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Braunkohle und Massenmord

18.11.2017, von

Für ein Bekenntnis zum konkreten (!) Ausstieg aus der Braunkohleverstromung hat’s unserer Kanzlerin bei der Weltklimakonferenz letzte Woche nicht gereicht. Auch nicht zur Allianz für den Kohleausstieg, das überlassen wir Briten und Franzosen usw.. Dabei stehen wir im Klimaranking eh schon nicht besonders da. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht erreichen wir unsere versprochenen Klimaziele also weder bis 2020 noch bis 2050. Und das ist nicht witzig. In der Summe haben jeder Liter Sprit, den wir rausblasen, jeder Liter verflogenes Kerosin, jeder verstromte Brocken Braunkohle mörderische Folgen. Das könnte man im Grunde auch „Massenmord mit weißem Kragen“ nennen, mit Dürreopfern in Afrika und Überschwemmungsleichen in Asien. Und bitte nicht wundern, wenn noch mehr Klimaflüchtige zu uns nach Europa kommen.

Soweit, so seit Jahren bekannt.

Dabei wissen wir wie es gehen könnte. Die Deutsche Energie-Agentur dena zeigt mögliche Richtungen an: Integrierte Energiewende steht auf der Tagesordnung ihres am Montag, 16.11.2017, beginnenden Kongresses und das heißt zunächst einmal eigentlich Selbstverständliches: die Energiewende betrifft nicht nur Energieversorgung, sondern auch Mobilität, Gebäude und Industrieproduktion. „Braunkohle und Massenmord“ weiterlesen →

Sternstunde: Horst Stern wird 95

24.10.2017, von

Er war als Umweltjournalist nicht nur einer der ersten, sondern bis heute einer der besten. Präzise, verständlich, engagiert und unbequem. Zu seinem 90-sten Geburtstag vor fünf Jahren haben wir ihm und seinem Wirken einen kurzen Film gewidmet. Horst Stern hat sich schon seit Jahren zurück gezogen. Wie schade, dass dieser wundervolle Ex-SDR-Kollege in seiner letzten Lebensphase offenbar seine Lebensleistung nicht als das annehmen kann was sie ist: großartig. Sein Leben in Kurzfassung: bei „Spiegel-online“ wird heute sein 95-ster gewürdigt

Abstieg in die Unterwelt

07.09.2017, von

Nahezu unberührte Natur gibt’s bei uns im Südwesten quasi nicht mehr – außer unter der Erde. Für unsere Sendung „natürlich!“ bin ich dieser Tage in einen dieser naturnahen Flecken abgestiegen. Über knapp 30 Meter Leiter ging’s hinab in die Vetterhöhle bei Blaubeuren. Danach teils auf dem Bauch zwischen und unter Felsbrocken durch enge, lehmige Verstürze – das muss man mögen. 😉

Geführt hinein und sicher wieder hinaus begleitet haben uns die wunderbaren Petra und Markus Boldt vom Höhlenverein Blaubeuren.

Für mich und die mutigen Kamerakollegen von AV Medien war’s eine nachhaltige Erfahrung, tief unter der Erde mit den Naturkräften konfrontiert zu sein, die dort sichtbar gewirkt und gewütet haben, gigantische Trümmerwüsten unter Tage hinterlassend. 

Wirklich beeindruckend, diese Welt unter unseren Füßen, von der wir im Normalfall wenig mitkriegen. Mehr: 26.9., 18.15 Uhr bei „natürlich!“, SWR-Fernsehen, ab da auch in der Mediathek (einfach bei Google „SWR“ und „natürlich!“ eingeben).

Plastik vergiftet auch Nord- und Ostsee

27.07.2017, von

Ja, der große Strudel voller Plastikteile kreist in den südlichen Meeren. Aber was das Umweltbundesamt über Nord- und Ostsee schreibt ist auch bedenklich:

Auch in den heimischen Meeren ist die Belastung besorgniserregend. In der Nordsee haben bspw. 96 Prozent der tot gestrandeten Eissturmvögel Plastikteile in ihren Mägen, im Durchschnitt 25 Stück. Circa 98 Prozent der Nester in der Basstölpelkolonie auf Helgoland enthalten Kunststoffe, die Sterblichkeit erwachsener Vögel hat sich dadurch um das 2-5fache erhöht. Bei einem Pilotmonitoring von Plastikpartikeln in den Magen-und Darmtrakten von 258 im Freiwasser und 132 am Meeresboden lebenden Fischen in Nord- und Ostsee wurden in 69% der untersuchten Fischproben Mikroplastik nachgewiesen (untersuchte Arten waren Heringe, Sprotten, Fludern, Klieschen und Schollen).

