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Brasilianischer Noch-Umweltminister warnt vor neuer Politik

31.10.2018, von

Minister kündigt Fusion mit Landwirtschaft an

Es ist ein Hilfeschrei erster Güte, der da über den Atlantik kommt. Der brasilianische Noch-Umweltminister macht in ungewöhnlich deutlicher Form öffentlich klar, was die vom künftigen Präsidenten Bolsonaro geplante Fusion mit dem Landwirtschaftsministerium bedeuten würde: das faktische Ende einer – ohnehin schon schwierigen – brasilianischen Umweltpolitik. „Ressourcenschutz, nein danke“, so lautet letztlich das offene Motto Jair Bolsonaros. Insbesondere die ohnehin schon stark geschrumpften Regenwälder des Amazonasgebiets werden leiden, dazu viele wichtige Schutzgebiete in –  international nur halt weniger prominenten – Regionen wie Pantanal, Cerrado oder Mata atlantica usw.
 
Wenn Bolsonaro auch nur halb so konsequent wie Donald Trump seine Wahlkampfversprechen abarbeitet, dann gute Nacht Ökologie in Brasilien. Und viele BrasilianerInnen werden sich nicht um die Natur kümmern können weil sie in Abwehrkämpfe gegen die ebenfalls offen angekündigte Hetzjagd auf Schwule, Lesben, indigene Völker etc. und andere zu erwartende Verletzungen der Menschenrechte verstrickt sind.

Apple: Abkassieren durch Elektroschrott?!

30.11.2016, von

Wie lange will unser Gesetzgeber eigentlich noch zugucken ohne einzugreifen, wie Firmen wie Apple munter dazu beitragen, wertvolle Ressourcen wie Metalle zu verschwenden? Gerade mal fünf Jahre alte Rechner werden demnächst wohl faktisch zu nicht-reparierbarem Müll deklariert.

Apple will demnächst verschiedene bekannte Mac-Modelle nicht einmal mehr gegen Geld reparieren. Darunter sind Geräte, die noch nicht wirklich alt sind.

Bei allem Verständnis, dass der Support auch von Hardware nicht unbegrenzt lange gehen kann weil er sich irgendwann betriebswirtschaftlich nicht mehr rechnet: dass sich Apple wie auch die entsprechend authorisierten Werkstätten schlichtweg weigern, Geräte zu reparieren, die noch nicht alt sind, das ist ein echtes Ärgernis. Manches Apple-Produkt ist eh schon katastrophal reparaturunfreundlich konstruiert, wie z.B. die Timemachine, und dann auch noch die Totalverweigerung nach fünf Jahren für Laptops…

In Kalifornien und der Türkei scheint es allerdings auch anders zu gehen: dort gelten offenbar längere Fristen, in denen ein Hersteller sich noch um seine Gerätschaften kümmern muss. So etwas ist auch bei uns bzw. in der EU überfällig. Da könnte doch z.B. die Ecodesign-Richtlinie der EU mal entsprechend angepasst werden, dass sie längere Reparaturzeitfenster erzwingt.

Milliardengewinne einfahren auf Kosten von Lieferanten und Kundschaft und gleichzeitig Elektro-Schrottberge anwachsen lassen durch Reparaturverweigerung, das passt nicht in die Zeit und sollte auch politisch nicht noch länger geduldet werden.

 

Quelle: Ausgelistet: 2011er Macs werden „obsolet“ | Mac & i

Sanktionen gegen Russland – ökologisch betrachtet

08.09.2014, von

Auf englisch, aber wem das kein Hindernis ist, erwartet hier eine lesenwerte Betrachtung aus Russland über die Sanktionen gegen Russland, Korruption, ihre „ökologischen“ Auswirkungen – und die Querverbindungen zwischen russischem und europäischem Geld.

Our dirty money puts a black stain on the reputations of politicians and civil servants the world over. Because of this, the introduction of sanctions against several Russian companies and businessmen could actually improve both the natural environment in Russia, and the financial situation in the wider world; and even in Russia itself. Only, while making this list, it is necessary to keep in mind the need for financial monitoring – stop the flow of dirty money, sanitised with the help of European companies and banks.

via The ecology of sanctions | openDemocracy.

