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Greener Davos – mehr Klimaschutz im Verkehr: ein dickes Brett

25.01.2013, von

Autos Davos

I had a dream – wie wäre es, wenn beim nächsten Weltwirtschaftsforum alle mit der Bahn anreisen würden?  Netter Ausblick auf die Berge, und nur einmal umsteigen. In 2 Stunden 20 von Zürich-Flughafen, das geht flott.

Okok, ist ja gut, war nur’n Versuch, stimmt, dann käme wahrscheinlich gar keiner zum WEF. Selbst der Greenpeace-Chef maulte per Twitter, ob man nicht mal einen Ort finden könnte, der bisschen besser zu erreichen wäre als mit 3 Stunden per Bus. Und wenn Kumi Naidoo das schon sagt…

Zum richtigen Wirtschaftsboss gehört jedenfalls die rollende Luxusklasse wie der Stöckelschuh an die Blondine. Nicht wenige Davosbesucher reisen erst mal mit dem Privatjet an, (das kann auch schon mal eine Boeing 737 sein), nehmen dann ab Zürich-Dübendorf den Heli, wie die Hubschrauber in der Schweiz liebevoll genannt werden. Anschließend reden sie dann darüber erstens, dass die Umweltgesetzgebung den Markt behindert und zweitens, dass der Klimawandel ein Riesenproblem ist, das wir im Interesse der kommenden Generationen dringend lösen müssen. Der klassische, immer wieder gern genommene  Satz dazu lautet „The time for action is now“.

Das klingt dann manchmal sogar richtig lautmalerisch-lyrisch, so wie bei der Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde:  Die nachfolgenden Generationen werden per Klimawandel, Achtung: „roasted, toasted, fried and grilled“. Geröstet, getoastet, gebraten und gegrillt. Wohl war, und gerade Lagarde unterstelle ich eine Reihe von guten Vorsätzen, kluge Frau. Dennoch: Draußen vor dem Kongresszentrum, da stauen sich die Luxuskarossen, denn von Meeting zu Plenum zu Hinterzimmer zu Party bewegt sich hier kaum einer mit Rang und Namen zu Fuß.

Aber, das Weltwirtschaftsforum ist angetreten, die Welt zu verbessern. Und deshalb müssen alle Autos, die weniger als 7 Sitze haben und die zentralen Orte anfahren wollen, jetzt richtige Ökosparautos sein und bekommen dafür ein Plakettchen: Greener Davos. Und das heißt: dieses Fahrzeug stößt weniger als 192 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus, hat mindestens Effizienzklasse D und verbraucht höchstens 9 Liter auf 100 Kilometer. Und tatsächlich: Porsche sind hier kaum zu sehen, die sind nämlich allesamt mit einer Ausnahme Effizienzklasse G, also ganz lausig in der Klimabilanz.

Der Rest was hier rumflitzt: kommt auf den Motor an. Es gibt eine Menge Klimaschweine aus der richtig dicken Oberklasse, keine Frage, aber manchmal sind hier auch schon erstaunlich effiziente Oberklasseschlitten zu finden. Ein Mercedes S400 Hybrid etwa, der mit knapp 8 Liter auf hundert Kilometer auskommt. Wenn er seine 300 PS nicht rausholen muss, natürlich, oder, was hier ständig passiert, im Stand stundenlang läuft. Das ist zwar auch verboten, aber egal. Der Weg bis zur klimaverträglichen Weltgesellschaft ist noch weit, das ist in Davos klar zu sehen.  Immerhin: erste Schritte sind gemacht. Achja, so ganz billig ist die Sache nicht: 85.000 Euro kostet ein 400er S-Klasse Hybrid. Plus Extras.

 

 

 

 

 

 

Mehr Klimawandel = Mehr Trüffel. Bei uns!

28.11.2012, von

Der Klimawandel beschert uns Delikatessen. Trüffel. Im Mittelmeerraum ist es mittlerweile zu heiss und zu trocken, dafür wachsen die französischen Trüffelsorten künftig besser bei uns.

Diese Vorhersagen decken sich mit der gegenwärtig zu beobachtenden Zunahme von Pilzwachstum und dem Vorkommen an Burgunder-Trüffeln in der Schweiz und im Süddeutschen Raum.

Warum also sollten Klimaprofiteure wie wir sich in Doha in diesen Tagen für mehr Klimaschutz einsetzen, könnte man etwas zynisch fragen? Tun wir aber natürlich nicht.

via Naturschutz.ch | Mehr Trüffel in der Schweiz?.

