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Brasilianischer Noch-Umweltminister warnt vor neuer Politik

31.10.2018, von

Minister kündigt Fusion mit Landwirtschaft an

Es ist ein Hilfeschrei erster Güte, der da über den Atlantik kommt. Der brasilianische Noch-Umweltminister macht in ungewöhnlich deutlicher Form öffentlich klar, was die vom künftigen Präsidenten Bolsonaro geplante Fusion mit dem Landwirtschaftsministerium bedeuten würde: das faktische Ende einer – ohnehin schon schwierigen – brasilianischen Umweltpolitik. „Ressourcenschutz, nein danke“, so lautet letztlich das offene Motto Jair Bolsonaros. Insbesondere die ohnehin schon stark geschrumpften Regenwälder des Amazonasgebiets werden leiden, dazu viele wichtige Schutzgebiete in –  international nur halt weniger prominenten – Regionen wie Pantanal, Cerrado oder Mata atlantica usw.
 
Wenn Bolsonaro auch nur halb so konsequent wie Donald Trump seine Wahlkampfversprechen abarbeitet, dann gute Nacht Ökologie in Brasilien. Und viele BrasilianerInnen werden sich nicht um die Natur kümmern können weil sie in Abwehrkämpfe gegen die ebenfalls offen angekündigte Hetzjagd auf Schwule, Lesben, indigene Völker etc. und andere zu erwartende Verletzungen der Menschenrechte verstrickt sind.

Neue Jagdregeln in Baden-Württemberg – „natürlich!“

15.05.2014, von

Das neue Jagd- und Wildtiermanagement-Gesetz in Baden-Württemberg ist strittig. Zwischen Naturschützern, Jägern und Regierung. Wir haben einige Knackpunkte rausgegriffen und diese Woche bei natürlich! zum Thema gemacht. Hier die Sendung zum nachschauen: http://swrmediathek.de/player.htm?show=0657ab20-daa3-11e3-a953-0026b975f2e6

Eingeweiht: wilder Südwesten im Schwarzwald

30.04.2014, von

Der Staatswald in Baden-Württemberg gehört allen, oder? Und wenn die gewählten Volksvertreter seit 1. Januar diesen Jahres ein winziges Stückchen dieses Staatswaldes haben aus der Nutzung nehmen lassen, dann geht das völlig in Ordnung. Das ein ganz normaler demokratischer Vorgang. Nein, dieser Wald gehört nicht der Sägeindustrie. Oder der Tourismusbranche. Er gehört nicht einmal den angrenzenden Gemeinden. Sondern allen Baden-Württembergern.

Soviel vorab zur Klärung der Eigentumsverhältnisse im Nationalpark Schwarzwald. Und die ist nötig, denn manche Gegner des Schutzgebiets gebärden sich immer noch als werde dort gerade ihr ganz persönliches Privateigentum verprasst. Am nächsten Wochenende bei der offiziellen Einweihung wird da sicher noch einmal das ein oder andere aufflammen an Empörung über das vermeintlich „grüne Vorzeigeprojekt“.

Zugegeben, es ist ja auch nicht ganz einfach, sich von alten Gewohnheiten zu lösen, Neues zu wagen. Jahrhundertelang haben wir den Wald gerodet oder aber eben genutzt, der einst flächendeckend unser Land überzog. Der Wald bot Einstreu für die Ställe, lieferte Nahrung für die Schweine, Eicheln für den Notkaffee, da war das Harz und Holz zum Heizen, hinzu kam edles Wild für die Speisekarte der Hohen Herren… na und so weiter. Jetzt zu sagen: Danke, wir verzichten, wir überlassen der Natur weitgehend das Sagen, das ist schon ein Bruch. Wird da nicht den Borkenkäfern zum Fraß vorgeworfen, was die Generation der Vorväter mühsam aufgebaut haben? Gefühlt: ja. Das ist hart. Aber eine notwendige Zumutung und ein Lernprozess. Wir leben eben nicht mehr im 19. Jahrhundert.

