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Sie fackeln Amazonien weiter ab

10.08.2010, von

Intakter Regenwald wird immer weniger - Copyright SWR/Axel Weiss

Von wegen Rückgang der Rodungen in Amazonien: gestern hat der brasilianische Bundesstaat Acre den Umweltnotstand ausgerufen. Grund: zahlreiche Waldbrände sind ausser Kontrolle. Und die Zahl der Brände in diesem oberen Teil Amazoniens an der Grenze nach Peru liegt rund sechs Mal höher als letztes Jahr.

O governo do Estado do Acre decretou nesta segunda-feira 9 estado de alerta ambiental por causa dos incêndios em florestas e das queimadas sem controle que atingem a região. Segundo estimativas do governo, o número de focos de calor aumentou 587% em relação ao ano passado.

Da tröstet es wenig, wenn der Bundesstaat Parà (ebenfalls in Amazonien) heute meldet, dass der illegale Holzeinschlag um 75% abgenommen hat. Denn nach wie vor gilt: Trotz Abnahme stammt das meiste Holz in Pará aus illegalen Quellen: drei Viertel des gesamten Einschlags sind illegal. Die betroffene Fläche: fast 100.000 Hektar.

Wenn also die brasilianische Regierung von einem Erfolg spricht, ist das wohl leider nicht mal die halbe Wahrheit. Dass die Entwaldung in Amazonien im zweiten Jahr in Folge eine der niedrigens der Geschichte war wird massiv angezweifelt. Einsichtig: Schließlich sind demnächst Wahlen in Brasilien, da kann die Regierung auch ein paar „grüne“ Erfolgsmeldungen gebrauchen. Ausserdem soll ein neues, extrem umstrittenes Waldgesetz künftig die Nutzung der Wälder schneller legalisieren. Da kämen negative Schlagzeilen über mehr Zerstörung gar nicht gut.

Mehr zu den Bränden in Acre (portug.): Folha.com – Ambiente – Acre decreta alerta ambiental por causa de queimadas – 10/08/2010.

Brasilien lässt Indianerland absaufen

28.04.2010, von

Der Staudamm in Amazonien heißt „Belo Monte“ und ist seit 30 Jahren umstritten. Selbst in Brasilien gehen die Meinungen weit auseinander. Jetzt soll er doch kommen und weltweit machen die NGO mobil. Mit Recht, meine ich.

2005 genehmigte der brasilianische Nationalkongress – ohne Debatte und die in der Verfassung vorgesehene Befragung der betroffenen Gemeinden der Ureinwohner – den Bau von Belo Monte als ersten von einer Reihe weiterer Staudammkomplexe. Der Wasserstand des Xingu ist starken saisonalen Schwankungen unterworfen und muss durch weitere Staudämme reguliert werden.

Über 6.000 Quadratkilometer Regenwald würde allein der größte der geplanten Stauseen bei Altamira vernichten. Das ist mehr als zwei Mal die Größe des Saarlands. Mehr dazu: Rettet den Regenwald e.V.: Eilaktion: Weltweiter Hilferuf der Kayapo-Indianer in Brasilien.

Promis gegen Staudammbau

14.04.2010, von

Der Macher von „Avatar“ setzt seine grüne Botschaft aus seinem megaerfolgreichen 3-D-Film auch in der real-existierenden Umwelt um: James Cameron will, meldet AP, gegen ein umstrittenes Staudammprojekt im brasilianischen Regenwald demonstrieren. Der gestaute Xingu-Fluss soll Strom für die Ballungszentren liefern, wird dafür aber riesige Flächen Urwalds vernichten.

Umweltschützer befürchten eine Zerstörung der Natur am Xingu und des Lebenraums von 40.000 Menschen. Der Belo-Monte-Damm wäre nach dem Drei-Schluchten-Damm in China und dem Itaipi-Damm an der brasilianisch-paraguayischen Grenze der drittgtrößte der Welt.

Auch die Schauspielerin Sigourney Weaver (u.a. Ghostbusters, Avatar) protestiert gegen den Xingu-Damm. Proteste von Promis, zeigt die Erfahrung, können regionale Auseinandersetzungen stark beeinflussen.

Quelle: James Cameron und Sigourney Weaver gegen Staudammbau in Brasilien – Yahoo! Nachrichten Deutschland.

Energiehunger frisst Caatinga

09.04.2010, von

Die Caatinga ist ein Buschland in Nordostbrasilien, zwei Mal so groß wie Deutschland. Ein gut an das trockene Klima angepasstes Ökosystem. Die Caatinga wird vernichtet und gerodet. Jährlich verschwindet zwei Mal die Fläche der Megastadt Sao Paulo. Grund ist die Produktion von Energie: die Vegetation der Caatinga wird in Holzkohle verwandelt, die dann in den Stahl-Hochöfen Brasiliens oder für Brennöfen in der Keramikproduktion eingesetzt wird. Eine primitive, wenig effiziente Energienutzung. Klar ist: Ohne den Einsatz von Alternativenergien wie Wind oder Erdgas wird die Caatinga verschwinden, bemerkte kürzlich der brasilianische Umweltminister Carlos Minc.

