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Möp, Re:publica und der kommunitarische Garten

03.05.2012, von

Für Analogies ist Repubblica eine italienische Zeitung. Für die anderen ist die Re:publica in Berlin Anfang Mai DER Szenetreff 2.0 schlechthin. Meet and greet nicht für die Reichen und Schönen, sondern für Nerds und Geeks. (Was das ist, könnt ihr bei Wikipedia nachschlagen, Droogys. Ein Tipp: Hornbrillen und Tastaturen neben dem iPad!)

Re:publica, das ist alles vom und übers Netz und dazu ein Action-Rahmenprogramm mit Möp, Tweet und Parkour: Was einst der Querfeldein-Hindernislauf für Landeier ist heute Parkour für Großstadtschlampen aller Geschlechter. Muckibudengestählte Traceure klettern über Mauern, Zäune, Stock und Steine und versuchen sich dabei nicht die Beine zu brechen.

Apropos Großstadt: Neben Parkour ist derzeit Urban Gardening angesagt in den Metropolen der Welt. Der Berliner Fotograf Matthias Walendy dokumentiert mit seinem Projekt Re:green, wie da zwischen Mitte und Kreuzberg gegrünt, gegossen und gepflanzt wird, dass der alte Daniel Gottlob Moritz Schreber seine Freude gehabt hätte. Schließlich erfand der fanatische Preusse vor 200 Jahren nicht nur den Geradhalter für die korrekte Sitzhaltung und allerlei Geräte zur Verhinderung der Masturbation, sondern er glaubte auch an die Ertüchtigung städtischer Jugend durch, jawohl, Arbeit im Grünen.

Obwohl, so verklemmt wie in den nach dem Kinderschinder Schreber benannten Gärten sieht’s gottseidank im Grossstadtgrün jüngster Prägung meist nicht aus. Eher liebevoll-chaotisch. Wie etwa im Gemeinschaftsgarten Horta do Monte, mitten in der Millionenmetropole Lissabon. Ein kommunitarisches Projekt. Mit Gemeinschaftskompost neben der Volxküche. Mitmachen erwünscht, wer will, der darf.

Ein halber Hektar wild-buntes Grünland, inmitten in dichtester Bebauung am Hang der Altstadt. Kein echter Zaun, dafür aber fette Möhrchen aus kraftstrotzender Permakultur, mit Kapuzinerkresse, Rosenkohl, Orangen und Zitronen. Und in der Ökoecke betreiben die Portugiesen voll korrekte Mülltrennung : Papier, Verpackung, Glas. Nein, der Garten wird wirklich nicht von Deutschen betrieben. Wer’s nicht glaubt kann im Netz nachlesen unter hortadomonte.blogspot.com.

Wobei zur Zeit da nicht viel los ist, ich glaube, die sind alle noch auf der Rückreise von der Berliner Re:publica.

Mehr Guerilla-Gardening

20.03.2010, von

Guerilla Gardening in Wiesbaden - Copyright Axel Weiss

Einfach mal die Stadt ergrünen lassen und selbst pflanzen oder aussähen, dieses „Guerilla-Gardening“ ist von England zu uns gekommen und verbreitet sich immer mehr. Das Foto entstand etwa am Freitag in Wiesbaden. Zugegeben, das ist nicht spektakulär. Aber mir gefallen diese kleinen, bunten Momente am Straßenrand, das hat etwas Heiteres und Fröhliches (zumindest bevor es die Hunde entdecken :))

Blinder Blumenfreund

04.06.2009, von

Screenshot der Page von Mike Kraus
Oft liegen Geschichten am Strassenrand, man muss sie nur sehen und erzählen. Wie die vom Rentner in London, der seine Strasse mit hunderten Blumen verschönert. Der Mann ist blind. Der englische Videojournalist Mike Kraus, der dieser Tage auch bei uns im SWR war, hat die Geschichte kurz und knapp festgehalten. „Guerilla Gardener“ heisst sie. Sehenswert.

