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Das japanische Erdbeben mal anders: #quakebook

11.05.2011, von

Vor zwei Monaten bebte Japan mit ungeheuerlichen 9 auf der Bebenskala. Anschließende mordete der Tsunami. Vor zwei Monaten begann auch die Zerstörung von (mindestens) vier Kernreaktoren in Fukushima. Und wir haben berichtet, das ganze erste Wochenende durch und viele, viele Tage danach. Ich kann mich noch gut erinnern, wie die Nachrichtenlage zur Radioaktivität in Nordostjapan wochenlang war: chaotisch, verwirrend, widersprüchlich.

Ein über Twitter organisiertes Benefizbuch gibt jetzt Auskunft darüber, wie viele Menschen vor Ort dachten und fühlten. Ein Mann schreibt etwa über seine Eltern, die in der Nähe von Fukushima wohnten:

Niemand sagt ihnen, ob eine Gefahr durch das Atomkraftwerk besteht oder nicht, und so bleibt ihnen nichts übrig, als im Haus zu bleiben und die Nachrichten zu schauen, während sie im Inneren mit einem unsichtbaren Feind kämpfen. Sie haben nur wenig Benzin im Tank und die Züge stehen still, also ist ungewiss wie weit sie fliehen könnten.

Lesenswert. Auch wenn mir das so zutreffende wie wohlfeile Bashing der europafixierten Berichterstattung ein bisschen dick aufgetragen vorkommt.

via#quakebook | Auszüge.

Julia Roberts wirbt für saubere Kochstellen

06.05.2011, von

Ein wichtiges Thema, das bei uns mangels Betroffenheit keine Sau hinterm Ofen vorlockt: Millionen Menschen bekommen durch den Rauch ihrer offenen Kochstellen massive Gesundheitsprobleme, viele sterben. Nach Schätzungen der  Hilfsorganisation „Weltvereinigung für saubere Kochstellen“ töten die giftigen Rauchgase zwei Millionen Menschen jährlich, meist Frauen und Kinder, vor allem in der Dritten Welt. Die Organisation will für 100 Millionen Haushalte saubere Öfen und Feuerstellen bis 2020 bereit stellen und hat dafür jetzt auch prominente Unterstützung erhalten. Die Schauspielerin Julia Roberts wird künftig als „Weltbotschafterin“ für die Aktion „Saubere Herde“ arbeiten und Werbung für diese konkrete Hilfsaktion machen.

Tschernobyl als strahlendes Reiseziel mit Kick

25.04.2011, von

In leeren Hochhäusern herum streifen, Fische suchen, die durch die Strahlung riesig geworden sind oder vielleicht mit dem Geigerzähler vor der AKW-Ruine von Tschernobyl stehen – es gibt einfach nichts auf diesem Planeten, mit dem kein Geschäft gemacht werden könnte. Und was für eines:

Das Geschäft mit Tschernobyl ist lukrativ. So lukrativ, dass die Regierung plant, den Strahlen-Tourismus mit ins Fan-Programm für die Fußball-Europameisterschaft 2012 aufzunehmen.

Mal sehen, wann die ersten Reisen nach Fukushima angeboten werden, Strahlenschutzanzug im Preis natürlich inbegriffen.

viaLeben im Sperrgebiet: „Viele wollen nach Tschernobyl“ | tagesschau.de.

Keimfrei – nein, danke. Wann sind Desinfektionsmittel sinnvoll?

14.04.2011, von

Gute Frage. Klare und sinnstiftende Antwort vom Pestizid-Aktionsnetzwerk PAN:

In einem gesunden Haushalt ist von zusätzlicher Chemie abzuraten, denn jedes einfache Reinigungsmittel oder Waschpulver wirkt bereits über die enthaltenen Tenside antibakteriell. Dies reicht aus.

Wer’s genauer wissen will: PAN hat ein Faltblatt „Hygiene – gewußt wie“ zusammengestellt. Es steht auf der unten genannten Webseite zum Download bereit. Eine wichtige Information, weil wir uns, anderen und der Umwelt mit der übertriebenen  Anwendung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln mehr schaden können als nutzen.

viaPestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany) – Hygiene gewusst wie.

Radioaktive Lebensmittel aus Japan bald auch bei uns???