Nicht schön.  Quelle: UBA

G20: zu wenig Klimaschutz

10.07.2017, von

Sagen wir mal so: Es hätte noch schlimmer kommen können. Immerhin: es gibt eine gemeinsame Gipfelerklärung, der Klimaschutz hat es ins Abschluss-Kommuniqué der G20 geschafft und alle wollen den Ausstoß von Treibhausgasen senken. Dass sich US-Präsident Trump und Russlands Putin ausgerechnet zu der Zeit trafen, als die anderen über Klimaschutz debattierten, darf man ruhig symbolisch werten, denn 19 der G20 kamen ja nicht umhin „zur Kenntnis zu nehmen“, wie das so schön heißt, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen will.Kein Verzicht auf fossile Brennstoffe bis 2050.

Nun gut, das ist nicht wirklich neu, umso erfreulicher, dass die G19 genau dieses Abkommen für „unumkehrbar“ halten und zügig umsetzen wollen. So haben sie’s in Hamburg beschlossen. Die Freude über soviel Entschlossenheit zum Klimaschutz trübt sich freilich gleich wieder ein wenig, weil die USA künftig anderen dabei helfen dürfen, fossile Brennstoffe, so die Formulierung, „sauberer und wirksamer zu nutzen“. Nix also mit dem kompletten Verzicht auf Kohle, Öl und Gas bis 2050. 

Gut, es wäre auch naiv anzunehmen, dass Staaten wie Saudi-Arabien, Indien oder Russland, die derzeit noch massiv an fossilen Rohstoffen hängen, sich vor den Decarbonisierungs-Karren der Klimaschützer spannen lassen. 2,3 Billionen Dollar verdienen die G20 derzeit jährlich laut Weltbank mit dreckiger Energie. Da können wir fast schon froh sein, dass sie überhaupt die Pariser Klimaziele mittragen. Aber Gebühren für den Ausstoß von Kohlendioxid – das durften in den Vorbereitungsrunden des Gipfels Wissenschaftler und Umweltschützer zwar debattieren, doch dabei blieb es dann auch.

Geld scheffeln mit fossilen Energien

Wenn man sich dazu deutlich macht, dass laut Internationalem Währungsfonds die fossilen Energien weltweit jährlich mit 4,8 Billionen Dollar subventioniert werden, weil die durch sie entstandenen Schäden an Umwelt und Gesundheit von der Allgemeinheit getragen werden, wenn man sich dann noch mal klar macht, dass die G20 vier Prozent ihrer Wirtschaftsleistung mit dreckigen Energien erzeugen, dann wird deutlich, warum es so unglaublich zäh ist, von der Droge Fossil-Energie wegzukommen. Damit wird einfach immer noch viel zu viel Geld verdient. 
Bleiben wir also bescheiden und sagen: der Hamburger G20-Gipfel war im Rahmen der Möglichkeiten ein kleiner Erfolg. Denn trotz Trump halten die anderen 19 an den Pariser Klimazielen fest. Deren dringend notwendiger Umsetzung sind sie damit allerdings noch keinen Millimeter näher gekommen, im Gegenteil: Der beschlossene freie Handel – ohne knallharte ökologische und soziale Spielregeln – beißt sich in der Praxis oft mit dem Klimaschutz.

Deutschland raus aus der Kohle

Immerhin haben die G20 einen Klima- und Energie-Aktionsplan beschlossen. Entwicklungshilfe und Investitionen in Infrastruktur sollen sich am Klimaschutz orientieren, Investoren ihre Klimastrategien offenlegen. Auch die Bedeutung der langfristigen Klimaschutzstrategien, die bis 2020 vorliegen sollen, wurde betont. Das klingt gut, klingt konkret, hoffentlich schwingt sich dann auch unsere Bundesregierung endlich dazu auf, den sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle zu schaffen. Der ist nämlich überfällig. 
Der türkische Präsident Erdogan will übrigens das Pariser Abkommen nur ratifizieren, verkündete er nach dem Gipfel, wenn die Türkei nicht als Industriestaat eingestuft wird, sprich: er will mehr Geld. Hoffen wir mal, dass so ein „Mimimi“ nicht generell der neue G19-Geist von Hamburg ist, denn dann gute Nacht Weltklima.

