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Drei Jahre Öldesaster Deepwater Horizon – noch Fragen?

18.04.2013, von

Zum Öldesaster nach dem Untergang der Bohrplattform Deepwater Horizon haben die Tagesschau viele Fragen über Facebook erreicht, am 20.4.13 jährt sich die Ölkatastrophe ja zum dritten Mal. Manche Fragen konnten wir in einer Zuschaltung heute morgen beantworten, einige sind offen geblieben. Ich versuche so weit es geht im Lauf des Tages ein paar Fakten zu klären und dann peu à peu hier im Blog zu ergänzen. Los geht’s:

Libertarian Chris will wissen: Hat sich die Strömung des Golfstroms verändert? (Habe damals einen Artikel gelesen, in dem dies befürchtet wurde durch den Einsatz der Chemikalien.)

Die Befürchtung war zunächst auch berechtigt, denn das absinkende Öl verändert zeitweilig die Dichte des Meereswassers und hätte damit durchaus auch das Strömungsverhalten beeinflussen können. Nach den derzeitigen Erkenntnissen hat es aber bisher keine nennenswerten Veränderungen der Strömung des Golfstroms gegeben, da hat sich nach Aussagen von Geomar , dem Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, nichts verändert. Für eine endgültiges Ergebnis ist es aber auch noch viel zu früh, das, so die Aussage, würde sich erst nach etlichen Jahren beurteilen lassen, wenn alle andere Faktoren (normale Schwankungen, andere menschliche Einflüsse) heraus gerechnet wären. Momentan gibt es aber nach Aussage eines Sprechers von Geomar keine Hinweise darauf, dass die Ölkatastrophe und die eingesetzten Chemikalien irgend etwas am Golfstrom ändern.

Armin Berthold Scholz fragt: Wie giftig ist Corexit wirklich?

Ich zitiere hier Prof. Michael Schlüter von der Uni Hamburg, der an einem interdisziplinären Forschungsprojekt im Golf von Mexico mitmacht:
„Die Wirkung von Corexit muss sehr differenziert betrachtet werden und wird gerade ebenfalls sehr intensiv untersucht. Einerseits wirkt Corexit wie ein Spülmittel, welches das Öl in feinere Tröpfchen aufspaltet. Hierdurch bildet sich eine sehr große Oberfläche, wodurch die Bakterien einen viel besseren Zugang zum Öl haben und es besser und schneller abbauen können. Andererseits folgen die feineren Tröpfchen besser der Strömung, wodurch es auch zu einer weiteren Verbreitung des Öls kommt. Corexit sorgt weiterhin dafür, dass das Öl unter die Wasseroberfläche absinkt – hierdurch können Vögel geschützt werden und das Öl wird durch die Wellen weniger stark verteilt. Jedoch ist es schlechter zu lokalisieren und abzusaugen. Auch an diesem Beispiel wird deutlich, dass nur ein sehr interdisziplinäres Team eine Bewertung verschiedener Szenarien vornehmen kann. Biologie, Strömungsmechanik, Chemie, Geologie, Meterologie – alle Expertisen sind erforderlich.“

Belial Daemonis möchte wissen: Welche politischen Konsequenzen sind aus dieser Katastrophe gezogen worden? Fragte er, obwohl er die Antwort schon ahnte…

Es gab in den USA zunächst einen Stopp für Tiefbohrungen, der wurde allerdings nach einem halben Jahr wieder aufgehoben. Erlassen hat die Obama-Regierung ferner für BP ein Vertragsverbot, das heisst, die Firma ist – weil als unzuverlässig gebrandmarkt – kein Geschäftspartner der USA mehr. (Da kann man sich freilich auch fragen, ob die US-Ölfirmen „besser“ wären.)
Ansonsten sollte es ein paar Verbesserungen in der Zusammenarbeit zwischen der für Schiffe/Plattformen zuständigen Küstenwache und dem für Bohrungen zuständigen Innenministerium geben, aber selbst das verläuft schleppend. Und im Kongress, der hätte gesetzliche Rahmenbedingungen wie den Oil Pollution Act hätte verändern und verbessern müssen und können, um eine koordinierte Katastrophenbekämpfung zu fördern, ist bisher nichts relevantes in dieser Richtung geschehen. Ein dicker Bericht zur Deepwater Horizon, eine stillgelegte Webseite mit Infos, that’s it.

