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Schmähpreis für versifften Regenwald

24.01.2015, von

Künftig wird das Weltwirtschaftsforum in Davos um eine – um DIE – kritische Stimme ärmer sein. Noch ein letztes Mal gab’s heuer einen Schmähpreis für die übelsten Konzernpraktiken der Welt. Der Ölkonzern Chevron ist für die Ölverseuchung des südamerikanischen Regenwaldes mit dem Public Eye Livetime Award ausgezeichnet worden. Die Umweltorganisationen Greenpeace und Erklärung von Bern hatten die Public Eye Awards die letzten Jahre immer an wirklich ausgesucht umweltschädlich wirkende Konzerne und Banken wie Gazprom oder Goldman Sachs verliehen bzw. übers Internet wählen lassen. Schade, eine Plattform weniger, auf der die Hintergründe globaler Umweltvernichtung pointiert beleuchtet wurden.

Ostalpen: Temperaturrekord für November

29.11.2014, von

Passend zur UN-Klimakonferenz in Peru:

Um 3,8 °C war der November 2014 in Österreich wärmer als das Mittel 1981-2010. Diese hohe Abweichung macht diesen November zum wärmsten der 248-jährigen Temperaturmessgeschichte Österreichs.

via Wärmster November seit Messbeginn — ZAMG.

Gesucht, gefunden: Das übelste Unternehmen der Welt 2012

21.01.2012, von

Wer wird in diesem Jahr der Sieger bei den Public Eye Awards? Auf deutsch: Welches ist das übelste Unternehmen der Welt 2012? Noch ein paar Tage läuft im Netz die Abstimmung und wer seinen Klick auf der Seite publiceye.ch machen will, der hat dieses Jahr wieder die Qual der Wahl. Die Public Eye Awards verstehen sich als Gegenpol zum Weltwirtschaftsforum in Davos.

Nicht, dass sich die über 2.000 Wirtschaftsbosse und Spitzenpolitiker dort in den nächsten Tagen keine Gedanken über Nachhaltigkeit, Umweltschutz und die Lebensbedingungen arbeitender Menschen machen würden. Nur: bei allen guten Absichten: Zwischen der Lebenswirklichkeit jettender Vorstände und dem, was an der Basis passiert, da liegen Welten. Auf Twitter spötteln deshalb die Macher der Public Eye Awards:

So ein bisschen dagegen sein is ja schick, aber bitte doch nicht so, dass die Betroffenen was merken.

Die Betroffenen kommen dafür bei Youtube zu Wort und von den sechs Videoclips zu den sechs Kandidaten sind mir vor allem zwei nachgegangen, vor allem der zu Samsung. Südkoreas reichster Mischkonzern mit 172 Milliarden US-Dollar Umsatz setze teils verbotene hochgiftige Stoffe bei der Produktion seiner Hightech-Geräte ein, so der Vorwurf. Mindestens 50 junge Arbeiter seien deshalb an Krebs gestorben, 140 erkrankt. Han Hye-Kyoung ist 33 und hat einen Hirntumor.

Ich bin krank geworden von der Arbeit in der Elektronikfabrik von Samsung,

sagt eine sichtlich von Krankheit gezeichnete Frau. Sie erzählt:

Samsung sagt, meine Krankheit hat nichts mit der Fabrik zu tun. Aber andere Arbeiter sind auch krank geworden bei Samsung.

Nicht weniger manipulativ gedreht, nur in ganz anderer Machart ist der Film zum Kandidat Freeport, der  weltgrößte Gold- und Kupferminen auf West-Papua. Hier kontrastieren Luftaufnahmen gigantischer Löcher im Erdboden mit nüchternen Worten. Seit Jahrzehnten belastet der US-Konzern die Umwelt auf der Tropeninsel mit Giftschlämmen und das indonesische Menschenrechtskomittee wirft ihm etwa Todesdrohungen gegen Gewerkschafter vor.  

