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Luxemburger Schüler erfinden Solar-Dreirad

17.07.2014, von

SchülerInnen auf dem Weg zum Solar Campus der Goerlitz-Stiftung am Samstag in Koblenz. Der Weg ist im Internet anzugucken.  Coole Sache.

Das e-lectrike solar  ist ein dreirädriges Liegerad, welches von Schüler in einer außerschulischen Aktivität als Pedelec (Pedal Electric Cycle) umgebaut wurde. Ein Grossteil seiner Antriebsenergie wird von einem mitgeführten Solarpanel geliefert. Dadurch entstand ein Fortbewegungsmittel der sogenannten „sanften Mobilität“, das im Idealfall keine Energie aus dem öffentlichen Stromnetz benötigt und somit keine Emissionen verursacht – weder lokal noch kraftwerksseitig, also: 0 g CO2.

gesehen bei:

http://www.e-lectrike.lu.

Windkraft auf Halbmast aber nicht abgetakelt

02.04.2014, von

Auch künftig gibt’s Unterstützung für Windkraft, mehr als bisher vorgesehen, ein Ergebnis des gestrigen Bund-Länder-Treffens:

Eine wesentliche Änderung zu den bisherigen Regierungsplänen ist, dass das sogenannte Repowering von Windkraftanlagen nicht auf vorgesehene Obergrenzen angerechnet werden soll.

Weniger gut: der Maisanbau für Biomasseanlagen wird nicht drastisch eingeschränkt, was ökologisch überfällig wäre.

via EEG-Reform steht: „Ein guter Tag für die Windenergie in Deutschland“ – Deutschland – Politik – Handelsblatt.

Tag der traurigen Tropenwälder

13.09.2013, von

14. September ist Tag der Tropenwälder. Und alle Jahre wieder jammern sie allerorten darüber, dass die Tropenwälder immer mehr schrumpfen. Jährlich die Fläche Griechenlands etwa. Aber tun dagegen, och, dann vielleicht doch lieber nicht. Zumindest nicht gleich oder besser: sollen doch die anderen was machen.
Und es dauert: Das Verbot, in die Europäische Union illegal geschlagene Tropenhölzer einzuführen zum Beispiel, ja, das gibt es mittlerweile, das ist toll, das freut den Artenschützer. Nur dumm, dass es im Grunde zwanzig Jahre zu spät kommt, weil die wertvollsten Bestände inzwischen schon abgehackt sind. Die Mühlen der Bürokratie sind halt so langsam und ein Schuft der böses dabei denkt.
Oder, auch so eine nette Geschichte, nehmen wir die Palmölplantagen. Fast sieben Milliarden Euro hat unsere Europäische Union im Jahr 2011 ausgegeben, um die Verwendung von Biosprit zu fördern. Biodiesel wurde mit fast vierzig Cent pro Liter subventioniert. 40 Cent pro Liter! Schließlich sollen die Erneuerbaren Energien im Sprit eu-weit mal zehn Prozent ausmachen, da muss man schon was für tun, klar.
Nur: Längst ist klar, dass Biosprit alles andere als Bio ist sondern blanker Unsinn. Zum einen, weil er keineswegs klimaneutral ist. Es ist für das Klima wesentlich besser und für usn Steuerzahler wesentlich günstiger, den Verbrauch der Autos zu drosseln statt dem Treibstoff Biosprit beizumischen, wie das derzeit der Fall ist. Und zum anderen, wir erinnern uns: Tag der Tropenwälder 14. September: Biodiesel ist ein Waldkiller sondergleichen. Denn statt Urwald für Orang-Utans, Tiger oder Elefanten stehen in weiten Teilen Südostasiens mittlerweile Palmöl-Monokulturen ohne Ende und in Mittelamerika siehts auch nicht besser aus.
Fast zwei Milliarden Kilogramm Palmöl werden dem Diesel in der EU pro Jahr zugesetzt, hinzu kommen große Mengen Soja- und Rapsöl. Doch die veränderte Landnutzung in den Tropen für Biosprit hat die EU zwar per Gutachten selbst feststellen lassen, nur Konsequenzen zieht niemand daraus. Das EU-Parlament hat nämlich dieser Tage allem besseren Wissen zum Trotz die weitere Beimengung von Biosprit auf den Weg gebracht, auch wenn deshalb Ökosysteme in den Tropen zerstört werden, um Zuckerrohr-, Palm- und Sojaplantagen zu pflanzen.
So sind wir: Da haben wir einen Tag der Tropenwälder, da fördert das Umweltministerium diese Woche bundesweit 400 Jugendgruppen, die sich für Erneuerbare Energien einsetzen wollen unter www.energiewende-und-du.de – und die Wirklichkeit? Traurige Tropen, gerodet für Profit und Bequemlichkeit. Alle Jahre wieder.