Wadde Mer fragt: Wer bezahlt die Umweltschäden bzw. sorgt dafür, dass das wieder in Ordnung kommt? Wie werden die Helfer mit Gesundheitsproblemen entschädigt? Wer haftet für die Ölkatastrophe?

Wenn dann überwiegend BP. Die Firma hat einen von einem Gericht überwachten Fonds gegründet, aus dem Entschädigungen etc. gezahlt werden. BP muss zudem eine Strafe in Milliardenhöhe zahlen und wird jetzt seit Anfang dieses Jahres auch noch zivilrechtlich beklagt. Erst wenn diese vielen Dutzend Prozesse abgeschlossen und rechtswirksam sind, wird sich zeigen, ob die Ölfirma glimpflich davon kam oder nicht. Wenig ermutigend für die Opfer ist das Beispiel der Exxon Valdez, die letzten Gerichtsverfahren wurden 20 Jahre nach Untergang dieses Öltankers vor Alaska abgeschlossen, die Strafe von 5 Milliarden Dollar auf eine halbe Milliarde gedrückt.

Wolfram Krause meint: Wie sieht es unter der Oberfläche aus? …vor allem unter der Meeresoberfläche und den betroffenen Lebensräumen? Und Sascha Hähnel fragt: Was ist mit dem Öl passiert?
Dazu Prof. Michael Schlüter, Uni Hamburg:
Natürlich sind die Auswirkungen katastrophal und noch nicht in vollem Umfang absehbar. Schon heute sind aber Langzeitfolgen abzusehen, die den Bestand in Flora und Fauna nachhaltig verändern werden. Vom Änderungen in der Populationsdichte bis zum Verschwinden ganzer Arten. Die Biodiversität wird in jedem Fall beeinflusst.
Bei der biologischen Abbaubarkeit von Schweröl zeigt sich eine interessante Entwicklung, da der biologische Abbau schneller erfolgt, als zunächst vermutet. Dies wird darauf zurückgeführt, dass ohnehin immer viele ölabbauende Bakterien im Golf von Mexico vorhanden sind, da es eine natürlich Grundverschmutzung mit Öl gibt. Der Meeresboden ist teilweise von natürlichen Ölquellen durchtränkt. Wenn eine entsprechend hohe Startkonzentration vorhanden ist, vermehren sich die Bakterien natürlich bei einer Ölkatastrophe viel schneller und müssen sich nicht erst an die Substrate anpassen. Außerdem laufen an der TU Hamburg Harburg Experimente die zeigen, wie sich der Ölabbau unter Hochdruck verändert. Hier gibt es Anzeichen, dass der Druck den Abbau etwas verbessert – aber dass muss erst noch genauer untersucht werden, um belastbare Aussagen zu treffen.
Trotzdem darf der biologische Abbau nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich sehr viele giftige Stoff im Meer und Meeresboden ablagern und natürlich auch von Organismen aufgenommen werden und hier Langzeitschäden verursachen. Die Schadstoffe gelangen früher oder später in die Nahrungskette.

Sonnenkollektoren ziehen weitere nach sich

25.01.2013, von

Vorbildlich:

Haben Ihre Nachbarn Sonnenkollektoren? Falls ja, erhöht sich damit die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Installationen hinzu kommen. Das geht aus einer neuen Studie hervor, veröffentlicht in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Marketing Science. Demnach ließen zehn extra Fotovoltaik-Anlagen innerhalb eines Postleitzahlenbereichs die Wahrscheinlichkeit um 7,8 Prozent steigen.

via :Wissenschaft und Schreie. | Wissenschaft kompakt..

Was macht die Atomlobby im Umweltministerium?

10.01.2013, von

Nachfragen unerwünscht? Erst Behörde, dann Industrie, dann wieder Behörde – vor allem wenn’s um Atomenergie geht, sind solche Wechsel problematisch. Insbesondere, wenn die Details der Arbeit geheim bleiben sollen.