Ausgezeichnete Gesellschaftskritik: ethecon-Ehrung

19.11.2012, von

Die Schweizer „ethecon Stiftung Ethik und Ökonomie“ zeichnete jüngst den streitbaren Genfer Soziologen Jean Ziegler für seinen Kampf gegen den Hunger aus. Ziegler  wird nicht müde, das kapitalistische Wirtschaftssystem für seine mörderischen Auswirkungen anzuprangern: „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wurde ermordet“, ist nur eine seiner Formulierungen. Dafür gab’s jetzt den Blue Planet Award. Mit dem Negativpreis Black Planet Award wurde hingegen der Rohstoff-Multi Glencore bepreist:

„Multis wie Glencore verletzen Menschen- und Sozialrechte, verursachen Umweltschäden und vergiften Gewässer, verschieben Gewinne in Steuerparadiese, vergrößern den globalen Graben zwischen arm und reich“, heißt es dem Aufruf eines Komitees Solidarität mit den Opfern der Rohstoffmultis.

Kein Wunder, wenn schon der Unternehmensgründer Marc Rich heißt, könnte man meinen.

via „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wurde ermordet“

Weltwirtschaftsforum 2.0 – Davos auf Onlinetrip

03.02.2012, von

 Während sich deutsche Bedenkenträger damit beschäftigen, dass das Internet sicher ganz böse und außerdem völlig überschätzt wird, sind internationale Organisationen wie das Weltwirtschaftsforum in Davos mit dem schieren Gegenteil beschäftigt: Nur ein Beispiel: Alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, landet nicht nur in Twitter oder Facebook, nein, sondern gleich bei Storify und bei Netvibes. „Dashboard everything“ heißt das dann, alle Infos von allen geballt präsentiert und übersichtlich sortiert. Dicke Papierstapel, für die früher einige Bäume dran glauben mussten, sind als pdf zu haben, alles schön geordnet etwa auch bei Scribd.

Zum Runterladen etwa des Global Risk Reports 2012 mit seinen vielen Einschätzungen auch zu Umweltthemen reicht es, sich bei Facebook angemeldet zu haben, klar. Facebook ist inzwischen der Schlüssel zu ganz vielem. Das größte globale Risiko ist übrigens laut Riskreport mit weitem Abstand der Klimawandel. Die Debatten zur Weltverbesserung gibt’s bei Youtube, natürlich auch noch einen eigenen Davos-Kanal für die öffentlichen Vorträge – und bei Chime.in sind sie auch zugange. Meine Güte, was für ein medialer Overkill.

So wirklich nachhaltig scheint mir das nicht wirklich zu sein. Allein 18 Twitterlisten gibt’s mit zig Teilnehmeraccounts, vom Jungen Globalen Führungsnachwuchs bis zu World Leaders mit den Tweets von Präsidenten, Premierministern und Königen. „Weltwirtschaftsforum 2.0 – Davos auf Onlinetrip“ weiterlesen →

Gesucht, gefunden: Das übelste Unternehmen der Welt 2012

21.01.2012, von

Wer wird in diesem Jahr der Sieger bei den Public Eye Awards? Auf deutsch: Welches ist das übelste Unternehmen der Welt 2012? Noch ein paar Tage läuft im Netz die Abstimmung und wer seinen Klick auf der Seite publiceye.ch machen will, der hat dieses Jahr wieder die Qual der Wahl. Die Public Eye Awards verstehen sich als Gegenpol zum Weltwirtschaftsforum in Davos.

Nicht, dass sich die über 2.000 Wirtschaftsbosse und Spitzenpolitiker dort in den nächsten Tagen keine Gedanken über Nachhaltigkeit, Umweltschutz und die Lebensbedingungen arbeitender Menschen machen würden. Nur: bei allen guten Absichten: Zwischen der Lebenswirklichkeit jettender Vorstände und dem, was an der Basis passiert, da liegen Welten. Auf Twitter spötteln deshalb die Macher der Public Eye Awards:

So ein bisschen dagegen sein is ja schick, aber bitte doch nicht so, dass die Betroffenen was merken.

Die Betroffenen kommen dafür bei Youtube zu Wort und von den sechs Videoclips zu den sechs Kandidaten sind mir vor allem zwei nachgegangen, vor allem der zu Samsung. Südkoreas reichster Mischkonzern mit 172 Milliarden US-Dollar Umsatz setze teils verbotene hochgiftige Stoffe bei der Produktion seiner Hightech-Geräte ein, so der Vorwurf. Mindestens 50 junge Arbeiter seien deshalb an Krebs gestorben, 140 erkrankt. Han Hye-Kyoung ist 33 und hat einen Hirntumor.