Blumenpracht am Straßenrand

28.10.2008, von

 Klatschmohn - Copyright Axel Weiß

Heute morgen auf dem Weg ins Funkhaus. Strömender Regen, acht Laubbläser an der Strecke. Sie lassen sich durch ein bisschen Nässe nicht davon abhalten, die Blätter einzeln zu trocknen. Geschätzte Dezibel pro Bläser: 90 dB mindestens. Und angesichts der zahlreichen Blätter, die noch auf den Bäumen hängen, hätte sich Sysyphus nach so einem Job die Finger geleckt. Doch der Lohn der angestrengten Bemühungen sind blattfreie Rasenflächen am Straßenrand, steril und ökologisch weitgehend funktionsfrei. Tja, was tun die Grünflächenämter – republikweit – nicht alles, um sich selbst zu erhalten. Der Kampf dagegen ist kräftezehrend, wie ich heute dem CSN-Blog entnehme.

Aber es gibt Lichtblicke: In Süddeutschland etwa gibt es ein paar Orte, wo es richtig Spaß macht, die Straßenränder im Sommer zu betrachten, weil das richtig hochwachsende Blumenwiesen sind. Mössingen an der Schwäbischen Alb ist für mich das beste Beispiel, die Gemeinde nennt sich heute selbst „Blumenstadt Mössingen“ und zwar zu Recht. Der Witz: Entstanden ist die Farbenpracht ursprünglich aus Geldnot. Aber bis zum Umbau des Straßenbegleitgrüns war es auch in Mössingen ein weiter Weg.

Herbst (Astern)

22.10.2008, von

Astern - Copyright Axel Weiss

Bauerngärten mit solcher Blütenpracht werden seltener. Gesehen kürzlich bei einer Recherchetour im schweizerischen Graubünden, 1500 m ü. N.N..

Krumbiere, Grombeere, Karduffele

03.10.2008, von

Kartoffelausstellung Objekte - Copyright Axel Weiss
Das Jahr der Kartoffel rutscht ins letzte Viertel. Eigentlich schade, denn die Knollen sind für mich nicht einfach irgendwelche Nahrungsmittel. Kartoffeln haben Geschichte, machen Geschichte. Erinnert sei nur an den Kartoffelbefehl Friedrich des Großen, der Mitte des 18. Jahrhunderts durch Zwangsanbau von Kartoffeln den Hunger im Land beseitigen wollte. Das ist nur teilweise gelungen, denn auch Kartoffeln wachsen nicht immer so wie sie sollen. Wegen schwerer Missernten ihrer Kartoffeln verließen beispielsweise tausende Iren im 19. Jahrhundert ihr Land und wanderten nach Amerika aus. Das übrigens die Heimat der Kartoffel ist. Entzückt war ich jedenfalls dieses Jahr in der Bretagne auf eine Ausstellung zur Geschichte der Kartoffel zu stoßen.

Kartoffelausstellung Beschilderung - Copyright Axel Weiss

Vor allem, weil hier mal die schier unglaubliche Vielzahl der Kartoffelsorten sicht- und greifbar war. Angesichts dessen wurde spürbar, wie beschränkt wir in der Auswahl unserer Nahrungsmittel üblicherweise sind, wenn wir nur bei Discountern und normalen „Supermärkten“ einkaufen. Wenn’s dort ein halbes Dutzend Kartoffelsorten sind ist das viel. Und – mal ehrlich – wer von uns schnell-einkaufenden Berufstätigen schaut beim Kartoffelkauf auf die Sorte? Höchstens die Kategorien „festkochend“ etc. sind noch in unserer Wahrnehmung, denn mehlige Pellkartoffeln schmecken halt nicht. Dabei lassen sich alte Sorten mittlerweile sogar im Internet kaufen.

Kartoffelmaschine - Copyright Axel Weiss

Spannend fand ich in der Kartoffelausstellung in der Domaine de Trévarez auch die alten Maschinen, mit denen die recht mühsame Kartoffelsetz- und Erntearbeit im Lauf der Jahrzehnte peu à peu erleichtert wurde. Und ein Blick auf die Verwandtschaft der „Pommes de Terre“ war auch geboten. Einerseits hatten die Ausstellungsmacher mehrere Dutzend weitere Nachtschattengewächse herbei geholt, von deren rund 2700 Arten die Aubergine, die Engelstrompete oder der bei uns heimische wilde Bittersüße Nachtschatten noch die bekanntesten sind.

