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Unterm Sarkophag strahlt’s weiter

29.11.2016, von

Dreißig (!) Jahre hat es gedauert, bis mit gigantischem technischem und finanziellen Aufwand ein erster großer Schritt zur Aufarbeitung der Atomkatastrophe von Tschernobyl gelang:

Der Reaktor von Tschernobyl ist unter einem gigantischen Hightech-Sarkophag verschwunden.

Leider ist damit das Problem nicht gelöst. Hundert Jahre hat die Ukraine jetzt Zeit gewonnen, um den hochproblematischen strahlenden Sondermüll unter der Hülle zu beseitigen. Hundert Jahre hält die Hülle. Danach? Mh. Tja. Also. Ähm. Soviel zum Thema: Atomkraft als Alternative zu fossilen und erneuerbaren Energien.

Quelle: Tschernobyl-Schutzhülle: „Yes! Wir haben es geschafft!“ | tagesschau.de

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Eigenstrom-Steuer trifft nicht nur Solarbranche!

25.05.2016, von

Die Bundesregierung will in Zukunft Stromsteuer auch auf selbstverbrauchten Strom erheben. Dagegen hat sich dieser Tage vor allem die Solarwirtschaft positioniert. Solaranlagen rechnen sich ja seit Änderungen am EEG vor einiger Zeit im Allgemeinen nur noch, wenn der Strom selbst verbraucht wird. Die jüngsten Steuerpläne für den Eigenverbrauch stammen aus dem Bundesfinanzministerium und dort heißt es: die EU verlangt das so. Und es trifft eben nicht nur die Solarbranche. Ich habe meinen Kollegen Werner Eckert aus der SWR Umweltredaktion gefragt: wen trifft das wirklich?

„Es geht nicht nur um Solarkraftwerke, sondern um schlichtweg allen Strom, der von den Erzeugern selbst verbraucht wird. Also auch um die Kraftwärme-gekoppelte Anlagen von Industriebetrieben, um Biogasanlagen und anderes. Den größten Nutzen von der Stromsteuerbefreiung hatten tatsächlich bislang konventionelle Anlagen bis 2 MW elektrische Leistung. Für die alleine rechnet das Finanzministerium mit rund 1 Milliarde Euro Mehreinnahmen in den Jahren 2018-2023. Bei den Solaranlagen geht es wohl nur um einen Bruchteil davon.
Den Versuch, die Stromsteuer auch für all das einzuführen, hat es schon mal gegeben. Er ist aber gescheitert. Auch jetzt handelt es sich erst mal um eine Idee des Finanzministeriums. Und der Entwurf muss mit dem Umwelt- und dem Wirtschafts-Ministerium abgestimmt werden – da gibt es erhebliche Vorbehalte – und dann eben auch mit der Wirtschaft. Und die ist nicht amüsiert. 2 Cent verändern halt die Kalkulation nachhaltig.“

In der politischen Diskussion ging es diese Woche aber interessanterweise nur um die Solaranlagen. Warum das?

„Die Solarlobby ist besonders empfindlich derzeit. Denn auf der Agenda steht ja auch ein neues EEG- Erneuerbare-Energien-Gesetz. Da gibt es jede Menge Streit, weil in diesem Fall dann Wirtschaftsminister Gabriel die Förderung deutlich eindampfen will. Die Sorge: wenn das zusammen kommt, dann ist Schicht im Schacht mit Sonnenstrom. Da gehen die Neubauzahlen sowieso drastisch zurück. Das dritte Jahr in Folge wird die Mindestmenge nicht erreicht.
Und gerade jetzt geht es eigentlich erst richtig los mit der Energiewende. Bislang war das eigentlcih mehr ein „weiter wie gehabt + Erneuerbare oben drauf“.  an den vergangenen Wochenenden gab es aber Mittags fast genug Strom – nur aus den Erneuerbaren Quellen. Beides nebeneinander – Sonne und Kohle – vertragen Netz und Markt nicht dauerhaft.“

Ob sich tatsächlich die Erneuerbaren durchsetzen erscheint mir bei der derzeitigen politischen Großwetterlage fraglich. Ja, Siemens verkaufte gerade 84 Offshore-Windräder mit der Produktionskapazität eines halben Großkraftwerks an die Schotten. Aber: Die Kohlelobby ist stark und selbst die Atomlobby probiert es immer wieder, die Interessen ihrer Steinzeittechnologie voran zu bringen, trotz gesellschaftlich breiter Ablehnung. Wenn sich der jetzt kursierende Entwurf des Finanzministeriums durchsetzt, wäre das meines Erachtens ziemlich fatal für die Umwelt. Nur ein Beispiel, das ich aus eigener Anschauung kenne. Da überlegt ein energieintensives Unternehmen sein bisheriges umweltfreundliches Holzhackschnitzel-BHKW, das erneuert werden müsste, nicht mehr durch ein BHKW, sondern durch ein Gaskraftwerk zu ersetzen, wenn der Eigenverbrauch besteuert wird. Das umweltfreundliche Kraftwerk würde sich dann nicht mehr rechnen. Danke, Berlin.