Schmähpreise: Stimmen gegen Gazprom und Gap

27.01.2014, von

Der russische Energiekonzern Gazprom sowie das US-amerikanische Textilunternehmen Gap sind die diesjährigen Gewinner der Schmähpreise Public Eye Awards.

Den beiden Unternehmen wird ökologische Rücksichtslosigkeit bzw. Menschenverachtung vorgehalten.

Die Begründung und Details gibt es hier: Schmähpreise verliehen: 100.000 stimmen gegen Gazprom – SWR Fernsehen :: Odysso :: Umwelt | SWR.de.

Trendy: Zeit statt Zeug schenken

23.11.2013, von

Lange ist es ja nicht mehr hin, das sogenannte Fest der Liebe nähert sich mit untrüglicher Sicherheit. Seit September schreien einen die Nikoläuse in den Supermärkten an: Hallo, bald ist Weihnachten. Tja, und so kurz vor dem 1. Advent stellt sich also wieder die übliche Dezemberfrage: Was darfs denn sein für die Lieben, den Lieben, die Liebste?
Gut, ein schlendernder Gang durch die nächste City kann mit prall gefülltem Geldbeutel ein wenig weiterhelfen, spätestens auf dem weihrauchgeschwängerten Weihnachtsmarkt wird einem nach dem dritten Glühweinglas aber klar: Wir haben da ein Problem.
Denn: sie sind ja nett, die böhmischen Glastierchen, leider sind sie in Wirklichkeit aus Asien und Mama hat schon dreiundvierzig davon. So wie das Enkelchen bereits im Besitz von dreiundzwanzig Stofftieren ist, Opa verträgt leider keinen Wein mehr und außerdem ist sein Keller bereits rappelvoll mit ausgesuchten Bordeaux zu einem lausigen Preis.
Handgestrickte Pullover nutzen sich auch bei weitem nicht so schnell ab wie nötig wäre, um sie alle fünf Jahre wieder an sagen wir: Catharina zu verschenken. Und von neuen Kochbüchern reden wir im Zeitalter von chefkoch.de lieber gar nicht erst. Kurz: die Lage ist ernst.
Denn wer sich nicht rechtzeitig kümmert, rennt dann an Heilig Abend an die Tanke, aber, Leute, wie die dort gekauften Blumen aussehen ist inzwischen allgemein bekannt. Wer sowas schenkt wird gedisst. Das ist keine Alternative. Dabei gibt’s längst eine.
Warum zum Teufel schenken wir denen, die wir lieben, überhaupt DINGE? Den fünften Schal, das zehnte Parfüm? Das ist doch so quatschig wie umweltschädlich hat sich eine Initiative gedacht. Eine Milliarde Euro lassen wir uns jährlich Parfüms kosten, von denen ein Viertel nie zum Einsatz kommt. Dann lieber Zeit schenken.
Ideen gibt’s auf www.zeit-statt-zeug.de. Vorlesen statt Buch. Fotos gucken statt Fotoapparat. Stricken beibringen statt Stricken oder Nackemassage statt Schal. Zoobesuch statt Stofftier oder Kochabend statt Kochbuch. Das fördert zwar nicht das Bruttosozialprodukt, aber hartnäckige Gerüchte besagen, materieller Konsum sei ja auch gar nicht der eigentlich Zweck des Weihnachtsfestes gewesen.

Ölbohren im Yasuni-Park: Erst die Dollars, dann die Moral

16.08.2013, von

Achja, unsere Nationalparke oder welche, die es noch werden wollen, sind doch ein steter Quell der Freude für uns Journalisten. Denn es gibt immer was zu berichten: Gemeinde x will nicht so recht, in Gemeinde y sitzen ein paar Bedenkenträger und Herr z äußert sich im Internet auch ziemlich kritisch. Trotz allem: wir bekommen zwei neue Nationalparke im Südwesten, wobei: es sind ja Entwicklungsnationalparke, dort im Nordschwarzwald und im Pfälzer Hochwald. Unsere wilde Natur haben wir in Mitteleuropa ja schon lange platt gemacht.
Naja, inzwischen fördern wir also in unserem Industriestaat mit viel Aufwand wieder ein bisschen mehr Artenvielfalt in naturähnlicher Landschaft. Mehr Wildnis wagen. Ist ja auch gut so. Andere Länder haben dagegen noch Natur satt, Wildnis bis zum Abwinken und würden die gern erhalten – wenn denn jemand dafür zahlen würde. Ecuador zum Beispiel, der kleine Andenstaat, machte der UNO vor sechs Jahren ein ausgesprochen moralisches Angebot: Wir verzichten darauf, die Ölquellen unter unserem Yasuni-Nationalpark zu nutzen, wenn ihr uns dafür entschädigt.