Nachtschattengewächse - Copyright Axel Weiss

Außer – natürlich – der Tomate. Dort besteht eine ähnliche Problematik wie bei der Kartoffel: nur ein paar wenige Sorten sind üblicherweise im Handel. Dabei gibt es hunderte Sorten, von denen mehrere Dutzend in Trévarez auch ausgestellt waren. Darunter auch die schwarze Tomate, die ich sogar in Frankreich schon ab und an auf dem Markt gefunden habe. Tomatenvielfalt - Copyright Axel WeissGibt es eigentlich in Deutschland einen Tomatensorten-Spezialist, der die alte Vielfalt bewahrt, wo sich womöglich auch Samen oder Jungpflanzen erstehen lassen? Einschlägige Hinweise bitte gern als Kommentar schreiben. Übrigens: die Ausstellung im Schloß von Trévarez in der Bretagne geht noch bis zum 2. November.

Hummelsterben in der Stadt

14.08.2008, von

Hummel - Copyright Axel Weiss

Blanker Nahrungsmangel macht den Hummeln zu schaffen. Vor allem in den Städten. Darüber kann die Blütenpracht von Geranien nicht hinweg täuschen – ökologisch wertlose Blümchen wie Geranien dienen, wenn überhaupt, allein menschlicher „Ästhetik“, den Hummeln nutzen diese Blüten nichts. Dabei lässt sich mit geringem Aufwand etwas tun:

Statt farbenprächtige, aber nektararme Hybriden zu pflanzen, sollten nektarreiche, wilde Blütenpflanzen wieder in unseren Gärten und Parks Einzug erhalten. Blühende Wildpflanzen, die meist als Unkraut abgetan werden, könnten die Versorgungslücken stopfen.

Der Lavendel vor meiner Haustür ist zwar schon keine Schönheit mehr weil er überwiegend verblüht ist. Aber weil ich sehe, wie die Hummeln auch noch die allerletzte Blüte befliegen und besaugen, bleibt er noch eine Weile ungeschnitten.

Wer gießt denn das?

18.06.2008, von

Blumenampel - Copyright Axel Weiss

Neulich in Tübingen. Verbunden mit der Frage: Wer gießt eigentlich Blumenampeln in drei Meter Höhe?

Bauernregel (2)

04.12.2007, von

„Barbara grün – Christkind weiß.“

Ab und zu sind Bauernregeln einfach klasse. Und sei’s auch nur um sich über ihren Wahrheitsgehalt zu streiten. Die Regel zum Barbaratag, die auf den Heiligen Thomas (?) zurück gehen soll, stimmt hierzulande zum Beispiel nicht zwingend. Wenn es am 4.12, dem Tag der Heiligen Barbara, warm ist, dann ist es nämlich mit mehr als fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit auch an Weihnachten so warm, dass kein Schnee liegt. Es steht also in diesem Jahr angesichts der derzeitigen Wetterlage Fifty-Fifty für grüne Weihnachten. (Und ist Barbara „weiß“, dann liegt mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als zwei Dritteln an Weihnachten ebenfalls Schnee.)

Fakt ist aber am Barbara-Tag zumindest eines: Wer heute ein paar Forsythien- oder Kirschzweige schneidet und in die Wohnung holt, wird spätestens an Weihnachten grüne Blättchen bzw. Blüten sehen – Barbara-Zweige.

Solidarität mit Kastanien

16.11.2007, von

kastanienkampagne.jpg

Nette Plakat-Aktion der Berliner: Rettet die Kastanien, sammelt Laub. Damit soll in der Hauptstadt ohne Gift der kleine Schmetterling bekämpft werden, der den weißen Roßkastanien seit einigen Jahren schwer zusetzt. Aufgrund des starken Befalls mit den Raupen dieses Falters lassen viele Kastanien bereits im Sommer ihre Blätter fallen. Durch die Einsammelei der Blätter werden die darauf befindlichen Puppen der Kastanienminiermotte aus dem Verkehr gezogen. Allerdings erreichen nur kommerzielle Kompostanlagen die nötigen Temperaturen, um die Puppen auch wirklich zu vernichten. Sonst schlüpfen dennoch im nächsten April einige Dutzend Falter pro Blatt. Also: Rettet die Kastanien, sammelt Laub – und verbrennt es.

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