Russische Regierung setzt Umweltaktivisten unter Druck

17.06.2014, von

Üble Nachrichten aus Russland: die 1989 gegründete NGO „Ecodefense“ wird von der russischen Regierung jetzt als vom Ausland gesteuert eingestuft und damit faktisch der Willkür des Staatsapparats preisgegeben. Ihr „Vergehen“: Widerstand gegen den Bau eines AKW in der Nähe von Kaliningrad.

Die NGO sagt über sich selbst: Wir sind politisch nicht aktiv, dienen keinen ausländischen Interessen; unser Ziel: Umwelt und Menschen schützen.

In einer lupenreinen Demokratie à la Russland scheint das offenbar bereits zuviel zu sein – zumindest, wenn’s um Ressourcen wie Energie geht.

Ecodefense has never been involved in political activities and has never served any “foreign interests.” Our goal is to protect the environment and people and we intend to use all legal avenues at our disposal to defend our honest name in court.

via Russia cracks down on anti-nuclear movement | GreenWorld.

Fukushima mit unterirdischem Eisring?!

27.05.2014, von

Angeblich gibt’s Fortschritte bei den Aufräumungsarbeiten im zerstörten AKW Fukushima. Eines der großen Probleme ist der Austritt und die Neubildung von radioaktivem Grundwasser. Dagegen soll jetzt ein Eisring helfen.

Demnach sollen auf einer Länge von 1,5 Kilometern um die Reaktorblöcke Rohre im Boden verlegt werden, durch die eine eiskalte Flüssigkeit geleitet wird. Das auf diese Weise eingefrorene Erdreich soll dann verhindern, dass radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem Komplex austritt oder unverseuchtes Wasser aus der Umgebung hinein gelangt.

via Unterirdischer Eis-Schutzwall um havariertes AKW Fukushima genehmigt | heise online.

Klage: Fukushima-Abwasser verstrahlte US-Soldaten

08.01.2014, von

Nicht nett:

71 US-Soldaten haben Klage gegen den Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima in Japan eingereicht. Grund: Sie alle sind erkrankt – nach einem Einsatz in dem Gebiet des Pazifiks, in das Tepco zuvor radioaktiv verseuchtes Wasser eingelassen hatte.

via Erkrankte US-Soldaten verklagen Tepco | tagesschau.de.

Fukushima – zur Kasse, bitte!

11.03.2013, von

Wer eine Technik benutzt, sollte auch haften, wenn sie versagt. Genau da liegt aber das Problem bei der Kernkraft: die Schäden, die sie anrichten kann, übersteigen jedes Maß. Ohne staatliche Haftung wäre in Japan der AKW-Betreiber Tepco längst pleite. Greenpeace möchte jetzt auch die Hersteller der Kraftwerke von Fukushima Daishii zur Kasse bitten, interessante Idee:

General Electric, Hitachi and Toshiba designed, built and serviced the reactors which directly contributed to the Fukushima nuclear disaster, yet these companies have not paid one cent of the cost for the reactor failures.
The cost of the Fukushima nuclear disaster is estimated at $250 billion US dollars.

Quelle:
http://www.greenpeace.org/international/en/getinvolved/They-profit-you-pay/

Fukushima? Lächeln Sie einfach!

11.03.2013, von

Heute gedenken wir 16.000 Toten durch Beben und Tsunami vor zwei Jahren in Japan. Und 160.000 Japanern, die aus verstrahlten Gebieten flüchten mussten. Das Desaster im AKW Daishii in Fukushima ist auch Thema im Bloggerwort dieser Woche:

Was macht die Atomlobby im Umweltministerium?

10.01.2013, von

Nachfragen unerwünscht? Erst Behörde, dann Industrie, dann wieder Behörde – vor allem wenn’s um Atomenergie geht, sind solche Wechsel problematisch. Insbesondere, wenn die Details der Arbeit geheim bleiben sollen.

Der oberste Atomaufseher Gerald Hennenhöfer gilt als Inbegriff des Drehtür-Lobbyisten – was er im Ministerium macht, geht das Parlament aber nichts an, sagt die Regierung

via Atomlobbyist im Bundesumweltministerium: Nachfragen unerwünscht | Telepolis.