Lesenswert finde ich übrigens in Sachen G20 die Kommentare von Sonnenseite und die Einschätzung von German Watch

Dreißig Jahre länger Hautkrebsrisiko?!

30.06.2017, von

Da haben wir uns wohl zu früh gefreut. „Ozonloch bis Mitte des Jahrhunderts wieder geschlossen“, so lautete vor wenigen Jahren eine erfreuliche Schlagzeile. Doch es könnte schlicht doppelt so lange dauern bis das in jedem Frühjahr auftretende Phänomen eines massiven Ozonmangels in der Atmosphäre über der Südhalbkugel nicht mehr auftritt. Eine neue britisch-amerikanische Studie spricht jetzt von 2080.  
Unsere Atmosphäre, das ist viel Stickstoff, etwas Sauerstoff und Kohlendioxid, dazu ein paar Spurengase, fertig. So haben wir das mal gelernt, das ist auch nicht falsch, aber wie meistens ist die Wirklichkeit enorm viel komplizierter. Das haben die Atmosphärenforscher gerade mal wieder erfahren müssen. Denn neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass mehr Stoffe in der Atmosphäre eine ernst zu nehmende Rolle spielen als bisher angenommen. Dichlormethan zum Beispiel, ein beliebtes Lösungsmittel aus dem Umfeld von Tetrachlorkohlenstoff und Chloroform, gern genommen auch in Kühlsystemen oder von Pharmaherstellern. Seit einigen Jahren zeigen Messungen einen deutlichen Anstieg der Konzentration dieses Stoffs in der Luft, acht Prozent jährlich seit 2004, die Gesamtmenge von rund einer Million Tonnen (?) hat sich bis 2014 glatt verdoppelt. 

Weil Dichlormethan aber vergleichsweise schnell abgebaut werden kann und auch natürlich gebildet wird, etwa bei Vulkanausbrüchen, wurde es bislang nicht ins Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht aufgenommen. Im Gegenteil, es musste sogar lange als beliebter Ersatzstoff für zu Recht als ozonschädigend in Verruf geratenen und verbotenen  Fluorchlorkohlenwasserstoffe herhalten. Vor knapp 30 Jahren trat das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht in Kraft. Eine seltene Erfolgsgeschichte, denn binnen vergleichsweise kurzer Zeit war es international gelungen, umweltschädliche Chemikalien wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe aus dem Verkehr zu ziehen, die das Ozon in der Atmosphäre schädigen und uns damit zB verstärkt UV-B und C Strahlung aussetzen, die Hautkrebs fördern können.

Und jetzt das. Da haben wir den Salat. Da wurde offenbar der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben, denn nach einer aktuellen Studie der Uni Lancester könnte der steigende Gehalt an Dichlormethan in der Luft dafür sorgen, dass das Ozonloch über der Antarktis erst 2080 und nicht 2050  wieder verschwindet. Zumindest wenn der Gehalt an Dichlormethan weiter so stark steigt wie er das jetzt mehrere Jahre getan hat. Die Folgen: Dreissig Jahre länger erhöhte UV-Einstrahlung mit all ihren zellschädigenden Eigenschaften. Das sind keine erfreulichen Aussichten auf das Leben vor allem für die Südhalbkugel, für die Hautkrebsrate in Neuseeland, aber durchaus auch bei uns. Stiege der Dichlormethangehalt nicht weiter sondern bliebe gleich, würdesich der Abbau des Ozonlochs um immerhin fünf Jahre verlängern. Aber auch das sind fünf Jahre zuviel.

Insofern scheint mir aus den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ein – politischer – Handlungsbedarf für das Montreal-Protokoll zu erwachsen, Dichlormethan als Problemstoff mit aufzunehmen. Solche Nachbesserungen sind schon mehrfach geschehen und zwar durchaus erfolgreich. Ohne sie wäre der Kampf gegen die Freisetzung langlebiger organischer Verbindungen in der Luft wie FCKW sicher nicht erfolgreich gewesen. Und das Montreal-Protokoll konnte auch nur so konsequent umgesetzt werden, weil es auf Forschungen basiert, die etwa im Gegensatz zur Klimaforschung kaum strittig sind. Und die dem Mainzer Forscher Paul Crutzen übrigens 1995 einen Nobelpreis einbrachten.