Der oberste Atomaufseher Gerald Hennenhöfer gilt als Inbegriff des Drehtür-Lobbyisten – was er im Ministerium macht, geht das Parlament aber nichts an, sagt die Regierung

via Atomlobbyist im Bundesumweltministerium: Nachfragen unerwünscht | Telepolis.

Große Stromfresser mögen Deutschland

05.12.2012, von

Wir, also die kleinen Stromverbraucher, müssen letztlich die Ausnahmen und Strompreiskompensationen für Emissionsrechte berappen, die den Standort Deutschland offenbar zunehmend attraktiver machen.

Jahrelang hatten stromintensive Firmen mit Auswanderung gedroht. Nun schlägt Deutschland sogar das Rohstoffland Australien – jedenfalls aus Norsk-Hydro-Sicht. Dort schließt der Konzern seine Hütte Kurri Kurri mit 180.000 Tonnen Kapazität.

Im deutschen Neuss dagegen wird die Hütte aufgepeppt und die Kapazität verdreifacht. Na prima. Alles in allem sind es neun Milliarden Euro Entlastung für Großstromverbraucher. Da ist doch noch Musik drin. Vielleicht könnten wir noch ein paar mehr Stromfresser bei uns ansiedeln? Wir Kleinverbraucher zahlen doch immer gern.

via Trotz Energiewende: Deutschland lockt stromhungrige Industrie an | FTD.de.

Erneuerbare Krake investiert fast eine Milliarde Dollar

18.11.2012, von

World’s Lieblingsdatenkrake Google weiß schon lange, wo in Zukunft die energetische Musik spielt und wo der Strom für die Serverfarmen herkommt:

Insgesamt hat Google bisher über 990 Millionen Dollar für Projekte zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ausgegeben. Mit dem Geld wurde der Aufbau von zehn Windkraft- und Solaranlagen unterstützt, wie aus einer Übersicht hervorgeht. Sie lieferten insgesamt 1,8 Gigawatt Strom, genug für 350.000 Haushalte.

via Google erhöht Investitionen in erneuerbare Energien auf knapp 1 Milliarde Dollar

Kohleflöze vergasen mit Bakterien – und die Folgen?

08.11.2012, von

Die Idee ist faszinierend: Bakterien setzen unterirdische Kohlevorkommen zu Erdgas um, aus dem sich dann Energie gewinnen lässt.

Das Mikroben-Methan könnte China helfen, die Stromproduktion aus schmutziger Kohlekraft zu reduzieren, die derzeit den Hauptteil der Energie für die Industrie liefert.

Methan statt CO2, coole Nummer, wenn sie mal richtig funktioniert. Erste Versuche laufen. Nur dumm, wenn sich die Bakterien irgendwann selbständig machen und unkontrolliert Kohleflöze vergasen. Ob die jemand wieder einfangen kann? Ach, dieses deutsche Bedenkenträgertum.

via Die Kohlefresser | Technology Review.

Das bisschen Fracking stört doch keinen großen Geist

05.11.2012, von

In Oberschwaben geht der Erschließungsprozess für Erdgas weiter. Und damit wachsen die Befürchtungen, die Erkundungen können zu einer Verschmutzung der Grundwasservorräte führen, denn:

Das Bundesberggesetz sieht für Erkundungs- und Gewinnbohrungen keine Umweltverträglichkeitsprüfung vor.

Die Befürchtungen sind nach US-Erfahrungen nicht von der Hand zu weisen. Demnächst wollen sich die beteiligten Firmen in einer Bürgerversammlung vorstellen. Gute Idee.

via Konstanz: Die Felder sind abgesteckt | SÜDKURIER Online.

