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Neue Jagdregeln in Baden-Württemberg – „natürlich!“

15.05.2014, von

Das neue Jagd- und Wildtiermanagement-Gesetz in Baden-Württemberg ist strittig. Zwischen Naturschützern, Jägern und Regierung. Wir haben einige Knackpunkte rausgegriffen und diese Woche bei natürlich! zum Thema gemacht. Hier die Sendung zum nachschauen: http://swrmediathek.de/player.htm?show=0657ab20-daa3-11e3-a953-0026b975f2e6

Naturschutz mal anders – ein Elefantenkönig auf Großwildjagd

20.04.2012, von

El Rey de los elefantes – wer im Netz nach an Carlos sucht, stösst schnell auf den neuen Spitznamen des spanischen Königs: der Elefantenkönig. Auf Deutsch nennen sie ihn manchmal auch den „Dschungelkönig“. Obergrünrock Juan Carlos hat sich jedenfalls gründlich in die Nesseln gesetzt, mit seiner kürzlichen Elefantenjagd in Botswana. Und dann auch noch diese Vielleicht-Affäre mit der schnuckligen Corinna von Sayn-Wittgenstein. Die spanisch- und portugiesisch-sprachigen Medien und Blogs zerreissen sich in diesen Tagen jedenfalls das Maul über den 74jährigen Hüfthelden.

Auch wenn er sich inzwischen entschuldigt hat: Was muss sich der Ehrenpräsident des spanischen WWF  auch auf seine alten Tage auf Elefantenjagd begeben… Obwohl: Großwildjagden haben j a schon eine gewisse Tradition beim WWF. International wie national. Ein Blick in die Leitungsetagen zeigt so illustre Gestalten wie den Duke of Edinburgh. Einst Großwildjäger, dann WWF-Ehrenpräsident, ja, genau: der Lord Mountbatten, mit dem schrägen Humor, der Bundeskanzler Kohl schon mal mit den Worten begrüßte:  „Guten Tag, Herr Reichskanzler“.

Auch in Deutschland zeigten Stiftungsrat oder Vorstand des WWF im Lauf der Jahre immer wieder gern jägerische Affinitäten. Da waren etwa der Ex-Chef der Holstenbrauerei, ein Adliger aus Schleswig-Holstein oder, besonders hübsch, ein Kölner Industrieller mit aparten Jagdtrophäen im Büro. Als allzu öffentlich wurde, dass der Leoparden und Elefanten schießt, haben sie sich damals ganz schnell von ihm getrennt. Und war da nicht früher auch ein spenden- und jagdaffiner Prinz zu Sayn-Wittgenstein jahrelang im Präsidium?

Naja, Juan Carlos will der spanische WWF jetzt jedenfalls auch loswerden. Dabei hat El Rey de los elefantes nur seine naturschützerische Pflicht erfüllt. Weil es in Botswana viele Elefanten gibt, sie nicht mehr wandern dürfen, fressen sie alles alles ganz kaputt. Ratzefatz, Bäume, Sträucher, weg. Da müssen die Jäger doch regulierend eingreifen dürfen, oder? Ganz legal übrigens.

Und die Hubertusjünger lassen ein Geld vor Ort… die reinste Entwicklungshilfe  – 7.000 bis 30.000 Euro kostet eine Jagdlizenz, schreibt die Zeitschrift Epoca genüsslich in ihrem Blog. Und das in einer Zeit, da auf der Iberischen Halbinsel alle den Gürtel enger schnallen müssen. Alle? Naja, sagen wir besser: fast alle. Aber für die Schüsse auf die Dickhäuter hat Juan Carlos ja gar nicht selbst bezahlt, müssen wir der Gerechtigkeit halber feststellen, die Bärenjagd mit Schuss 2006 in Russland war schließlich auch gesponsort. Ja doch: Bei einem Jahresgehalt von 292.000 Euros muss man schon ein bisschen haushalten.

