. .

Tödlicher Fluglärm

27.10.2010, von

Flüsterflugzeuge sind noch nicht erfunden - Copyright Axel Weiss

Und wieder eine Studie, die zeigt, dass Fluglärm krank macht:

Je stärker der Fluglärm und je länger die Lärmbelastung, desto grösser ist die Gefahr, an einem Herzinfarkt zu sterben.

Wissenschaftler der Uni Bern konnten eine eindeutige Verbindung feststellen zwischen Intensität und Dauer des Fluglärms und dem Risiko einer dieser Lärmbelastung ausgesetzten Person, durch einen Herzinfarkt zu sterben. Wie stark der Lärm krank macht ist unterschiedlich verteilt:

Dieses Risiko ist bei Männern höher als bei Frauen und scheint auch mit der schlechten Schallisolation von alten, nicht renovierten Häusern zusammenzuhängen.

Sagt Forscher Martin Röösli. Der Lärm wirkt als „psychosozialer Stressor“ auf den Teil des Nervensystems, der Reize überträgt. Auch das Hormonsystem ist betroffen.  Dadurch steigt das Herzinfarktrisiko.

Wir reagieren auf bestimmte Reize nach wie vor ähnlich wie Vorzeitmenschen: auf einen plötzlichen Krach folgt ein Schreck und die erhöhte Alarmbereitschaft des Körpers. Sofort  setzen Vorbereitungen zur Flucht ein, der Adrenalinpegel steigt u.ä.m.. Ich vermute ähnliche Mechanismen bei Lärm, mit dem Ergebnis: der in Fluglärmzonen regelmäßig in kurzen Abständen auftretende hohe Schallpegel verhindert längere Entspannung. Ein System in pausenloser Dauerbereitschaft freilich hat eine verkürzte Lebensdauer. Eigentlich logisch.

Keine gute Nachricht ist das für die Bewohner des Mittelrheintals. Der dortige Güterverkehr auf der Schiene röhrt zwar nicht alle dreißig Sekunden wie die Flieger etwa über dem Rhein-Main-Gebiet. Aber 100 Dezibel wie in Oberwesel sind ein Höllenkrach und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass das weniger gesundheitsschädlich ist als der Fluglärm.

Quelle: Universität Bern – Abteilung Kommunikation – fluglaerm.

Ein aufrechter Kauz tritt ab

22.09.2010, von

Regenbogen über Schweizer Bergen - Copyright Axel Weiss

Für die Umwelt im Nachbarland Schweiz war heute ein zunächst eher verhaltener Tag. Denn der zuletzt für Umwelt zuständige Bundesrat (quasi „Minister“) Moritz Leuenberger hat sich nach 15 Jahren aus der Regierung verabschiedet. Ein echter Verlust. Ein intellektueller Querkopf verlässt die Bühne.

Für viele Bürger war Moritz Leuenberger ein Hoffnungsträger für modernes, urbanes Denken.

Dem von Leuenberger zuletzt geführten „Umweltministerium“ UVEK wurde bei der Verabschiedung eine Menge Nachhaltigkeit attestiert. Was für eine mächtige Behörde mit viel Einfluss in Sachen Energie, Verkehr und Infrastruktur nicht gerade selbstverständlich  ist. Zumindest die Richtung hat unter Leuenberger gestimmt, soviel ist sicher.

Sein geschätzter Blog wird mir hoffentlich noch länger erhalten bleiben. Er ist eines der wenigen Zeugnisse dafür, dass Politiker zu mehr als nur verbalen Seifenblubberplapperblasen fähig sind. Vielleicht schließt er sich ja irgendwann noch den Nachdenkseiten an. Obwohl – das wäre ihm wahrscheinlich schon wieder zuviel linkes Mainstreaming.

Tja, jetzt mal sehen, wie’s mit regierungsamtlicher Nachhaltigkeit und  Umwelt in der Schweiz weiter geht. Leuenbergers Nachfolgerin Simonetta Sommaruga gilt als aufrechte Gestalt, aber ob sie das UVEK übernehmen wird ist zur Stunde noch ziemlich fraglich. Es bleibt erst mal spannend. Übrigens hat die Schweiz jetzt vier Frauen in der Regierung. Das sind schon nahezu skandinavisch anmutende Verhältnisse. Bis zur Gleichberechtigung ist es dennoch noch ein weiter Weg.