Der Yasuni-Regenwald, das sind nicht irgendwo ein paar beliebige Bäumchen, das ist eines der artenreichsten Gebiete weltweit überhaupt. 2,7 Milliarden Euro, verteilt über zehn Jahre wollte Ecuador dafür haben. Angesichts der Gewinne, die mit Erdöl erzielt werden können, kein Schnäppchen, aber nur noch die Hälfte dessen, was mit den 850 Millionen Barrel Öl unter dem Yasuni-Park voraussichtlich zu erlösen wäre. Für ein Land, das ein Drittel seines Haushalts aus Öleinnahmen finanziert, ein realistischer Preis.
Und, was hat die UNO, was haben wir Industriestaaten gemacht? 2010 wurde zwar ein UN-Fond für Yasuni gegründet, aber statt 2,7 Milliarden kamen gerade zehn Millionen Euro zusammen, zumeist aus privaten Spenden. Soviel ist der Welt also der Schutz der Biodiversität also wert: nahezu nichts. Ganz zu schweigen davon, dass im betroffenen Gebiet auch Indianer ohne Kontakt zur Aussenwelt leben, deren Leben durch die mit der Ölförderung verbundenen Veränderungen zerstört wird.
Im Internet wird jetzt zwar mobilisiert: #saveyasuninow. Ich würde da eher fragen: #saveyasunihow? Denn Öl zu fördern lohnt sich gerade besonders: aufgrund der blutigen Vorgänge in Ägypten ist der Ölpreis stark angestiegen. Und die Moral von der Geschicht‘? Frei nach Bertolt Brecht: Erst das Erdöl, dann die Moral. Da wird’s schwer für #saveyasuninow.

Und ewig grüsst das Flaschenpfand

31.05.2013, von

Jetzt mal ehrlich, dieses Pfandsystem bei Flaschen, da blickt doch keiner mehr durch. Erinnern Sie sich noch – vor gut zehn Jahren, da war die Welt der Getränkebehälter noch klar und übersichtlich. Es gab ein funktionierendes Mehrweg-Kasten-System mit einheitlichen Pfandflaschen in der Regel aus Glas. Die war ein halber Liter drin oder 0,7 und wenn man die Flasche im Zug in Stuttgart eingepackt hatte, dann liess die sich in Hamburg problemlos abgeben. Und jetzt sagen se nicht, Sie hätten eh immer nur Sixpacks getrunken.
50 Mal liess sich so eine Mehrwegflasche wiederbefüllen. Aber: Mit sowas lässt sich kein Wachstum generieren – laaaangweilig. Heute ist das ganz anders, da ist bei Flaschen die ganze Vielfalt angesagt. Bunte Farben, skurile Formen, vom Inhalt mit den herrlichen Chemiearomen selbst im reinheitsgebotenen Bier reden wir hier gar nicht. Für die meisten Flaschen ist auch Pfand fällig und zwar bis zu 25 Cent. Aber Mehrweg sind die deshalb noch lange nicht, auch wenn wir das meistens denken, solange wir nicht ganz genau auf die Flasche drauf gucken. „Und ewig grüsst das Flaschenpfand“ weiterlesen →

Drei Jahre Öldesaster Deepwater Horizon – noch Fragen?

18.04.2013, von

Zum Öldesaster nach dem Untergang der Bohrplattform Deepwater Horizon haben die Tagesschau viele Fragen über Facebook erreicht, am 20.4.13 jährt sich die Ölkatastrophe ja zum dritten Mal. Manche Fragen konnten wir in einer Zuschaltung heute morgen beantworten, einige sind offen geblieben. Ich versuche so weit es geht im Lauf des Tages ein paar Fakten zu klären und dann peu à peu hier im Blog zu ergänzen. Los geht’s:

Libertarian Chris will wissen: Hat sich die Strömung des Golfstroms verändert? (Habe damals einen Artikel gelesen, in dem dies befürchtet wurde durch den Einsatz der Chemikalien.)

