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Werkstätten wider wilden Wegwerfwahnsinn

28.09.2011, von

Mein Router spinnt. Dummerweise ist gerade die Garantie abgelaufen. Umso mehr läuft seit einiger Zeit in meinem MacBook der Ventilator heiß, denn der Rechner glüht vor sich hin. Fehlerbehebung via Foren und Google Fehlanzeige. Und die Sachmängelgewährleistung? Auch hier ist die Frist gerade um. Zufall? Daran glaube ich schon lange nicht mehr genauso wenig wie andere. Eine Reparatur beim Fachmensch lohnt sich in der Regel nicht. Die Folge ist aber letztlich: weitgehend intakte, oft noch reparaturfähige Produkte landen im Müll. Schön, dass sich langsam eine Bewegung gegen diese Ressourcenverschwendung gebildet hat. Die Kollegen vom BR sammeln dazu Erfahrungen. Selber reparieren statt recyclen. Das Zentralorgan der Reparaturfreaks: ifixit.com. Und offene Werkstätten gibt’s inzwischen auch, im Südwesten etwa in Achern.

Keine Panik unter Kräuterfreunden

30.04.2011, von

Dieser Tage landeten auch bei mir einige Mails mit fast schon panikartig geäußerten Hinweisen darauf, dass das Böse sich jetzt definitiv die Welt der guten Heilkräuter krallen würde: Ab 1. Mai würde der Anbau von Heilkräutern verboten, danach gibt’s dann nur noch Pharmahämmer von Monsanto. Oder so ähnlich. Mir kam das spanisch vor, da ich noch im Kopf hatte, dass vor gar nicht langer Zeit schon mal ähnliche Meldungen grassierten, an denen dann nichts dran war.

Leider fiel die geplante Recherche dem Reaktorunfall und seinen umfassenden Folgen für meinen Arbeitsalltag in den letzten Wochen zum Opfer. Aber was lese ich heute erst bei Twitter, dann im Blog bei Michael Hartl: eine Analyse, die mir sehr plausibel vorkommt, wenn ich an unsere Recherchen vom letzten Mal denke, als das Thema hochkochte. Danach sind die Änderungen des Codex Alimentarius ab 1.5.11  kein Grund zur Panik, aber es ist auch wenig nett für kleine Betriebe und Verbraucher, wie die EU mit dem Lebensmittelrecht umgeht.

Die Holzhammermethode in vielen Gesetzen, die kleine Betriebe und kleine Landwirtschaften generell benachteiligt, ist für mich ein echter Kritikpunkt an solchen Reglungen. Daher ist für mich auch klar, dass der Codex Alimentarius aus anderen Gründen durchaus kritisch beobachtet werden sollte als jenen, die derzeit durch E-Mail-Verteiler jagen: Weil er immer stärker auf die Interessen einer industrialisierten Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion ausgerichtet wird. Oder weil über die WTO zukünftige Richtlinien des Codex Alimentarius zur Erhöhung von bereits geltenden Grenzwerten in Europa führen könnten. Oder zur Abschaffung der Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel.

viaCodex Alimentarius verbietet Anbau und Handel von Kräutern | Experiment Selbstversorgung.

Mehr Transparenz gegen Ressourcenmissbrauch in Afrika

11.02.2011, von

Weltsozialforum 2011Das Weltsozialforum 2011 ist zu Ende. Die Delegation des deutschen Evangelischen Entwicklungsdienstes EED ist zufrieden. Das Treffen in Dakar sei ein klares Bekenntnis zu mehr Demokratie und dem verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen Afrikas gewesen.

Die afrikanischen Zivilgesellschaften forderten mehr Transparenz von den eigenen Regierungen. So wolle man beispielsweise genau wissen, was in den Verträgen mit der EU-Grenzsicherungsagentur Frontex oder internationalen Fischereikonzernen stehe und wem sie nützten.

