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Insektensterben hausgemacht – Tod den Distelfaltern

11.07.2019, von

Was hatte ich mich über die derzeitige Invasion wärmeliebender Distelfalter aus dem Mittelmeerraum gefreut. Endlich mal wieder bunte große Falter in unserer weitgehend ausgeräumten Landschaft. Ein großer Lindenbaum im Donautal vor zwei Wochen mit Dutzenden Schmetterlingen ist mir noch als Hoffnungszeichen gegen das Insektensterben in lebhafter Erinnerung. Und ich bin nicht der einzige, der sich über das Naturschauspiel freut bzw. gefreut hat. Aber es gibt Menschen, die betrachten Distelfalter als Schädlinge. Sojabauern zum Beispiel, entnehme ich der Bauernzeitung BWagrar. Mehr als 20 Raupen pro laufender Meter bzw. eins, zwei Raupenbefallsherde pro 100 Quadratmeter gelten als „Schadschwelle“ – und dann wird gespritzt. Übrigens auch im Bioanbau, da sind Bacillus Thuringiensis Produkte zugelassen. Irgendwie verständlich: Wäre ich Sojabauer, ich hätte auch keine Lust mir mein Feld kahlfressen zu lassen. Dennoch bleibt mehr als ein Unbehagen. Da ist es auf der einen Seite gut, heimischen Anbau zu fördern und keine südamerikanischen Sojabohnen zu importieren – aber dann solche Folgen. Und das im Zeitalter des Insektensterbens. Krass, oder? Ich würde für Entschädigungen plädieren, ähnlich wie bei Gänsefraß.

Biologische Vielfalt und die Gier

06.05.2019, von

Die Briten mal wieder. Sie trotzen dem Trend: Statt gepflegt auszusterben wie der Rest der Welt setzte ihr Prinzenpaar jüngst ein Söhnchen in die Welt. Glückwunsch, wir wünschen ein langes Leben. Aber zurück zum Aussterben. Das läuft ja im großen Stil, haben wir dieser Tage vom Weltrat für biologische Vielfalt lernen können. Jede zehnte Art ist weltweit betroffen, hieß es. Also, möchte man Meghan und Harry raten: schnappt euer neues Söhnchen und besucht die Hotspots der Vielfalt solange es sie noch gibt. Die Savannen, die Regenwälder, vor allem die Korallenriffe. Denn deren Ende ist absehbar. Oder glauben Sie im Ernst, dass aus dem Bericht des Weltrats für biologische Vielfalt ernsthafte Konsequenzen gezogen werden?

Ich hege Zweifel, dass der Pariser Bericht außer einigen Nachfolgekonferenzen und viel Papier viel bewirkt. Sechs Szenarien haben die Wissenschaftler untersucht, wie sich jeweils die Artenvielfalt bis und nach 2050 weiter entwickeln könnte und was kam raus? Nur wenn wir rabiat umsteuern und künftig nachhaltig wirtschaften hat die Vielfalt eine Chance. 
Rabiat umsteuern also. Womöglich Automobilkonzerne verstaatlichen, was? Diese Debatte hatten wir doch grad schon und wer sich hierzulande zum Thema Gerechtigkeit und Kapitalismuskritik öffentlich auch nur drei Gedanken macht, wird von den flinken Haubitzen der neoliberalen Wirtschaftspresse sofort niederkartätscht. Dabei hat das mit Artensterben eine Menge zu tun. Riesige Mengen Kapital vagabundieren auf unseren Planeten auf der Suche nach Rendite. Hoch und kurzfristig muss sie sein. Von nachhaltig und grün steht in den selbst gesetzten Spielregeln der Superreichen nichts.

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40 Jahre Vogelschutz sind nicht genug

28.03.2019, von

Bunte Wiesen sind Nahrungsgrundlage und Lebensraum für viele Tiere – und selten geworden

Um das mal ganz klar zu sagen: ohne die im April 1979 verabschiedete Vogelschutzrichtlinie der EU wäre der Naturschutz in Europa so gut wie tot, auch in Deutschland. Man kann den Wert der Europäischen Vogelschutzrichtlinie also gar nicht hoch genug schätzen. Zusammen mit der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der EU ist sie seit vierzig Jahren ein Bollwerk gegen lokale und regionale Begehrlichkeiten zu Lasten der Natur, das im Lauf von jetzt vier Jahrzehnten viele wichtige Lebensräume für wilde Tiere und Pflanzen gerettet hat.