Greenwashing statt Ökostrom für Bahncard-Kunden

18.05.2013, von

Haben Sie die grünen Krawatten bei der Deutschen Bahn gesehen? Ja, die zeigen klar sichtbar und unverkennbar an: Wir haben verstanden! Nein, nicht dass die Bahn jetzt pünktlicher sein würde. Nein, nein, aber grüner wird sie. 100 % Ökostrom für Bahncard-Inhaber, wirbt die Bahn, Zitat: „Seit April reisen BAhnCard-Kunden und Besitzer einer Streckenzeitkarten in den Fernverkehrszügen innerhalb Deutschlands ganz automatisch mit Strom aus erneuerbaren Energien. Die Kosten für den zusätzlich eingekauften Ökostrom übernimmt der DB-Fernverkehr.“ Super, oder?
Obwohl: Wo kommt der denn her, der Ökostrom? Haben Sie schon mal entlang der Bahnstrecken oder auf den Bahnhöfen Solaranlagen gesehen oder Windräder? Nee, nicht. Die Bahn kauft den Grünstrom bei anderen ein. Also machen wir ein Beispiel. Die Bahn weiss: Herr Weiss hat eine Bahncard, fährt Mainz – Stuttgart und zurück, 400 Kilometer, braucht dafür soundsoviel Strom und den kauft die Bahn dann bei RWE als Ökostrom ein. Moment, RWE, das sind doch diese Stromrebellen aus Nordrhein-Westfalen, die schon immer gegen die Energiewende rebelliert haben. Tun sie immer noch. Und ausgerechnet bei denen kauft die Bahn Ökostrom?

Kein Problem, soo viel Grünstrom ist das eh nicht, denn erstens bleibt der Nahverkehr völlig draußen und zweitens auch der Güterverkehr. Das ist ungefähr so als wenn ich Ihnen erzähle, was für ein Öko ich bin, weil ich immer mit der Bahn nach Stuttgart fahre, aber nebenher mein Wochenendhaus auf Malle völlig außen vor lasse. Und dann ist es ja auch nicht so, dass Grüner Strom eine neue Erfindung wäre und große Wasserkraftwerke betreibt die RWE schon seit Jahrzehnten. Nur neue Investitionen in Erneuerbare, die fährt die RWE runter.
Gerade der Anteil von Neuinvestitionen unterscheidet aber echten Ökostrom von welchem, der nur krawattengrün eingefärbt ist. Einen Öko-Aufpreis für alte abgeschriebene Wasserkraftwerke kassieren ist clevere Geschäftspolitik, aber nicht grün. Das heisst dann aber: Wenn die Bahn mit Ökostrom wirbt, dann gibt’s unterm Strich nur ein bisschen Umverteilung beim bestehenden Strommix, aber kaum ein echtes Mehr an Erneuerbaren Energien. Das nenn ich mal Marketing! Oder wäre „Greenwashing“ vielleicht doch zutreffender?