Eine Art Altersheim für Weißtannen, Buchen und Fichten entsteht da jetzt im Nordschwarzwald mit integriertem Hospiz, aber auch Geburtsstation. Natur also. Diese natürlichen Kreisläufe auf  Schreckensszenarien von zusammenbrechenden Wäldern voll finsterer Borkenkäfer zu reduzieren, das ist einfach nur Demagogik. Mancher Nationalparkgegner erweckt den Eindruck, seit 1. Januar diesen Jahres seien im Nordschwarzwald die apokalyptischen Reiter unterwegs – und die Region zwischen Ochsenkopf und Ruhestein falle gerade dem grünen Gottseibeiuns aus dem fernen Stuttgart anheim.

Ja, mag sein, dass die Borkenkäfer schon dieses Jahr zuschlagen – na und? Ein Blick in den Nationalpark Bayerischer Wald zeigt: das überlebt der Wald. Wer’s nicht glaubt, soll sich’s vom Nationalparkchef Dr. Thomas Waldenspuhl (übrigens ein gestandener CDU-ler)  die Zusammenhänge erklären lassen, der kann das nämlich.

Der Nationalpark, oder sagen wir besser: das Nationalpärkle, ist eh schon ein Kompromiss. Viel kleiner geht’s kaum, damit die Region den Namen Nationalpark überhaupt noch verdient. Gerade mal 100 Quadratkilometer sind es – bei einer Gesamtwaldfläche von 14.000 Quadratkilometern. Das heißt, 139 von 140 Teilen Wald im Land  sind eben kein Nationalpark. Und dieses kleine 140stel der Waldfläche im Land war zuvor schon in weiten Teilen Schutzgebiet.

Das Borkenkäfermanagement, das im Nationalpark geplant ist, um die umgebenden Wälder zu schützen, ist so aufwändig, dass man als Steuerzahler sagen möchte: Stopp, halt, soviel Aufwand wegen der  paar Bedenkenträger aus dem umgebenden Privatwald?

Also mal ehrlich: was die Natur im Nordschwarzwald verdient hat ist endlich Ruhe. Ruhe vor soviel Aufgeregtheit wegen ein bischen Wald, der sich dem allzu menschlichen Ordnungs- und Nutzungswillen entziehen darf. Kehrwoche, nein, danke! Wenigstens im Gebiet des Nationalparks sollte sich die Wildnis entwickeln und die Natur jetzt einfach mal ein paar Jahrzehnte auf den paar Hektar in Würde altern dürfen.

natürlich! ab heute für Umwelt und Natur

01.04.2014, von

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Wilde Gegend – auf dem Lotharpfad im neuen Nationalpark Schwarzwald. Erstes Thema heute bei „natürlich!“, der neuen Umwelt- und Natursendung im SWR-Fernsehen. Dienstags, 18.15 Uhr oder in der SWR-Mediathek.
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Wie verantwortlich ist Chevron für versifften Urwald?

08.03.2014, von

Das Ausmaß der Umweltzerstörung in Ecuador war enorm:

5.000 Quadratkilometer verseuchter Regenwald, vergiftete Gewässer, mehr als 114 Milliarden Liter giftige Abwässer und ausgelaufenes Rohöl – darum ging es im Prozess um Umweltschäden.

Das juristische Hickhack in der Folge der Schäden ist unübersichtlich. Erst ein Urteil mit 19 Milliarden Dollar Schadensersatz, dann eine Halbierung, jetzt ein fast-schon Freispruch. Mal Gerichte in Ecuador, mal USA. Klar ist nur: die Umweltsauerei war heftig, die Chevron im Urwald durch die Ölförderung hinterlassen hat, und offenbar kommen die Verantwortlichen wieder mal billig davon. Ein Grund mehr, sich für Erneuerbare Energien zu engagieren.

via Nicht schuldig, sondern nur "in gewisser Weise" verantwortlich | Telepolis.

Paraguay: Erst stirbt der Wald, dann die Indianer

11.02.2014, von

Bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg waren Indianer in der Grenzregion Brasilien-Paraguay Freiwild und wurden von Farmern abgeschossen. So zum Spaß, sonntags, wie ich vor Ort vor einiger Zeit erzählt bekam. Die moderne Variante des Indianermords kommt in diesem Teil Südamerikas zwar nur schleichend daher, ist auf Dauer aber ebenso tödlich.

