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Insektensterben als ernste Warnung

19.10.2017, von

Wieder einmal reagieren wir erst wenn es spät ist, hoffentlich nicht zu spät. So wie es aussieht sind unsere Insektenbestände in den letzten Jahren massiv in den Keller gekracht und eigentlich wussten wir das auch. Denn wenn immer mehr Insektenarten auf der Roten Liste landen und bedroht sind, wie das zu beobachten war, dann hat das auch Einfluss auf die Biomasse. Doch wen kümmern schon ein paar Fliegen mehr oder weniger. Nur: Der Verlust hat Folgen. Bienen, Schmetterlinge, Fliegen, sie alle spielen in unseren natürlichen wie landwirtschaftlichen Ökosystemen eine letztlich unersetzliche Rolle. Bei der Bestäubung vor allem im Obstbau, aber auch als Futter für Vögel.

Woher das Insektensterben kommt ist nicht sicher. Viel Auswahl bleibt nicht. Da ist zum einen die nächtliche Lichtverschmutzung durch künstliche Beleuchtungen, die Milliarden Insekten verenden lässt. Und dann die Landwirtschaft! Pestizide wie die lange eingesetzten Neonicotinoide sind erwiesene Insektenkiller. Vor allem aber: Lebensraumvernichtung durch industrielle Agrarproduktion. Immer weniger Blüten von immer weniger Arten stehen zu immer begrenzteren Zeiten zur Verfügung. Der letzte Ackerrandstreifen umgepflügt, Mais statt Weiden, Spalierobst statt alter Hochstämme, die letzte Wiese mit Tonnen Gülle zu artenarmer Hochleistung getrimmt, weniger Hecken, kaum noch Feldbäume – das alles bedeutet Nahrungs- und Lebensraumverlust für Insekten und ihre Larven. Schutzgebiete sind oft klein und isoliert, es fehlt die Vernetzung.

Und nun? Die Landwirte werden reflexartig sagen: wir sind’s nicht und die Studienergebnisse anzweifeln, Bund und Länder werden auf Brüssel zeigen und in Brüssel wird sich immer noch niemand trauen, die EU-Agrarpolitik endlich auf halbwegs umweltfreundlich zu trimmen. Ich glaube allerdings, ein weiter so wird auf Dauer nicht funktionieren weil wir die Folgen des Insektensterbens spüren werden. Wir brauchen einen Strukturwandel hin zu extensivererm wieder vielfältigerer Landwirtschaft, von der Bauern aber auch leben können. Wir brauchen in der Landwirtschaft eine bessere Durchsetzung von Vorschriften. Ungestraft umgebrochene Ackerrandstreifen darf es nicht mehr geben. Und wir brauchen bei uns Verbrauchern das Bewusstsein, dass billig nicht alles ist. Geld kann man nicht essen, das ist die Botschaft des Insektensterbens und wir sollten sie ernst nehmen.

Kalter Mai: Mauersegler in Warteschleife

04.05.2017, von

Erst kühl, dann auch teilweise nass, das war den wärmeliebenden Mauerseglern dieses Jahr zuviel: sie kommen lieber ein bischen später als sonst in ihr Sommerquartier bei uns in Deutschland. Die ersten dieser schwalbenähnlichen Vögel (aber nicht verwandt mit den Schwalben) wurden zwar bereits Mitte April in Rheinland-Pfalz gesichtet, aber die allermeisten Tiere sind noch nicht eingetrudelt, sagen Naturschützer von der Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz GNOR. Ihren Winter verbringen die Mauersegler normalerweise südlich des Äquators in Afrika. Vergangenes Jahr waren viele Mauersegler bereits Ende April bei uns zu beobachten. Es sind übrigens Tiere mit einer faszinierenden Biologie: sie können praktisch pausenlos fliegen und in der Luft bleiben. Möglich macht das die doppelte Anlage der Region im Hirn, die das Fliegen steuert. Der Vogel kann dadurch immer wieder die steuernde Hirnregion wechseln und wird dadurch nicht müde. „Er fliegt also, wenn man so will, immer mit Co-Pilot“, sagt Biologe Michael Schmolz von der GNOR. Cool. Übrigens: andere Vogelarten sind – wohl klimawandelbedingt – aufgrund milder Winterwitterung schon extrem früh bei uns eingetrudelt (etwa die Mönchsgrasmücke bereits am 9.3.) oder gar nicht erst richtig weggeflogen wie etwa Zilpzalp, Hausrotschwanz oder Rotmilan, die den Januar am Rhein verbrachten. Foto:

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Der frühe Vogel scheut den Fluglärm

31.08.2016, von

Fluglärm stört nicht nur uns Menschen, sondern hat auch Auswirkungen auf die Tierwelt. Bis zu einem Viertel weniger Zeit steht etwa den Buchfinken in der Nähe des Flughafens Berlin-Tegel morgens zur Vefügung, um ungestört zu zirpen. Das hat eine Studie ergeben, bei der Wissenschaftler 2013 und 2014 zeitweilig die Vogelgesänge am Flughafen und einer entfernten Kontrollstelle mindestens eine Stunde vor Sonnenaufgang erfasst haben. Das Ergebnis: von zehn Singvogelarten starteten die Hälfte am Flughafen signifikant früher zu singen als im Bereich der ruhigeren Kontrollstelle. Das ist zwar schön, dass sich die Vögel offenbar anpassen können, es kann aber ihre Fitness verschlechtern und damit langfristig schädigen.

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ece3.2357/full

Tiger und Huskys in Hunsrücker Tierpark – ist das ok?

16.06.2015, von

Keine leichte Aufgabe, die wir uns von der SWR-Umwelt- und Natursendung „natürlich!“ dieser Tage gestellt haben. Da ist ein neuer „Tiererlebnispark“ im Hunsrück, hält Huskys, Tiger und Papageien. Und wirbt auch noch damit, dass das tiergerecht sein soll. Geht das? Wir waren einen Tag vor Ort, haben eine Verhaltensbiologin befragt, die sich den Tiererlebnispark angeschaut hat.  Das Ergebnis: Soweit wir das beurteilen können ist der Park in Bell für viele Tiere eine echte Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. Denn die allermeisten Tiere stammen aus dem Tierschutz. Und Spaß kann es auch noch machen, das spielerische Bewegungstraining von Tiger und Co. mit anzuschauen. Ich meine: Wilde Tiere gehören in die Freiheit, keine Frage. Aber wenn sie schon da sind, hierzulande, dann doch bitte so wie in Bell als dröge hinter Gittern in kleinen Käfigen. Zumal bei den Vorführungen auch Natur- und Artenschutzthemen mit angesprochen werden. Das Video: hier.

Geld gesucht für „Passion for Planet“

29.07.2014, von

Mal ein sinnvolles Investment für die viele vagabundiere Kohle auf diesem Planeten: Fünf Tierfilmer im Mittelpunkt eines Crowdfunding-Projekts:

Passion for Planet ist ein einzigartiges Kino-Dokumentarfilmprojekt. Wir begleiten fünf der weltweit erfolgreichsten Naturfilmer auf ihren riskanten Abenteuern und folgen ihnen in die entlegensten Regionen der Erde.

via Passion for Planet.

Ein Löwe frisst Giraffenfleisch. Na sowas.

11.02.2014, von

Viele denken, Koteletts vom Schwein wachsen auf dem Acker. Nein. Tun sie nicht. Das gilt übrigens auch für Giraffen. Aber so genau wollen es viele dann doch lieber nicht wissen, wie Räuber-Beute-Beziehungen aussehen und wie das mit der fleischlichen Ernährung bei Mensch und Tier abläuft. (Tierschutz, ja, bitte – aber darum geht’s bei der Debatte um eine getötete Giraffe im Kopenhagener Zoo ja gar nicht.)

