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RWE: Starkes Signal gegen Klimaschutz

14.09.2018, von

Es gibt Fälle, da muss man gut unterscheiden zwischen Im Recht sein und Recht haben. Und die Vorgänge um die Rodungen im Hambacher Forst sind genau so ein Fall. Rein formaljuristisch scheint alles korrekt zu laufen. Für die lange geplante Erweiterung des Braunkohltagebaus müssen zahlreiche Bäume weichen und dafür liegen dem Energieversorger RWE alle erforderlichen Genehmigungen der zuständigen Behörden vor. Im Gegensatz dazu sind die seit fünf Jahren errichteten Baumhütten der Braunkohlegegner – natürlich – nicht genehmigt. Rein formal steht und stand damit einer Räumung der Widerständler samt anschließender großflächiger Rodung des Waldes nichts im Wege.

Aber ich finde, sehr viel zynischer kann ein Konzern seine noch vorhandene Macht kaum ausspielen als es die RWE zum jetzigen Zeitpunkt tut, in dem sie auf ihr formaljuristisches Recht pocht. Zumal einige Waldbewohner deutlich gemacht haben, dass sie gegen den Räumungsbefehl gerichtlich Widerspruch eingelegt haben. Es geht ja mitnichten darum, dass die Schaufeln im wohl größten Braunkohltagebaubetrieb der Welt in Kürze stillstehen und Kraftwerke morgen abgeschaltet werden müssten. „RWE: Starkes Signal gegen Klimaschutz“ weiterlesen →

Ganz normaler Weizen-Wahnsinn

28.05.2018, von

Afrika erhielt 2016 ein Viertel aller deutschen Weizenexporte. Nein, leider kein Beitrag gegen Hunger und Not, im Gegenteil: billige Konkurrenz, die heimische Firmen vor Ort bedroht. Unsere subventionierte Landwirtschaft sorgt letztlich im Süden für mehr Elend, ein Trauerspiel mit System. Sehr sehr anschaulich hat das Katharina Schickling in ihrem Film „Der Wahnsinn mit dem Weizen“ geschildert, eine wirklich sehenswerte Doku, die derzeit in der ZDF-Mediathek zu sehen ist.

Heute ist Tag der Eisbären

27.02.2018, von

Und den Eisbären geht’s gar nicht gut. Der Name ist ja Programm: Eis-Bär. Diese Geschwisterart unseres Braunbären lebt nicht nur überwiegend auf Eis in der Arktis, sondern benötigt das Eis dort auch, um effizient Robben jagen zu können. Denn im Gegensatz zum überwiegend vegetarisch lebenden Braunbär sind Eisbären fast vollständig auf Fleisch angewiesen.

Wieviele Eisbären es gibt ist schwer zu ermitteln. Die Weltnaturschutzunion IUCN hält 20-26.000 Eisbären für realistisch und führt den Eisbär auf der Roten Liste als „gefährdet“. Denn Grund nennt die IUCN auch: die schrumpfenden Eismassen der Arktis. Je weniger Eis, desto weniger Jagdmöglichkeiten für die bis zu 700 Kilo schweren Tiere.

Dabei sind Eisbären durchaus Spezialisten im Fasten und können an Land viele Monate von ihren Fettreserven leben. Irgendwann müssen die Reserven aber wieder aufgefüllt werden können und das wird immer schwieriger. Die Prognose sieht nicht gut aus für die Eisbären: Ihre Zahl wird in den nächsten Jahren wohl um ein Drittel bis die Hälfte sinken.

Dabei gab es zwischenzeitlich gute Nachrichten: Bis vor einigen Jahrzehnten führte intensive Bejagung zu rückgehenden Eisbärenzahlen, die daraufhin erlassenen Jagdbeschränkungen in einigen Anrainerstaaten der Arktis hatten aber Erfolg und einige der 19 Unterpopulationen des Eisbärs konnten sich regional gut erholen.

Doch jetzt schlägt der Klimawandel durch, nicht nur beim Jagdangebot. Forscher rechnen wegen der Klimaerwärmung auch mit neuen Krankheiten und Parasiten. Und: Weil ohne begehbares Eis der genetische Austausch untereinander schlechter funktioniert kommt es zu genetischer Verarmung, was die Eisbärpopulation weiter schwächt.

