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Immer weniger schwimmende Schillerlocken

12.05.2014, von

Fast ein Drittel aller 1700 untersuchten Fisch- und anderer Meerestierarten sind gefährdet und stehen deshalb auf der neuen Roten Liste des Bundesamts für Naturschutz. Darunter sind auch Fische wie der Dornhai (aus dessen Flossen Bauchlappen leider immer noch die sogenannten Schillerlocken hergestellt werden).

„Die Situation der Knorpelfische wie Dornhai und Glattrochen ist kritisch und hat sich weiter verschärft“, so BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Eine Hauptursache für deren Rückgang sei die nach wie vor viel zu hohe Fischereiintensität mit Grundschleppnetzen, die selbst in den Meeresschutzgebieten weitgehend unreguliert stattfindet.

Möglicherweise ist der Zustand der Tierwelt in den Meeren aber sogar noch deutlich schlechter, weil den Experten nur unzureichende Informationen zur Verfügung stehen. Nicht schön.

via BfN: BfN stellt neue Rote Liste der Meeresorganismen vor.

Fukushima strahlt doppelt so stark wie gedacht

07.06.2011, von

Die geschmolzenen Reaktoren von Fukushima haben ein Sechstel der Tschernobyl-Strahlung in die Umwelt abgegeben, soviel ist jetzt klar. 770.000 Terabecquerel.

Japan’s Nuclear and Industrial Safety Agency Nisa now says 770,000 terabecquerels escaped into the atmosphere following the 11 March disaster – more than double its earlier estimate of 370,000 terabecquerels.

Und das sind die offiziellen Angaben, die nach aller Erfahrung in diesem Fall mit Vorsicht zu genießen sind und eher die allerunterste Grenze markieren. Weniger Strahlung, soviel lässt sich sagen, war es dann ganz bestimmt nicht.

Die Folgen des Reaktorenunfalls sind fatal. Und noch immer werden Evakuierungen offenbar jenseits der direkten Umgebung nur schrittchenweise vorgenommen. Ob die geschmolzenen Kerne noch weitere Mengen an Strahlung abgeben können, etwa durch eine Explosion, ist weiter offen. Das Problem des stark radioaktiven Kühlwassers ist auch noch nicht gelöst, es droht die erneute „Entsorgung“ übers Meer. Dessen Kraft übrigens viel zu gering eingeschätzt wurde: Mauerhöhe gegen Tsunamis: sechs Meter. Tsunamihöhe: 14 Meter. Wahnsinn.

via BBC News – Japan doubles Fukushima radiation leak estimate.

Fischlos in Afrika

02.09.2010, von

Ein Fünftel der wasserlebenden Tier- und Pflanzenarten Afrikas ist vom Aussterben bedroht. Viele Fische, aber auch andere Lebewesen. Das hat heute die Weltnaturschutzunion bekannt gegeben (hier: Bildergalerie). Eine aufwändige Untersuchung: fünf Jahre haben 200 Spezialisten 5167 Süsswasserarten evaluiert. Fische, Muscheln, Schnecken, Krebse, Libellen und allerlei Pflanzen. Das Ergebnis dieser bisher umfangreichsten Forschungsarbeit ist niederschmetternd. Jean-Christophe Vié, Chef des „IUCN Species Programme“:

This latest IUCN Red List assessment clearly shows that lakes, rivers and wetlands haven’t escaped the grasp of the current extinction crisis.

Die jüngste Bewertung der Roten Liste zeigt deutlich, dass das derzeitige Artensterben nicht vor Flüssen, Seen und Feuchtgebiete halt macht.
Für alle, die Artenschutz für Luxus halten: Es ist keineswegs egal, ob eine Art existiert oder nicht. Jenseits grundsätzlicher Überlegungen zum Nutzen der Biodiversität gibt’s dafür handfeste Gründe. Bestimmte Wasserschnecken zum Beispiel sind für die Wasserqualität wichtig, sie filtern. Am Unterlauf des Kongo sind aber inzwischen elf Schneckenarten durch Verschmutzung hochgradig bedroht.