Eine neue Studie enthüllte erst vor wenigen Wochen, dass Paraguays Chaco – die Heimat unkontaktierter Ayoreo – schneller abgeholzt wird als jeder andere Wald der Welt. Das indigene Volk bemüht sich verzweifelt, weitere Zerstörung zu stoppen.

via Rancher entschlossen, den Wald unkonkatierter Völker zu zerstören – Survival International.

Rotkäppchen und der böse Nationalpark

10.01.2014, von

Es gibt Menschen, für die ist Natur eher feindlich und ein Nationalpark daher offenbar ein Graus. Womöglich leben dort sogar größere wilde Tiere.

Kreisjagdmeisterin Heiderose Hügel aus Idar-Oberstein: "Erst kommt der Luchs und dann der Wolf."

Andere zeigen ein eher alttestamentarisches Verständnis (macht euch die Erde untertan) vom Umgang mit Umwelt, wenig Verständnis von Ökologie (da ist die Tierwelt im Hunsrück im Gleichgewicht) und von Nachhaltigkeit scheint mancher Bauernführer in Rheinland-Pfalz wenig beleckt.
Wir schreiben das Jahr 2014 n.Chr., gelegentlich vergißt man das.

via Bauerntag: Präsident Leo Blum wettert gegen den Nationalpark – Nahe-Zeitung – Rhein-Zeitung.

Voll krasse Waldkarte in geiler Auflösung dank Google

15.11.2013, von

Es gibt gute Gründe, von der Datenkrake Google die Finger zu lassen. Meine Suchmaschine heisst längst wieder metager.de, speichert die IP-Adresse meines Rechners angeblich nicht und liefert trotzdem meist brauchbare Ergebnisse. Aber lassen wir das, manchmal, ja manchmal, da macht Google richtig coole Dinge. Zum Beispiel gibt es jetzt eine hochaufgelöste Karte des Planeten, auf der ist bis auf dreißig Meter genau zu sehen, wieviel Wald auf der Erde wächst oder besser: wuchs.

Vom Jahr 2000 bis 2012 wurde eine Waldfläche von der vierfachen Größe Deutschlands vernichtet.
Matt Hansen von der Uni Maryland in den USA hat die Ergebnisse in seinem Blog dargestellt und auch im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht.
Pro Minute verschwindet Wald in der Größe von 50 Fussballfeldern, also so jede gute Sekunde eins weg und jetzt eins und jetzt ein fussbaldfeld Wald und wieder eins weg na und so weiter. Im Blog ist das auch sehr schön grafisch umgesetzt und wer da nicht ins Grübeln kommt hat kein Herz oder ist Klimapolitiker und grade auf der UN-Konferenz in Warschau zum Klimaschutz, der keiner ist und noch nie wirklich einer wahr.
„Voll krasse Waldkarte in geiler Auflösung dank Google“ weiterlesen →