Ok, die jetzt vorgelegte Studie mag noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, wie Kritiker zu Recht anmerken. Aufgrund einer nur zehnjährigen Beobachtungszeit mal munter Prognosen linear über viele weitere Jahrzehnte fortzuschreiben, das wirkt schon etwas gewagt. Angesichts der hochkomplexen Wechselwirkungen schon geringster Stoffmengen in der Atmosphäre muss einen jedenfalls nicht wundern, wenn es in diesem erst seit den 1970er Jahren groß gewordenen Forschungsgebiet immer wieder Überraschungen gibt.

Als ernst zu nehmender Warnhinweis sollte die neue Studie aber allemal gelten, die weltweit in nennenswertem Umfang eingesetzten Substanzen der Chlor- und Bromchemie stärker als bisher auf ihre Wirkungen in der Atmosphäre zu untersuchen. Das ist zwar aufwändig, könnte uns aber vor weiteren unangenehmen Überraschungen schützen. Denn wenn Dichlormethan schon Ozonärger macht, warum sollte etwa 1,2-Dichlorethan und diverse andere ähnliche Stoffe keinen machen? Und was ist eigentlich mit Lachgas, Distickstoffoxid, das inzwischen als Ozonkiller Nummer Eins gilt. Hier besteht Handlungsbedarf.

Genauso wichtig freilich finde ich die praxisorientierte Forschung zur Vermeidung von Problemstoffen: Organische Lösungsmittel wie Tetrachlorkohlenstoff etwa die zu Reinigungszwecken eingesetzt werden, lassen sich in der Industrie durchaus durch supersauberes Wasser ersetzen, ja, das geht. Hier haben angewandte Forschungen der letzten Jahre bereits zunehmend dafür gesorgt, dass Hochgiftiges durch tatsächlich Ungiftiges ersetzt werden konnte. Mehr solcher Erkenntnisse wären von Nöten – angesichts tausender potentiell problematischer Substanzen. Und den Atmosphärenchemikern wird die Arbeit deshalb schon nicht ausgehen.

Gefährlicher Schrott im Weltall

20.04.2017, von


Feinstaub in der Luft, Plastikmüll im Meer und nicht mal das Weltall ist von unseren Abfällen mehr sicher. Auf der 7-ten Weltraumschrott-Konferenz der Europäischen Weltraumagentur ESA in Darmstadt beraten noch bis Freitag über 400 Experten über das Problem vagabundierender Teilchen im All, das inzwischen gravierende Ausmasse angenommen hat. Es ist Alltag, dass ein Satellit mehrmals im Jahr irgendwelchen Trümmern ausweichen muss. Schon in den 70er Jahren wurde es vorausgesagt, aber jetzt wird das Problem von Jahr zu Jahr heftiger. 5000 Teile gibt es, die größer als einen Meter sind, 20.000 sind größer als zehn Zentimeter und sind damit gerade noch mit Radar zu erfassen und dann kommen 750.000 Teilchen dazu, die kleiner als einen Zentimeter sind. Das sind faktisch Hochgeschwindkeitsgeschosse, die mit 40-50.000 Stundenkilometern durchs All rasen und deshalb eine verheerende Wirkung zeigen, wenn sie auftreffen. Das Ausmaß hat die ESA in einem sehr schön animierten Video illustriert.

Die Entwicklumg ist recht neu: Bis 2008 trieben noch nur rund 8000 grössere Objekte um die Erde, die Hälfte davon waren alte Raketenteile. Aber dann gab es einen militärischen Test und dann eine versehentliche Satellitenkollision. Allein aus letzterem Unglück resultieren 2000 grössere Trümmerstücke, jedes zweite Ausweichmanöver der ESA-Satelliten geht inzwischen auf eines dieser Schrottstücke zurück.

