breitet sich aus. Eine mörderische Krankheit, die teilweise binnen kurzer Zeit eine Rebe dahin raffen kann. Und eine tückische Krankheit, denn etwa bei der Kerner-Rebe ist der Befall lange nicht klar zu erkennen. Durch die Bearbeitung der Rebe verbreiten sich die Pilze dann über die Rebscheren an neue Stöcke.

Klar ist: Vor einigen Jahren war Esca hierzulande noch kaum ein Thema, doch mit dem Klima wandeln sich eben auch die Rebkrankheiten. Dieses Jahr machten vor allem Pilze wie der Falsche (und tw. zusätzlich der Echte) Mehltau den Reben zu schaffen. Manche Winzer an der Mosel verzeichneten in ihren Weinbergen bis zu 100 Prozent Ernteausfall, vor allem bei empfindlichen Sorten wie Müller-Thurgau oder Cabernet-Arten. Mehr dazu am Dienstag Donnerstag abend in der Landesschau Rheinland-Pfalz im SWR-Fernsehen.

Bordeaux gegen Treibhauseffekt

14.12.2008, von

Das ist ja mal cool, was der Weinwirtschaftsverband Bordeaux vor hat: Er will die Kohlendioxid-Emissionen bei der Weinproduktion senken, lese ich heute in der „Weinwirtschaft“. 200.000 Tonnen kohlenstoffäquivalente Emissionen wurden in der Weinregion Bordeaux im Jahr 2007 erzeugt, geschaffen bei Transport und Verarbeitung des Weins, durch Touristen (immerhin 55.000) oder Abfallbehandlung. Es könnten binnen fünf Jahren 30.000 Tonnen (also 15 %) weniger werden, haben sich die Winzer vorgenommen. Bis 2050 sollen es sogar minus 75 Prozent sein. Und wie das gehen soll? Zum Beispiel, in dem die Winzer darauf verzichten, alte Rebzweige zu verbrennen.

Zikade bekümmert Winzer

25.07.2008, von

Die Amerikanische Rebzikade könnte einen kalt lassen. Außer vielleicht man ist Winzer und liest Nachrichten aus Österreich. Dort wurde die aus den USA in den 50er Jahren eingeschleppte Rebzikade nach 2004 und letztem Jahr erneut gesichtet. Das Problem: Das possierliche Tierchen überträgt Phytoplasmen (Candidatus Phytoplasma vitis) und die machen den Reben schwer zu schaffen. “Flavescence dorée” nennt sich die durch diese Zikaden übertragene Bakterienkrankheit. Junge Reben können bei Befall absterben, alte Reben schwer im Ertrag geschädigt werden. Winzer in Serbien und Italien leiden bereits darunter. Und es besteht der Verdacht, dass der Klimawandel die Ausbreitung dieser wärmeliebenden Bakterien fördert. 1987 Languedoc, 1992 Loire, 2004 Burgenland, 2008 erneut Burgenland. Droht uns nach dem Maiswurzelbohrer jetzt ein weiterer tierischer Eroberer aus dem Süden? Hoffentlich nicht.

Relaxen Sie es sich!

21.07.2008, von

Wer berät Winzer eigentlich bei der Wortwahl? So trudelte mir heute zum Beispiel ein Werbebrieflein der Staatlichen Weinbaudomäne Oppenheim ins Haus. Da spielen dann „bei hohen Temperaturen deutsche Weine ihre Trümpfe aus“, da gibt’s „freche Früchtchen“ und prickelnde Säure, die „Lust auf mehr“ machen. Mehr Säure oder was? Dann wird mir ein abgefahrener „Sommerwein-Fahrplan“ angeboten und damit nicht genug, es folgt mitten in der Ferienzeit das „Sommerwein-After-Work“:

„Spazieren Sie gemeinsam mit uns und sommerweinlicher Begleitung durch die Weinberge und relaxen Sie es sich bei rheinhessischem Spundekäs und frischen Weinen im Domänenhof.“

Relaxen Sie es sich! Wer hat das denn verbrochen? Solche Formulierungen haben die Oppenheimer Staatswinzer nicht verdient. Die machen überwiegend gute Weine und wer zum Beispiel erfahren will, wie unterschiedlich Riesling schmecken kann, wenn die Rebe auf Löss, auf Rotliegendem oder auf Kalkmergel wächst (man muss ja nicht immer gleich von „Terroir“ reden wenn „Boden“ bzw. „Gestein“ gemeint ist), sollte mal die Vinothek der Weinbaudomäne besuchen .

Speiübel könnte einem werden

16.04.2008, von

„Speiübel könnte einem werden“, schreibt heute Hermann Pilz, der Chefredakteur der „Weinwirtschaft“, über Verlogenheit im Weinhandel. Wenn in Italien im vergangenen Jahr Weine im Tetra-Pak für 36 bis 38 Cent je Liter angeboten wurden, dann muss einen nicht wundern, wenn da was faul ist. Der jüngste Skandal um gepanschte Italoplörre (ist ja nicht der erste) ist jedenfalls einer der größten Weinskandale aller Zeiten überhaupt und laut Pilz weit größer als bisher bekannt:

„Insider sprechen bereits von Größenordnungen von über 300 Millionen Litern und davon , dass ein Großteil nach Deutschland gelangt ist.“

Die Produktionskosten für Kunstwein sind verlockend niedrig. Laut „Weinwirtschaft“ hat es 1300 Euro gekostet, aus Wein, Wasser, chemischen Zusätzen, Salz- und Schwefelsäure sowie Zucker einen Tanklastzug voll Kunstwein zu erzeugen. 30 000 Liter. Übrigens: Ekel vor italienischen Weinen im Supermarkt ist deswegen nicht nötig: Die Brühe, wegen der derzeit auch in Deutschland ermittelt wird, ist längst ausgetrunken. Ob vielleicht schon würdige Nachfolger irgendwo in einem abgelegenen Chemielabor abgefüllt worden sind entzieht sich freilich meiner Kenntnis…