Die Befürchtung war zunächst auch berechtigt, denn das absinkende Öl verändert zeitweilig die Dichte des Meereswassers und hätte damit durchaus auch das Strömungsverhalten beeinflussen können. Nach den derzeitigen Erkenntnissen hat es aber bisher keine nennenswerten Veränderungen der Strömung des Golfstroms gegeben, da hat sich nach Aussagen von Geomar , dem Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, nichts verändert. Für eine endgültiges Ergebnis ist es aber auch noch viel zu früh, das, so die Aussage, würde sich erst nach etlichen Jahren beurteilen lassen, wenn alle andere Faktoren (normale Schwankungen, andere menschliche Einflüsse) heraus gerechnet wären. Momentan gibt es aber nach Aussage eines Sprechers von Geomar keine Hinweise darauf, dass die Ölkatastrophe und die eingesetzten Chemikalien irgend etwas am Golfstrom ändern.

Armin Berthold Scholz fragt: Wie giftig ist Corexit wirklich?

Ich zitiere hier Prof. Michael Schlüter von der Uni Hamburg, der an einem interdisziplinären Forschungsprojekt im Golf von Mexico mitmacht:
„Die Wirkung von Corexit muss sehr differenziert betrachtet werden und wird gerade ebenfalls sehr intensiv untersucht. Einerseits wirkt Corexit wie ein Spülmittel, welches das Öl in feinere Tröpfchen aufspaltet. Hierdurch bildet sich eine sehr große Oberfläche, wodurch die Bakterien einen viel besseren Zugang zum Öl haben und es besser und schneller abbauen können. Andererseits folgen die feineren Tröpfchen besser der Strömung, wodurch es auch zu einer weiteren Verbreitung des Öls kommt. Corexit sorgt weiterhin dafür, dass das Öl unter die Wasseroberfläche absinkt – hierdurch können Vögel geschützt werden und das Öl wird durch die Wellen weniger stark verteilt. Jedoch ist es schlechter zu lokalisieren und abzusaugen. Auch an diesem Beispiel wird deutlich, dass nur ein sehr interdisziplinäres Team eine Bewertung verschiedener Szenarien vornehmen kann. Biologie, Strömungsmechanik, Chemie, Geologie, Meterologie – alle Expertisen sind erforderlich.“

Belial Daemonis möchte wissen: Welche politischen Konsequenzen sind aus dieser Katastrophe gezogen worden? Fragte er, obwohl er die Antwort schon ahnte…

Es gab in den USA zunächst einen Stopp für Tiefbohrungen, der wurde allerdings nach einem halben Jahr wieder aufgehoben. Erlassen hat die Obama-Regierung ferner für BP ein Vertragsverbot, das heisst, die Firma ist – weil als unzuverlässig gebrandmarkt – kein Geschäftspartner der USA mehr. (Da kann man sich freilich auch fragen, ob die US-Ölfirmen „besser“ wären.)
Ansonsten sollte es ein paar Verbesserungen in der Zusammenarbeit zwischen der für Schiffe/Plattformen zuständigen Küstenwache und dem für Bohrungen zuständigen Innenministerium geben, aber selbst das verläuft schleppend. Und im Kongress, der hätte gesetzliche Rahmenbedingungen wie den Oil Pollution Act hätte verändern und verbessern müssen und können, um eine koordinierte Katastrophenbekämpfung zu fördern, ist bisher nichts relevantes in dieser Richtung geschehen. Ein dicker Bericht zur Deepwater Horizon, eine stillgelegte Webseite mit Infos, that’s it.

Wadde Mer fragt: Wer bezahlt die Umweltschäden bzw. sorgt dafür, dass das wieder in Ordnung kommt? Wie werden die Helfer mit Gesundheitsproblemen entschädigt? Wer haftet für die Ölkatastrophe?