Tag des Vogels: Vogelzahl mehr als halbiert

05.01.2018, von

Weniger Insekten, weniger Vögel, Europas Agrarwüsten lassen sich beziffern:

Insgesamt ist die Zahl der Vogel-Brutpaare in den landwirtschaftlichen Gebieten in der EU zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen, was einem Verlust von 57 Prozent entspricht.

Für Deutschland heisst das beispielsweise: ein Drittel weniger Feldlerchen, vier Fünftel weniger Kiebitze und Rebhühner, zwei Drittel weniger Braunkehlchen. Besserung: nicht in Sicht. Soviel an Daten aus dem Vorjahr anlässlich des heutigen National Bird Day (Tag des Vogels, der in den USA vielleicht ja eher ein Anlass zum Feiern als bei uns ist).

Ein schönes Neues Jahr noch! Und statt einer Agrarwüste möge der Anblick eines schnee- und artenreichen Tals im Westerwald erfreuen (Foto).

Archiv-Quelle: Ornithologie: Immer weniger Vögel in Europa

Braunkohle und Massenmord

18.11.2017, von

Für ein Bekenntnis zum konkreten (!) Ausstieg aus der Braunkohleverstromung hat’s unserer Kanzlerin bei der Weltklimakonferenz letzte Woche nicht gereicht. Auch nicht zur Allianz für den Kohleausstieg, das überlassen wir Briten und Franzosen usw.. Dabei stehen wir im Klimaranking eh schon nicht besonders da. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht erreichen wir unsere versprochenen Klimaziele also weder bis 2020 noch bis 2050. Und das ist nicht witzig. In der Summe haben jeder Liter Sprit, den wir rausblasen, jeder Liter verflogenes Kerosin, jeder verstromte Brocken Braunkohle mörderische Folgen. Das könnte man im Grunde auch „Massenmord mit weißem Kragen“ nennen, mit Dürreopfern in Afrika und Überschwemmungsleichen in Asien. Und bitte nicht wundern, wenn noch mehr Klimaflüchtige zu uns nach Europa kommen.

Soweit, so seit Jahren bekannt.

Dabei wissen wir wie es gehen könnte. Die Deutsche Energie-Agentur dena zeigt mögliche Richtungen an: Integrierte Energiewende steht auf der Tagesordnung ihres am Montag, 16.11.2017, beginnenden Kongresses und das heißt zunächst einmal eigentlich Selbstverständliches: die Energiewende betrifft nicht nur Energieversorgung, sondern auch Mobilität, Gebäude und Industrieproduktion. „Braunkohle und Massenmord“ weiterlesen →

Sternstunde: Horst Stern wird 95

24.10.2017, von

Er war als Umweltjournalist nicht nur einer der ersten, sondern bis heute einer der besten. Präzise, verständlich, engagiert und unbequem. Zu seinem 90-sten Geburtstag vor fünf Jahren haben wir ihm und seinem Wirken einen kurzen Film gewidmet. Horst Stern hat sich schon seit Jahren zurück gezogen. Wie schade, dass dieser wundervolle Ex-SDR-Kollege in seiner letzten Lebensphase offenbar seine Lebensleistung nicht als das annehmen kann was sie ist: großartig. Sein Leben in Kurzfassung: bei „Spiegel-online“ wird heute sein 95-ster gewürdigt

Abstieg in die Unterwelt

07.09.2017, von

Nahezu unberührte Natur gibt’s bei uns im Südwesten quasi nicht mehr – außer unter der Erde. Für unsere Sendung „natürlich!“ bin ich dieser Tage in einen dieser naturnahen Flecken abgestiegen. Über knapp 30 Meter Leiter ging’s hinab in die Vetterhöhle bei Blaubeuren. Danach teils auf dem Bauch zwischen und unter Felsbrocken durch enge, lehmige Verstürze – das muss man mögen. 😉

Geführt hinein und sicher wieder hinaus begleitet haben uns die wunderbaren Petra und Markus Boldt vom Höhlenverein Blaubeuren.