Nasenwasser statt wirksamer Abschreckung für Jaguarjagd

10.05.2011, von

Da jagt die brasilianische Umweltbehörde Ibama im Pantanal-Schutzgebiet nach illegalen Jaguar-Jägern, wird auf der Santa Sofia Farm auch fündig, stößt auf neun Waffen, Anakondahaut und zwei Jaguarschädel. Und was bekommen die lieben Farmer? Eine Geldstrafe von rund 45.000 Euro.

O escritório regional do Ibama em Corumbá/MS multou a proprietária da fazenda Santa Sofia em R$ 105 mil por caça ilegal de onça e outros animais silvestres no pantanal.

Mit Verlaub: für derart harte Verstöße gegen den Artenschutz ist das ein Nasenwasser, fast schon ein Freispruch, der andere kaum davon abhalten wird, auf ähnliche Weise in der Wildnis plündern zu gehen.

viaIbama multa caçadora de onças no pantanal em R$105 mil | Portal EcoDebate.

Legendärer Hirschskandal zur Weihnachtszeit vor 40 Jahren

09.04.2011, von


GeoTagged, [N48.87044, W13.44996]

Die Geschichte des 1970 gegründeten ersten deutschen Nationalparks Bayerischer Wald ist spannend – wie die neue Ausstellung dazu im Nationalparkzentrum Hans-Eisenmann-Haus in Neuschönau. Zu sehen ist dort auch ein Teil des Films über den Rothirsch, mit dem Journalistenlegende Horst Stern am Heiligabend 1971 für Furore sorgte.
Sein ebenso pointierter wie lakonischer Film wurde teilweise im Bayerischen Wald gedreht, dessen Rotwildbestand damals viel zu groß war. Stern konfrontierte schonungslos traditionelle Jagdvorstellungen mit wildbiologischen Erkenntnissen. Und das an Heiligabend um 20.15 Uhr. Vorbildlich. Und immer noch sehenswert, wie die ganze Ausstellung.

Trophäenjagd bedroht Löwen

28.09.2010, von

Der Löwenbestand in Afrika ist auf ein Drittel dessen geschrumpft, was noch vor 20 Jahren durch die Savannen schlich: 23.000 Löwen gibt’s noch. Und jedes Jahr werden es weniger. Die meisten Tiere leben in Tansania, dürfen dort auch geschossen werden. Die Argumentation: die Trophäen bringen Devisen und machen die Erhaltung der Tierbestände lukrativ. Mittlerweile hat sich die Großwildjagd aber zum echten Problem für den Artenschutz entwickelt, ergibt eine neue Studie in „Conservation Biology“:

500 Löwen pro Jahr gibt Tansanias Regierung legal zum Abschuss frei. Die Quote halten die Forscher für deutlich zu hoch, denn längst gibt es nicht mehr so viele Trophäentiere. Mittlerweile werden nur noch halb so viele Löwen von Jägern erlegt wie im Jahr 1996.

Die Jagdquote sollte deshalb drastisch reduziert werden. Minus 70 Prozent, empfehlen die Wissenschaftler der Studie. So wie bisher darf’s jedenfalls nicht weitergehen, fordert auch die NGO Pro Wildlife:

Immer mehr Jäger gehen auf Löwenjagd, obwohl die starken Männchen immer seltener werden.

Die Löwen, die zum Abschuss frei gegeben werden, sollten ausserdem mindestens fünf Jahre alt sein. Problem: Gegen die verbreitete Korruption in Tansania werden gut gemeinte Vorschriften ohne Kontrolle wenig helfen.

Hintergrund: Trophäenjagd Löwen | PRO WILDLIFE.