Wenn dann überwiegend BP. Die Firma hat einen von einem Gericht überwachten Fonds gegründet, aus dem Entschädigungen etc. gezahlt werden. BP muss zudem eine Strafe in Milliardenhöhe zahlen und wird jetzt seit Anfang dieses Jahres auch noch zivilrechtlich beklagt. Erst wenn diese vielen Dutzend Prozesse abgeschlossen und rechtswirksam sind, wird sich zeigen, ob die Ölfirma glimpflich davon kam oder nicht. Wenig ermutigend für die Opfer ist das Beispiel der Exxon Valdez, die letzten Gerichtsverfahren wurden 20 Jahre nach Untergang dieses Öltankers vor Alaska abgeschlossen, die Strafe von 5 Milliarden Dollar auf eine halbe Milliarde gedrückt.

Wolfram Krause meint: Wie sieht es unter der Oberfläche aus? …vor allem unter der Meeresoberfläche und den betroffenen Lebensräumen? Und Sascha Hähnel fragt: Was ist mit dem Öl passiert?
Dazu Prof. Michael Schlüter, Uni Hamburg:
Natürlich sind die Auswirkungen katastrophal und noch nicht in vollem Umfang absehbar. Schon heute sind aber Langzeitfolgen abzusehen, die den Bestand in Flora und Fauna nachhaltig verändern werden. Vom Änderungen in der Populationsdichte bis zum Verschwinden ganzer Arten. Die Biodiversität wird in jedem Fall beeinflusst.
Bei der biologischen Abbaubarkeit von Schweröl zeigt sich eine interessante Entwicklung, da der biologische Abbau schneller erfolgt, als zunächst vermutet. Dies wird darauf zurückgeführt, dass ohnehin immer viele ölabbauende Bakterien im Golf von Mexico vorhanden sind, da es eine natürlich Grundverschmutzung mit Öl gibt. Der Meeresboden ist teilweise von natürlichen Ölquellen durchtränkt. Wenn eine entsprechend hohe Startkonzentration vorhanden ist, vermehren sich die Bakterien natürlich bei einer Ölkatastrophe viel schneller und müssen sich nicht erst an die Substrate anpassen. Außerdem laufen an der TU Hamburg Harburg Experimente die zeigen, wie sich der Ölabbau unter Hochdruck verändert. Hier gibt es Anzeichen, dass der Druck den Abbau etwas verbessert – aber dass muss erst noch genauer untersucht werden, um belastbare Aussagen zu treffen.
Trotzdem darf der biologische Abbau nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich sehr viele giftige Stoff im Meer und Meeresboden ablagern und natürlich auch von Organismen aufgenommen werden und hier Langzeitschäden verursachen. Die Schadstoffe gelangen früher oder später in die Nahrungskette.

Arme Griechen verheizen illegal ihre Wälder

24.09.2012, von

Es gibt sie noch, die griechischen Wälder, auch wenn wir Deutsche meist in den eher waldarmen Gebieten Griechenlands Urlaub machen. Ein Drittel der Landfläche sind waldbedeckt. Noch. Die Finanzkrise hat Folgen. Immer mehr Arme bedienen sich illegal im Wald – für Heizholz.

Im mittelgriechischen Kreis Larissa wurden in den vergangenen Wochen bereits 110 „Holz-Wilderer“ gestellt, im benachbarten Kreis Karditsa fassten die Förster 33 Personen, die ohne Genehmigung Bäume fällten. Mehrere hundert Tonnen illegal geschlagenes Holz wurden sichergestellt. Nachdem das Abholzen der Wälder bereits im vergangenen Winter nach Aussage des Umweltministeriums „epidemische Ausmaße“ angenommen hatte, droht jetzt ein weiterer Kahlschlag.

via Heizkrise: Wilderer roden griechische Wälder | Panorama – Kölner Stadt-Anzeiger.

Gesucht, gefunden: Das übelste Unternehmen der Welt 2012

21.01.2012, von

Wer wird in diesem Jahr der Sieger bei den Public Eye Awards? Auf deutsch: Welches ist das übelste Unternehmen der Welt 2012? Noch ein paar Tage läuft im Netz die Abstimmung und wer seinen Klick auf der Seite publiceye.ch machen will, der hat dieses Jahr wieder die Qual der Wahl. Die Public Eye Awards verstehen sich als Gegenpol zum Weltwirtschaftsforum in Davos.