Wer Wind säht – Streit um Windräder im Pfälzerwald

17.05.2013, von

Wieviel Windkraft muss sein, wieviel darf sein, vor allem aber: Wo und wo nicht? Beim Thema Windkraft im Wald toben seit Monaten die Emotionen, teils mit politischem Kalkül, teils reines Bauchgefühl, teils fachlich begründet. Klar ist: dieser Teil der Energiewende ist öffentlich umstritten und deshalb gefällt mir ganz besonders, was die Kollegen von „Reiss und Leute“ nächste Woche in Mainz aufzeichnen. Hier ihr Pressetext:

„So nicht!“ und „Finger weg vom Pfälzerwald!“ steht auf ihren Plakaten –
Hunderte Umwelt- und Naturschützer demonstrieren Ende März auf dem Hochplateau Taubensuhl bei Landau. Ihr Zorn gilt der rot-grünen Landesregierung .
Die will, dass bis zum Jahr 2030 der gesamte Strom aus rheinland-pfälzischen Steckdosen nur noch durch erneuerbare Energien erzeugt wird.
Nach der vom Mainzer Kabinett beschlossenen Fortschreibung des Landesentwicklungsprogramms könnten sich künftig u.a. auch im größten zusammenhängenden Waldgebiet Deutschlands, dem Pfälzerwald, Windräder drehen.
Die grüne Energieministerin Eveline Lemke betont, besonders hochwertige Waldflächen sollen ausgespart werden; und sie versichert, es werde keine von oben verordnete Windkraft geben. Allerdings: die Haltung „nicht bei mir, nur bei den anderen“ könne es beim Thema Energiewende nicht geben.
Für ihre Kritiker sind die Pfälzerwald-Pläne ein Tabubruch. Ohne Not solle ein einzigartiges Biosphärenreservat den finanziellen Interessen von Gemeinden und Windkraftindustrie geopfert werden. Ein weiteres Mal werde ein intaktes Landschaftsbild zerstört, werde Menschen die Möglichkeit zu naturnaher Erholung genommen.
Lokale Bürgerinitiativen Und Naturschutzverbände sind sich einig: Energiewende Ja – Windkraft im Pfälzerwald Nein!

Beatrix Reiss diskutiert über Windkraft im Pfälzerwald mit ihren Gästen

– Eveline Lemke, Ministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung RP
– Martin Brandl, stellvertretender Hauptvorsitzender des Pfälzerwaldvereins
– Kurt Wagenführer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Annweiler und
– Stefan Huwer von der Initiative Pro Pfälzerwald

Am Mittwoch, 22.Mai, um 18.15 Uhr live vom Ballplatz in Mainz.
Wiederholung der Sendung: am Montag, 27.Mai, um 5.15 Uhr,
sowie jederzeit in der SWR-Mediathek

Grüner Gegenwind für rheinland-pfälzische Windräder

17.09.2012, von

Das war zu erwarten, dass die rheinland-pfälzischen Naturschutzverbände das heute vorgelegte Gutachten der Landesregierung zu Windenergie und Naturschutz kritisieren würden. Nur zwei Prozent Tabuflächen, die von vornerherein Windenergie ausschließen, das ist ihnen zu wenig. Dabei sind ihre Argumente teilweise genauso schräg wie Teile des kritisierten Gutachtens. Dem Luchs ist es nämlich piepegal, ob im Pfälzerwald Windräder stehen oder nicht – der überlebt stark befahrende Straßen nicht und illegale Jagdleidenschaften. Es macht auch einen Unterschied, ob ich ganze Eifelvulkane abbaue und plattmache oder ob auf ihnen ein paar Windräder stehen. Und wer weiß, mit welchem Enthusiasmus ein ernsthafter Naturschutz im Biosphärenreservat Pfälzerwald in den letzten Jahrzehnten – nicht – vorangetrieben wurde, der kann den Katzenjammer aus dieser Ecke über ein paar Windräder mehr oder wenig nicht ernsthaft ernst nehmen. Der Tonfall der Pressemitteilung ist so gehalten dass Böswillige vermuten könnten, zumindest ein Teil der Verbände wollte vor allem den Preis für mehr politische Beteiligung und Staatsknete für Landschaftspflege ein wenig nach oben treiben und nutze dazu die Windkraftdebatte.