Grüner Gegenwind für rheinland-pfälzische Windräder

17.09.2012, von

Das war zu erwarten, dass die rheinland-pfälzischen Naturschutzverbände das heute vorgelegte Gutachten der Landesregierung zu Windenergie und Naturschutz kritisieren würden. Nur zwei Prozent Tabuflächen, die von vornerherein Windenergie ausschließen, das ist ihnen zu wenig. Dabei sind ihre Argumente teilweise genauso schräg wie Teile des kritisierten Gutachtens. Dem Luchs ist es nämlich piepegal, ob im Pfälzerwald Windräder stehen oder nicht – der überlebt stark befahrende Straßen nicht und illegale Jagdleidenschaften. Es macht auch einen Unterschied, ob ich ganze Eifelvulkane abbaue und plattmache oder ob auf ihnen ein paar Windräder stehen. Und wer weiß, mit welchem Enthusiasmus ein ernsthafter Naturschutz im Biosphärenreservat Pfälzerwald in den letzten Jahrzehnten – nicht – vorangetrieben wurde, der kann den Katzenjammer aus dieser Ecke über ein paar Windräder mehr oder wenig nicht ernsthaft ernst nehmen. Der Tonfall der Pressemitteilung ist so gehalten dass Böswillige vermuten könnten, zumindest ein Teil der Verbände wollte vor allem den Preis für mehr politische Beteiligung und Staatsknete für Landschaftspflege ein wenig nach oben treiben und nutze dazu die Windkraftdebatte.

Andererseits macht sich das vorgelegte Gutachten natürlich auch lächerlich, wenn es reihenweise Schutzgebiete auflistet und bewertet, die schon aufgrund ihrer topographischen Situation von vorneherein niemals als Windkraftsstandort in Frage kommen werden – oder möchte jemand Windräder in die Aarmündung, das Rhein- oder Moseltal stellen? Und dass das unterirdische Mayener Grubenfeld ungeeignet für Windkraftanlagen ist, dazu hätte es keines Gutachtens bedurft.  Da hätte man sich viel „Bewertungsarbeit“ und vernebelnde Prozentrechnerei sparen können. Nein, vor allem die Hochflächen und die Berge sind windhöffig und energetisch spannend.

Wer sieht, wie derzeit die Riesenwindräder im Hunsrück auf dem Hochsteinchen unübersehbar sprießen und das inzwischen reichlich verspargelte Hinterland von Kastellaun nach Süden begrenzen, der kann den ein oder anderen Ärger über die Störung der romantisierenden Landschaftsästhetik und Befürchtungen über Lärm und fehlenden Erholungswert wie auch Störungen der Zugvogelwelt durchaus nachvollziehen. Und machen wir uns nichts vor: Investoren sind die Interessen von Fledermäusen und Rotmilanen und örtlicher Bevölkerung völlig schnurz, solange sie nicht planungsrelevant sind. Das verstärkt den örtlichen Ärger, klar, und der lässt sich höchstens über mehr Beteiligung an den Erlösen der Windkraft eindämmen.

Naturschutz und Windkraft sind vereinbar, ja, aber eben nicht immer und überall. Da muss auch keiner so tun als wäre das anders. Es wird tierische Opfer geben und dann ist es vor allem wichtig, nicht in Zynismen zu verfallen. Ein Blick in die USA könnte da hilfreich sein, dort ist der technische Umweltschutz mit automatischen Abschaltungen etc. teil offenbar schon etwas weiter als hierzulande – nach massiven Protesten der Naturschutzverbände.

Es wird spannend zu sehen, ob es den beteiligten Ministerien in Rheinland-Pfalz gelingt, über ihren Windschatten zu springen und großzügigere Abstandregelungen in der Landesplanung und den Bauvorgaben zu verankern. Bislang sieht es nicht danach aus – das wäre ein fataler Fehler und für die dringend benötigte Akzeptanz der Erneuerbaren ziemlich schädlich. Das heute vorgelegte Naturschutz-Gutachten hätte bereits viel stärker ein Zeichen in Richtung Versöhnung setzen können. Warum sind die Natura2000-Gebiete nicht zunächst einfach draußen geblieben – Prüfung im begründeten Einzelfall dabei nicht ausgeschlossen. Das wäre zumindest ein Zeichen gewesen.