Kein Räuber, nirgends

02.09.2010, von

Allein die aktuelle Überschrift der NZZ-Online zeigt, wie wenig wir dazu gelernt haben. „Die Rückkehr von Grossraubtieren in die Schweiz.“ Genau: „Grossraubtiere“, da steckt immer noch dieses „Raub“ drin. Wir sehen den maskierten Räuber schon hinterhältig durch die Nacht schleichen, den Sack am Rücken, voller Mordlust in den Augen. Wem aber „rauben“ denn bitte Wolf und Co. etwas? Hallo, geht’s noch? Die wollen fressen, um zu überleben, diese Tiere. Das ist wenig romantisch, ok, aber auch kein Grund für Alpträume. Dazu sind wir technisch inzwischen zu weit entwickelt. Eins freilich ist nach wie vor richtig:

An ihnen entzünden sich emotionale Konflikte über den richtigen Umgang mit «wilder» Natur.

Falls „emotional“ bedeuten soll „mit häufiger Ignoranz wider wissenschaftliche Erkenntnis und besseren Wissens“, dann beschreibt das wohl am besten den Zustand der Debatte. Die Leidtragenden sind Wölfe, Luchse und Bären. Inzwischen verfestigt sich mein Eindruck: Nein, ein Zusammenleben von Mensch und nennenswerten Populationen von Großbeutegreifern ist im Jahr 2010 in Mitteleuropa nicht mehr möglich. Zu groß sind die alten Vorbehalte und Vorurteile. Hoffe zwar, ich täusche mich, bin aber wenig zuversichtlich. #bruno #jj2

Quelle: Die Rückkehr von Grossraubtieren in die Schweiz Schweiz, NZZ Online.

Knast für den Eierdieb

19.08.2010, von

Zweieinhalb Jahre Knast erhielt jetzt ein englischer Eier-Schmuggler, berichtet heute die BBC. Der Mann hatte 13 Wanderfalken-Eier aus den Nestern geraubt. Wert der Beute: bald 100.000 Euro. Auf dem Weg nach Dubai wurde der Eierdieb am Flughafen in Birmingham Anfang Mai verhaftet und jetzt verurteilt. Der Richter warf ihm vor, solches Handeln richte nicht nur lokalen Schaden an, wenn es häufiger vorkomme, sondern sei ein Verbrechen letztlich gegenüber dem Planeten und seiner Zukunft.

„I quote the words of a Lord Justice of Appeal Lord Justice Sedley when he says, ‚environmental crime, if established, strikes not only at a locality and its population but in some measure to the planet and its future‘.

Klar ist: die Wanderfalken-Populationen haben sich dank intensiver Bemühungen von Tierschützern in den letzten Jahren zwar wieder erholt. Ihnen hatte vor allem das DDT zu schaffen gemacht, weil das Pestizid die Eierschalen zerbrechlich werden ließ. Seit dem DDT-Verbot ist es besser geworden. Bedroht sind die Vögel freilich nach wie vor. Und begehrt sind sie und anderen Falkenarten bei Falknern und ihren arabischen Kunden nach wie vor. Deshalb werden immer wieder Eier gestohlen und ausgebrütet, um an Jungvögel zu kommen. Die Eier werden zu enormen Preisen gehandelt.

Elf beschlagnahmte Eier wurden erfolgreich ausgebrütet, die Jungtiere allerdings zurück in die Wildnis entlassen.

Mir selbst ist es übrigens mal in Norwegen passiert, dass ich in den Verdacht geraten bin, es auf Falkeneier abgesehen zu haben. Über mehrere hundert Kilometer wurde unsere zoologische Exkursion von Vogelschützern observiert. Naja, wer zeltet schon am Nordkap und dann auch noch fernab der Straßen? Zieht dann noch von morgens bis abends in Tarnkleidung mit Fernrohren durch die Gegend. Es war damals schon ein etwas unheimliches Gefühl, immer wieder auf betont unauffällig parkende Autos zu stoßen, in denen jemand saß und Zeitung las – und das in völliger Einöde, wo sich Fuchs und Gerfalke gute Nacht sagen. Letztlich war’s ja sogar gut, dass jemand ein Auge auf die seltenen Tiere hat. Angenehm war’s trotzdem nicht.