Andererseits macht sich das vorgelegte Gutachten natürlich auch lächerlich, wenn es reihenweise Schutzgebiete auflistet und bewertet, die schon aufgrund ihrer topographischen Situation von vorneherein niemals als Windkraftsstandort in Frage kommen werden – oder möchte jemand Windräder in die Aarmündung, das Rhein- oder Moseltal stellen? Und dass das unterirdische Mayener Grubenfeld ungeeignet für Windkraftanlagen ist, dazu hätte es keines Gutachtens bedurft.  Da hätte man sich viel „Bewertungsarbeit“ und vernebelnde Prozentrechnerei sparen können. Nein, vor allem die Hochflächen und die Berge sind windhöffig und energetisch spannend.

Wer sieht, wie derzeit die Riesenwindräder im Hunsrück auf dem Hochsteinchen unübersehbar sprießen und das inzwischen reichlich verspargelte Hinterland von Kastellaun nach Süden begrenzen, der kann den ein oder anderen Ärger über die Störung der romantisierenden Landschaftsästhetik und Befürchtungen über Lärm und fehlenden Erholungswert wie auch Störungen der Zugvogelwelt durchaus nachvollziehen. Und machen wir uns nichts vor: Investoren sind die Interessen von Fledermäusen und Rotmilanen und örtlicher Bevölkerung völlig schnurz, solange sie nicht planungsrelevant sind. Das verstärkt den örtlichen Ärger, klar, und der lässt sich höchstens über mehr Beteiligung an den Erlösen der Windkraft eindämmen.

Naturschutz und Windkraft sind vereinbar, ja, aber eben nicht immer und überall. Da muss auch keiner so tun als wäre das anders. Es wird tierische Opfer geben und dann ist es vor allem wichtig, nicht in Zynismen zu verfallen. Ein Blick in die USA könnte da hilfreich sein, dort ist der technische Umweltschutz mit automatischen Abschaltungen etc. teil offenbar schon etwas weiter als hierzulande – nach massiven Protesten der Naturschutzverbände.

Es wird spannend zu sehen, ob es den beteiligten Ministerien in Rheinland-Pfalz gelingt, über ihren Windschatten zu springen und großzügigere Abstandregelungen in der Landesplanung und den Bauvorgaben zu verankern. Bislang sieht es nicht danach aus – das wäre ein fataler Fehler und für die dringend benötigte Akzeptanz der Erneuerbaren ziemlich schädlich. Das heute vorgelegte Naturschutz-Gutachten hätte bereits viel stärker ein Zeichen in Richtung Versöhnung setzen können. Warum sind die Natura2000-Gebiete nicht zunächst einfach draußen geblieben – Prüfung im begründeten Einzelfall dabei nicht ausgeschlossen. Das wäre zumindest ein Zeichen gewesen.

Ein Leitfaden zu sein und Klarheit zu schaffen, „wo aus naturschutzfachlicher Sicht im Land Windkraft möglich ist“ ist ein Anspruch, der so nicht einzulösen war und ist, das kann dieses Gutachten nicht leisten. Letztlich für den Naturschutz entscheidend werden die Einzelfallprüfungen werden. Für pauschale Bewertungen ist Natur viel zu komplex. Das wissen Verbände wie Ministerien aber auch selbst sehr genau.