Bulgarischer Atomstrom – mehr davon per Volksabstimmung

03.08.2012, von

Soll noch mal einer sagen, in der EU wäre nichts los. Von wegen. Nehmen wir doch bloß mal die alleräußerste Südostecke, sagen wir: Bulgarien. Da rufen sie „Wir sind das Volk“ und wollen eine Volksabstimmung. Ja, 770.000 Stimmen hat die Opposition schon gesammelt und jetzt muss die Regierung ein Referendum einberufen. Ha, Bulgarien als die Schweiz der EU, odr? Naja, nicht ganz. In der Schweiz sammeln sie gerade Stimmen FÜR einen gesicherten Ausstieg aus der Atomenergie (120.000 haben sie schon), in Bulgarien sammeln sie Stimmen gegen den Ausstieg.

Ja, die Bulgaren sind weitsichtig. Geführt von roten Socken, äh, pardon: gewendeten Kommunisten, nein, also: von Sozialdemokraten, wie das heute heißt, wollen sie der Mitte-Rechts-Regierung abtrotzen, dass das AKW Belene fertig gebaut wird. Das schöne russisch-sozialistische Großprojekt nach all den Jahren der Planung einfach so liegen lassen, wäre doch schad drum, haben sich die roten Sock äh kommun, nein: Sozialdemokraten gesagt und Hauptsache, es geht gegen die Regierung.

Wie – Belene liegt nicht nur an der schönen blauen Donau sondern auch im schönsten Erdbebengebiet? Wie – die großen Energiekonzerne (hallo, RWE, du erinnerst dich???) sind alle wieder ausgestiegen? Aber das macht doch nichts. Brüder, zum Reaktor, zur Freiheit, haben sie sich gesagt, die roten, äh, Sozialdemokraten, und hatte Bulgarien nicht unter ihrer Regierung 2006 den Weiterbau des AKW Belene beschlossen? Jetzt also, per Volksabstimmung, ein neuer Anlauf. Dass sich in Japan gerade eine Grüne Antiatompartei gegründet hat, wen interessiert das in Bulgarien?

Frei nach Bertolt Brecht: erst der Strom, dann die Moral. Und mit schöner, großer, teurer Technik hatten’s die im Osten eh schon immer. Der Westen mit seiner Energiewende, na, die kommen doch irgendwann angekrochen, hoffen sie in Bulgarien, die roten Sock‘, äh, Kommu‘, nein: Sozialdemokraten, und kaufen unseren Strom ab, weil sie mit ihren Windrädern kläglich gescheitert sind. Dass die Grossbank HSBC mit über zehn Milliarden Euro Kosten für Belene rechnet, dass sich jeder bulgarische Steuerzahler für die Kohle, die ihn das AKW kosten wird, einen metallic-glitzernden Daimler zulegen könnte – pupsegal. Wir ham’s ja, in der EU. Und gegen Volksabstimmungen kann doch wirklich niemand was haben, odr?.

Nuclear power, hurray – und ewig strahlen die Briten

25.05.2012, von

Kennen Sie das noch? „Die Rende is‘ sischä.“ Norbert Blüm hat das mal gesagt, unser früherer Sozialminister, und ob er recht hat, werden wir erst noch sehen. So ein ähnlicher Satz könnte ganz aktuell aber auch vom britischen Energieminister Ed Davey stammen in der Variante: „Die Atomkraft is sischä,“ auf gut britisch: „Nuclear energy in Great Britain is absolutely safe.“ So jedenfalls tönte es am Mittwoch so laut und deutlich über den Ärmelkanal, dass mir schier das Sushi im Hals stecken blieb. Da hatten gerade erst im März die beiden deutschen Energiekonzerne RWE und E.On ihre AKW-Baupläne auf der britischen Insel ad acta gelegt. Und jetzt das. Als „low carbon energy“ wird die neue Kernkraftmasche im jüngsten Entwurf für die Elektrizitätsmarkt-Reform verkauft und soll auch noch per Einspeisevergütung subventioniert werden. Klimaschutz durch Kernkraft. So dreist war zuletzt Nicolas Sarkozy.

„Die Atomkraft is sischä“ sagt deshalb auch der dazu gehörige Bericht aber, nunja, die Botschaft hör‘ ich wohl, fürwahr, es fehlt der Glaube. Klar, in England wird’s vermutlich keine Tsunamis wie in Fukushima geben. Uuund? Uuuund? Genau das isses doch: Die Japaner hatten auch angenommen, sie hätten alles wohl durchdacht und die letzten Eventualitäten abgesichert. Und dann kam die – Überraschung… Aber wollen wir nicht zynisch werden und die paar gefälschten Prüfberichte beim AKW-Betreiber Tepco und das bisschen Korruption im Lande der aufgehenden Kernkraft lassen wir mal beseite.

Aber mit so einer hanebüchenen Begründung wie „Kann hier nicht passieren“ jetzt zu den altersschwachen 19 Reaktoren in Großbritannien weitere, neue AKW hinzufügen zu wollen, das ist ja fast so als würde man sich angesichts von Staatsfinanzkrisen hinstellen und behaupten: „Die Rente is‘ sischä.“

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