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Der frühe Vogel scheut den Fluglärm

31.08.2016, von

Fluglärm stört nicht nur uns Menschen, sondern hat auch Auswirkungen auf die Tierwelt. Bis zu einem Viertel weniger Zeit steht etwa den Buchfinken in der Nähe des Flughafens Berlin-Tegel morgens zur Vefügung, um ungestört zu zirpen. Das hat eine Studie ergeben, bei der Wissenschaftler 2013 und 2014 zeitweilig die Vogelgesänge am Flughafen und einer entfernten Kontrollstelle mindestens eine Stunde vor Sonnenaufgang erfasst haben. Das Ergebnis: von zehn Singvogelarten starteten die Hälfte am Flughafen signifikant früher zu singen als im Bereich der ruhigeren Kontrollstelle. Das ist zwar schön, dass sich die Vögel offenbar anpassen können, es kann aber ihre Fitness verschlechtern und damit langfristig schädigen.

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ece3.2357/full

Nachtruhe auf Hessisch hat vor Gericht gepatzt

05.04.2012, von

Haben Sie auch so einen Spaß an guten Wimmelbildern oder Landkarten? Ich kann mich da gar nicht dran sattsehen, immer neue Details tauchen auf und wenn sich dann noch was bewegt, ist es ganz wunderbar. Zum Beispiel auf einer Internetseite der Deutschen Flugsicherung. Die zeigt live den Flugverkehr über Europa. Je nach Höhe sind die Flugzeuge mal grün, mal gelb, mal rot angepinselt. Grün sind die über 3.000 Meter, während die Lilanen einem fast durchs Wohnzimmer fliegen können, weil sie unter gut 300 Meter tief sind. Was für ein Gewimmel ist da rund um Frankfurt, hach, wunderbar, und ganz viel Lila. Da vergisst man dann fast schon, was das für die Leute am Boden bedeutet: Mega-krach. Apropos:

Ich bin ja mal gespannt, wie lange es hält, das neue alte Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen. Denn die Richter des Bundesverwaltungsgerichts haben ja jetzt festgestellt: der Ausbau des Frankfurter Flughafens und damit die vierte Landesbahn ist rechtens. Damit dürfen die Flugbewegungen von jetzt einer halben Million auf 700.000 bis 2020 steigen. Ohne das Urteil jetzt im Detail zu kennen: hoffentlich schließt es rechtlich wasserdicht aus, dass noch einmal Ausnahmen vom Nachtflugverbot möglich werden, sofern sie nur korrekt rechtlich beantragt werden.

20120405-173629.jpgZutrauen würde ich denen inzwischen alles. Wenn ich dran denke, wie damals das Mediationsverfahren lief zum Flughafenausbau und die Gegner schließlich der neuen Landesbahn zugestimmt haben, weil ein Nachtflugverbot zugesichert wurde. Das dann später durch 17, jawohl: 17, Ausnahmen durchlöchert werden sollte. Einfach so. Alle halbe Stunde: Bruuuum. Das ist Nachtruhe auf hessisch. Dolle Idee. Erst Mediation, dann Ätschebätsch, so haben wir uns Mitbestimmung immer vorgestellt, ganz sicher.

Und davon abgesehen: der ganze Krach müsste nicht sein, wenn die Flieger höher anfliegen und dann steiler landen würden. Aber aus Sicherheitsgründen könnten dann halt nicht ganz so viele Flieger abgefertigt werden. Na und? Natürlich verdiente die Betreibergesellschaft Fraport sich eine noch goldenere Nase wenn‘s am Flughafen rund um die Uhr brummte, ein bisschen weniger ist aber zu verkraften.

Volkswirtschaftlich gesehen ist der Krach sowieso schädlich, denn die dadurch verursachten Gesundheitsschäden sind nicht die Erfindung von linken Spinnern, sondern durch valide Studien nachgewiesen. An diese Kosten denkt wieder keiner. Achja, Verteilung und Intensität des Lärms lassen sich übrigens auch auf wunderbaren Karten in Internet anschauen. Unter umwelthaus.org finden sich eine Menge, zum Beispiel Karten, die mit etwa zweistündiger Verzögerung den Lärmpegel abbilden. Zum Abheben schön.