Die Vogelschutzrichtlinie allein gilt für manche Naturschützer als Grund, ein glühender Anhänger der Europäischen Union zu sein. Und zwar zu Recht. Es gibt weltweit kaum vergleichbare Regelungen. Mal eben per order de mufti Schutzgebiete zu verkleinern wie das Donald Trump in den USA oder Jair Bolsonaro in Brasilien praktizieren ist in der EU so nicht denkbar. 
Natürlich spielen auch in Europa ökonomische Überlegungen eine wichtige Rolle, oft genug zu Lasten der Natur. Ein Europäisches Vogelschutzgebiet wird aber zunächst nach rein ornithologisch-fachlichen Kriterien ausgewiesen, das hat der Europäische Gerichtshof mehrfach bekräftigt. Erst danach kommen dann wirtschaftliche und soziale Überlegungen mit ins Spiel. Das ist nicht unwichtig, weil damit zunächst der Wert eines Gebiete deutlich gemacht wird, der nicht ohne handfest nachgewiesene Gründe gemindert werden darf.  „40 Jahre Vogelschutz sind nicht genug“ weiterlesen →

Brasilianischer Noch-Umweltminister warnt vor neuer Politik

31.10.2018, von

Minister kündigt Fusion mit Landwirtschaft an

Es ist ein Hilfeschrei erster Güte, der da über den Atlantik kommt. Der brasilianische Noch-Umweltminister macht in ungewöhnlich deutlicher Form öffentlich klar, was die vom künftigen Präsidenten Bolsonaro geplante Fusion mit dem Landwirtschaftsministerium bedeuten würde: das faktische Ende einer – ohnehin schon schwierigen – brasilianischen Umweltpolitik. „Ressourcenschutz, nein danke“, so lautet letztlich das offene Motto Jair Bolsonaros. Insbesondere die ohnehin schon stark geschrumpften Regenwälder des Amazonasgebiets werden leiden, dazu viele wichtige Schutzgebiete in –  international nur halt weniger prominenten – Regionen wie Pantanal, Cerrado oder Mata atlantica usw.
 
Wenn Bolsonaro auch nur halb so konsequent wie Donald Trump seine Wahlkampfversprechen abarbeitet, dann gute Nacht Ökologie in Brasilien. Und viele BrasilianerInnen werden sich nicht um die Natur kümmern können weil sie in Abwehrkämpfe gegen die ebenfalls offen angekündigte Hetzjagd auf Schwule, Lesben, indigene Völker etc. und andere zu erwartende Verletzungen der Menschenrechte verstrickt sind.

Kabinetts-Blabla statt Insektenschutz

20.06.2018, von


Ein wirklich ernsthafter Plan, das Insektensterben zu beenden, müsste deutlich anders aussehen als das, was die Bundesregierung Anfang Mai als Eckpunkte vorgelegt und heute verabschiedet hat. Viel zu viele Formulierungen bleiben unkonkret und unverbindlich. Man merkt deutlich die Handschrift von Julia Glöckler, die ja  schließlich Landwirtschaftsministerin und nicht Insektenministerin ist. Da wird zwar eingeräumt, ja, wir haben ein Problem mit dem Insektenschwund, aber die Ursachen der zurückgegangenen Insektenzahlen werden dann verschwurbelt mit „Verlust und qualitative Verschlechterung von Insektenlebensräumen“ umschrieben. Im Klartext heisst das: Ausgeräumte, totgespritzte Industrieagrarlandschaft killt Insekten. Das steht aber nirgends deutlich drin und das, das hat System. Nur niemand von der eigenen Lobby verprellen, heisst offenbar das Motto.