Das ist alles ganz prima. Ich fürchte nur, dass sich jenseits von Afrika und einigen engagierten Kollegen und Programmen keine Sau für Afrika und die etwas komplizierteren Zusammenhänge zwischen Rohstoffen und Konzernen interessiert hat. Klar, Ägypten, sowas „geht“ natürlich – bad news are good news. Wen interessiert da schon Fischfang…
Quelle: Weltsozialforum 2011 setzt Zeichen gegen ungehemmten Ressourcenmissbrauch

Steinerne Schätze im Südwesten

04.02.2011, von

Schmückt Bürowände, der neue Geo-Kalender :)
Naturschutz bedeutet nicht immer nur Schutz von „unberührter“ Natur (die es in Mitteleuropa auch nahezu nicht mehr gibt). Naturschutz kann auch bedeuten, geologisch bedeutsame Zeugnisse zu erhalten. Da können durchaus die Überreste einst „brutaler“ Eingriffe in die Landschaft spannend sein. Das Mayener Grubenfeld zum Beispiel, einst Basaltbruch, heute herausragendes Fledermausquartier.
Das Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz hat einen Kalender mit 13 großformatigen Fotografien herausgebracht, die unter anderem solche Motive haben wie das Grubenfeld. Spannend etwa ein Blick in einen stillgelegten Schieferstollen bei Kaub, der als unterirdisches Wasserreservoir dient. Das ist aktuell das Foto zum Februar (siehe oben).
Und weil der Januar schon ‚rum ist, gibt’s den Geo-Kalender 2011 noch in einigen Restexemplare zum verminderten Preis von 5,00 EUR (zzgl. Versand). Steine und Mineralien, auch das ist „Umwelt“. Die unterschiedlichen Geschmacksausbildungen beim Wein haben mit dem jeweiligen Untergrund der Lage zu tun, dem „Terroir“. Auch dazu gibt’s ein Kalenderblatt – sechs Böden im direkten Vergleich. Die Motive sind online anzuschauen. Bestellungen an mailto:vertrieb@lgb-rlp.de. Schön gemacht, finde ich. Wobei es ruhig noch ein paar Erklärungen mehr zu den Motiven hätten sein können, auf der Rückseite der Kalenderblätter ist Platz genug.

Seltene Erden – giftiger Abfall

05.11.2010, von

Wieder ein Umweltproblem, das nach China „verlagert“ wurde. Bis in die 90er Jahre waren die USA der Hauptproduzent wichtiger chemischer Elemente, die in der Elektonik benötigt werden. Oder auch zur Produktion der riesigen Permanentmagneten in getriebelosen Windräder. Die sogenannten Seltenen Erden wurden etwa in der  Mine Mountain Pass  unter lausigen Bedingungen für die Umwelt gefördert, berichtet die aktuelle „Technology Review“. Die Elemente treten gemeinsam mit Thorium oder Uran auf, entsprechend giftig sind die Abfälle:

In der Hochzeit fielen dort stündlich 3200 Liter giftiger salziger Schlamm aus der Produktion an. Der wurde in einer elf Kilometer langen Pipeline in Verdunstungsbecken gepumpt. Nachdem die Leitung immer wieder geleckt hatte, barst sie 1998 ganz. Vier Jahre später wurde der Betreibergesellschaft Molycorp, damals im Besitz des Ölkonzerns Unocal, die Lizenz für den Betrieb der Pipeline nicht mehr verlängert.

Und danach kamen die Chinesen zum Zug. Über den Dreck dort redet keiner, mit der Meinungsfreiheit haben sie es ja auch nicht so besonders, im Land der Mitte. Besonders dann nicht, wenn es um Umweltschutz geht. Seit China aber die Ausfuhr der Seltenen Erden gedrosselt hat und Lieferengpässe auftreten wandelt sich die Lage. Die USA wollen  jetzt  in die Produktion der Seltenen Erden mit neuen Techniken wieder einsteigen. Dass die neue Techniken fundamental umweltfreundlicher sind würde ich allerdings nicht erwarten.

Quelle: Eine Mine für die Zukunft | Technology Review.

Second Hand – gut für die Umwelt?

