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Wenig hilfreich: Mehr Biodiesel in Brasilien

16.02.2011, von

Der Druck der brasilianischen Biodiesel-Hersteller auf die Regierung zeigt Wirkung: Möglichst 2012 soll der Anteil der Biodiesel-Beimischung erhöht werden. Von bislang fünf Prozent möchten die Produzenten am liebsten auf zehn Prozent kommen. Für die Umwelt sind das keine guten Nachrichten. Denn Biodiesel wird großflächig aus landwirtschaftlichen Monokulturen gewonnen: Ölpalmen, Sonnenblumen, Soja.

O biodiesel no Brasil é produzido do óleo de palma, oleaginosas como o girassol e a soja, e resíduos de frituras. Este ano começará uma produção a partir de cana-de-açúcar, como ocorre com o etanol.

Mehr Biodiesel in Brasilien bedeutet letztlich mehr Pestizide, mehr Erosion, mehr Druck auf die verbliebenen naturnahen Ökosysteme und weniger Chancen für Landlose, auf fruchtbaren Ländereien für den Eigenbedarf wirtschaften zu können.

viaFolha.com – Ambiente – Mistura de biodiesel no diesel convencional pode aumentar – 16/02/2011.

Kein Schutzgeld für Schildkröten

09.02.2011, von

Der brasilianische Ölkonzern Petrobras will drei großen Artenschutz-Forschungsprojekten die bisherigen Unterstützungen streichen. Eines davon, das Projeto Tamar in Nordostbrasilien, habe ich vor einigen Jahren besucht. Mit viel Mühe versuchen dort die Biologen und ihre Helfer den bedrohten Meeresschildkröten zu helfen, die Tiere weiter zu erforschen und ihren Bruterfolg zu verbessern. Es wäre jammerschade, wenn die dicht machen müssten, weil ihnen der Hauptsponsor die Mittel streicht.

O motivo é a falta de repasse de verbas da Petrobras, principal patrocinadora de suas atividades. Situação semelhante atravessam três outras organizações de pesquisa de animais marinhos: a Fundação Mamíferos Aquáticos, o Projeto Golfinho Rotador ambos em Pernambuco e o Projeto Tamar, na Bahia.

Insgesamt sind von den gekürzten Haushaltsmitteln vier Organisationen betroffen, die mit Meerestieren forschen und arbeiten, darunter auch eines, das gestrandeten Walen hilft. Das hängt mit über der Hälfte seines Etats am Tropf der Petrobras. Erstaunlich eigentlich, dass der halbstaatliche Konzern mit knapp 130 Milliarden US-Dollar Umsatz so knapp bei Kasse sein soll. Aber vielleicht müssen die die zehn Milliarden US-Dollar zurück zahlen, die ihnen die USA vor zwei Jahren zur Ausweitung ihrer Tiefseebohrungen (sic!) geliehen haben. Obwohl: erst im September hat Petrobras über eine Kapitalerhöhung satte 70 Milliarden Dollar eingenommen.

Quelle: Sem Petrobras, Instituto Baleia Jubarte suspende pesquisa.

Trocknet: Amazoniens Regenwald

06.02.2011, von

Regenwald? Von wegen. Trockenwald. Zumindest 2010 in Amazonien. Das zeigen die neuesten Zahlen.

Während der Regenwald normalerweise eine Kohlenstoffsenke bildet, dürfte er 2010 als CO2-Quelle gewirkt haben. Viele Farmer haben die Dürre zudem genutzt, um Wald mit Hilfe von Brandrodung in Weide- oder Ackerland umzuwandeln – was die Klimabilanz zusätzlich verschlechterte.

Natürlich vertrocknet Amazonien nicht mal eben schnell. Aber die Entwicklung stimmt verdammt nachdenklich. Auf Dauer bleiben die Dürren nicht folgenlos.

Quelle: Extreme Trockenheit: 2010 erneut Rekorddürrejahr in Amazonien – spektrumdirekt.

Behörde gibt Gigadamm-Bau frei

27.01.2011, von

Es geht los mit der Staudammbaustelle. Die Brasilianer bauen mitten in Amazonien ihr gigantisches Urwaldzerstörungsbauwerk namens Belo Monte und da lassen sie sich von keinem Avatar-Regisseur, keinem  Nobelpreisbischof und NGO abhalten. Anfang der Woche wurde die erste Teilgenehmigung für die Baustelle am Xingu-Fluss durch die brasilianische Umweltbehörde erteilt.  Jetzt können die Bauarbeiten anfangen.

