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Biologische Vielfalt und die Gier

06.05.2019, von

Die Briten mal wieder. Sie trotzen dem Trend: Statt gepflegt auszusterben wie der Rest der Welt setzte ihr Prinzenpaar gestern ein Söhnchen in die Welt. Glückwunsch, wir wünschen ein langes Leben. Aber zurück zum Aussterben. Das läuft ja im großen Stil, haben wir gestern vom Weltrat für biologische Vielfalt lernen können. Jede zehnte Art ist weltweit betroffen, hieß es. Also, möchte man Meghan und Harry raten: schnappt euer neues Söhnchen und besucht die Hotspots der Vielfalt solange es sie noch gibt. Die Savannen, die Regenwälder, vor allem die Korallenriffe. Denn deren Ende ist absehbar. Oder glauben Sie im Ernst, dass aus dem gestern veröffentlichten Bericht des Weltrats für biologische Vielfalt ernsthafte Konsequenzen gezogen werden?

Ich hege Zweifel, dass der Pariser Bericht außer einigen Nachfolgekonferenzen und viel Papier viel bewirkt. Sechs Szenarien haben die Wissenschaftler untersucht, wie sich jeweils die Artenvielfalt bis und nach 2050 weiter entwickeln könnte und was kam raus? Nur wenn wir rabiat umsteuern und künftig nachhaltig wirtschaften hat die Vielfalt eine Chance. 
Rabiat umsteuern also. Womöglich Automobilkonzerne verstaatlichen, was? Diese Debatte hatten wir doch grad schon und wer sich hierzulande zum Thema Gerechtigkeit und Kapitalismuskritik öffentlich auch nur drei Gedanken macht, wird von den flinken Haubitzen der neoliberalen Wirtschaftspresse sofort niederkartätscht. Dabei hat das mit Artensterben eine Menge zu tun. Riesige Mengen Kapital vagabundieren auf unseren Planeten auf der Suche nach Rendite. Hoch und kurzfristig muss sie sein. Von nachhaltig und grün steht in den selbst gesetzten Spielregeln der Superreichen nichts.

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Brasilianischer Noch-Umweltminister warnt vor neuer Politik

31.10.2018, von

Minister kündigt Fusion mit Landwirtschaft an

Es ist ein Hilfeschrei erster Güte, der da über den Atlantik kommt. Der brasilianische Noch-Umweltminister macht in ungewöhnlich deutlicher Form öffentlich klar, was die vom künftigen Präsidenten Bolsonaro geplante Fusion mit dem Landwirtschaftsministerium bedeuten würde: das faktische Ende einer – ohnehin schon schwierigen – brasilianischen Umweltpolitik. „Ressourcenschutz, nein danke“, so lautet letztlich das offene Motto Jair Bolsonaros. Insbesondere die ohnehin schon stark geschrumpften Regenwälder des Amazonasgebiets werden leiden, dazu viele wichtige Schutzgebiete in –  international nur halt weniger prominenten – Regionen wie Pantanal, Cerrado oder Mata atlantica usw.
 
Wenn Bolsonaro auch nur halb so konsequent wie Donald Trump seine Wahlkampfversprechen abarbeitet, dann gute Nacht Ökologie in Brasilien. Und viele BrasilianerInnen werden sich nicht um die Natur kümmern können weil sie in Abwehrkämpfe gegen die ebenfalls offen angekündigte Hetzjagd auf Schwule, Lesben, indigene Völker etc. und andere zu erwartende Verletzungen der Menschenrechte verstrickt sind.

Kabinetts-Blabla statt Insektenschutz

20.06.2018, von


Ein wirklich ernsthafter Plan, das Insektensterben zu beenden, müsste deutlich anders aussehen als das, was die Bundesregierung Anfang Mai als Eckpunkte vorgelegt und heute verabschiedet hat. Viel zu viele Formulierungen bleiben unkonkret und unverbindlich. Man merkt deutlich die Handschrift von Julia Glöckler, die ja  schließlich Landwirtschaftsministerin und nicht Insektenministerin ist. Da wird zwar eingeräumt, ja, wir haben ein Problem mit dem Insektenschwund, aber die Ursachen der zurückgegangenen Insektenzahlen werden dann verschwurbelt mit „Verlust und qualitative Verschlechterung von Insektenlebensräumen“ umschrieben. Im Klartext heisst das: Ausgeräumte, totgespritzte Industrieagrarlandschaft killt Insekten. Das steht aber nirgends deutlich drin und das, das hat System. Nur niemand von der eigenen Lobby verprellen, heisst offenbar das Motto.