10.09.2010, von

Habe mich schon öfter gefragt, was der Ebay-Handel für Umweltauswirkungen hat. Vorgestern gab’s dazu in Berlin einen Kongress vom Institut für Zukunftsstudien und erste Ergebnisse einer BMBF-geförderten Studie gibt es auch:

Insgesamt führt der Gebrauchtwarenhandel im Internet zu weniger Neukäufen und wirken sich damit positiv auf die Umweltbilanz aus. So wäre ohne eBay von 40 Prozent der Befragten die gebraucht erworbene Kinderkleidung neu gekauft worden, bei Notebooks hätten 25,5 Prozent das Gerät ohne eBay neu erstanden und bei über einem Viertel der Sofa-Käufer wurde durch die Auktionsplattform der Erwerb eines Neuproduktes vermieden.

Vor allem langlebige und hochwertige Produkte rechnen sich als Gebrauchtwaren für die Umwelt. Manchmal arbeiten Neugeräte aber auch deutlich effizienter und das rechnet sich mehr. Gerade bei alten Fernsehern oder Waschmaschinen tritt dieses Phänomen häufig auf.
Leider geht aus den Aussagen zum Projekt bislang noch nicht hervor, welche Belastungen der Internet-Gebrauchtwarenhandel durch Transporte erzeugt. Ich vermute, dass da ordentlich was zusammen kommt. Vorerst bleibt also nur eine verhalten positive Öko-Bilanz des Re-Use vor dem Neukauf.

Quelle: heise online – Studie zur Ökobilanz des Gebrauchtwarenhandels über eBay.

Tiefseebiotop wird abgebaut

31.08.2010, von

Wir haben zwar keine Ahnung, was sich noch alles an Lebewesen in der Tiefsee herumtreibt. Immer wieder gibt’s Überraschungen, sei es Riesenkraken oder auch erstaunlichste Fischarten. Klar ist auch: die Tiefsee ist nicht nur das größte, sondern auch das sensibelste Ökosystem des Planeten. Dennoch: hier lagern Rohstoffe in riesigen Mengen und deren Abbau wird immer mehr forciert. In den letzten acht Jahren wurden dafür mehr als 13 Milliarden Euro ausgegeben, damit haben sich die Investitionen versechsfacht, mit denen die untermeerischen Rohstoffe erkundet werden. Der Schatz in der Tiefe lockt:

Auf 34 Milliarden Tonnen Erz werden allein die sogenannten Manganknollen im zentralen Pazifik geschätzt. Das sind kartoffel- bis melonengroße Gesteinsbrocken auf dem flachen Meeresgrund in bis zu 5000 Metern Tiefe, auf denen sich im Laufe von Jahrmillionen metallische Schichten abgesetzt haben. Allein in der „Clarion-Clipperton-Zone“, einem Gebiet 4000 Kilometer westlich von Mexiko, das Deutschland von der Internationalen Meeresbodenbehörde zur Explorationlizenziert hat, lagert in den Knollen 50-mal so viel Kobalt wie weltweit pro Jahr verbraucht wird.

Und das Ökosystem? Wenn es läuft wie üblich, dann ist es bald schneller zerstört als wir es erforscht haben werden. #deutscherpessimismus

Quelle: heise online – China forciert Tiefsee-Forschung.

Kleines Volk siegt über Alu-Mine

24.08.2010, von

Ausschnitt der Homepage von Vedanta

Sich „nachhaltige Entwicklung“ auf die grüne Fahne schreiben ist das eine. Eine nachhaltige Unternehmenskultur das andere. Häufig klafft zwischen PR und Wirklichkeit eine erhebliche Lücke. Offenbar auch im Fall des britischen Bergbaukonzerns Vedanta, wenn ich die heutige Pressemitteilung der NGO „Survival International“ richtig interpretiere.

Ein indigenes Volk in Indien hat einen überwältigenden Sieg über einen der größten Rohstoffkonzerne der Welt errungen. In einer außergewöhnlichen Entscheidung hat Indiens Umweltminister Jairam Ramesh die kontroversen Pläne des Unternehmens Vedanta Resources gestoppt, auf dem heiligen Berg der indigenen Dongria Kondh Aluminiumerz abzubauen. Vedanta hat eine „schockierende“ und „eklatante Verachtung für die Rechte indigener Gruppen“ gezeigt, sagte Minister Ramesh. Der Minister zog auch die Rechtmäßigkeit der Raffinerie in Frage, die Vedanta bereits am Fuße des Berges errichtet hat.