Oder:  Im Malawi-See gibt es die „Chambo“-Fische. Sie sind eine wichtige Nahrungsquelle. Einer dieser Fische, „Oreochromis karongae“ wurde so massiv überfischt, dass er inzwischen vom auf der Roten Liste gelandet ist. Sein Bestand ist in den letzten zehn Jahren um 70 Prozent geschrumpft.

Kein Einzelfall. Übernutzung und Wasserverschmutzung fordern vielerorts heftigen Tribut. Am Viktoriasee sind mittlerweile fast die Hälfte von 191 Fischarten bedroht oder vom Aussterben bedroht. Und das hat Folgen für die Menschen.

Die großen Seen in Afrika versorgen viele der Ärmsten des Kontinents mit eiweißreicher Nahrung. 7,5 Millionen Menschen südlich der Sahara sind von der Inland-Fischerei abhängig. Vor diesem Hintergrund kommen die Forschungsergebnisse der IUCN gar nicht gut.

Bald live von der Ölpest-Küste!

02.07.2010, von

Werner Eckert: Letzte Vorbereitungen vor dem Abflug - Copyright Axel Weiss/SWR
Heute hier, morgen schon in den USA: Noch steht Umweltredakteur Werner Eckert etwas nachdenklich vor der umfangreichen Hightech-Audioausrüstung, die ihn in die USA begleiten soll. Er will sich selbst ein Bild von der Ölpest machen, die unverändert den Golf von Mexiko verseucht.
Ein Woche wird Werner voraussichtlich unterwegs sein. Startpunkt ist New Orleans. Er wird als Gastautor während meines Urlaubs hier im Umweltblog seine Eindrücke von vor Ort schildern. Die Interviews und O-Töne/Audios sollen später unter anderem als Grundlage für ein Hörfunk-Feature dienen. Auch die Fernsehkollegen haben schon angefragt, vielleicht gibt’s also demnächst noch mehr zu sehen von Werner und seinen Erkenntnissen in Sachen Ölpest.
Ich lasse mich auch überraschen, was in den nächsten Tagen passiert, und werde das Projekt „Ölküste goes Umweltblog“ aus dem Hinterland von Bordeaux begleiten.

Wale können aufatmen

24.06.2010, von

Keine Fangquoten, kein flächendeckender Walfang – gottseidank. Gute Nachrichten aus von der Internationalen Walfangkommission.

Der Fang von Großwalen bleibt … international verboten. Tierschützer reagierten erleichtert auf die Entscheidung.

Das sah dieses Jahr auch schon mal anders aus. Aber nicht immer und überall setzt sich Bestechung und plumpe Macht durch. Dennoch ist die Lage der Wale nicht zu beneiden, denn Japan wird weiter schlachten, sie nennen es halt: Wissenschaft.

Hintergründe bei ARD.de: Natur & Kosmos.

US-Umwelt-GAU geht weiter

30.05.2010, von

Copyright Axel Weiss/SWR
Ein Liter Öl verseucht eine Million Liter Wasser.

Meanwhile at least 12,000 barrels 504,000 gallons are leaking into the Gulf every day.

Ein Barrel sind 158,987 Liter. 12.000 Barrel sind 1.907.844 Liter. Fast zwei Millionen Liter Öl fließen täglich in den Golf von Mexiko.

Weitere Details über die menschengemachte größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der Vereinigten Staaten: BBC News – Gulf of Mexico oil leak ‚worst US environment disaster‘.

Gold tut langfristig weh

11.02.2010, von

Als vor fast zehn Jahren in Nordrumänien der Damm einer Goldfabrik brach, vergifteten Zyanide und Schwermetalle mehrere Flüsse und zahlreiche Felder. Die Folgen sind heute noch spürbar, lese ich in der „WOZ“. Der Artikel über die Menschen aus Bozânta ist traurig, spannend und wichtig, denn angesichts des horrenden Goldpreises steigt nach wie vor der Druck, Gold zu produzieren – koste es Umwelt und Anwohner, was es wolle.

Am Morgen nach dem Dammbruch ging Danut Ghisa in die Nähe der Unfallstelle, er besass dort Weide- und Ackerland. Alles war schwarz, erinnert er sich, es roch nach Bittermandeln. Er ahnte, dass etwas sehr Schlimmes passiert sein musste. Wie schlimm es tatsächlich war und dass die Folgen noch zehn Jahre später spürbar sein würden, konnte er sich damals nicht vorstellen.