Auf der Konferenz wurde eine Botschaft des Astronauten Thomas Pesquet gezeigt, der gerade mit der ISS um die Erde kreist, und der sagte: Leute, denkt an uns, tut was, wir mussten schon vier Mal in die Rettungskapsel der ISS einsteigen, weil wir eine Kollision mit einem Schrottteil ein paar Stunden später zu erwarten hatten, dem wir nicht ausweichen konnten. Keiner wusste, ob die ISS dadurch nicht unbrauchbar werden würde. Und der Raumanzug, den die Astronauten beim „Weltraumspaziergang“ tragen, ist zwar praktisch, aber nicht gegen Geschosse gepanzert.

Vermeiden geht vor 

Vor allem wird es immer wichtiger, neuen Schrott zu vermeiden, das ist nämlich das kostengünstigste. Aber derzeit setzen das bisher nur zwei Drittel der Missionen auch um, ein Drittel nicht. Dazu gehört etwa Treibstoff abzulassen, Batterien unbrauchbar zu machen, damit nicht der Satellit sich irgendwann selbst zerlegen kann. Die ESA hat sich selbst verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ihre Satelliten nach 25 Jahren gezielt vernichtet, sprich: zum Absturz gebracht werden. Wenn das nicht gewährleistet ist, sagen ESA-Experten, dann gibt es keine Starterlaubnis. Das Problem ist halt, dass man frühzeitig handeln muss und damit ein noch funktionierendes System zum Absturz bringt, mit dem sich theoretisch noch Geld verdienen lässt. Aber: Wenn sich der Satellit erst mal nicht mehr steuern lässt, weil ihm etwa die Energie ausgegangen ist, dann ist es halt zu spät, dann wird er unkontrollierbar und zur Gefahr. 
Aber es tut sich was in Sachen Schrottvermeidung. Jetzt im April startet etwa eine Versuchsrakete einer kleinen italienischen Firma, die ein Satelliten-Absturzsystem testen soll. Das ist ein kleiner Kasten voller Elektronik, der in jede Art Satellit mit eingebaut werden könnte, der feststellen kann, wenn der Satellit defekt ist und ihn dann gezielt runter Richtung Atmosphäre steuert, ihn also bewusst abstürzen lässt. So ein System kostet 100.000 bis 1 Mio. Euro, was eigentlich im Vergleich zu den Gesamtkosten nicht sooo wahnsinnig viel ist. 

Kosmische Müllabfuhr

Auf der Konferenz wurden einige Systeme vorgestellt, mit denen sich auch Weltraumschrott wieder einfangen lässt, etwa mit Netzen oder Segeln. Das wirkt aber alles technisch sehr aufwändig und scheint noch im Versuchsstadium. Ich vermute allerdings, dass wir irgendwann gar nicht mehr umhin kommen solche Reinigungssystem einzusetzen, weil das Müllproblem weiter zunimmt. Und es kam ja auch schon zu einigen Schäden. Ein Erdbeobachtungs-Satellit aus dem Sentinel-Programm zum Beispiel geriet letzten Sommer aus seiner Bahn. Eine Untersuchung zeigte dann deutlich Einschläge in seinem Sonnensegel.

Bekanntes Problem

Formal gibt es UN Regeln, die Weltraumschrott verhindern sollen, faktisch muss sich keiner dran halten. Klar müssen Weltraumobjekte über 1,5 Tonnen gemeldet werden, und rein theoretisch muss auch die Entsorgung gewährleistet sein. Wie man’s nimmt: Über die Hälfte der Satelliten beenden ihre Mission geplant und werden entwder auf den Satellitenfriedhof in 36300 km Höhe gesteuert, wo sie in einer geostationären Umlaufbahn ausserhalb der genutzten Zone bleiben und somit nicht stören, oder sie werden Richtung Sonne geschickt oder – bei niedrigeren Umlaufbahnen – zum Absturz gebracht. Aber ein funktionierendes Gerät zu zerstören ist angesichts der hohen Kosten der Raumfahrt immer noch etwas, das viele Unternehmen ungern tun.
Militär verursacht Trümmerschwärme

Wissenschaftler und Techniker sind sich weltweit weitgehend einig, dass die Vermeidung von Weltraum-Schrott oben auf die internationale Agenda muss. Aber: die Politik machen halt andere. Chinesische Militärs z.B. sind hauptverantwortlich für viele tausend Teile Weltraumschrott. Sie schossen vor rund zehn Jahren den ausgedienten Wettersatelliten Fengyun-1C vom Boden aus mit einer Mittelstreckenraketa ab und machten damit ganze Bereiche der wichtigen Satelliten-Umlaufbahn in 800 Km Höhe durch tausende Trümmerteile supergefährlich. Das allerdings, erzählte mir ein Teilnehmer auf der ESA Konferenz in Darmstadt, „machen die wohl nie wieder ohne die Folgen zu berücksichtigen, weil ganz viele chinesische Satelliten durch die Trümmerteile beschädigt wurden“.