 Auch die britische Bank Barclays bekommt ihr Fett ab, sie wird als hungertreibender Nahrungsmittelspekulant angeprangert, auch der Schweizer Chemiekonzern Syngenta bekommt vorgeworfen, in Drittweltstaaten sein Herbizid Paraquat zu verkaufen, das bei uns aus guten Gründen verboten ist. Derzeit bei der Abstimmung auf Platz Zwei: Der brasilianische Vale-Konzern, der den ökologisch wie sozial verheerenden Belo Monte Staudamm im Amazonasbecken mit baut. In seiner öffentlichen Antwort auf die Nominierung sieht sich Vale völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt. Und verweist auf seinen dicken Nachhaltigkeitsbericht, in dem alles drin steht. Immerhin: der Konzern hat reagiert, das haben nicht alle:

 Wir haben fünf Antworten erhalten. Nur Tepco ignoriert uns,

schreiben die Macher der Public Eye Awards in ihrem Twitterkanal @PEAwards. Und fragen nach den Gründen des Schweigens:

Ist es ihnen peinlich? Oder sind sie pleite?

Naja, ehrlich gesagt: Hätten Sie vom Betreiber des Katastrophen-AKW Fukushima Tepco nach der Vorgeschichte etwas anderes erwartet als Schweigen? Bis 26. Januar läuft die Abstimmung im Netz noch, dann werden Greenpeace Schweiz und die Erklärung von Bern, eine Schweizer NGO, das Ergebnis feststellen. Also ich setze auf Tepco, den Favoriten.

———-Nachtrag:

Ok, es war dann doch nicht Tepco. Vale hat gewonnen, aber knapp. Und Barclays für ihre Spekulation auf Nahrungsmittel. Was folgern wir daraus? Ureinwohner vertreiben und Leute hungern lassen ist schlimmer als eine radioaktive Verseuchung? Mh. Ist statistisch eh nicht signifikant, das Ergebnis. Meine Zusammenfassung hier: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/publiceye100.html

Schweiz: Gewässer vergiften wird künftig schwerer

09.11.2011, von

Je näher intensiv bewirtschaftete Äcker und Wiesen an Gewässer heran reichen, umso größer ist die Gefahr einer Verschmutzung. Muss ja nicht mal Absicht sein, wenn die Gülle beim nächsten Regen in den wenige Meter entfernten Bach geschwemmt wird. Die Folgen: verseuchtes Grundwasser im großen Maßstab, in ganz Mitteleuropa ein Thema. Die Schweiz ändert jetzt ihre Gewässerschutzverordnung und bis Ende 2018 müssen alle Kantone einen sogenannten Gewässerraum „ausscheiden“, sprich: die direkte Umgebung der Gewässer soll vor Verschmutzung geschützt werden.

Ist der Raum einmal ausgeschieden – es handelt sich total um 20’000 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche–, darf dieser nur noch extensiv bewirtschaftet werden.

Klar, es wird Klagen geben, wenn manche  Bauern nicht mehr so produzieren dürfen wie gewohnt. Letztlich sind derartige Möglichkeiten der Vorbeugung aber der einzige Weg, um auf Dauer wieder sauberes Wasser zu erhalten. Nur mit „guter fachlicher Praxis“ schaffen das die Landwirte nicht, da reicht ein Blick auf die viel zu hohe Nitrat und teilweise auch Pestizidbelastung des Grundwassers einschlägiger Agrargebiete.

via Gewässerraum ist anfechtbar – schweizerbauer.ch.