„Sem estimularmos alternativas de geração de energia, como gás natural ou energia eólica [dos ventos], não vamos conter o desmatamento na caatinga“, observou o ministro Carlos Minc (Meio Ambiente) ao divulgar os números do monitoramento do bioma, que só existe no Brasil.

Das Problem: Um die Caatinga oder den benachbarten Sertão – eine Art Savanne – kümmert sich kaum jemand, es sind unspektakuläre, unwirtlich wirkende Ökosysteme, mit denen sich auch kaum Spenden einwerben lassen. Wenn man genau hinschaut, entfaltet sich zwar in der Caatinga ein komplexes System von Tier-Pflanzen-Beziehungen, finden sich ähnlich wie in Wüsten faszinierende Insekten oder versteckt lebende Reptilien. Das habe ich vor einigen Jahren bei einem Besuch in Brasilien gelernt. Aber weil in dieser Trockenzone halt keine „Vorzeigearten“ leben, die sich international „vermarkten“ lassen, tun sich die großen Naturschutzverbände nach meiner Wahrnehmung schwer mit dem Schutz der Caatinga. Und so verschwindet international nahezu unbeachtet eine weitere Spielwiese der Evolution von unserem Planeten – als Holzkohle für billigen Stahl und Keramiktöpfe.

Gelesen in: Folha Online – Ambiente

Bischof kämpft gegen Fluten

08.02.2010, von

Der brasilianische Bischof Erwin Kräutler gehört für mich zu den beeindruckenden Gestalten der Menschheitsgeschichte.  Ich habe ihn vor vielen Jahren kennengelernt und verfolge sein Engagement seither mit einer gehörigen Bewunderung. Mit unglaublicher Kraft und Zähigkeit kämpft der gebürtige Österreicher für die Bewohner seiner Diözese Altamira im Amazonasgebiet und setzt sich für den Erhalt der Regenwälder ein. Gegen massive Widerstände, trotz Morddrohungen. Auch jetzt noch, nach dem die brasilianische Umweltbehörde eingeknickt ist und das gigantische Belo Monte Projekt genehmigen will – das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt. Es wird ein Drittel des Bezirks Altamira fluten.

Altamira wird unter Wasser stehen, und die Verantwortlichen wissen noch immer nicht, wie viele Familien davon betroffen sind, und noch weniger, was mit ihnen geschehen soll.

Wenigstens will jetzt auch die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Pará gegen die erteilte Umweltlizenz vorgehen.

Mehr dazu: Radio Vatikan: Kräutler kämpft weiter.

Warm anziehen, Regenwald

03.02.2010, von

Auf den ersten Blick ist es nur eine enge Zusammenarbeit: Shell und Brasiliens Ethanol-Gigant Cosan gehen künftig gemeinsame Wege, lese ich in der Financial Times online. Wert des Joint ventures: 12 Milliarden Dollar. Der Vorstandsvorsitzende von Cosan machte klar, worum es geht: Bioalkohol im großen Stil weltmarktfähig zu machen.

Rubens Ometto, Cosan’s chairman, said the joint venture would provide “the step forward that was lacking, in spite of all our efforts, to make ethanol a global commodity.“

Wenn soviel Geld im Spiel ist wird es wieder ein bisschen schwieriger zu verhindern, dass letztlich der Regenwald die Zeche zahlt und gerodet wird. Weil andere landwirtschaftliche Flächen für den Zuckerrohranbau benötigt werden. Offiziell ist das kein Thema, aber in Brasilien gelten oft die Regeln des Faktischen, nicht unbedingt die geschriebenen Gesetze.

Gefunden bei: FT.com / Shell in $12bn Brazilian biofuels partnership.

Wenigstens überwachte Wälder

14.12.2009, von

Damit wir wenigstens genau beobachten können, wie der Regenwald verschwindet, gibt’s ab kommendem Jahr eine Überwachungslösung von – genau – Google:

Mit der Cloudlösung lassen sich anhand von Satellitenbildern Veränderungen an Baumbeständen aufspüren. Google präsentiert die Plattform auf dem laufenden Weltklimagipfel in Kopenhagen. Sie soll 2010 veröffentlicht werden.

Google will damit vor allem Staaten unterstützen, denen die Technologie fehlt, um ihren Waldbestand zu überwachen. Meines Wissens ist weniger fehlende Überwachungstechnologie das Problem, etwa in Brasilien, als vielmehr Korruption und vor allem völlig überforderte und schlecht ausgerüstete Gesetzeshüter vor Ort in den Wäldern.

Quelle: Google.org stellt Tool zur Überwachung des Waldbestands vor – Internet | News | ZDNet.de.