 

Tausende protestieren gegen Fluglärm

22.10.2011, von

Die Mainzer haben die Schnauze voll vom überflüssigen Fluglärm. Das machten heute mehrere Tausend Menschen mit einer Demo deutlich. Ich finde, sie haben recht. Leisere Anflüge wären problemlos möglich, werden aber der Profitmaximierung geopfert. Und die hessische Landesregierung ignoriert Ergebnisse der Mediation zum Ausbau, will weiterhin Nachtflüge durchsetzen. Schön, wenn heute deutlich gemacht wurde: So nicht!

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Windrad vom Ministerschreibtisch

27.09.2011, von

Schade, dass die Zeit so schnell umgeht. War gerade bei Kaffee oder Tee im SWR-Fernsehen in Sachen Windkraft, Chancen und Risiken. Spannendes Thema. Wird uns noch lange beschäftigen.
Das Windrad stammt übrigens vom Schreibtisch der rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerin Eveline Lemke. Dort hatte ich es bei einem Hintergrundgespäch kürzlich entdeckt und für die heutige Sendung ausleihen können. Und dort steht’s auch ab morgen wieder. Erinnert wahrscheinlich daran, dass in RPL der Windkraftanteil am Strom bis 2020 verfünffacht werden soll. Da ist noch viel zu tun.

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Kehrwoche mit dem Freischneider

29.10.2010, von

Kehrwoche mit dem Freischneider - Copyright Axel Weiss

Dass Menschen mit dem lärmenden Laubbläser arbeiten statt zum Besen zu greifen ist leider inzwischen verbreitet. Aber dass für die Kehrwoche jetzt auch noch kreischende Freischneider herhalten müssen, das ist mir neu. Blatt für Blatt wurde so von der Straße gefegt. Gesehen kürzlich in Veringenstadt auf der Schwäbischen Alb. Natürlich war’s ein Samstag nachmittag.

Tödlicher Fluglärm

27.10.2010, von

Flüsterflugzeuge sind noch nicht erfunden - Copyright Axel Weiss

Und wieder eine Studie, die zeigt, dass Fluglärm krank macht:

Je stärker der Fluglärm und je länger die Lärmbelastung, desto grösser ist die Gefahr, an einem Herzinfarkt zu sterben.

Wissenschaftler der Uni Bern konnten eine eindeutige Verbindung feststellen zwischen Intensität und Dauer des Fluglärms und dem Risiko einer dieser Lärmbelastung ausgesetzten Person, durch einen Herzinfarkt zu sterben. Wie stark der Lärm krank macht ist unterschiedlich verteilt:

Dieses Risiko ist bei Männern höher als bei Frauen und scheint auch mit der schlechten Schallisolation von alten, nicht renovierten Häusern zusammenzuhängen.

Sagt Forscher Martin Röösli. Der Lärm wirkt als „psychosozialer Stressor“ auf den Teil des Nervensystems, der Reize überträgt. Auch das Hormonsystem ist betroffen.  Dadurch steigt das Herzinfarktrisiko.

Wir reagieren auf bestimmte Reize nach wie vor ähnlich wie Vorzeitmenschen: auf einen plötzlichen Krach folgt ein Schreck und die erhöhte Alarmbereitschaft des Körpers. Sofort  setzen Vorbereitungen zur Flucht ein, der Adrenalinpegel steigt u.ä.m.. Ich vermute ähnliche Mechanismen bei Lärm, mit dem Ergebnis: der in Fluglärmzonen regelmäßig in kurzen Abständen auftretende hohe Schallpegel verhindert längere Entspannung. Ein System in pausenloser Dauerbereitschaft freilich hat eine verkürzte Lebensdauer. Eigentlich logisch.

Keine gute Nachricht ist das für die Bewohner des Mittelrheintals. Der dortige Güterverkehr auf der Schiene röhrt zwar nicht alle dreißig Sekunden wie die Flieger etwa über dem Rhein-Main-Gebiet. Aber 100 Dezibel wie in Oberwesel sind ein Höllenkrach und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass das weniger gesundheitsschädlich ist als der Fluglärm.

Quelle: Universität Bern – Abteilung Kommunikation – fluglaerm.

Mehr gegen Stuttgart 21

04.08.2010, von

Gegner des Stuttgart21-Projekts machen mobil - Copyright Axel Weiss
Die Gegner des Umbaus des Stuttgarter Bahnhofs sind zahlreich. Nächste Demonstration nächsten Samstag. Und der Protest findet sich auch immer häufiger im Stadtbild. Dieses Plakat steht mitten im Bahnhof von Bad Cannstatt.