Hohe Berge, wenig Taten: 20 Jahre Alpenkonvention

07.11.2011, von

Schutz des Alpenraums und nachhaltige Entwicklung sind Ziel der vor zwanzig Jahren unterschriebenen Alpenkonvention. Alle acht Alpenstaaten plus EU sind beteiligt. Und was ist bisher passiert, konkret? Mh,  für 20 Jahre Arbeit hat sich eher wenig bewegt. Drei Berichte, ja, und auch politisch gab’s immer wieder mal Verweise auf die Konvention, weil die bisher den ungehemmten Autobahnbau zur Alpenquerung zumindest auf dem Papier gebremst hat. Aber sonst – so richtig haut mich das alles nicht vom Hocker. Die unabhängige Alpenschutzkonvention fordert daher durchaus zu Recht:

Mit Umsetzungsprojekten vor Ort sollen die Alpenstaaten der Alpenkonvention ein Gesicht geben, damit sie für die Bevölkerung sichtbar und nutzbar wird.

Bleibt noch die Frage, warum etwa die Schweiz wie auch die EU diverse Protokolle der Konvention zwar unterzeichnet, aber nie ratifiziert hat.

via 20 Jahre Alpenkonvention: Die CIPRA zieht eine gemischte Bilanz — CIPRA.

Abschalten? Nein, danke! Atomausstieg auf Schweizer Art

13.06.2011, von

Er läuft und läuft und läuft – der älteste noch laufende Druckwasserreaktor der Welt steht in der Schweiz. Und er könnte dort noch lange Strom produzieren, der dann in den Pumpspeicherwerken der Alpen veredelt wird. Denn die Schweiz hat zwar jüngst beschlossen, keine neuen Reaktoren mehr zu bauen. Aber wann die alten AKW abgeschaltet werden sollen, darüber gibt es keine Festlegung. Es gibt wohl nicht mal jemanden, der das beschließen darf, moniert die Schweizer Wochenzeitung:

Keine neuen AKWs mehr bauen ist gut. Die bestehenden aber fünfzig, sechzig oder mehr Jahre am Netz zu lassen, nur weil niemand legitimiert ist, sie abzuschalten – das ist grauslich. Da hilft nur die Atomausstiegs­initiative, die im Mai lanciert wurde und fordert, dass alle Reaktoren spätestens nach 45 Betriebsjahren abgeschaltet werden.

via Ein Nichtwiedereinstieg ist noch kein Ausstieg: Zur Atomdebatte im Nationalrat WOZ, Schweiz.

Wo sind all die Alpenblumen hin, wo sind sie geblieben?

12.05.2011, von


Die bunten Almwiesen werden in den Alpen immer seltener. Überdüngung und skipistentauglicher Grasbesatz führen zu Monotonie auf der Alm. Die Schweizer NGO Pro Natura zeigt in einem wunderbar eindrucksvollen und deshalb leider ziemlich deprimierenden  Foto-Vergleich den Unterschied.

Dazu stellt sie Postkarten und Fotos aus den Jahren 1970-1990 aktuellen Vergleichsfotos von 2010 gegenüber. Der Fotovergleich zeigt deutlich: Wo früher bunte, artenreiche Blumenwiesen blühten, beherrschen heute ein paar wenige anpassungsfähige Generalisten den Lebensraum.

via Wo sind unsere Blumen? | Naturschutz.ch.

Bambi-Vignette ab 2012 kommt Smart-Fahrer teurer

01.04.2011, von

Wer ein kleines Auto fährt, muss für die ab 1. Januar 2012 kommende Bambi-Vignette in den Alpenländern tiefer in die Tasche greifen als Fahrer von größeren Autos. Zwanzig statt sonst zehn Euro jährlich werden fällig, erklärte heute Ulrich Aurel von der Initiative Ökologisches Kontinuum.

„Statistiken haben gezeigt, dass die Kollision mit grösseren Fahrzeugen schneller und schmerzfreier zum Exitus des Tieres führt“ erklärt Aurel. „Naturverträgliche Mobilität wollen wir daher belohnen.“

Das Geld wird für die Finanzierung von Grünbrücken eingesetzt. Im Preis der Vignette ist dann die Nutzung von Grünbrücken in der Freizeit mit inbegriffen.

viaBambi-Vignette kommt 2012 — CIPRA.