Ein Leitfaden zu sein und Klarheit zu schaffen, „wo aus naturschutzfachlicher Sicht im Land Windkraft möglich ist“ ist ein Anspruch, der so nicht einzulösen war und ist, das kann dieses Gutachten nicht leisten. Letztlich für den Naturschutz entscheidend werden die Einzelfallprüfungen werden. Für pauschale Bewertungen ist Natur viel zu komplex. Das wissen Verbände wie Ministerien aber auch selbst sehr genau.

Luxussanierte Energiewende abschaffen

04.09.2012, von

Sehr lesenswerte Abhandlung von Dirk Löhr vom Umweltcampus Birkenfeld zum Thema Energiewende und den gesellschaftlich unerwünschten Auswirkungen der energetischen Gebäude(luxus)sanierungen auf Mieten und Bodenrenditen. Sein Tipp: Henri George lesen, ein US-Bodenreformer aus dem 19. Jahrhundert.

Wenn man nachhaltige Lösungen will, ist es an der Zeit, in der Bücherkiste zu kramen.

via Energiewende, Luxussanierungen und ressourcenbasiertes Grundeinkommen.

Superstaudamm Belo Monte fertig geworden wäre gewesen

17.08.2012, von

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten: Mal wieder Baustopp am drittgrössten Wasserkraftwerk der Welt, dem Belo Monte Staudamm in Brasilien. Ein Richter befand jetzt, dass die möglichen negativen Folgen für die Umwelt hätten VOR einer Genehmigung untersucht werden müssen. Und nicht im NACHHINEIN, wie das 2005 vom Parlament beschlossen wurde.

Wie kleinlich. Das weiss man doch: erst mal machen und bauen, danach sieht man weiter. Das funktioniert in jeder lupenreinen Demokratie. Obwohl: stimmt nicht immer, wie ein Blick ins Neckartal zeigt. Aber damals kurz nach der Jahrtausendwende waren sie auch bei der Deutschen Bahn noch nicht auf den Trichter gekommen, dass die Beteiligung von Kreti und Pleti bei Grossprojekten wie Stuttgart21 durchaus angesagt sein könnte. Die Brasilianer sind da vermutlich heute noch im Zustand glückseliger Mappus-Denke aus der Vor-Kretschmann-Zeit, die haben ihr Stuttgart21 einfach noch nicht erlebt.

Ist halt auch nicht so dicht besiedelt, der Amazonas. Die 20.000 Indianier, die umziehen müssen, weil für Belo Monte ein zweites Schwäbisches Meer entsteht, achgottchen, ja. Wo gehobelt wird…  Was sind die Interessen von einpaar Ureinwohnern gegen rund 500 Quadratkilometer imposante Seefläche hinter drei gewaltigen Staumauern mit den sinstiftenden Namen: Schöne Aussicht, Schöner Berg und Pfeffrig.

Pikant ist allerdings vor allem die Tatsache, dass die Leistung des gigantischen Wasserkraftwerks mit all seiner Regenwaldzerstörung und sozialen Sprengkraft nicht mal einem Drittel der im kleinen Deutschland inzwischen installierten Windkraft entspricht. Dabei liegt der Großteil der Industrie Brasiliens im Südosten, weit weg von Amazonien. Bei Sao Paulo stehen im Küstengebirge aber bisher kaum Windräder. Damals, in den 1970er Jahren, als Belo Monte erstmals geplant wurde, da galten Großprojekte noch was. Aber in nur 40 Jahren umzudenken ist aber auch schwer.

Jetzt also mal wieder Baustopp. Irgendwann geht’s aber weiter, die stoppen das nicht endgültig. Aber vielleicht ergeht es dem Belo Monte Damm ja wie dem neuen Berliner Flughafen. Wann der fertig wird, weiss keiner so genau. Sprachwissenschaftler haben ja deswegen dieser Tage eine neue Zeitform eingeführt: das Futur III. „Nächstes Jahr im Sommer werde ich in Urlaub nach Mallorca geflogen wäre gewesen.“  Analog könnte es für den Belo Monte Damm lauten: „2015 wird der Stausee fertig geworden wäre gewesen.“

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