Ich bin krank geworden von der Arbeit in der Elektronikfabrik von Samsung,

sagt eine sichtlich von Krankheit gezeichnete Frau. Sie erzählt:

Samsung sagt, meine Krankheit hat nichts mit der Fabrik zu tun. Aber andere Arbeiter sind auch krank geworden bei Samsung.

Nicht weniger manipulativ gedreht, nur in ganz anderer Machart ist der Film zum Kandidat Freeport, der  weltgrößte Gold- und Kupferminen auf West-Papua. Hier kontrastieren Luftaufnahmen gigantischer Löcher im Erdboden mit nüchternen Worten. Seit Jahrzehnten belastet der US-Konzern die Umwelt auf der Tropeninsel mit Giftschlämmen und das indonesische Menschenrechtskomittee wirft ihm etwa Todesdrohungen gegen Gewerkschafter vor.  

 Auch die britische Bank Barclays bekommt ihr Fett ab, sie wird als hungertreibender Nahrungsmittelspekulant angeprangert, auch der Schweizer Chemiekonzern Syngenta bekommt vorgeworfen, in Drittweltstaaten sein Herbizid Paraquat zu verkaufen, das bei uns aus guten Gründen verboten ist. Derzeit bei der Abstimmung auf Platz Zwei: Der brasilianische Vale-Konzern, der den ökologisch wie sozial verheerenden Belo Monte Staudamm im Amazonasbecken mit baut. In seiner öffentlichen Antwort auf die Nominierung sieht sich Vale völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt. Und verweist auf seinen dicken Nachhaltigkeitsbericht, in dem alles drin steht. Immerhin: der Konzern hat reagiert, das haben nicht alle:

 Wir haben fünf Antworten erhalten. Nur Tepco ignoriert uns,

schreiben die Macher der Public Eye Awards in ihrem Twitterkanal @PEAwards. Und fragen nach den Gründen des Schweigens:

Ist es ihnen peinlich? Oder sind sie pleite?

Naja, ehrlich gesagt: Hätten Sie vom Betreiber des Katastrophen-AKW Fukushima Tepco nach der Vorgeschichte etwas anderes erwartet als Schweigen? Bis 26. Januar läuft die Abstimmung im Netz noch, dann werden Greenpeace Schweiz und die Erklärung von Bern, eine Schweizer NGO, das Ergebnis feststellen. Also ich setze auf Tepco, den Favoriten.

———-Nachtrag:

Ok, es war dann doch nicht Tepco. Vale hat gewonnen, aber knapp. Und Barclays für ihre Spekulation auf Nahrungsmittel. Was folgern wir daraus? Ureinwohner vertreiben und Leute hungern lassen ist schlimmer als eine radioaktive Verseuchung? Mh. Ist statistisch eh nicht signifikant, das Ergebnis. Meine Zusammenfassung hier: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/publiceye100.html

Schweiz: Gewässer vergiften wird künftig schwerer

09.11.2011, von

Je näher intensiv bewirtschaftete Äcker und Wiesen an Gewässer heran reichen, umso größer ist die Gefahr einer Verschmutzung. Muss ja nicht mal Absicht sein, wenn die Gülle beim nächsten Regen in den wenige Meter entfernten Bach geschwemmt wird. Die Folgen: verseuchtes Grundwasser im großen Maßstab, in ganz Mitteleuropa ein Thema. Die Schweiz ändert jetzt ihre Gewässerschutzverordnung und bis Ende 2018 müssen alle Kantone einen sogenannten Gewässerraum „ausscheiden“, sprich: die direkte Umgebung der Gewässer soll vor Verschmutzung geschützt werden.

Ist der Raum einmal ausgeschieden – es handelt sich total um 20’000 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche–, darf dieser nur noch extensiv bewirtschaftet werden.

Klar, es wird Klagen geben, wenn manche  Bauern nicht mehr so produzieren dürfen wie gewohnt. Letztlich sind derartige Möglichkeiten der Vorbeugung aber der einzige Weg, um auf Dauer wieder sauberes Wasser zu erhalten. Nur mit „guter fachlicher Praxis“ schaffen das die Landwirte nicht, da reicht ein Blick auf die viel zu hohe Nitrat und teilweise auch Pestizidbelastung des Grundwassers einschlägiger Agrargebiete.

via Gewässerraum ist anfechtbar – schweizerbauer.ch.