Für mich und die mutigen Kamerakollegen von AV Medien war’s eine nachhaltige Erfahrung, tief unter der Erde mit den Naturkräften konfrontiert zu sein, die dort sichtbar gewirkt und gewütet haben, gigantische Trümmerwüsten unter Tage hinterlassend. 

Wirklich beeindruckend, diese Welt unter unseren Füßen, von der wir im Normalfall wenig mitkriegen. Mehr: 26.9., 18.15 Uhr bei „natürlich!“, SWR-Fernsehen, ab da auch in der Mediathek (einfach bei Google „SWR“ und „natürlich!“ eingeben).

Plastik vergiftet auch Nord- und Ostsee

27.07.2017, von

Ja, der große Strudel voller Plastikteile kreist in den südlichen Meeren. Aber was das Umweltbundesamt über Nord- und Ostsee schreibt ist auch bedenklich:

Auch in den heimischen Meeren ist die Belastung besorgniserregend. In der Nordsee haben bspw. 96 Prozent der tot gestrandeten Eissturmvögel Plastikteile in ihren Mägen, im Durchschnitt 25 Stück. Circa 98 Prozent der Nester in der Basstölpelkolonie auf Helgoland enthalten Kunststoffe, die Sterblichkeit erwachsener Vögel hat sich dadurch um das 2-5fache erhöht. Bei einem Pilotmonitoring von Plastikpartikeln in den Magen-und Darmtrakten von 258 im Freiwasser und 132 am Meeresboden lebenden Fischen in Nord- und Ostsee wurden in 69% der untersuchten Fischproben Mikroplastik nachgewiesen (untersuchte Arten waren Heringe, Sprotten, Fludern, Klieschen und Schollen).

Nicht schön.  Quelle: UBA

G20: zu wenig Klimaschutz

10.07.2017, von

Sagen wir mal so: Es hätte noch schlimmer kommen können. Immerhin: es gibt eine gemeinsame Gipfelerklärung, der Klimaschutz hat es ins Abschluss-Kommuniqué der G20 geschafft und alle wollen den Ausstoß von Treibhausgasen senken. Dass sich US-Präsident Trump und Russlands Putin ausgerechnet zu der Zeit trafen, als die anderen über Klimaschutz debattierten, darf man ruhig symbolisch werten, denn 19 der G20 kamen ja nicht umhin „zur Kenntnis zu nehmen“, wie das so schön heißt, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen will.Kein Verzicht auf fossile Brennstoffe bis 2050.

Nun gut, das ist nicht wirklich neu, umso erfreulicher, dass die G19 genau dieses Abkommen für „unumkehrbar“ halten und zügig umsetzen wollen. So haben sie’s in Hamburg beschlossen. Die Freude über soviel Entschlossenheit zum Klimaschutz trübt sich freilich gleich wieder ein wenig, weil die USA künftig anderen dabei helfen dürfen, fossile Brennstoffe, so die Formulierung, „sauberer und wirksamer zu nutzen“. Nix also mit dem kompletten Verzicht auf Kohle, Öl und Gas bis 2050. 

Gut, es wäre auch naiv anzunehmen, dass Staaten wie Saudi-Arabien, Indien oder Russland, die derzeit noch massiv an fossilen Rohstoffen hängen, sich vor den Decarbonisierungs-Karren der Klimaschützer spannen lassen. 2,3 Billionen Dollar verdienen die G20 derzeit jährlich laut Weltbank mit dreckiger Energie. Da können wir fast schon froh sein, dass sie überhaupt die Pariser Klimaziele mittragen. Aber Gebühren für den Ausstoß von Kohlendioxid – das durften in den Vorbereitungsrunden des Gipfels Wissenschaftler und Umweltschützer zwar debattieren, doch dabei blieb es dann auch.

