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Supergeil: neue Tierwohl-Kennzeichnung

11.01.2019, von

Ein vierstufiges einheitliches Kennzeichnungssystem soll künftig leichter erkennen lassen, aus welcher Art von Tierhaltung Rind-, Schweinefleisch und Geflügel stammt. Darauf haben sich die großen Handelsketten Rewe, Edeka, penny, Aldi, Kaufland, Lidl und Netto heute geeinigt, zumindest laut Initiative Tierwohl. Yeah. Endlich, die verschwiemelte Bundespolitik hat das ja immer noch nicht auf die Reihe gekriegt bzw. nicht kriegen wollen, jetzt also der Handel. Erste Stufe „Stallhaltung“: nur gesetzliche Mindestregeln, also nix mit viel Tierwohl. Zweite Stufe: „Stallhaltung plus“: ua mehr Platz und zusätzliches Beschäftigumgsmaterial. Dritte Stufe: „Außenklima“: noch mehr Platz und Frischluft-Kontakt. Vierte Stufe: „Premium“: außerdem Auslauf im Freien, auch Biofleisch gehört dazu. Ab 1. April also: wenn überhaupt Fleisch, dann Stufe Vier oder beim regionalen Biodirektvermarkter/-metzger kaufen.

Supergeil ist anders, Edeka

11.01.2019, von

Edeka wirbt für seine Lebensmittel mit einem ziemlich coolen Video unter dem Motto „supergeil“. Schön wäre es freilich, wenn Werbung und Wirklichkeit näher zusammen liegen würden. (Nachtrag: offenbar tun sie das inzwischen, siehe neuerer Blogeintrag.) Greenpeace will am 12. Januar in 56 Städten vor Edeka-Märkten für mehr Tierschutz demonstrieren. „Supergeil ist anders, Edeka“ weiterlesen →

RWE: Starkes Signal gegen Klimaschutz

14.09.2018, von

Es gibt Fälle, da muss man gut unterscheiden zwischen Im Recht sein und Recht haben. Und die Vorgänge um die Rodungen im Hambacher Forst sind genau so ein Fall. Rein formaljuristisch scheint alles korrekt zu laufen. Für die lange geplante Erweiterung des Braunkohltagebaus müssen zahlreiche Bäume weichen und dafür liegen dem Energieversorger RWE alle erforderlichen Genehmigungen der zuständigen Behörden vor. Im Gegensatz dazu sind die seit fünf Jahren errichteten Baumhütten der Braunkohlegegner – natürlich – nicht genehmigt. Rein formal steht und stand damit einer Räumung der Widerständler samt anschließender großflächiger Rodung des Waldes nichts im Wege.

Aber ich finde, sehr viel zynischer kann ein Konzern seine noch vorhandene Macht kaum ausspielen als es die RWE zum jetzigen Zeitpunkt tut, in dem sie auf ihr formaljuristisches Recht pocht. Zumal einige Waldbewohner deutlich gemacht haben, dass sie gegen den Räumungsbefehl gerichtlich Widerspruch eingelegt haben. Es geht ja mitnichten darum, dass die Schaufeln im wohl größten Braunkohltagebaubetrieb der Welt in Kürze stillstehen und Kraftwerke morgen abgeschaltet werden müssten. „RWE: Starkes Signal gegen Klimaschutz“ weiterlesen →

Ganz normaler Weizen-Wahnsinn

28.05.2018, von

Afrika erhielt 2016 ein Viertel aller deutschen Weizenexporte. Nein, leider kein Beitrag gegen Hunger und Not, im Gegenteil: billige Konkurrenz, die heimische Firmen vor Ort bedroht. Unsere subventionierte Landwirtschaft sorgt letztlich im Süden für mehr Elend, ein Trauerspiel mit System. Sehr sehr anschaulich hat das Katharina Schickling in ihrem Film „Der Wahnsinn mit dem Weizen“ geschildert, eine wirklich sehenswerte Doku, die derzeit in der ZDF-Mediathek zu sehen ist.

Heute ist Tag der Eisbären

27.02.2018, von

Und den Eisbären geht’s gar nicht gut. Der Name ist ja Programm: Eis-Bär. Diese Geschwisterart unseres Braunbären lebt nicht nur überwiegend auf Eis in der Arktis, sondern benötigt das Eis dort auch, um effizient Robben jagen zu können. Denn im Gegensatz zum überwiegend vegetarisch lebenden Braunbär sind Eisbären fast vollständig auf Fleisch angewiesen.

Wieviele Eisbären es gibt ist schwer zu ermitteln. Die Weltnaturschutzunion IUCN hält 20-26.000 Eisbären für realistisch und führt den Eisbär auf der Roten Liste als „gefährdet“. Denn Grund nennt die IUCN auch: die schrumpfenden Eismassen der Arktis. Je weniger Eis, desto weniger Jagdmöglichkeiten für die bis zu 700 Kilo schweren Tiere.