Blumenpracht am Straßenrand

28.10.2008, von

 Klatschmohn - Copyright Axel Weiß

Heute morgen auf dem Weg ins Funkhaus. Strömender Regen, acht Laubbläser an der Strecke. Sie lassen sich durch ein bisschen Nässe nicht davon abhalten, die Blätter einzeln zu trocknen. Geschätzte Dezibel pro Bläser: 90 dB mindestens. Und angesichts der zahlreichen Blätter, die noch auf den Bäumen hängen, hätte sich Sysyphus nach so einem Job die Finger geleckt. Doch der Lohn der angestrengten Bemühungen sind blattfreie Rasenflächen am Straßenrand, steril und ökologisch weitgehend funktionsfrei. Tja, was tun die Grünflächenämter – republikweit – nicht alles, um sich selbst zu erhalten. Der Kampf dagegen ist kräftezehrend, wie ich heute dem CSN-Blog entnehme.

Aber es gibt Lichtblicke: In Süddeutschland etwa gibt es ein paar Orte, wo es richtig Spaß macht, die Straßenränder im Sommer zu betrachten, weil das richtig hochwachsende Blumenwiesen sind. Mössingen an der Schwäbischen Alb ist für mich das beste Beispiel, die Gemeinde nennt sich heute selbst „Blumenstadt Mössingen“ und zwar zu Recht. Der Witz: Entstanden ist die Farbenpracht ursprünglich aus Geldnot. Aber bis zum Umbau des Straßenbegleitgrüns war es auch in Mössingen ein weiter Weg.

Rock for Nature

20.08.2008, von

Da staunen die Kühe - Copyright Axel Weiss
Da werden die Kühe staunen. Übermorgen geht’s ab: Mitten in der schwäbischen Hinterpampas, auf einem abgeernteten Ökoweizen-Feld bei Wolpertshausen, treffen sich Rock und Rockfans zum ersten OpenAir mit Öko-Anspruch. „Rock for Nature“ heißt das Ganze und zwei Tage lange ist bei Schwäbisch-Hall die Sau los. Mit Joe Cocker, Wir sind Helden und Nena, mit Ich und Ich und den Scorpions, aber ohne Coca Cola, ohne Junk Food und grüne Gentechnik, und alles überwiegend klimaneutral kalkuliert. Vom Bahnhof Schwäbisch Hall gibt’s einen Shuttleservice, so dass keiner mit dem Auto anreisen muss. Organisiert hat Rock for Nature unter anderem ein rühriger Öko-Bauer.

Klingt zwar alles auf den ersten Blick nach Political Correctness, Gutmenschentum und Bio-Masche, bei näherem Hinsehen finde ich die Veranstaltung aber eine runde, durchdachte Sache mit Vorbildcharakter. Und wenn danach ein paar Leute mehr ins Nachdenken über Klimaschutz und Co. gekommen sind, dann hat sich’s schon gelohnt. Ich selbst hab‘ leider keine Zeit, sonst wäre ich wohl auch hingefahren.

Kollegin Susanne Henn hat übrigens recherchiert, wie „Öko“ das Rock-for-Nature-Festival tatsächlich ist. Ihr (positives) Resultat habe ich hier zum Nachhören mit eingestellt. Und alles, was sonst noch über die Veranstaltung zu sagen wäre, hat SWR1 Baden-Württemberg zusammengestellt.

Lärmige Jet-Skis auf Schweizer Seen

17.02.2008, von

Nur noch ein Jahr ist halbwegs Ruhe auf den Schweizer Seen. Dann darf dort alles was die EU verpestet auch herum röhren. Wassertöffs oder Jet-Skis zum Beispiel. Mit 100 Sachen übers Wasser, das gibt’s dann nicht nur im Weltnaturerbe Mittelrheintal (bei Lorch z.B.) oder am Rand der Vogelschutzgebiete vor der Nonnenaue auf dem Rhein bei Mainz. Weil das Schweizer Bundesamt für Verkehr (BAV) die einschlägige Verordnung angepasst hat können die Kantone jetzt nur noch die Wasserflächen und Startgassen bestimmen, wo die Jet-Skis rasen dürfen. Stoppen können sie den zu erwartenden Krach aber nicht mehr.

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