Tag der traurigen Tropenwälder

13.09.2013, von

14. September ist Tag der Tropenwälder. Und alle Jahre wieder jammern sie allerorten darüber, dass die Tropenwälder immer mehr schrumpfen. Jährlich die Fläche Griechenlands etwa. Aber tun dagegen, och, dann vielleicht doch lieber nicht. Zumindest nicht gleich oder besser: sollen doch die anderen was machen.
Und es dauert: Das Verbot, in die Europäische Union illegal geschlagene Tropenhölzer einzuführen zum Beispiel, ja, das gibt es mittlerweile, das ist toll, das freut den Artenschützer. Nur dumm, dass es im Grunde zwanzig Jahre zu spät kommt, weil die wertvollsten Bestände inzwischen schon abgehackt sind. Die Mühlen der Bürokratie sind halt so langsam und ein Schuft der böses dabei denkt.
Oder, auch so eine nette Geschichte, nehmen wir die Palmölplantagen. Fast sieben Milliarden Euro hat unsere Europäische Union im Jahr 2011 ausgegeben, um die Verwendung von Biosprit zu fördern. Biodiesel wurde mit fast vierzig Cent pro Liter subventioniert. 40 Cent pro Liter! Schließlich sollen die Erneuerbaren Energien im Sprit eu-weit mal zehn Prozent ausmachen, da muss man schon was für tun, klar.
Nur: Längst ist klar, dass Biosprit alles andere als Bio ist sondern blanker Unsinn. Zum einen, weil er keineswegs klimaneutral ist. Es ist für das Klima wesentlich besser und für usn Steuerzahler wesentlich günstiger, den Verbrauch der Autos zu drosseln statt dem Treibstoff Biosprit beizumischen, wie das derzeit der Fall ist. Und zum anderen, wir erinnern uns: Tag der Tropenwälder 14. September: Biodiesel ist ein Waldkiller sondergleichen. Denn statt Urwald für Orang-Utans, Tiger oder Elefanten stehen in weiten Teilen Südostasiens mittlerweile Palmöl-Monokulturen ohne Ende und in Mittelamerika siehts auch nicht besser aus.
Fast zwei Milliarden Kilogramm Palmöl werden dem Diesel in der EU pro Jahr zugesetzt, hinzu kommen große Mengen Soja- und Rapsöl. Doch die veränderte Landnutzung in den Tropen für Biosprit hat die EU zwar per Gutachten selbst feststellen lassen, nur Konsequenzen zieht niemand daraus. Das EU-Parlament hat nämlich dieser Tage allem besseren Wissen zum Trotz die weitere Beimengung von Biosprit auf den Weg gebracht, auch wenn deshalb Ökosysteme in den Tropen zerstört werden, um Zuckerrohr-, Palm- und Sojaplantagen zu pflanzen.
So sind wir: Da haben wir einen Tag der Tropenwälder, da fördert das Umweltministerium diese Woche bundesweit 400 Jugendgruppen, die sich für Erneuerbare Energien einsetzen wollen unter www.energiewende-und-du.de – und die Wirklichkeit? Traurige Tropen, gerodet für Profit und Bequemlichkeit. Alle Jahre wieder.

Eilt: Schönbuch zum Waldgebiet des Jahres wählen

28.08.2013, von

Das Internet. Unendliche Weiten und doch: ein bisschen Heimat findet sich auch drin. Der Naturpark Schönbuch zum Beispiel. Das sind diese anmutigen Anhöhen südlich von Stuttgart, von deren sanften Hügeln der alte Goethe schon immer gern auf das Drecknest Tübingen herunterschaute, das er ziemlich herunter gekommen fand. Aber zu Goethes Zeiten war vom einstigen Schönbuchwald auch nicht mehr allzu viel übrig geblieben, ja, die Jagdhütte des Königs und drumrum ein hochherrschaftliches Rotwild-Revier, aber sonst: Kahlschlag. Für Glashütten, für Baumaterial und wofür sonst noch Holz gebraucht wurde.
Dann aber kam der gute alte sächsische Forstmeister Hans Carl von Carlowitz vor ziemlich genau dreihundert Jahren auf den Trichter mit der Nachhaltigkeit und seither wird nur noch abgehackt, was auch wieder nachwächst. Zwischendurch sollte der Wald zwar mal einem Neubau des Stuttgarter Flughafens weichen – so eine Art Startbahn Süd, das wurde aber wegen geharnischter Proteste nix. Unten bleiben hieß das Motto für die Flieger damals. Und heute?
Heute ist der Schönbuch ein wunderbarer Naturpark mit 150 Quadratkilometern, in dessen entlegenen Seitentälern jetzt die würzigen schwarzen Herbsttrompeten nur so sprießen, dass Pilzkenner ihre Freude haben. Aber ich schweife ab, zurück zum Internet. Der Naturpark Schönbuch, das Herbstrompetenparadies also, kandidiert zum Waldgebiet des Jahres. Im Internet.
Die Abstimmung unter na, jetzt raten Sie, genau: www.waldgebiet-des-jahres.de läuft noch bis Ende August. Klar, die Lieberoser Heide ist nett, der Steigerwald hätte es auch nötig, nachdem die bayerischen Landesforsten darin ziemlich übel gewütet haben und auch das Zittauer Gebirge ist nicht übel. Aber nach Meulenwald 2012 und Solling 2013 könnte jetzt mal ein Südwest-Wald das Rennen machen. Also: Abstimmen gehen. Bis 31. August läuft die Aktion noch.

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