Beim neuerdings so beliebten Instrument der Online-Petition hatten über 25.000 Unterzeichner gefordert, das Huftier zu verschonen – und hätten vermutlich wenig Bedenken gehabt, im Austausch dafür Markus Lanz anzubieten. Nun fordern sie wenigstens den Kopf von Zoodirektor Bengt Holst.

via Raubtierfütterung in Kopenhagen: Lecker Giraffe – taz.de.

Schon mal echte Chimären gesehen? Stuttgart!

06.12.2013, von

Im Aquarium der Wilhelma gleiten seit Anfang November zwei Chimären aus Vancouver als Vertreter der pazifischen Tiefseefauna durch ein 10 – 11°C kühles Becken mit blauer Beleuchtung.

via 04.12.2013 – Chimären – Wilhelma.

Ja, ich weiß, es ist immer ein Spannungsfeld: hie Artenschutz, da Vorzeigetiere. Ob Tiefseefische in ein Aquarium gehören? Ich würde sagen: Ja. Denn die Tiefsee wird mittlerweile so geplündert, dass es eine Menge Sinn macht, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Und dazu sind die Chimären allemal gut. Auch wenn sie in diesem Fall keine feuerspeienden Mischwesen aus der antiken Mythologie sind, sondern als Seekatzen zur Klasse der Knorpelfische gehören.

Kino: Butterfly stories – von Menschen und Schmetterlingen

01.10.2013, von

butterflystories
Ein Naturfilm der etwas anderen Art. Achtet mal drauf, wenn er in den nächsten Wochen und Monaten in die Programmkinos kommt. Lohnt sich. Schöne Makroaufnahmen von Schmetterlingen kombiniert mit abgedrehten Typen.

Butterfly Stories ist ein Film über Menschen und Schmetterlinge. Er erzählt Geschichten über verschiedene Metamorphosen und die wundersame Reise des Folkmusikers Wanderin Star von Chicago bis Mexiko

via BUTTERFLY STORIES Upload 6.Sept. – YouTube.

Mock Duck und Seitan – Weizeneiweiß auf den Grill

22.08.2013, von

Nächstes Wochenende bin ich zum Grillen eingeladen, Endspurt für dieses Jahr. Wie ich die Freunde kenne, gibt’s da wieder superfeinen Spießbraten und Würstchen, whew, dolle Sache, gute Qualität, einziger Haken: ich essen kein Fleisch, muss mir also selbst was mitbringen, ich will ja schließlich nicht nix auf den Rost legen müssen. Was tun?
Ok, Haloumi-Käse aus Zypern, der wird da schon seit ewigen Zeiten als Grillkäse gegessen, lecker, aber Abwechslung muss sein. Der Bundesverband der Tierversuchsgegner hat jetzt ein passendes Angebot im Netz: etwas spät, aber noch nicht zu spät zur laufenden Grillsaison. Culinaria-vegan.de heisst das Rezeptportal, das sind also die ganz Radikalen: Veganer, nicht mal Milchprodukte verwenden die, aber dennoch finden sich dort einige erstaunlich essbare Dinge, die sich auch auf den Grill legen lassen. Auberginen-Zucchini-Rollmöpse, selbstverständlich fischfrei, oder Hawai-Spieße mit Ananas und Zitronenthymian.
Der Knaller: Seitan-Steaks. Seitan ist eine Art konzentrierter Weizenbrei, das pure Weizeneiweiß, man könnte auch Gluten dazu sagen. Schmeckt – gut gewürzt – durchaus fleischig, nur getoppt von Mock Duck, also gefälschter Ente. Sieht aus wie Entenstücke im Chinarestaurant, sogar mit der Pickelhaut drauf, whew, ist aber ebenfalls nur Weizeneiweiß pur.
Mock Duck gibt’s im Glas oder in der Dose. Spannend, ich kannte das bis vor kurzem übrigens auch nicht, wenn mir nicht eine Ernährungsberaterin davon erzählt hätte: Mock Duck und Seitan. Weizeneiweiß ist allerdings nix bei Glutenunverträglichkeit.
Das nächste Grillen ist also gesichert, auch ohne Fleisch. Da brauch‘ ich jetzt gar nicht mehr zu lesen, dass eine halbe Million Schweine jährlich erst beim Abbrühen ihr Leben lassen und 200.000 Rinder ohne Betäubung sterben, da klick ich vor dem nächsten Grillen schon ganz von alleine mal auf www.culinaria-vegan.de und los geht’s. Mock Duck sollte übrigens in jedem Asia-Shop zu kriegen sein. Oder in einem einschlägigen Onlineshop.