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Insektensterben als ernste Warnung

19.10.2017, von

Wieder einmal reagieren wir erst wenn es spät ist, hoffentlich nicht zu spät. So wie es aussieht sind unsere Insektenbestände in den letzten Jahren massiv in den Keller gekracht und eigentlich wussten wir das auch. Denn wenn immer mehr Insektenarten auf der Roten Liste landen und bedroht sind, wie das zu beobachten war, dann hat das auch Einfluss auf die Biomasse. Doch wen kümmern schon ein paar Fliegen mehr oder weniger. Nur: Der Verlust hat Folgen. Bienen, Schmetterlinge, Fliegen, sie alle spielen in unseren natürlichen wie landwirtschaftlichen Ökosystemen eine letztlich unersetzliche Rolle. Bei der Bestäubung vor allem im Obstbau, aber auch als Futter für Vögel.

Woher das Insektensterben kommt ist nicht sicher. Viel Auswahl bleibt nicht. Da ist zum einen die nächtliche Lichtverschmutzung durch künstliche Beleuchtungen, die Milliarden Insekten verenden lässt. Und dann die Landwirtschaft! Pestizide wie die lange eingesetzten Neonicotinoide sind erwiesene Insektenkiller. Vor allem aber: Lebensraumvernichtung durch industrielle Agrarproduktion. Immer weniger Blüten von immer weniger Arten stehen zu immer begrenzteren Zeiten zur Verfügung. Der letzte Ackerrandstreifen umgepflügt, Mais statt Weiden, Spalierobst statt alter Hochstämme, die letzte Wiese mit Tonnen Gülle zu artenarmer Hochleistung getrimmt, weniger Hecken, kaum noch Feldbäume – das alles bedeutet Nahrungs- und Lebensraumverlust für Insekten und ihre Larven. Schutzgebiete sind oft klein und isoliert, es fehlt die Vernetzung.

Und nun? Die Landwirte werden reflexartig sagen: wir sind’s nicht und die Studienergebnisse anzweifeln, Bund und Länder werden auf Brüssel zeigen und in Brüssel wird sich immer noch niemand trauen, die EU-Agrarpolitik endlich auf halbwegs umweltfreundlich zu trimmen. Ich glaube allerdings, ein weiter so wird auf Dauer nicht funktionieren weil wir die Folgen des Insektensterbens spüren werden. Wir brauchen einen Strukturwandel hin zu extensivererm wieder vielfältigerer Landwirtschaft, von der Bauern aber auch leben können. Wir brauchen in der Landwirtschaft eine bessere Durchsetzung von Vorschriften. Ungestraft umgebrochene Ackerrandstreifen darf es nicht mehr geben. Und wir brauchen bei uns Verbrauchern das Bewusstsein, dass billig nicht alles ist. Geld kann man nicht essen, das ist die Botschaft des Insektensterbens und wir sollten sie ernst nehmen.

Aktion Samentüte: Rettet die Bienen!

11.04.2016, von

Eine wundervolle Aktion der KollegInnen von „Kaffee oder Tee“, der nachmittäglichen Servicesendung im SWR-Fernsehen: Alle Hobbygärtner im Südwesten können sich in einem Raiffeisen-Markt kostenlos eine Tüte mit bienenfreundlicher Saatgutmischung abholen. Darin enthalten sind klassische Blumensorten wie Kornblume oder Klatschmohn, aber auch unbekanntere Arten wie Natternkopf oder Buchweizen. Den viele der üblichen hübschen Zierpflanzen sind für unsere heimischen Bienen wenig nahrhaft.

Wer keine Samentüte mehr bekommt, kann sich eine zuschicken lassen. Mehr Infos hier:

https://www.swr.de/kaffee-oder-tee/bienen-retten/-/id=2728760/did=17046982/nid=2728760/19k1b2h/index.html#Karte

Mehr Artenvielfalt nach Bonn

09.07.2014, von

Gute Idee, der Weltbiodiversitätsrat. Nur: Werden den Vorschlägen auch Umsetzungen folgen? Zweifel sind angebracht.