Wandern wird immer cooler

04.08.2010, von

Wandern im Gebirge - Copyright Axel Weiss
Grundsätzlich gesünder ist es allemal: Outdoor liegt im Trend. Wandern gilt als cool. Es ist zwar nicht verwunderlich, dass ausgerechnet das Deutsche Wanderinstitut in Marburg einen derartigen Trend bestätigt (das Gegenteil hätte mich eher erstaunt), aber immerhin: in den vergangenen zwei Jahren wanderten um die Hälfte mehr 20- bis 39jährige als zuvor.

«Es sind die jungen, gebildeten Aufsteiger, die derzeit das Wandern neu entdecken.»

Das hat eine Studie des Wanderinstituts ergeben. Die rotsockigen Kniebundhosenwanderer höheren Alters dagegen sind wohl eher weniger geworden. Wanderer sind übrigens auch gut ausgebildet: über 40 Prozent der Aktiven besitzen einen Hochschulabschluss.
Passend zum Thema: Morgen beginnt in Freiburg der Deutsche Wandertag.

Quelle: Die Partygeneration entdeckt das Wandern- tagesanzeiger.ch.

Villa für mehr Artenschutz

28.07.2010, von


GeoTagged, [N46.38362, W8.04141]

Der englische Bankier Sir Cassel ließ sich vor 102 Jahren diese Villa mitten in die Walliser Alpen stellen. Die Sommerfrische für Superreiche ist heute ein Naturschutzzentrum. Der Verein ProNatura betreibt hier Aufklärungsarbeit, etwa zur Rolle von Bären und Wölfen im Lebensraum Alpen. Derzeit weht den Naturschützern da ein eisiger Gegenwind. Angeblich haben Wölfe zwei Rinder gerissen – und die erzkonservative Jägerlobby will wieder ungebremst etwa durch Schutzabkommen wie die Berner Konvention Wölfe morden dürfen. Ihre Chancen stehen recht gut, weil auch ein Teil der Bauern hinter ihnen steht.

Schrumpfende Eismassen

28.07.2010, von


GeoTagged, [N46.38362, W8.04141]

Es ist ein Unterschied nur zu wissen, dass die Gletscher in den Alpen schmelzen oder es auch zu sehen. Den großen Aletschgletscher habe ich als wesentlich größer und auch weißer, weniger staub- und steinbedeckt in Erinnerung. Letzte Visite war vor 30 Jahren.

BP beeinflusst Info bei Google

10.06.2010, von

Der Hammer: Man kann sich bei Google „freikaufen“. BP zum Beispiel hat jetzt bei Google den Begriff „Oil Spill“ gekauft, schreibt der Schweizer Tagesanzeiger online. Wenn das alles so stimmt ist die Folge für eine „freie“ Informationsmöglichkeit im Internet fatal:

Ergebnisse zu für den Ölmulti heiklen Artikeln oder Websites kommen nun in der Trefferliste erst weiter hinten. Ein Eintrag, der (zumindest auf den englischsprachigen Suchmaschinen) zuoberst erscheint, ist «Gulf of Mexico response» – die Site gehört BP und zeigt unter anderem ein Bild von Arbeitern, die einen relativ sauberen Strand an der Südküste der USA putzen.

Mehr Informationen: BP kauft den Begriff «Ölkatastrophe» tagesanzeiger.ch.

Zürich wird zügig zugebaut

03.05.2010, von

Wer anschaulich demonstriert bekommen möchte, wie eine Region zubetoniert und verbaut wird, kann das auf der Seite des Statistischen Amts des Kantons Zürichs tun. Die Schweizer Behörde registriert genau, wieviel bebaut wird. Die Zahl verändert sich etwa alle Sekunden um eine DinA4-Seite.