Brasiliens freiwilliger Klimaschutz

23.11.2009, von

Brasilien bewegt sich im Klimaschutz. Zumindest ein bisschen. Ja, der Klimaschutz muss auf freiwilliger Basis erfolgen, wird der Industrie nicht vorgeschrieben. Ja, er basiert auf Schätzungen der Emissionen für das Jahr 2020. Aber dafür sollen die vorgesehenen Einsparungen von 36-38 Prozent immerhin gesetzlich geregelt werden. Und wirken dann, hofft Umweltminister Minc, doch ein bisschen verpflichtend.

Com a condição de que o corte teria caráter „voluntário“ e seria baseado nas emissões de carbono estimadas para 2020, o presidente Luiz Inácio Lula da Silva concordou em que a redução entre 36,1% e 38,9% das emissões fosse mais do que um manifesto de intenções e ganhasse status de lei.

Ein entsprechender Text wurde von der Infrastrukturkommission des brasilianischen Senats Ende letzter Woche abgesegnet. Ja, das könnte alles viel schärfer sein. Ich denke, es ist ein wichtiger Anfang für ein Land, das immer noch als Schwellenland tituliert wird. Wichtig wäre aber auch, dass das Gesetz dann wirklich angewendet wird. Denn Brasilien hat eine Reihe von superscharfen Umweltgesetzen, deren Umsetzung draußen in den Weiten des Landes auf sich warten lässt. Versuchen sollten sie’s trotzdem, denke ich.

Quelle: Folha Online – Ambiente – Meta voluntária estará na lei do clima, afirma governo – 20/11/2009.

Kapitulation vor dem Hunger

16.11.2009, von

Hungern ist eine der schlimmsten Erfahrungen, die wir Menschen erleiden können. Und der Hungertod muss ausgesprochen grausam sein, hat mir ein Arzt erzählt. Das geht mir durch den Kopf wenn ich sehe, was beim heutigen Welternährungsgipfel in Rom respektive seiner Abschlusserklärung herausgekommen ist. Platt gesagt: den reichen Ländern geht es am Hintern vorbei, dass ein Sechstel der Menschen hungert, mehr denn je. Und dass, wo die weltweite Nahrungsmittelproduktion einen neuen Rekordstand erreicht hat.

Statt die Probleme ernsthaft anzugehen ist aus Rom nur das ewige Lied der Grossagrarlobbies und Gentech-Industrien zu hören: 70 Prozent Produktionssteigerung muss her bis 2050, sonst reicht’s nicht zum leben. Diese Mär wird durch Wiederholung nicht wahrer.

Wahr ist: Es könnte auch heute schon reichen für alle – wenn da nicht eben ein paar Kleinigkeiten gründlich daneben laufen würden auf diesem Planeten. In Ländern wie Brasilien besitzen wenige Großgrundbesitzer fast alles fruchtbare Land und nutzen es hemmungslos für industrielle Export-Landwirtschaft, für Kleinbauern ist da kein Platz. Viele Länder haben durch eine falsche Entwicklungshilfe und unfaire Handelsstrukturen in den letzten Jahrzehnten systematisch die Fähigkeit zur Selbstversorgung verloren. Den Rest haben ihrer Landwirtschaft die Agrarsubventionen in den Industriestaaten gegeben. Und: Der Klimawandel mit seinen Wetterextremen macht den von der Hand in den Mund lebenden Kleinbauern in der Dritten Welt wesentlich stärker zu schaffen als uns hierzulande.

Die UNO hat in ihren Milleniumszielen vor neun Jahren beschlossen, die Zahl der Hungernden zu halbieren bis 2015. Die Welt ist diesem Ziel ferner denn je. Von den 30 -40 Milliarden Euro, die jährlich gegen den Hunger benötigt würden, war aus Rom nichts zu hören. Keine konkreten Ziele, kein Zeitplan, nirgends. Die reichen Staaten haben eh nur die zweite Politgarde nach Rom geschickt. Aber dafür feiert unsere Landwirtschaftsministerin dann das unverbindliche Resultat dieser armseligen Veranstaltung in Rom als „zukunftsweisendes Ergebnis“.

Entwaldung in Brasilien rückläufig

12.11.2009, von

Es ist ja schön, wenn die brasilianische Entwaldungsrate nach den neuesten Regierungsdaten von heute die niedrigste der letzten 21 Jahre ist. Ich finde dennoch, 7000 Quadratkilometer Urwaldverlust sind in diesen Zeiten 7000 Quadratkilometer zuviel. Wo bleibt eigentlich eine ernsthafte Landreform in Brasilien, die den Menschen die Möglichkeit gibt, auf fruchtbarem Land zu wirtschaften ohne neue Rodungen? Und wann werden die illegalen Rodungen in Amazonien mal ernsthaft bestraft? Das sind doch die entscheidenden Fragen, weil sie an die Wurzeln des Problems zielen.

De acordo com os dados do INPE Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais, a área desmatada passou de 12.911 km2 para um total estimado em 7.008 km2 neste ano. De acordo com o Ministério do Meio Ambiente, é o menor desmatamento já registrado nos últimos 21 anos.

Quelle: Folha Online – Ambiente – Desmatamento na Amazônia é o menor em 21 anos, diz governo – 12/11/2009.

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