T-Shirts wie vom Affen gemalt

01.08.2013, von

Vom Affen gemalt
Das war übel neulich, diese eingestürzte Textilfabrik in Bangladesch mit über tausend Toten und zahlreichen Verletzten, Sie erinnern sich? Und statt besserer Arbeitsbedinungen gab‘ später dann für die demonstrierenden Arbeiter – Tränengas. Dazu läßt sich sagen: „Die „Geiz-ist-Geil-Mentalität der Konsumenten und das rücksichtlose Renditestreben von internationalen Handeslunternehmen wird auf dem Rücken von Arbeitern in Billiglohnländern ausgelebt.“ Das stammt nicht von mir, das hat unser früherer Bundespräsident Horst Köhler dieser Tage dazu gesagt. Da hat er wohl Recht, der Ex-Banker.

Wobei: So ganz taufrisch ist diese Erkenntnis nicht, eigentlich sind wir schon weiter – und bei konkreten Lösungsvorschlägen angelangt. Was also wollen wir denn für unsere T-Shirts jenseits von billig-willich: Faire Löhne für die, die sie herstellen! Und: mit sowenig Chemie hergestellt wie möglich, also Bioanbau. Damit ist klar: Tschüss, Schnäppchen, für 2,50 Euro geht sowas nicht. Andererseits sind ja die Gewinnspannen bei diversen Marken-T-Shirts enorm, für die manche hierzulande satte 30 Euro zahlen, von denen in Bangladesh aber nur 30 Cent ankommen: Stinknormale Stoffe in stinknormaler Verarbeitung, teuer ist allein die Marke. Da ist also noch Musik drin in gängigen Preisen für faire Löhne und wenig Umweltbelastung.
Dass es fair und bio geht beweisen inzwischen immer mehr Modelabel, nur mal eins rausgegriffen, was auch auf der diesjährigen Fashionweek in Berlin zu sehen war (die immer mehr Ökoprodukte dabei hat). Ajoofa heißt das kleine Modellabel aus Ulm. Die Biobaumwolle für die T-Shirts stammt aus Westafrika, die Produktion der Shirts erfolgt laut Ajoofa in Portugal unter fairen Bedingungen und die Designer der fröhlichen Kritzeleien auf den Shirts sind, Achtung Alleinstellungsmerkmal: Affen. Ja, Menschenaffen, die malen. Beschäftigungstherapie im Zoo von Krefeld.
Wie zum Beispiel Barito, ein in Köln geborener vierjähriger Orang-Utan. Malt schöne große rote Kringel aufs Shirt (siehe oben). Klar, Orang-Utans gehören in den Wald und nicht in den Zoo. Aber die, die nun mal im Zoo leben, brauchen Beschäftigung und offenbar malen Affen gern, schreiben sie bei ajoofa.com durchaus glaubwürdig. Ein kleiner Teil der Einnahmen geht an die Affen und an Initiativen wie die Berggorilla und Regenwald Direkthilfe. Klar, vierzig Euro sind viel Geld. Aber dann hat man halt nicht so viele T-Shirts, dafür eines. das ist vom Affen gemalt. (Nimmt übrigens Schweiß deutlich schwerer an als andere Shirts, aber das nur nebenbei als praktische Anmerkung.) Eine nachhaltig gute Idee, finde ich.

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