Großangriff auf die Erneuerbaren geht weiter

15.08.2012, von

Wer immer mehr Unternehmen aus der Klimaverantwortung nimmt, erzeugt steigende Strompreise. Schuld sind die Erneuerbaren? Von wegen. Aber die Energiewende hat’s angesichts der Altlobbyiisten schwer:

Im Herbst legt die Regierung die Höhe der Umlage für EEG-Strom fest. Philipp Rösler drohte schon mal an: „Den erwarteten Anstieg sollten wir für eine grundlegende Reform des Gesetzes nutzen“ das lässt Schlimmes ahnen. Rückendeckung bekommt er von EU-Energiekommissar Günther Oettinger der eine Deckelung der Umlage fordert. Beide verschweigen dabei geflissentlich, dass die Strompreise viel schneller steigen als die Umlage, die Preistreiber also woanders liegen müssen.

Schöne Aussichten für uns Kleinstromverbraucher: das wird teuer. Und eine nachhaltige, umweltbewußte Energiepolitik ist auch anders.

via Energiepolitik paradox | Telepolis.

Am Horst geht’s guad wie Kurt

04.06.2012, von

Die Bayern mal wieder. Energiewende mal andersrum. Immerhin, der Seehofer Horst hat einen Plan:

Dessen Kern ist, dass der Ausstieg aus der Atomkraft zu einem weit geringeren Teil durch neue Gaskraftwerke abgefangen wird als bisher geplant. Als Ersatz soll es ein bayernweites Netz kleiner Biokraftwerke geben, die überwiegend Gülle und landwirtschaftliche Reststoffe verstromen. Seehofers Bayernplan läuft damit auf einen deutlich höheren Anteil erneuerbarer Energien in der künftigen Stromversorgung hinaus.

Im Grunde gar nicht übel. Zumal die Bayern jetzt schon bundesweit führend sind mit der Fotovoltaik auf den Scheunendächern. Jetzt noch das Biogas… könnte gehen.  Gibt’s sogar bereits einen Film zu: „Am Kurt geht’s guad“, der nachfolgende Clip, hat den Climate Clips Awards 2011 erhalten. Immer wieder schön:

http://player.vimeo.com/video/38166524

 

via Seehofer droht Merkel mit Alleingang bei der Energiewende -sueddeutsche.de.

Abspeisen statt einspeisen – Ende der Energiewende?!

24.02.2012, von

Zufälle gibt’s. Da warnt dieser Tage der künftige Chef des Stromgiganten RWE Peter Terium vor noch mehr Solarpaneelen und nahezu zeitgleich verkünden die Herren Rösler und Röttgen das Ende des deutschen Solarzeitalters. Die Netzgemeinde findet keineswegs, dass die Energiewende damit auf einem guten Weg ist, im Gegenteil. Allein auf tagesschau.de beteiligen sich über 10.000 UserInnen an der Umfrage, drei Viertel halten den Kürzungsbeschluss für falsch.

AntiAtomNetz Koblenz twittert: „Röttgen und Rösler wollen Photovoltaik in Deutschland abschaffen“ und spricht von einem „Amoklauf der Bundesregierung gegne die Solarenergie.“  „Ein Riesenfiasko für eine zukunftsfähige Energieversorgung“, meint auch der BUND, ein „wesentlicher Eckpfeiler der Energiewende droht abgewürgt zu werden“.

Für dieses Jahr waren bereits weitere (sinnvolle) Kürzungen der Solarförderung angekündigt, Tenor vieler Kommentare: die neuen Beschlüsse gehen zu weit und kommen viel zu schnell.  „Abspeisen statt einspeisen – Ende der Energiewende?!“ weiterlesen →

Gesucht, gefunden: Das übelste Unternehmen der Welt 2012

21.01.2012, von

Wer wird in diesem Jahr der Sieger bei den Public Eye Awards? Auf deutsch: Welches ist das übelste Unternehmen der Welt 2012? Noch ein paar Tage läuft im Netz die Abstimmung und wer seinen Klick auf der Seite publiceye.ch machen will, der hat dieses Jahr wieder die Qual der Wahl. Die Public Eye Awards verstehen sich als Gegenpol zum Weltwirtschaftsforum in Davos.