Mehr Züge, weniger Lärm am Rhein

17.10.2010, von

Zug im Rheintal - Copyright Axel Weiss
Stell‘ Dir vor, der Gotthard-Basistunnel ist fertig, aber kaum ein Zug fährt durch. Das könnte passieren. Denn wenn die Deutsche Bahn gedacht hatte, mit dem Widerstand der Rheintalbewohner gegen neue Güterzugbahnstrecken schnell fertig zu werden, kann sie sich das angesichts von Stuttgart21 knicken. Zigtausende Einwendungen sprechen eine eindeutige Sprache. Dann aber wird der Gotthard-Tunnel nicht das leisten können, wozu er gebaut wurde: Verkehrsentlastung. Weil die Verkehrsanbindung in Deutschland nicht so leistungsfähig ist wie nötig. Und der Lärm im Rheintal nimmt weiter zu.

Wird Stuttgart21 realisiert, dürfte nach derzeitigen Berechnungen das Geld aus dem Bundesverkehrswegeplan nicht auch noch für lärmgeminderte Neubaustrecken Richtung Schweiz reichen. Für die Umwelt bedeutet die derzeitige Entwicklung also nichts Gutes: noch mehr Verlagerung von Gütern auf die Straße. Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Hendrik Hering hat daher Recht mit seiner Forderung:

„Der Bund kann sich nicht weiter mit dem Argument herausreden, dass zunächst einmal abgewartet werden müsse, inwieweit die Kapazität der vorhandenen Rheintalstrecken noch ausreiche.“

Bereits jetzt sei abzusehen, so der Minister weiter, dass diese Kapazität auf den bereits hoch ausgelasteten Strecken am Fluss weitgehend ausgereizt sei. Gerade das Mittelrheintal ist schwer lärmbelastet, aber auch weiter südlich sind die derzeitigen Bahnplanungen für viele Anwohner eine Zumutung. Aus ökologischen Gründen ist ein Ausbau aber sinnvoll. Eine Neubaustrecke soll her, fordert Hering –  find‘ ich gut. Die Finanzierung? Ein Verzicht auf Stuttgart21 in seiner derzeitigen Planung könnte da einiges beisteuern.

Quelle: Mainz: Hering hält neue Güterzugstrecke für unumgänglich – Nachrichten :: Rheinland-Pfalz | SWR.de.

Indus wieder ins alte Flussbett?

12.09.2010, von

Die Flut in Pakistan betrifft immer noch Millionen Menschen. Und es könnte sich offenbar ein neuer Flußarm des Indus ausbilden:

Steigt das Wasser noch einen halben Meter, fließt der Manchhar-See in den Indus und vervollständigt den neuen Flussarm. Dadurch wäre mit dem Indus-Highway eine der wichtigsten Schnellstraßen der Region unterbrochen, vier Städte hätten plötzlich keine Landverbindung mehr zum Rest Pakistans. Neu ist dieser Zustand nicht, im Gegenteil, eine solche Insel gab es im Indusgebiet noch in historischer Zeit. Geowissenschaftler vermuten auf der Basis von Landschaftsformen und historischen Aufzeichnungen, dass der neue Flussarm einem alten Flussbett folgt, in dem der nördliche Arm des Indus etwa 300 vor Christus floss.

Wenn uns Vergleichbares im Rheintal passieren würde – weia. Das alte Neckarbett läuft nämlich direkt entlang der Bergstraße, Mündung erst bei Trebur, kurz vor Mainz, in den Rhein. Und der Rhein selbst mäanderte bis zur Begradigung im 19. Jahrhundert heftigst. Aber zum Glück sind die Alpen nicht so mächtig wie der Himalaya, deshalb werden uns derartige Unglücke eher nicht so schnell drohen. Hier bei dieser Gelegenheit noch mal ein Spendenkonto, das ich für seriös halte, für ein nordindisches Projekt im Ladakh. Oder bei tagesschau.de, die Menschen haben es nötig.

Quelle: Der Indus sucht sich sein neues, altes Bett | Fischblog.

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