Problembewusstsein wächst

Die 7-te Weltraumschrottkonferenz ist eine wissenschaftlich-technische, keine politische Konferenz. Der große Andrang hat die Veranstalter überrascht, sie hätten 100 mehr Leute akkredieren können als sie Platz hatten. Das bedeutet: das Weltraumschrottproblem wird immer mehr Leuten bewusst – angesichts von bevorstehenden 9.000 Starts ins All in den kommenden Jahren auch kein Wunder – und ich hatte den Eindruck, das wird sich über kurz oder lang auch stärker auf die Politik auswirken. Und der Wille, der Politik konkrete Vorlagen für Überwachungssysteme oder sogar für Systeme zur kosmischen Müllabfuhr mit Netzen oder Segeln zu liefern, damit sie das Problem lösen kann, der scheint auch da zu sein. Noch sind solche Systeme aber in der Entwicklung, freilich tut sich eine Menge auf dem Sektor. Ich habe allerdings nach einigen Gesprächen den Eindruck gewonnen, bis auf weiteres wird es für den Weltraumschrott eher einzelne, freiwillige Lösungen auf nationaler Basis geben als auf UN-Ebene. Besser als nichts. 

Dringend gesucht: Bartgeier (im Rheinland?)

29.03.2017, von

Ab und an verirrt sich ein junger Bartgeier aus dem Süden bis zu uns. Oft fehlt dann aber die Nahrung. Gerade scheint wieder einer unterwegs zu sein – und wird vermisst. Helft mit beim Aufspüren,  vielleicht braucht er Hilfe, hier der Suchaufruf der Ornithologen vom Dachverband deutscher Avifaunisten: 
„In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Ausflügen immaturer Bartgeier in Regionen nördlich der Alpen. Diese Ausflüge sind nicht immer unproblematisch, da die Vögel dort nur schwer ausreichend Nahrung finden. Ganz aktuell hält sich offenbar wieder so ein Vogel in Deutschland auf. 

Bereits am 19. Januar wurde im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz ein Bartgeier fotografiert. Der mutmaßlich selbe Vogel hält sich aber scheinbar noch immer bei uns auf: Am 19. Februar gelangen gegen 13 Uhr bei Swisttal im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen hervorragende Fotos des auf einer Hütte am Waldrand sitzenden Geiers. Nur eine Stunde später wurde der Bartgeier dann rund 20 Kilometer südöstlich bei Bad Neuenahr fotografiert. Seitdem fehlt allerdings jede Spur! 
Auch wenn der Vogel einen gesunden Eindruck machte, könnte er geschwächt sein, da eine Annäherung bis auf wenige Meter möglich war. Es wäre daher gut, wenn der Bartgeier noch einmal entdeckt und VCF, die Stiftung zur Erhaltung der Geier, unmittelbar informiert werden könnte (E-Mail: f.loercher@4vultures.org oder Tel.: +41 79 470 77 04). Beobachtungen sollten zudem über ornitho,de gemeldet werden. Dort stehen sie den Experten direkt mit allen Informationen zur Verfügung. Wer den Bartgeier beobachten kann, wird gebeten sich dem Tier nicht zu nähern, um es nicht unnötig in Stress zu versetzen. 
Mit dieser Nachricht sollen insbesondere Vogelkundler im Rheinland sensibilisiert werden. Es ist jedoch auch denkbar, dass sich der Vogel mittlerweile in einer anderen Region aufhält. Diese Nachricht darf und soll daher gern weiter verbreitet werden!