O Ibama liberou nesta quarta-feira a licença de instalação da usina hidrelétrica de Belo Monte, no rio Xingu, no Pará. A licença será parcial, instrumento que não existe no direito ambiental brasileiro. Com ele, a Norte Energia, empresa que reúne os investidores, poderia iniciar a montagem do canteiro da obra.

Das ist bitter für die Umweltbewegung, die das wegen seiner Umweltauswirkungen und Umsiedlungsfolgen umstrittene Mammutprojekt seit vielen Jahren heftig bekämpft hat.

Quelle: Folha.com – Mercado – Ibama libera licença para iniciar canteiro de obras de Belo Monte – 26/01/2011.

Brasilien: 400 Milliarden kostet der Klimaschutz-Umbau

13.11.2010, von

Zwanzig Milliarden Dollar sind eine Menge Geld. Soviel würde Brasilien bis 2030 jährlich benötigen, um einen emissionsmindernden Umbau seiner Wirtschaft zu finanzieren, ergab eine Studie im Auftrag der Weltbank:

O Estudo de Baixo Carbono para o Brasil foi apresentado na Fiesp Federação das Indústrias do Estado de São Paulo e aponta o setor energético como o principal foco dos investimentos destinados a reduzir a emissão de gases.

Gesamtkosten wären also 400 Milliarden Dollar. Hoffentlich wird dieses Geld – so denn tatsächlich umgebaut wird – nicht ausgerechnet mit der Erzeugung pseudo-grüner Energie auf Zuckerrohrbasis erwirtschaftet.
Quelle: Folha.com – Ambiente – Brasil precisa de US$ 20 bilhões por ano para reduzir emissões de gases – 11/11/2010.

Lichtblick für den Artenschutz

29.10.2010, von

Selbst die Naturschutzorganisationen sind sehr angetan vom Ende der UN-Naturschutzkonferenz in Nagoya. Es war ein hartes Stück Arbeit, aber so wie es aussieht, haben sich die Anstrengungen gelohnt. Die UN-Naturschutzkonferenz konnte sich in letzter Minute spät in der japanischen Nacht auf einen Kompromiss einigen, den alle 193 Vertragsstaaten mit tragen konnten. Das ist zunächst mal ein Riesenerfolg für die Japaner, die als Gastgeber die Verhandlungen selbst in der heißen Schlussphase souverän geführt haben. Ihr Kompromissvorschlag öffnete schließlich den Weg für die Einigung.

Ein Scheitern dieser nächsten großen UN-Umwelttagung nach der gescheiterten Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 hätte ein fatales Signal für die Fähigkeit der Vereinten Nationen bedeutet, die Zukunftsprobleme dieses Planeten anzugehen. So aber stehen die kommenden Klimaverhandlungen in Cancun unter einem besseren Vorzeichen. Yes, we can, lautet die Botschaft. „Lichtblick für den Artenschutz“ weiterlesen →

Klimaschutz – nur eine Geldquelle?

21.10.2010, von

Klimaschutz praktisch: Waldschutz und Aufforstung gegen Geld. So hatten sich die Vereinten Nationen das gedacht und den sogenannten Clean Development Mechanismus (CDM) entwickelt. Aber mit Marktmechanismen nachhaltige Entwicklung fördern, das funktioniert in der Praxis nicht wirklich erfolgreich. Immer wieder gibt es Zweifel an der Wirksamkeit. Häufig sieht die Wirklichkeit der mehr als 2000 Projekte weltweit ziemlich trübe aus. Trotz erheblicher Geldmittel, die dafür eingesetzt werden. Auch in Brasilien. Das zeigt eine neue wissenschaftliche Untersuchung des Wuppertal-Instituts am Beispiel von zwei Eukalyptusplantagen:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nach der vorangegangenen Analyse zumindest erste Zweifel daran bestehen, dass der Clean Development Mechanismus seinem Ziel, zur nachhaltigen Entwicklung Brasiliens beizutragen, gerecht wird.

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist schwer zu definieren und in die Praxis umzusetzen, das ist eine der Hauptschwierigkeiten. Da eine allgemein gültige Definition nicht möglich ist, stehen Staaten wie Brasilien vor dem Dilemma, etwas garantieren zu müssen was unklar definiert ist. Das kann nicht funktionieren, vermutet Bea Wittger, Autorin der Studie.