Geld scheffeln mit fossilen Energien

Wenn man sich dazu deutlich macht, dass laut Internationalem Währungsfonds die fossilen Energien weltweit jährlich mit 4,8 Billionen Dollar subventioniert werden, weil die durch sie entstandenen Schäden an Umwelt und Gesundheit von der Allgemeinheit getragen werden, wenn man sich dann noch mal klar macht, dass die G20 vier Prozent ihrer Wirtschaftsleistung mit dreckigen Energien erzeugen, dann wird deutlich, warum es so unglaublich zäh ist, von der Droge Fossil-Energie wegzukommen. Damit wird einfach immer noch viel zu viel Geld verdient. 
Bleiben wir also bescheiden und sagen: der Hamburger G20-Gipfel war im Rahmen der Möglichkeiten ein kleiner Erfolg. Denn trotz Trump halten die anderen 19 an den Pariser Klimazielen fest. Deren dringend notwendiger Umsetzung sind sie damit allerdings noch keinen Millimeter näher gekommen, im Gegenteil: Der beschlossene freie Handel – ohne knallharte ökologische und soziale Spielregeln – beißt sich in der Praxis oft mit dem Klimaschutz.

Deutschland raus aus der Kohle

Immerhin haben die G20 einen Klima- und Energie-Aktionsplan beschlossen. Entwicklungshilfe und Investitionen in Infrastruktur sollen sich am Klimaschutz orientieren, Investoren ihre Klimastrategien offenlegen. Auch die Bedeutung der langfristigen Klimaschutzstrategien, die bis 2020 vorliegen sollen, wurde betont. Das klingt gut, klingt konkret, hoffentlich schwingt sich dann auch unsere Bundesregierung endlich dazu auf, den sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle zu schaffen. Der ist nämlich überfällig. 
Der türkische Präsident Erdogan will übrigens das Pariser Abkommen nur ratifizieren, verkündete er nach dem Gipfel, wenn die Türkei nicht als Industriestaat eingestuft wird, sprich: er will mehr Geld. Hoffen wir mal, dass so ein „Mimimi“ nicht generell der neue G19-Geist von Hamburg ist, denn dann gute Nacht Weltklima.

Lesenswert finde ich übrigens in Sachen G20 die Kommentare von Sonnenseite und die Einschätzung von German Watch

Dreißig Jahre länger Hautkrebsrisiko?!

30.06.2017, von

Da haben wir uns wohl zu früh gefreut. „Ozonloch bis Mitte des Jahrhunderts wieder geschlossen“, so lautete vor wenigen Jahren eine erfreuliche Schlagzeile. Doch es könnte schlicht doppelt so lange dauern bis das in jedem Frühjahr auftretende Phänomen eines massiven Ozonmangels in der Atmosphäre über der Südhalbkugel nicht mehr auftritt. Eine neue britisch-amerikanische Studie spricht jetzt von 2080.  
Unsere Atmosphäre, das ist viel Stickstoff, etwas Sauerstoff und Kohlendioxid, dazu ein paar Spurengase, fertig. So haben wir das mal gelernt, das ist auch nicht falsch, aber wie meistens ist die Wirklichkeit enorm viel komplizierter. Das haben die Atmosphärenforscher gerade mal wieder erfahren müssen. Denn neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass mehr Stoffe in der Atmosphäre eine ernst zu nehmende Rolle spielen als bisher angenommen. Dichlormethan zum Beispiel, ein beliebtes Lösungsmittel aus dem Umfeld von Tetrachlorkohlenstoff und Chloroform, gern genommen auch in Kühlsystemen oder von Pharmaherstellern. Seit einigen Jahren zeigen Messungen einen deutlichen Anstieg der Konzentration dieses Stoffs in der Luft, acht Prozent jährlich seit 2004, die Gesamtmenge von rund einer Million Tonnen (?) hat sich bis 2014 glatt verdoppelt. 

Weil Dichlormethan aber vergleichsweise schnell abgebaut werden kann und auch natürlich gebildet wird, etwa bei Vulkanausbrüchen, wurde es bislang nicht ins Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht aufgenommen. Im Gegenteil, es musste sogar lange als beliebter Ersatzstoff für zu Recht als ozonschädigend in Verruf geratenen und verbotenen  Fluorchlorkohlenwasserstoffe herhalten. Vor knapp 30 Jahren trat das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht in Kraft. Eine seltene Erfolgsgeschichte, denn binnen vergleichsweise kurzer Zeit war es international gelungen, umweltschädliche Chemikalien wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe aus dem Verkehr zu ziehen, die das Ozon in der Atmosphäre schädigen und uns damit zB verstärkt UV-B und C Strahlung aussetzen, die Hautkrebs fördern können.