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Heute ist Tag der Eisbären

27.02.2018, von

… und den Eisbären geht’s gar nicht gut. Der Name ist ja Programm: Eis-Bär. Diese Geschwisterart unseres Braunbären lebt nicht nur überwiegend auf Eis in der Arktis, sondern benötigt das Eis dort auch, um effizient Robben jagen zu können. Denn im Gegensatz zum überwiegend vegetarisch lebenden Braunbär sind Eisbären fast vollständig auf Fleisch angewiesen.

Wieviele Eisbären es gibt ist schwer zu ermitteln. Die Weltnaturschutzunion IUCN hält 20-26.000 Eisbären für realistisch und führt den Eisbär auf der Roten Liste als „gefährdet“. Denn Grund nennt die IUCN auch: die schrumpfenden Eismassen der Arktis. Je weniger Eis, desto weniger Jagdmöglichkeiten für die bis zu 700 Kilo schweren Tiere.

Dabei sind Eisbären durchaus Spezialisten im Fasten und können an Land viele Monate von ihren Fettreserven leben. Irgendwann müssen die Reserven aber wieder aufgefüllt werden können und das wird immer schwieriger. Die Prognose sieht nicht gut aus für die Eisbären: Ihre Zahl wird in den nächsten Jahren wohl um ein Drittel bis die Hälfte sinken.

Dabei gab es zwischenzeitlich gute Nachrichten: Bis vor einigen Jahrzehnten führte intensive Bejagung zu rückgehenden Eisbärenzahlen, die daraufhin erlassenen Jagdbeschränkungen in einigen Anrainerstaaten der Arktis hatten aber Erfolg und einige der 19 Unterpopulationen des Eisbärs konnten sich regional gut erholen.

Doch jetzt schlägt der Klimawandel durch, nicht nur beim Jagdangebot. Forscher rechnen wegen der Klimaerwärmung auch mit neuen Krankheiten und Parasiten. Und: Weil ohne begehbares Eis der genetische Austausch untereinander schlechter funktioniert kommt es zu genetischer Verarmung, was die Eisbärpopulation weiter schwächt.

Aktion Samentüte: Rettet die Bienen!

11.04.2016, von

Eine wundervolle Aktion der KollegInnen von „Kaffee oder Tee“, der nachmittäglichen Servicesendung im SWR-Fernsehen: Alle Hobbygärtner im Südwesten können sich in einem Raiffeisen-Markt kostenlos eine Tüte mit bienenfreundlicher Saatgutmischung abholen. Darin enthalten sind klassische Blumensorten wie Kornblume oder Klatschmohn, aber auch unbekanntere Arten wie Natternkopf oder Buchweizen. Den viele der üblichen hübschen Zierpflanzen sind für unsere heimischen Bienen wenig nahrhaft.

Wer keine Samentüte mehr bekommt, kann sich eine zuschicken lassen. Mehr Infos hier:

https://www.swr.de/kaffee-oder-tee/bienen-retten/-/id=2728760/did=17046982/nid=2728760/19k1b2h/index.html#Karte

Tiger und Huskys in Hunsrücker Tierpark – ist das ok?

16.06.2015, von

Keine leichte Aufgabe, die wir uns von der SWR-Umwelt- und Natursendung „natürlich!“ dieser Tage gestellt haben. Da ist ein neuer „Tiererlebnispark“ im Hunsrück, hält Huskys, Tiger und Papageien. Und wirbt auch noch damit, dass das tiergerecht sein soll. Geht das? Wir waren einen Tag vor Ort, haben eine Verhaltensbiologin befragt, die sich den Tiererlebnispark angeschaut hat.  Das Ergebnis: Soweit wir das beurteilen können ist der Park in Bell für viele Tiere eine echte Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. Denn die allermeisten Tiere stammen aus dem Tierschutz. Und Spaß kann es auch noch machen, das spielerische Bewegungstraining von Tiger und Co. mit anzuschauen. Ich meine: Wilde Tiere gehören in die Freiheit, keine Frage. Aber wenn sie schon da sind, hierzulande, dann doch bitte so wie in Bell als dröge hinter Gittern in kleinen Käfigen. Zumal bei den Vorführungen auch Natur- und Artenschutzthemen mit angesprochen werden. Das Video: hier.