30.03.2011, von

Lebensmittel, die in Japan nicht mehr gehandelt werden dürfen, könnten bald auf unseren Tellern landen. Es ist zwar nicht wahrscheinlich, dass das in größeren Mengen geschieht, aber möglich ist es: die Grenzwerte hier und in Japan sind unterschiedlich. Mehr dazu im anhängenden Interview, das meine Kollegin Sabine Schütze heute dazu geführt hat. Hier die Meinung der Nachdenkseiten dazu.

Die Beschäftigung mit solchen Themen ist für uns UmweltredakteurInnen übrigens immer eine Gradwanderung: nicht verharmlosen einerseits, klar, aber auch nicht dramatisieren. Das macht uns nicht immer beliebt, weil auch manche schöne „Geschichte“ durch eine nach allen Seiten skeptische Haltung platzt.
Ich bin gespannt, was Sabine von der Pressekonferenz mit Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner erzählt, die am 30.3. am Frankfurter Flughafen (Hauptimportplatz für japanische Lebensmittel) zu genauer dieser Problematik stattfindet.

Persönliche Wahlfreiheit für verkeimte Milch. Ist das ok?

28.03.2011, von

Die Amis sind immer wieder für Überraschungen gut. Jetzt hat sich dort die erste Gemeinde für unabhängig von Lebensmittelvorschriften erklärt. Zumindest teilweise. „Food Sovereignty“  bedeutet, dass etwa die Milchbauern nicht mehr ihre Milch abkochen bzw. pasteurisieren müssen, bevor sie sie verkaufen. Wenn der Kunde mitspielt ist alles ok, auch ohne Hitze. An sich ist das sonst zur Vermeidung von bakteriellen Infektionen geboten. Nicht mehr jedoch in Sedgwick im Staate Maine. Da geht’s dorfintern jetzt auch ohne.

The town of Sedgwick, Maine, population 1,012 according to the 2000 census, has become the first town in the United States to pass a Food Sovereignty ordinance. In doing so, the town declared their right to produce and sell local foods of their choosing, without the oversight of State or federal regulation.

Sollen die das dürfen dürfen? Hygiene versus Verbraucherschutz, staatliche Vorsorge versus Freiheit. Was meint Ihr?

viaMaine Town Passes Local Food and Community Self-Governance Ordinance Becomes First in US to Declare Food Sovereignty.

Hupsi, wofür brauchen wir Notkühlung???

22.03.2011, von

Aus der systematischen Schlamperei des AKW-Betreibers Tepco bis 2002 – man könnte sie auch kriminelles Sparen an der Sicherheit nennen – wurden offenbar nicht die notwendigen Konsequenzen gezogen:

Tepco wusste nicht, ob die Dieselgeneratoren überhaupt funktionierten, welche die Notkühlung hätten aufrechterhalten sollen. Vielleicht waren sie schon kaputt,

Und sag mir keiner, sowas könne bei uns keinesfalls passieren. Das Grundprinzip: Es menschelt. Gilt weltweit. Und weil das so ist, müssen die Auswirkungen der Technik überschaubar bleiben, wenn sie unkontrollierbar wird. Die gesundheitlichen Folgen des Reaktorunglücks in Japan sind indes noch überhaupt nicht absehbar. Das Ausmaß der Verseuchung wird nur peu à peu sichtbar (gemacht), Lebensmittel sind jedenfalls teilweise sehr deutlich belastet.

viaFukushima: Mangelhafte Wartung – Tepco muss sich wieder netschuldigen, diesmal bei den Bauern. sueddeutsche.de.

Vier Böcke im Garten der EU-Lebensmittelsicherheit?

10.03.2011, von

Es gibt neue Vorwürfe an die Adresse der EFSA. Die oberste EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA  steht schon länger in der Kritik. Einerseits berücksichtigt sie zu wenig ökologische Auswirkungen etwa von gentechnisch veränderten Pflanzen, wird ihr vorgeworfen. Und dann gibt es immer Zweifel an der Unabhängigkeit der EFSA.  Erst ging es um die Präsidentin Diana Bánáti, jetzt kommen Vorwürfe gegen vier Mitglieder des Vorstands hinzu. Die NGO „CEO“ hält ihnen massive Interessenskonflikte vor.

Corporate Europe Observatory CEO has discovered that three EFSA board members are advisors for Big Food companies, working through industry-funded think tanks which aim to manipulate political and scientific debate concerning food risks. A fourth member of the board is director of a fund which has shares in a company selling GM feed.