Hohe Berge, wenig Taten: 20 Jahre Alpenkonvention

07.11.2011, von

Schutz des Alpenraums und nachhaltige Entwicklung sind Ziel der vor zwanzig Jahren unterschriebenen Alpenkonvention. Alle acht Alpenstaaten plus EU sind beteiligt. Und was ist bisher passiert, konkret? Mh,  für 20 Jahre Arbeit hat sich eher wenig bewegt. Drei Berichte, ja, und auch politisch gab’s immer wieder mal Verweise auf die Konvention, weil die bisher den ungehemmten Autobahnbau zur Alpenquerung zumindest auf dem Papier gebremst hat. Aber sonst – so richtig haut mich das alles nicht vom Hocker. Die unabhängige Alpenschutzkonvention fordert daher durchaus zu Recht:

Mit Umsetzungsprojekten vor Ort sollen die Alpenstaaten der Alpenkonvention ein Gesicht geben, damit sie für die Bevölkerung sichtbar und nutzbar wird.

Bleibt noch die Frage, warum etwa die Schweiz wie auch die EU diverse Protokolle der Konvention zwar unterzeichnet, aber nie ratifiziert hat.

via 20 Jahre Alpenkonvention: Die CIPRA zieht eine gemischte Bilanz — CIPRA.

Umweltrating für Abgeordnete

16.09.2011, von

Das fehlt mir in Deutschland noch: ein Portal, wo sich mit einem Klick sowohl die Umwelt-Wahlversprechen als auch das Abstimmungsverhalten von Parlamentariern feststellen lässt. Die Schweiz hat sowas:

Sie wollen wissen welche Parlamentarierin, welcher Parlamentarier in der 48. Legislatur am umweltfreundlichsten gestimmt hat? Das Umweltrating zum Abstimmungsverhalten gibt Ihnen Auskunft.

Interessant ist dann auch zu sehen, wer solche Offenlegung scheut und wer nicht. Da macht sich die Herkunft aus eher städtischen oder eher ländlich geprägten Gebieten schon bemerkbar. Transparenz ist eben ein Prozeß. Das deutsche „Pendant“ zu umweltrating.ch ist  abgeordnetenwatch.de.  Die Seite ist zwar insgesamt detaillierter, aber dafür für  Umweltfragen nach meiner Wahrnehmung auch unübersichtlicher strukturiert.

Mehr dazu: umweltrating.ch: Home.

Abschalten? Nein, danke! Atomausstieg auf Schweizer Art

13.06.2011, von

Er läuft und läuft und läuft – der älteste noch laufende Druckwasserreaktor der Welt steht in der Schweiz. Und er könnte dort noch lange Strom produzieren, der dann in den Pumpspeicherwerken der Alpen veredelt wird. Denn die Schweiz hat zwar jüngst beschlossen, keine neuen Reaktoren mehr zu bauen. Aber wann die alten AKW abgeschaltet werden sollen, darüber gibt es keine Festlegung. Es gibt wohl nicht mal jemanden, der das beschließen darf, moniert die Schweizer Wochenzeitung:

Keine neuen AKWs mehr bauen ist gut. Die bestehenden aber fünfzig, sechzig oder mehr Jahre am Netz zu lassen, nur weil niemand legitimiert ist, sie abzuschalten – das ist grauslich. Da hilft nur die Atomausstiegs­initiative, die im Mai lanciert wurde und fordert, dass alle Reaktoren spätestens nach 45 Betriebsjahren abgeschaltet werden.

via Ein Nichtwiedereinstieg ist noch kein Ausstieg: Zur Atomdebatte im Nationalrat WOZ, Schweiz.

Wo sind all die Alpenblumen hin, wo sind sie geblieben?

12.05.2011, von


Die bunten Almwiesen werden in den Alpen immer seltener. Überdüngung und skipistentauglicher Grasbesatz führen zu Monotonie auf der Alm. Die Schweizer NGO Pro Natura zeigt in einem wunderbar eindrucksvollen und deshalb leider ziemlich deprimierenden  Foto-Vergleich den Unterschied.

Dazu stellt sie Postkarten und Fotos aus den Jahren 1970-1990 aktuellen Vergleichsfotos von 2010 gegenüber. Der Fotovergleich zeigt deutlich: Wo früher bunte, artenreiche Blumenwiesen blühten, beherrschen heute ein paar wenige anpassungsfähige Generalisten den Lebensraum.

via Wo sind unsere Blumen? | Naturschutz.ch.

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