Wäre ja schön, wenn David gegen Goliath gewonnen hätte und die 8.000 Mitglieder des kleinen indigenen Volkes der Dogria tatsächlich den Rohstoffbegehrlichkeiten dauerhaft trotzen können. Der Direktor von Survial International gab sich da heute optimistisch:

Die Ära in der Bergbaukonzerne alles und jeden aus dem Weg räumen konnten, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden geht glücklicherweise zu Ende. Es ist dennoch bezeichnend, dass Vedanta bis zum Schluss für seine Pläne gekämpft hat und immer wieder die Aussagen der Dongria geleugnet hat. Die Öffentlichkeit muss gegenüber solchen so-genannten Entwicklungsprojekten weiterhin wachsam sein. Man kann sich nicht  darauf verlassen, dass sich Unternehmen an unverbindliche Menschenrechtsstandards halten, insbesondere wenn indigene Völker betroffen sind, die selten wissen, womit sie es zu tun bekommen.

Na, den ersten Satz halte ich ja für Zweckoptimismus. Aber selbst wenn noch der ein oder andere Fall folgt, an dem die PR-Maschinen rücksichtsloser Großkonzerne „siegen“: der Preis des Sieges hat sich erhöht. Und das ist eine gute Nachricht.

Homepage von Survival International

Debatte zu Welthandel und Natur

28.07.2010, von

Die Welthandelsorganisation WTO öffnet sich für eine öffentliche Debatte über die Zusammenhänge zwischen natürlichen Ressourcen und dem Handel. Schließlich beeinflussen die Regeln der WTO massiv, ob Staaten ihre Ressourcen schützen können oder nicht. Wenn Staaten etwa die Einfuhr von grüner Gentechnik oder nicht nachhaltig erzeugten Produkten blockieren wollen, müssen sie sich häufig vor der WTO rechtfertigen: der „freie Handel“ hat dann oft den Vorrang vor dem Schutzgedanken. Über dieses Spannungsfeld darf debattiert werden (auf englisch):

You are invited to participate in this discussion by submitting short articles (of no more than 1,000 words) that may be published on this page if the content is judged to be of sufficient interest and relevance. In these articles, we would ask you to express your opinion on the relationship between international trade and natural resources, such as fish, forestry, and fuels, and on the role the WTO could play in encouraging a more efficient management of these resources.

Your contribution will be taken into consideration by the authors of the World Trade Report 2010.

Hoffentlich nutzen möglichst viele diese Möglichkeit, die WTO ist letztlich faktisch in Umweltbelangen eine der einflussreichsten Organisationen der Welt. Sie stellt viele der Spielregeln auf, die den Naturverbrauch und die Verschmutzung massiv beeinflussen.

Quelle: WTO | Publications.

Wir haben nur noch 300 Jahre

23.07.2010, von

Weiter gewirtschaftet wie bisher bleiben noch zwei- bis dreihundert Jahre, dann gefährdet ein massiver und vollständiger Klimawandel das Überleben der Menschheit. Keine schöne Perspektive, die der frühere englische Umweltminister Michael Meacher im Interview mit dem „Ecologist“ eröffnet.

I think with the current rate of exploitation and current disregard for sustainability that our economy and our civiliation has, I think we will easily reach that point in the next 200-300 years.

Es wäre naiv, dem im bisherigen Fortschrittglauben entgegen zu halten: „Bisher haben wir wenn’s eng wurde noch immer eine technologische Lösung oder neue Ressourcen gefunden.“ Das kann niemand garantieren. Wär’s doch nur so einfach.
Via Twitter wurde ich übrigens von @Kraueterwissen darauf hingewiesen, dass Umweltguru Dennis Meadows in einem Interview 2008 bereits für 2050 mit ernsten Konsequenzen rechnet, weil die Finanzkrise die Umweltkrise beschleunigt.

Quelle: Interview – Michael Meacher: humans only have 200-300 years left on earth – The Ecologist.

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