Am Uno-Standort Bonn ist eine weitere internationale Einrichtung angesiedelt worden. Wie das Bundesumweltministerium in Berlin mitteilte, wurde das Sekretariat des Weltbiodiversitätsrats IPBES am Dienstag eröffnet. Nach dem Vorbild des Weltklimarats IPCC dient der Biodiversitätsrat der wissenschaftlichen Politikberatung, in diesem Fall aber zum Thema biologische Vielfalt. Er soll der Politik Handlungsoptionen zum Schutz und zur Nutzung der Biodiversität aufzeigen.

via Weltbiodiversitätsrats IPBES der Uno: Sekretariat in Bonn eröffnet – SPIEGEL ONLINE.

natürlich! ab heute für Umwelt und Natur

01.04.2014, von

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Wilde Gegend – auf dem Lotharpfad im neuen Nationalpark Schwarzwald. Erstes Thema heute bei „natürlich!“, der neuen Umwelt- und Natursendung im SWR-Fernsehen. Dienstags, 18.15 Uhr oder in der SWR-Mediathek.
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Tag der traurigen Tropenwälder

13.09.2013, von

14. September ist Tag der Tropenwälder. Und alle Jahre wieder jammern sie allerorten darüber, dass die Tropenwälder immer mehr schrumpfen. Jährlich die Fläche Griechenlands etwa. Aber tun dagegen, och, dann vielleicht doch lieber nicht. Zumindest nicht gleich oder besser: sollen doch die anderen was machen.
Und es dauert: Das Verbot, in die Europäische Union illegal geschlagene Tropenhölzer einzuführen zum Beispiel, ja, das gibt es mittlerweile, das ist toll, das freut den Artenschützer. Nur dumm, dass es im Grunde zwanzig Jahre zu spät kommt, weil die wertvollsten Bestände inzwischen schon abgehackt sind. Die Mühlen der Bürokratie sind halt so langsam und ein Schuft der böses dabei denkt.
Oder, auch so eine nette Geschichte, nehmen wir die Palmölplantagen. Fast sieben Milliarden Euro hat unsere Europäische Union im Jahr 2011 ausgegeben, um die Verwendung von Biosprit zu fördern. Biodiesel wurde mit fast vierzig Cent pro Liter subventioniert. 40 Cent pro Liter! Schließlich sollen die Erneuerbaren Energien im Sprit eu-weit mal zehn Prozent ausmachen, da muss man schon was für tun, klar.
Nur: Längst ist klar, dass Biosprit alles andere als Bio ist sondern blanker Unsinn. Zum einen, weil er keineswegs klimaneutral ist. Es ist für das Klima wesentlich besser und für usn Steuerzahler wesentlich günstiger, den Verbrauch der Autos zu drosseln statt dem Treibstoff Biosprit beizumischen, wie das derzeit der Fall ist. Und zum anderen, wir erinnern uns: Tag der Tropenwälder 14. September: Biodiesel ist ein Waldkiller sondergleichen. Denn statt Urwald für Orang-Utans, Tiger oder Elefanten stehen in weiten Teilen Südostasiens mittlerweile Palmöl-Monokulturen ohne Ende und in Mittelamerika siehts auch nicht besser aus.
Fast zwei Milliarden Kilogramm Palmöl werden dem Diesel in der EU pro Jahr zugesetzt, hinzu kommen große Mengen Soja- und Rapsöl. Doch die veränderte Landnutzung in den Tropen für Biosprit hat die EU zwar per Gutachten selbst feststellen lassen, nur Konsequenzen zieht niemand daraus. Das EU-Parlament hat nämlich dieser Tage allem besseren Wissen zum Trotz die weitere Beimengung von Biosprit auf den Weg gebracht, auch wenn deshalb Ökosysteme in den Tropen zerstört werden, um Zuckerrohr-, Palm- und Sojaplantagen zu pflanzen.
So sind wir: Da haben wir einen Tag der Tropenwälder, da fördert das Umweltministerium diese Woche bundesweit 400 Jugendgruppen, die sich für Erneuerbare Energien einsetzen wollen unter www.energiewende-und-du.de – und die Wirklichkeit? Traurige Tropen, gerodet für Profit und Bequemlichkeit. Alle Jahre wieder.

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