Nicht, dass sich die über 2.000 Wirtschaftsbosse und Spitzenpolitiker dort in den nächsten Tagen keine Gedanken über Nachhaltigkeit, Umweltschutz und die Lebensbedingungen arbeitender Menschen machen würden. Nur: bei allen guten Absichten: Zwischen der Lebenswirklichkeit jettender Vorstände und dem, was an der Basis passiert, da liegen Welten. Auf Twitter spötteln deshalb die Macher der Public Eye Awards:

So ein bisschen dagegen sein is ja schick, aber bitte doch nicht so, dass die Betroffenen was merken.

Die Betroffenen kommen dafür bei Youtube zu Wort und von den sechs Videoclips zu den sechs Kandidaten sind mir vor allem zwei nachgegangen, vor allem der zu Samsung. Südkoreas reichster Mischkonzern mit 172 Milliarden US-Dollar Umsatz setze teils verbotene hochgiftige Stoffe bei der Produktion seiner Hightech-Geräte ein, so der Vorwurf. Mindestens 50 junge Arbeiter seien deshalb an Krebs gestorben, 140 erkrankt. Han Hye-Kyoung ist 33 und hat einen Hirntumor.

Ich bin krank geworden von der Arbeit in der Elektronikfabrik von Samsung,

sagt eine sichtlich von Krankheit gezeichnete Frau. Sie erzählt:

Samsung sagt, meine Krankheit hat nichts mit der Fabrik zu tun. Aber andere Arbeiter sind auch krank geworden bei Samsung.

Nicht weniger manipulativ gedreht, nur in ganz anderer Machart ist der Film zum Kandidat Freeport, der  weltgrößte Gold- und Kupferminen auf West-Papua. Hier kontrastieren Luftaufnahmen gigantischer Löcher im Erdboden mit nüchternen Worten. Seit Jahrzehnten belastet der US-Konzern die Umwelt auf der Tropeninsel mit Giftschlämmen und das indonesische Menschenrechtskomittee wirft ihm etwa Todesdrohungen gegen Gewerkschafter vor.  

 Auch die britische Bank Barclays bekommt ihr Fett ab, sie wird als hungertreibender Nahrungsmittelspekulant angeprangert, auch der Schweizer Chemiekonzern Syngenta bekommt vorgeworfen, in Drittweltstaaten sein Herbizid Paraquat zu verkaufen, das bei uns aus guten Gründen verboten ist. Derzeit bei der Abstimmung auf Platz Zwei: Der brasilianische Vale-Konzern, der den ökologisch wie sozial verheerenden Belo Monte Staudamm im Amazonasbecken mit baut. In seiner öffentlichen Antwort auf die Nominierung sieht sich Vale völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt. Und verweist auf seinen dicken Nachhaltigkeitsbericht, in dem alles drin steht. Immerhin: der Konzern hat reagiert, das haben nicht alle:

 Wir haben fünf Antworten erhalten. Nur Tepco ignoriert uns,

schreiben die Macher der Public Eye Awards in ihrem Twitterkanal @PEAwards. Und fragen nach den Gründen des Schweigens:

Ist es ihnen peinlich? Oder sind sie pleite?

Naja, ehrlich gesagt: Hätten Sie vom Betreiber des Katastrophen-AKW Fukushima Tepco nach der Vorgeschichte etwas anderes erwartet als Schweigen? Bis 26. Januar läuft die Abstimmung im Netz noch, dann werden Greenpeace Schweiz und die Erklärung von Bern, eine Schweizer NGO, das Ergebnis feststellen. Also ich setze auf Tepco, den Favoriten.

———-Nachtrag:

Ok, es war dann doch nicht Tepco. Vale hat gewonnen, aber knapp. Und Barclays für ihre Spekulation auf Nahrungsmittel. Was folgern wir daraus? Ureinwohner vertreiben und Leute hungern lassen ist schlimmer als eine radioaktive Verseuchung? Mh. Ist statistisch eh nicht signifikant, das Ergebnis. Meine Zusammenfassung hier: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/publiceye100.html

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