A4-Blatt grosse Flächen der überbauten Bauzonen im Kanton Zürich. 4’671’922’565

Beeindruckend. Entsprechend schrumpft auch die Restfläche. Wenn sie keine neuen Bauflächen ausweisen würden, die Zürcher in ihrem Kanton, dann ist in etwa 17 Jahren Schluss und alles zugebaut was nach derzeitigem Stand zugebaut werden kann. Kein Wunder, dass die Bodenpreise tw. bei Werten von 4000 Euro pro Quadratmeter liegen.

Quelle: Bodenpreise nach Gemeinden: Effektive Zahlen.

Wer hat die bunteste Wiese?

30.04.2010, von

Die sind schon lustig, die Schweizer. Machen einen Wettbewerb, wer dei bunteste Wiese hat.

Landwirte können sich für den Wettbewerb gratis anmelden. Im Verlauf des Sommers bewertet eine Jury jede Brache.

Für den Artenschutz ein echter Gewinn.

Mehr dazu: Wettbewerb um die schönste Buntbrache lanciert – schweizerbauer.ch.

Schweizer Almen in Not

29.01.2010, von

Mittagspause für Graubündner Kühe - Copyright Axel Weiss

Die Schweiz ist keinesfalls ein Land nur von Superreichen wie Schumi, die am Genfer See unbezahlbare Liegenschaften bewohnen. Die Schweiz, das sind auch tausende Bergbauern, denen es Jahr für Jahr schwerer fällt, dem Druck der Globalisierung stand zu halten. Da hilft Neutralität nicht weiter. Denn die Bedingungen der Almwirtschaft sind im Vergleich zu, sagen wir: brandenburgischen Milchviehfarmen mit 10.000 Rindern, hundsmiserabel unwirtschaftlich.

Ohne Bewirtschaftung freilich wären die Alpen bald nicht mehr die Alpen, die wir kennen. Und mancher Hang käme ins Rutschen. Das kann keiner wollen und deshalb gibt es in der Schweiz die Berghilfe. Die sammelt ab Sonntag für ihre Projekte zur Unterstützung der Bergbauern. Find ich gut.

Ins Zentrum der diesjährigen Sammelkampagne stellt die Berghilfe die Alpwirtschaft. Diese sei für die Menschen in den Bergen kein Selbstzweck, sondern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Quelle: Schweizer Berghilfe sammelt für Alpwirtschaft – schweizerbauer.ch.

Greenwashing in der Hall of Shame

15.01.2010, von

Wer hat das unglaubwürdigste Sozial- und Ökolabel? Wer ist die Mutter aller Schönfärberei? Wer hat die skandalösesten Umweltpraktiken weltweit? Wichtige Fragen, finde ich, in Zeiten, in denen ein unabhängiger Journalismus einen immer schwierigeren Stand hat und die PR boomt. Antworten auf diese Fragen gibt’s bei den „Public Eye Awards“, pünktlich zur Eröffnung des Davoser Welt Economic Forum am 27. Januar.
Vergeben werden diese wenig schmeichelhaften und umso notwendigeren Anti-Oscars von der Schweizer EineWelt-NGO „Erklärung von Bern“ sowie von Greenpeace. Die Abstimmung dazu läuft ab sofort im Internet. Nominiert für den „Global Award“ sind diesmal aus 40 von NGO vorgeschlagenen Kandidaten unter anderem GDF Suez, Arcelor Mittal oder die Royal Bank of Canada. Zur Begründung schreiben die Preisspender:

„Der indische Stahlgigant Arcelor Mittal betreibt das grösste und zugleich dreckigste Stahlwerk Südafrikas. Die Royal Bank of Canada ist grösster Financier des ökologisch wie sozial fatalen Ölsand-Abbaus in der kanadischen Provinz Alberta. Und GDF Suez schliesslich ist treibende Kraft hinter einem Grosskraftwerk am brasilianischen Madeira-Fluss, das gigantische Umweltzerstörungen und Massenvertreibungen der indigenen Bevölkerung zur Folge hat.“

« Vorherige SeiteNächste Seite »

Blogeinträge

Häufige Stichworte

 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019