Mehr dazu: WOZ – Wissen – Das Gold von Baia Mare: Zehn Jahre nach der rumänischen 
Umweltkatastrophe leiden die Menschen noch immer an den Folgen.

Zweitgrößter See Indiens bedroht

01.02.2010, von

An Indien denken wir üblicherweise nicht, wenn wir an „Seen“ denken. Es gibt aber Seen in Indien und einer davon hat heute eine bedauerliche Ehrung erfahren. Der Global Nature Fund aus Radolfzell hat den indischen Pulicat-See zum „Bedrohten See des Jahres 2010“ erklärt. Denn:

Gravierende Umweltbelastungen zerstören die Lebensgrundlage von 50.000 Fischern sowie hunderttausender Menschen am indischen Pulicat See. Die einst sehr artenreichen Fischgründe und die für das Ökosystem so wichtigen Mangrovenwälder in der Lagune nördlich der Stadt Chennai haben einen alarmierenden Zustand erreicht.

Daran wird die heutige Ehrung zwar nicht sofort etwas ändern, aber zumindest ist schon mal Aufmerksamkeit auf das Problem gelenkt. Ein erster Schritt.

Mehr dazu bei:  www.globalnature.org/Presse

Erzschätze bedrohen Tiefsee

08.01.2010, von

Steigende Rohstoffpreise könnten den Abbau von Manganknollen aus der Tiefsee interessant machen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat sich schon entsprechende Lizenzrechte im Pazifik gesichert. Nur: die Erzförderung ist mit einem starken Eingriff in das noch weitgehend unbekannte Ökosystem der Tiefsee verbunden, befürchtet der Meeresbiologe Gerd Schriever vom norddeutschen Biolab Forschungsinstitut.

Durch den Abbau der Knollen würde auch Sediment an die Oberfläche gepumpt werden. Dieses würde, zurück in den Pazifik gekippt, die Filterwerkzeuge dieser Kleinstlebewesen verstopfen und sie damit abtöten. Dazu käme das kalte Tiefseewasser, dass in der Umgebung der verarbeitenden Plattform die Wassertemperatur absenken würde.

Dadurch fällt Lebensraum für viele Arten weg. Und: Rentabel sind solche Förderanlagen nur, wenn – bergbautypisch – die schlackigen Überreste vor Ort entsorgt, sprich: über Bord gekippt werden. Das wäre die größte Gefahr für die – noch – klare See und ihre Bewohner. Entsprechende Schiffe sind wohl bereits in der Entwicklung. (Dies ist ein Blogeintrag aus der Serie: Jeder Euro, der auf diesem Planeten verdient werden kann wird verdient. Und zwar sofort.)

Quelle: TP: Deutsche Suche nach Rohstoffen am Meeresboden.

Schwarz plus Gelb ist wenig Grün

26.10.2009, von

Für den Naturschutz brechen harte Zeiten an. Nicht, dass die schwarz-rote Koalition der Brüller in Sachen Natur- und Artenschutz gewesen wäre. Wenn allerdings wie geplant unter Schwarz-Gelb die „Kooperation mit den Betroffenen vor Ort“ tatsächlich „unabdingbare Voraussetzung“ für die Naturschutzpolitik werden soll, dann gute Nacht. Unverzichtbar ist tatsächlich ein „Dialog“ mit den Betroffenen und deren „Einbindung“, aber keine zwingende Zusammenarbeit. Das schwächt die Verhandlungsposition des Naturschutzes deutlich.
Bezeichnend ist, dass das Wort „Artenschutz“ im Koalitionsvertrag nicht einmal vorkommt. Wenig lustig ist auch, dass die Länder künftig Naturzerstörung einfach mit Geld ausgleichen lassen können. Dieser Ablasshandel wird den Aderlass der Natur weiter beschleunigen, der bisher über eine „Kompensation“ an anderer Stelle zumindest versucht wurde auszugleichen. „Schwarz plus Gelb ist wenig Grün“ weiterlesen →

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