In Haltungen wie dem nahegelegenen Wildfreigehe Hellenthal werden keine Bartgeier vermisst. Da auf den Fotos keinerlei Markierungen erkennbar sind, dürfte es sich um einen wildgeschlüpften Bartgeier handeln. Sollte der Vogel wiedergefunden und eingefangen werden, wird sich seine Herkunft anhand von DNA-Analysen ermitteln lassen. Sogar eine einzelne Feder könnte hier Gewissheit bringen, ob er aus den Alpen oder Pyrenäen stammt.“

Grimme-Preis für „Hundesoldaten“

08.03.2017, von

Ausgezeichnete Filme gibt’s bei uns im SWR ja öfter, aber dass wir Filme von Grimme-PreisträgerInnen zeigen, kommt nicht ganz so oft vor. Umso mehr freue ich mich, dass unsere Autorin Lena Leonhardt jetzt für ihren Film „Hundesoldaten“ ausgezeichnet wurde. Die Kurzfassung lief bei „natürlich!“, die lange Fernsehfassung lief am 23.11.2016. Der einfühlsame Film beschreibt die Arbeit der einzigen Diensthundeschule  der Bundeswehr in der Eifel.

Und dass Lena ausser der Regie auch die Arbeit mit der Kamera gut drauf hat, das hat sie 2015 unter Beweis gestellt. Gute zwei Wochen waren wir zusammen in den Regenwäldern Nordost-Brasiliens unterwegs, mit zwei Kameras auf den Spuren des unterschätzten Forschers Max zu Wied – eine „natürlich!-Spezialsendung und ein „Bekannt im Land“ waren das Ergebnis. Dem Forscher Max widmet das ZDF demnächst auch einen aufwändig produzierten Film in der Terra X Reihe. Die Brasilien-Expedition des baden-württembergischen Brasilienzentrums ist übrigens derzeit wieder unterwegs. 

DB: Fahrt in die Bedeutungslosigkeit?!

12.12.2016, von

Ein bischen Unkenruf darf und muss sein. Ich sag‘ mal: Wenn die Entwicklung so weitergeht, dann wird die Deutsche Bahn in 20 Jahren eine so große Bedeutung haben wie die Eisenbahn heute in den USA – fast keine mehr. Politisch zumindest geduldet werden durch die Bahnoberen die Weichen seit Jahren in dieser Richtung gestellt, mehr oder minder unauffällig.

Da gibt es Großprojekte wie Stuttgart21, die enorme Ressourcen binden, die woanders dringend gebraucht würden (Stichwort: Förderung des Regionalverkehrs). Mit einem auch monetär zumindest extrem zweifelhaften Nutzen für das Verkehrsmittel und dessen Kunden sowieso.

Die Schweizer feiern gerade den neuen Gotthard-Bahntunnel, der Zugverkehr im längsten Tunnel der Welt rollt, und der Anschluß in Deutschland? Fehlanzeige, die Oberrhein-Bahntrasse ist von der Vollendung weit entfernt, ein Desaster, das sich schon vor Jahren abzeichnete.

Geld ist knapp bei der Bahn. Auch das ist politisch durchaus hausgemacht, denn wer hat denn der Bahn mit den Fernbussen die Konkurrenz erst geschaffen, die jetzt auf den lukrativen Strecken die Profite mindert? Genau: das stand bereits im vorletzten Berliner Koalitionsvertrag. Es hat bloß kaum einer bemerkt und Ernst genommen. Alle freuen sich über vermeintlich billige Busreisepreise, aber aus Steuermitteln muss jetzt die Bahn bezuschusst werden. Gerade erst gab’s deshalb wieder einen Milliardenzuschuss.

Der Bundesrechnungshof ist freilich äußerst unzufrieden mit der Bahn:

Trotz Milliardensummen gebe es zu wenige Verbesserungen bei teils veralteten Verkehrswegen.

Dafür trifft man inzwischen Fahrkartenkontrolleure in Springerstiefeln und blauer Security-Uniform in der S-Bahn, antreten zum Fahrkarten-Appell. Irgendwo muss das Geld ja herkommen. Die Pünktlichkeit hat nach einem Zwischenhoch vor einigen Monaten nach eigenen Beobachtungen inzwischen wieder stark nachgelassen, zumindest im süddeutschen Raum. Quo vadis, Bahn? Von Besserung ist wenig zu spüren. Wenn’s so weiter geht, geb‘ ich ihr noch zwanzig Jahre.  Schade eigentlich.

Quelle: Sparkurs bei Infrastruktur: Rechnungshof kritisiert Bahn | tagesschau.de

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