Möglicherweise muss auch mehr Geld fließen, damit sich der Nachhaltigkeitsnutzen derartiger Projekte besser rechnet. Es könnte aber auch sein, dass viele Projekte nur auf dem Papier „nachhaltig“ sind – denn ob eine Überprüfung vor Ort stattfindet, darf bezweifelt werden. Und Kritik an Projekten – gerade im Fall der Eukalyptusplantagen deutlich geäußert – landet nicht dort, wo sie hingehört: bei den Entscheidern.

Mich wundert zwar nicht, was bei dieser Studie rausgekommen ist. Aber es ist schade. Denn im Grunde ist der Versuch sinnvoll, den Drittweltstaaten einen Ausgleich dafür zu geben, dass sie schonender mit ihren natürlich Ressourcen umgehen. Für die Verhandlungen derzeit bei der UN-Naturschutzkonferenz in Japan über einen „gerechten Ausgleich“ für die Nutzung genetischer Ressourcen sind solche Erfahrungen nicht gerade eine Ermutigung.

Ein ausgezeichneter Bischof

01.10.2010, von

Die Nachricht hat mich gefreut: der in Brasilien lebende österreischische Bischof Erwin Kräutler hat den Alternativen Nobelpreis erhalten.

Kräutler, que é prelado do Xingu, no Pará, vive há mais de 40 anos na região amazônica, e atualmente preside o Comitê Indígena Missionário. O bispo, que teve como companheira de luta a missionária Dorothy Stang, morta por pistoleiros em 2005, recebeu o prêmio por seu compromisso com os indígenas e a Amazônia.

Kräutler arbeitet seit 40 Jahren in Amazonien. Ich habe ihn vor einigen Jahren bei einem Besuch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart interviewt. Ein unprätentiöser Christ mit einer menschenfreundlichen Ausstrahlung. Einer der zupackt, wo Menschen (und Natur) Probleme haben, das ist seine Mission. Sein Einsatz für Amazonien ist unermüdlich. Mit Todesdrohungen lebt er wegen seines Engagements für die Schwachen und die Wälder schon seit Jahren.

Außer Kräutler wurden der Nigerianer Nnimo Bassey, der Nepalese Shrikrishna Upadhyay und die israelischen „Mediziner für Menschenrechte“ ausgezeichnet.

Quelle: Folha.com – Ambiente – Bispo brasileiro está entre vencedores de Nobel alternativo – 30/09/2010.

Amazonaspegel auf Tiefststand

03.09.2010, von

Die Wetteranomalien treffen dieses Jahr nicht nur Europa. Noch nie seit vierzig Jahren war der Pegel des Amazonas im Nordosten Perus so niedrig wie derzeit.

Die normale Fahrzeit der Schiffe von 12 bis 15 Tagen bis zu den Städten im Amazonasgebiet habe sich inzwischen verdoppelt.

Mal sehen, wie sich Hurrikansaison entwickelt. Wahrscheinlich behauptet aber irgendein Klima-Sarrazin demnächst, das sei sowieso alles genetisch.

Quelle: Nachrichten.ch – Niedrigster Amazonas-Pegel seit 40 Jahren

Amazonien: Feuer zerstören Nationalpark

28.08.2010, von

Uma imagem vale mais que mil palavras https://bit.ly/bcvpwm #c... on TwitpicEin Bild sagt mehr als 1000 Worte, schreibt Greenpeace Brazil zu diesem Foto. Leider richtig. Die passende Meldung aus der „Folha de Sao Paulo“ gestern: 1000 Feuer brennen in Amazonien – binnen 24 Stunden. Und ein unabhängiges Institut warnt: die Zahl der Feuer könnte sogar neue Rekordwerte annehmen. Am Tocantins Fluss ist danach bereits ein Nationalpark in Teilen schwer zerstört, andere sind von Flammen bedroht. Insgesamt hat Amazonien binnen zwei Jahren bereits 29 geschützte Gebiete verloren. Die offiziellen Erfolgsmeldungen über weniger Brände in diesem Jahr, die kürzlich verkündet und leider bei uns in Deutschland überwiegend unkritisch übernommen wurden,  wirken vor diesem Hintergrund als blanke Präsidenten-Wahlpropaganda und wenig glaubwürdig.

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