Nicht, dass sich die über 2.000 Wirtschaftsbosse und Spitzenpolitiker dort in den nächsten Tagen keine Gedanken über Nachhaltigkeit, Umweltschutz und die Lebensbedingungen arbeitender Menschen machen würden. Nur: bei allen guten Absichten: Zwischen der Lebenswirklichkeit jettender Vorstände und dem, was an der Basis passiert, da liegen Welten. Auf Twitter spötteln deshalb die Macher der Public Eye Awards:

So ein bisschen dagegen sein is ja schick, aber bitte doch nicht so, dass die Betroffenen was merken.

Die Betroffenen kommen dafür bei Youtube zu Wort und von den sechs Videoclips zu den sechs Kandidaten sind mir vor allem zwei nachgegangen, vor allem der zu Samsung. Südkoreas reichster Mischkonzern mit 172 Milliarden US-Dollar Umsatz setze teils verbotene hochgiftige Stoffe bei der Produktion seiner Hightech-Geräte ein, so der Vorwurf. Mindestens 50 junge Arbeiter seien deshalb an Krebs gestorben, 140 erkrankt. Han Hye-Kyoung ist 33 und hat einen Hirntumor.

Ich bin krank geworden von der Arbeit in der Elektronikfabrik von Samsung,

sagt eine sichtlich von Krankheit gezeichnete Frau. Sie erzählt:

Samsung sagt, meine Krankheit hat nichts mit der Fabrik zu tun. Aber andere Arbeiter sind auch krank geworden bei Samsung.

Nicht weniger manipulativ gedreht, nur in ganz anderer Machart ist der Film zum Kandidat Freeport, der  weltgrößte Gold- und Kupferminen auf West-Papua. Hier kontrastieren Luftaufnahmen gigantischer Löcher im Erdboden mit nüchternen Worten. Seit Jahrzehnten belastet der US-Konzern die Umwelt auf der Tropeninsel mit Giftschlämmen und das indonesische Menschenrechtskomittee wirft ihm etwa Todesdrohungen gegen Gewerkschafter vor.  

 Auch die britische Bank Barclays bekommt ihr Fett ab, sie wird als hungertreibender Nahrungsmittelspekulant angeprangert, auch der Schweizer Chemiekonzern Syngenta bekommt vorgeworfen, in Drittweltstaaten sein Herbizid Paraquat zu verkaufen, das bei uns aus guten Gründen verboten ist. Derzeit bei der Abstimmung auf Platz Zwei: Der brasilianische Vale-Konzern, der den ökologisch wie sozial verheerenden Belo Monte Staudamm im Amazonasbecken mit baut. In seiner öffentlichen Antwort auf die Nominierung sieht sich Vale völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt. Und verweist auf seinen dicken Nachhaltigkeitsbericht, in dem alles drin steht. Immerhin: der Konzern hat reagiert, das haben nicht alle:

 Wir haben fünf Antworten erhalten. Nur Tepco ignoriert uns,

schreiben die Macher der Public Eye Awards in ihrem Twitterkanal @PEAwards. Und fragen nach den Gründen des Schweigens:

Ist es ihnen peinlich? Oder sind sie pleite?

Naja, ehrlich gesagt: Hätten Sie vom Betreiber des Katastrophen-AKW Fukushima Tepco nach der Vorgeschichte etwas anderes erwartet als Schweigen? Bis 26. Januar läuft die Abstimmung im Netz noch, dann werden Greenpeace Schweiz und die Erklärung von Bern, eine Schweizer NGO, das Ergebnis feststellen. Also ich setze auf Tepco, den Favoriten.

———-Nachtrag:

Ok, es war dann doch nicht Tepco. Vale hat gewonnen, aber knapp. Und Barclays für ihre Spekulation auf Nahrungsmittel. Was folgern wir daraus? Ureinwohner vertreiben und Leute hungern lassen ist schlimmer als eine radioaktive Verseuchung? Mh. Ist statistisch eh nicht signifikant, das Ergebnis. Meine Zusammenfassung hier: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/publiceye100.html

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