Danach ist Milan Kovác wissenschaftlicher Berater eines von der futtermittelindustrie gesponsorten Thinktanks. Matthias Horst war 35 Jahre lang Lobbyist der deutschen Lebensmittelindustrie, Jirí Ruprich saß im tschechischen Danone Institut und Piet Vanthemsche ist Mitglied des europäischen Bauernverbands COPA und arbeitet für einen Fond, der Anteile einer Gentech-Firma hält.

Wirklich unabhängig klingt das nicht.

viaEFSA: conflicts of interest on board

Nanu? Nano! Nanu!

01.02.2011, von

Wenn am Mittwoch die Nanokommission nach mehreren Jahren intensiver Arbeit ihre Abschlußkonferenz begeht, wäre es schön, wenn wir erfahren würden: Ist Nanotechnologie schädlich und falls ja, in welchem Umfang? Schließlich verwenden wir inzwischen zahlreiche Produkte, in denen Nanoteilchen enthalten sind, Schuhspray etwa. Was freilich ausführlich im Abschlußbericht des Nanodialogs zu lesen ist beantwortet Verbraucherfragen keineswegs befriedigend. Allerdings, und das ist auch eine Antwort: Es wird sehr deutlich, wieviele offene, gesundheitlich relevante Fragen im Zusammenhang mit der Nanotechnologie nicht beantwortet sind. Immer noch nicht beantwortet sind, übrigens, denn der Bedarf an besserer Datenlage, an mehr Forschung wurde bereits im ersten Teil des Abschlußberichts 2008 des Nanodialogs klar benannt. Sicher, erst mal machen und dann die Auswirkungen untersuchen, das hat schon auch eine Berechtigung, sonst wäre technische Innovation nicht möglich. Aber im Fall der Nanotechnologie geht diese Phase inzwischen sehr lang. Zu lang, meine ich.
Die Frage, ob wir eine Nanotoxikologie brauchen, sollten wir eigentlich längst beantwortet haben können. Immer nur auf den Einzelfall zu verweisen ist auch schwierig, denn mit dem Chemikalienbewertungsprogramm REACH wird wohl nur ein Teil der betroffenen Produkte auf seine gesundheitlichen Wirkungen überprüft.
Hoffen wir also, dass es uns mit Nano nicht ergeht wie mit der Radioaktivität oder dem Asbest: als die hohe Gefährlichkeit ermittelt war, kam das für viele zu spät. Ich finde, angesichts unserer inzwischen umfangreichen Vorerfahrungen mit neuen Technologien sollte das gesellschaftliche Risikomanagement früher ansetzen.

Ach das bisschen Dioxin

26.01.2011, von

Ist ja einerseits schön, wenn sich die Aussagen der amtlichen Risikobewerter mit den eigenen Einschätzungen (aus der „Hochphase“ des Skandals in der zweiten Januarwoche) decken:

Die in Eiern und Schweinefleisch festgestellte erhöhte Dioxinkonzentration war nach Ansicht des Bundesinstituts für Risikobewertung BfR nicht gesundheitsgefährdend. Das teilte die Behörde nach Auswertung Hunderter Analyseergebnisse auf der „Grünen Woche“ in Berlin mit. „Aus meiner Sicht: Keine Sorgen machen, sondern bunt und lecker weiteressen“, empfahl Institutspräsident Andreas Hensel den Verbrauchern. Dioxin ist nach Angaben der Forscher in allen Lebensmitteln enthalten.

Und genau hier fängt’s an, problematisch zu werden. Das Zeug ist überall drin, achgottchen, da kommt’s ja auf ein bisschen mehr oder weniger im Futter nicht an. Ja, richtig, im Einzelfall nicht. Aber wohl eben auf Dauer. Und genau dafür haben wir die strengen Grenzwerte, dass solche Schweinereien bei der Futtermittelherstellung erkannt werden.

Natürlich fällt niemand gleich todkrank um, der eins, fünf, fünzig „Dioxin-Eier“ gegessen hat. Aber das Höllengift hat dennoch nichts in Lebensmitteln verloren, denn es akkumuliert sich im Lauf der Zeit, lagert sich ein.  Jede Quelle ist eine zuviel. Und dieser Aspekt geht mir bei der heutigen Aussage „Entwarnung“ leicht unter. Übrigens, meine Wette steht noch: spätestens Ende 2012 haben wir den nächsten Lebensmittelskandal ähnlicher Prägung.

Die Meldung: Dioxin-Skandal: Bundesinstitut gibt Entwarnung

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