Und jetzt das. Da haben wir den Salat. Da wurde offenbar der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben, denn nach einer aktuellen Studie der Uni Lancester könnte der steigende Gehalt an Dichlormethan in der Luft dafür sorgen, dass das Ozonloch über der Antarktis erst 2080 und nicht 2050  wieder verschwindet. Zumindest wenn der Gehalt an Dichlormethan weiter so stark steigt wie er das jetzt mehrere Jahre getan hat. Die Folgen: Dreissig Jahre länger erhöhte UV-Einstrahlung mit all ihren zellschädigenden Eigenschaften. Das sind keine erfreulichen Aussichten auf das Leben vor allem für die Südhalbkugel, für die Hautkrebsrate in Neuseeland, aber durchaus auch bei uns. Stiege der Dichlormethangehalt nicht weiter sondern bliebe gleich, würdesich der Abbau des Ozonlochs um immerhin fünf Jahre verlängern. Aber auch das sind fünf Jahre zuviel.

Insofern scheint mir aus den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ein – politischer – Handlungsbedarf für das Montreal-Protokoll zu erwachsen, Dichlormethan als Problemstoff mit aufzunehmen. Solche Nachbesserungen sind schon mehrfach geschehen und zwar durchaus erfolgreich. Ohne sie wäre der Kampf gegen die Freisetzung langlebiger organischer Verbindungen in der Luft wie FCKW sicher nicht erfolgreich gewesen. Und das Montreal-Protokoll konnte auch nur so konsequent umgesetzt werden, weil es auf Forschungen basiert, die etwa im Gegensatz zur Klimaforschung kaum strittig sind. Und die dem Mainzer Forscher Paul Crutzen übrigens 1995 einen Nobelpreis einbrachten.

Ok, die jetzt vorgelegte Studie mag noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, wie Kritiker zu Recht anmerken. Aufgrund einer nur zehnjährigen Beobachtungszeit mal munter Prognosen linear über viele weitere Jahrzehnte fortzuschreiben, das wirkt schon etwas gewagt. Angesichts der hochkomplexen Wechselwirkungen schon geringster Stoffmengen in der Atmosphäre muss einen jedenfalls nicht wundern, wenn es in diesem erst seit den 1970er Jahren groß gewordenen Forschungsgebiet immer wieder Überraschungen gibt.

Als ernst zu nehmender Warnhinweis sollte die neue Studie aber allemal gelten, die weltweit in nennenswertem Umfang eingesetzten Substanzen der Chlor- und Bromchemie stärker als bisher auf ihre Wirkungen in der Atmosphäre zu untersuchen. Das ist zwar aufwändig, könnte uns aber vor weiteren unangenehmen Überraschungen schützen. Denn wenn Dichlormethan schon Ozonärger macht, warum sollte etwa 1,2-Dichlorethan und diverse andere ähnliche Stoffe keinen machen? Und was ist eigentlich mit Lachgas, Distickstoffoxid, das inzwischen als Ozonkiller Nummer Eins gilt. Hier besteht Handlungsbedarf.

Genauso wichtig freilich finde ich die praxisorientierte Forschung zur Vermeidung von Problemstoffen: Organische Lösungsmittel wie Tetrachlorkohlenstoff etwa die zu Reinigungszwecken eingesetzt werden, lassen sich in der Industrie durchaus durch supersauberes Wasser ersetzen, ja, das geht. Hier haben angewandte Forschungen der letzten Jahre bereits zunehmend dafür gesorgt, dass Hochgiftiges durch tatsächlich Ungiftiges ersetzt werden konnte. Mehr solcher Erkenntnisse wären von Nöten – angesichts tausender potentiell problematischer Substanzen. Und den Atmosphärenchemikern wird die Arbeit deshalb schon nicht ausgehen.

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