Quelle: BBC News – Smuggler jailed for £70k peregrine falcon egg theft.

Walliser Wolfskiller: erstes Opfer

11.08.2010, von

Mensch und Wolf gehen nicht zusammen, zumindest nicht im Schweizer Wallis:

Einer der Wölfe, die im Sommer diverse Schafe und Rinder bei Montana im Kanton Wallis gerissen haben, ist tot. Die Vergabe der Abschussbewilligung war äusserst fragwürdig, da keine klaren Kriterien bei Schäden an Grossvieh bestehen. Dies muss dringend geändert werden.

Und das, obwohl die Schweiz Mitglied der Berner Konvention ist, die dem Wolf einen Schutzstatus gibt. Wolfsschützer haben jetzt eine Online-Petition für die bedrohten Tiere ins Netz gestellt. Aber es ist schwer, gegen den „Mythos Wolf“ zu arbeiten, der den bei uns fast ausgerotteten Tieren auch im 21. Jahrhundert zu schaffen macht.

Mehr hier: Gruppe Wolf Schweiz.

Kein Aufatmen für Buckelwale

25.06.2010, von

Immer noch leben manche Menschen und Völker direkt von der Jagd. Auch von der Wal-Jagd. Es ist ok, wenn’s dafür Ausnahmen beim Artenschutz gibt. Manchmal scheint die Bewahrung alter Traditionen aber eher ein Vorwand zu sein. Die Wal-und Delfin-Schutzgesellschaft jedenfalls meint, in Grönland würde mit falschen Behauptungen der Walschutz aufgeweicht.

Die WDCS hatte soeben die Ergebnisse einer Undercover-Recherche in Grönland vorgelegt, die beweisen, dass Wale im Auftrag von verarbeitenden Firmen und Supermärkten gejagt werden. Ebenso werden Wale an teure Luxusrestaurants in Touristenstädten verkauft.

Grönland hat dennoch am letzten Tag der diesjährigen IWC-Konferenz in Marokko den Abschuss von neun Buckelwalen genehmigt bekommen, verzichtet im Gegenzug auf die Jagd von 22 Zwerg- und 9 Finnwalen. Damit ist erstmals seit Jahren wieder die Jagd auf einige Buckelwale freigegeben. Fazit: Ja, wir leben im Jahr 2010. Nur verhalten wir uns teilweise noch wie im Mittelalter.

Mehr dazu: WDCS Deutschland.

Australien bremst Japans Walfang

19.02.2010, von

Hoffnung für Wale: Australien setzt Japan unter Druck. Bis November sollen durch Verhandlungen die Fangquoten im Südmeer „freiwillig“ auf Null reduziert werden. Ein besonderes Gewicht bekommen die Forderungen des australischen Premierministers Kevin Rudd deshalb, weil morgen der japanische Außenminister zu Besuch nach Australien kommt.

Mr Rudd told the Channel 7 TV station that Australia would „work with the Japanese to reduce, through negotiation, their current catch to zero“.

Australien hat schon mehrere Anläufe genommen, den japanischen Walfang zu beenden. Diesmal scheint es ernster zu sein, immerhin war Premier Rudd auch mit dem Versprechen zur Wahl angetreten, sich für die Wale ein zu setzen und bisher war wenig passiert. Sollte Australien freilich wie jetzt angekündigt gegen Japan gerichtlich vorgehen, weil Japan nicht freiwillig verzichtet, dann könnte das am Ende für die Wale aber auch schlecht ausgehen. Wenn Australien verliert, wäre der Fang legalisiert und die Position der Walfanggegner auch in der Internationalen Walfangkommission geschwächt.

Mehr (auf englisch) bei den Kollegen der BBC: BBC News – Australia tells Japan: Stop whaling or face court.

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