Salzsäure im Italo-Wein

11.04.2008, von

Die Weinkontrolle in Rheinland-Pfalz untersucht gerade, ob von den kürzlich entdeckten gepanschten „Weinen“ aus Italien auch etwas zu uns gelangt ist. Immerhin wurden da mal eben 70 Millionen Liter zusammengerührt, aus Dünger, Salzsäure, Rübenzucker, Wasser und Billigweinen. Lecker. Verkauft wurde das Gebräu dann auch nicht etwa als Billigwein in Karton oder Tetrapak, sondern teilweise sogar als IGT oder DOC-Wein in Flaschen abgefüllt. Naja, vielleicht haben wir ja Glück und die Brühe blieb in Italien (heiliger St. Florian, hilf!), es gibt freilich deutliche Hinweise auf Exporte in Supermärkte nach Deutschland.

Wie auch immer die Prüfung durch die Weinspezialisten ausfällt, eines kam bei den Recherchen meines Kollegen Werner Eckert heute jedenfalls sehr deutlich raus:

Jeder vierte italienische Wein, den die Weinkontrolle letztes Jahr untersuchte, hatte richtig schwerwiegende Mängel. Er war ungenießbar, gewässert oder gepanscht. Na denn: Prost.

Brasilianische Klosterweine

17.03.2008, von

Weinkeller Kloster Caraça - Copyright Axel Weiss

In den Tropen gibt es eine Menge Bäume, deren Blüten direkt aus dem Stamm kommen, ein in Deutschland unbekanntes Phänomen. Eines der schönsten Beispiele dafür ist die Baumstammkirsche Jabuticaba, ein in den Bergen von Rio und dem angrenzenden Minas Gerais heimisches Gewächs. Aus den dicken schwarzen Kugeln lässt sich ein wunderbarer Wein machen., wie ich im Kloster Caraça entdecken konnte.

Weinetikett Caraça - Copyright Axel Weiss

Das tiefrote, fast schwarze Getränk vereint exotische Fruchtigkeit mit einer kräftigen Note Kräuterbitter. Der Alkoholgehalt bleibt unbekannt, dem Etikett ist er nicht zu entnehmen, liegt aber sicherlich bei über 13 Prozent.

Doch das Kloster bietet mehr als nur tropischen „Kirschwein“ aus Jabuticaba.

Es wird auch Caraça-Wein aus Weintrauben aus eigener Produktion verkauft. Die Trauben freilich stammen nicht mehr vom klostereigenen Weinberg, von dem der größte Teil bereits vor einigen Jahren aufgegeben wurde. In den Klostergärten (wir befinden uns immerhin 1300 m über dem Meeresspiegel) existiert heute nur noch ein kleiner Wingert zwischen den ansonsten prächtigen Gemüserabatten und Salatgewächshäusern. Ein Wingertchen mit nur wenigen Dutzend Reben und was mich wirklich bedrückt hat ist der Zustand. Die Reben fand ich schlecht geschnitten und außerdem von Pilzen schwerstens heimgesucht.

Rebblatt mit Pilzbefall - Copyright Axel Weiss

Kein Wunder, dass im Weinkeller auf andere Trauben zurück gegriffen wird, um die paar Hundert Flaschen Klosterwein jährlich her zu stellen. Gekeltert wird der Wein von Caraça aus angelieferten extrem süßen, roten (Tafel-)Trauben , die per Lieferwagen aus Sao Paulo über mehrere hundert Kilometer angekarrt werden.

Jair lädt Trauben ab - Copyright Axel Weiss

Über die Qualität des daraus in liebevoller Handarbeit entstandenen Produkts breiten wir indes betrübt den Mantel des Schweigens. Hoffentlich erhält das Kloster möglichst bald mal winzerlichen Rat. Ich hatte das Gefühl, seit der für den Weinbau einst zuständige Pater nicht mehr da ist gibt es niemanden mehr, der die nötigen Grundkenntnisse für den Weinausbau aus Weintrauben mitbringt. Eigentlich schade. Umso mehr loben wir den Jabuticaba-Wein, der schmeckt als Digestif oder Aperitif in kleiner Dosierung wirklich lecker. Die kirschartige Frucht nimmt es im Gegensatz zu den empfindlichen Trauben nicht übel, wenn sie nicht ganz nach den Regeln der Kunst behandelt wird.Weinberg im Regen in Caraça - Copyright Axel Weiss

Brasilianische Liebfraumilch

01.03.2008, von

Liebfraumilch - Copyright Axel Weiss
Die brasilianischen Weine haben es schwer gegen die etablierte Konkurrenz aus den Nachbarstaaten Chile und Argentinien. Bisher führt den Weinbau in Brasilien immer noch ein Stiefmütterchen-Dasein. Richtig gute, geschweige denn international konkurrenzfähige Weine gibt es noch wenige. Obwohl: in den letzten Jahren hat sich eine Menge getan beim Weinbau in Brasilien, ich hoffe im Kloster Caraca in Minas Gerais am Ende meiner Reise noch mehr über diese Themen zu erfahren.

Deutschland ist in Sachen Weinausfuhr deutlich erfolgreicher, zumindest findet sich der deutsche Exportschlager „Liebfraumilch“ selbst in Campo Grande auf der Getränkekarte (eines Bierlokals). Interessanterweise einmal als internationales Angebot, aber auch in einer „nationalen“ Variante. Das muss ich bei Gelegenheit recherchieren, was da genau dahinter steckt bzw. mit was jeweils diese Flaschen gefüllt werden

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