Haie besser geschützt – zumindest auf dem Papier

10.11.2014, von

Haie, Eisbären und manche Zugvögel profitieren von den jüngsten Beschlüssen der UN-Konferenz zum Schutz wanderernder Tierarten, die am Wochenende in Ecuador zu Ende ging. 100 Millionen Haie werden jährlich gefangen, ihre Bestände sind um 80 Prozent gesunken in den letzten zehn Jahren.

The International Fund for Animal Welfare (IFAW) www.ifaw.org is thrilled to announce that sharks, mantas and devil rays will receive increased protections

Mit der Aufnahme von 21 Hai, Rochen- und Sägefischarten neu in die Konvention zur Erhaltung wanderernder wildlebener Tierarten hätten die Haie jetzt etwas bessere Chancen zu Überleben, freuen sich Artenschützer. Wermuthstropfen: es gab wieder keinen Beschluss der Konferenz, endlich mal ein Verfahren auszuarbeiten, um eine Missachtung der Konvention zu sanktionieren. Derzeit bietet die Konvention also faktisch nur Papiertiger-Schutz. Besser als nichts aber extrem unbefriedigend für den Artenschutz.

Pikant finde ich übrigens in diesem Zusammenhang, dass einige deutsche Bundesländer den Abschuss von Zugvögeln wie Bläss- und Saatgänsen erlauben. Wobei mich schon interessieren würde, welcher Jäger unter realen Bedingungen Graugänse, Blässgänse und Saatgänse unterscheiden kann. Eigentlich sollten russische Umweltschützer mal in Deutschland gegen diese Praxis protestieren. Wir tun’s ja  – mit Recht – auch im Fall von Malta und Zypern, wo „unsere“ Singvögel zu Tausenden getötet werden.

via World leaders deliver big wins for sharks, mantas and devil rays at CMS CoP 11 | IFAW – International Fund for Animal Welfare.

Mehr Artenvielfalt nach Bonn

09.07.2014, von

Gute Idee, der Weltbiodiversitätsrat. Nur: Werden den Vorschlägen auch Umsetzungen folgen? Zweifel sind angebracht.

Am Uno-Standort Bonn ist eine weitere internationale Einrichtung angesiedelt worden. Wie das Bundesumweltministerium in Berlin mitteilte, wurde das Sekretariat des Weltbiodiversitätsrats IPBES am Dienstag eröffnet. Nach dem Vorbild des Weltklimarats IPCC dient der Biodiversitätsrat der wissenschaftlichen Politikberatung, in diesem Fall aber zum Thema biologische Vielfalt. Er soll der Politik Handlungsoptionen zum Schutz und zur Nutzung der Biodiversität aufzeigen.

via Weltbiodiversitätsrats IPBES der Uno: Sekretariat in Bonn eröffnet – SPIEGEL ONLINE.

Neue Jagdregeln in Baden-Württemberg – „natürlich!“

15.05.2014, von

Das neue Jagd- und Wildtiermanagement-Gesetz in Baden-Württemberg ist strittig. Zwischen Naturschützern, Jägern und Regierung. Wir haben einige Knackpunkte rausgegriffen und diese Woche bei natürlich! zum Thema gemacht. Hier die Sendung zum nachschauen: http://swrmediathek.de/player.htm?show=0657ab20-daa3-11e3-a953-0026b975f2e6

Immer weniger schwimmende Schillerlocken

12.05.2014, von

Fast ein Drittel aller 1700 untersuchten Fisch- und anderer Meerestierarten sind gefährdet und stehen deshalb auf der neuen Roten Liste des Bundesamts für Naturschutz. Darunter sind auch Fische wie der Dornhai (aus dessen Flossen Bauchlappen leider immer noch die sogenannten Schillerlocken hergestellt werden).

„Die Situation der Knorpelfische wie Dornhai und Glattrochen ist kritisch und hat sich weiter verschärft“, so BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Eine Hauptursache für deren Rückgang sei die nach wie vor viel zu hohe Fischereiintensität mit Grundschleppnetzen, die selbst in den Meeresschutzgebieten weitgehend unreguliert stattfindet.

Möglicherweise ist der Zustand der Tierwelt in den Meeren aber sogar noch deutlich schlechter, weil den Experten nur unzureichende Informationen zur Verfügung stehen. Nicht schön.

via BfN: BfN stellt neue Rote Liste der Meeresorganismen vor.

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