Dabei sind Eisbären durchaus Spezialisten im Fasten und können an Land viele Monate von ihren Fettreserven leben. Irgendwann müssen die Reserven aber wieder aufgefüllt werden können und das wird immer schwieriger. Die Prognose sieht nicht gut aus für die Eisbären: Ihre Zahl wird in den nächsten Jahren wohl um ein Drittel bis die Hälfte sinken.

Dabei gab es zwischenzeitlich gute Nachrichten: Bis vor einigen Jahrzehnten führte intensive Bejagung zu rückgehenden Eisbärenzahlen, die daraufhin erlassenen Jagdbeschränkungen in einigen Anrainerstaaten der Arktis hatten aber Erfolg und einige der 19 Unterpopulationen des Eisbärs konnten sich regional gut erholen.

Doch jetzt schlägt der Klimawandel durch, nicht nur beim Jagdangebot. Forscher rechnen wegen der Klimaerwärmung auch mit neuen Krankheiten und Parasiten. Und: Weil ohne begehbares Eis der genetische Austausch untereinander schlechter funktioniert kommt es zu genetischer Verarmung, was die Eisbärpopulation weiter schwächt.

Tag des Vogels: Vogelzahl mehr als halbiert

05.01.2018, von

Weniger Insekten, weniger Vögel, Europas Agrarwüsten lassen sich beziffern:

Insgesamt ist die Zahl der Vogel-Brutpaare in den landwirtschaftlichen Gebieten in der EU zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen, was einem Verlust von 57 Prozent entspricht.

Für Deutschland heisst das beispielsweise: ein Drittel weniger Feldlerchen, vier Fünftel weniger Kiebitze und Rebhühner, zwei Drittel weniger Braunkehlchen. Besserung: nicht in Sicht. Soviel an Daten aus dem Vorjahr anlässlich des heutigen National Bird Day (Tag des Vogels, der in den USA vielleicht ja eher ein Anlass zum Feiern als bei uns ist).

Ein schönes Neues Jahr noch! Und statt einer Agrarwüste möge der Anblick eines schnee- und artenreichen Tals im Westerwald erfreuen (Foto).

Archiv-Quelle: Ornithologie: Immer weniger Vögel in Europa

Braunkohle und Massenmord

18.11.2017, von

Für ein Bekenntnis zum konkreten (!) Ausstieg aus der Braunkohleverstromung hat’s unserer Kanzlerin bei der Weltklimakonferenz letzte Woche nicht gereicht. Auch nicht zur Allianz für den Kohleausstieg, das überlassen wir Briten und Franzosen usw.. Dabei stehen wir im Klimaranking eh schon nicht besonders da. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht erreichen wir unsere versprochenen Klimaziele also weder bis 2020 noch bis 2050. Und das ist nicht witzig. In der Summe haben jeder Liter Sprit, den wir rausblasen, jeder Liter verflogenes Kerosin, jeder verstromte Brocken Braunkohle mörderische Folgen. Das könnte man im Grunde auch „Massenmord mit weißem Kragen“ nennen, mit Dürreopfern in Afrika und Überschwemmungsleichen in Asien. Und bitte nicht wundern, wenn noch mehr Klimaflüchtige zu uns nach Europa kommen.

Soweit, so seit Jahren bekannt.

Dabei wissen wir wie es gehen könnte. Die Deutsche Energie-Agentur dena zeigt mögliche Richtungen an: Integrierte Energiewende steht auf der Tagesordnung ihres am Montag, 16.11.2017, beginnenden Kongresses und das heißt zunächst einmal eigentlich Selbstverständliches: die Energiewende betrifft nicht nur Energieversorgung, sondern auch Mobilität, Gebäude und Industrieproduktion. „Braunkohle und Massenmord“ weiterlesen →

Sternstunde: Horst Stern wird 95

24.10.2017, von

Er war als Umweltjournalist nicht nur einer der ersten, sondern bis heute einer der besten. Präzise, verständlich, engagiert und unbequem. Zu seinem 90-sten Geburtstag vor fünf Jahren haben wir ihm und seinem Wirken einen kurzen Film gewidmet. Horst Stern hat sich schon seit Jahren zurück gezogen. Wie schade, dass dieser wundervolle Ex-SDR-Kollege in seiner letzten Lebensphase offenbar seine Lebensleistung nicht als das annehmen kann was sie ist: großartig. Sein Leben in Kurzfassung: bei „Spiegel-online“ wird heute sein 95-ster gewürdigt

Abstieg in die Unterwelt

07.09.2017, von

Nahezu unberührte Natur gibt’s bei uns im Südwesten quasi nicht mehr – außer unter der Erde. Für unsere Sendung „natürlich!“ bin ich dieser Tage in einen dieser naturnahen Flecken abgestiegen. Über knapp 30 Meter Leiter ging’s hinab in die Vetterhöhle bei Blaubeuren. Danach teils auf dem Bauch zwischen und unter Felsbrocken durch enge, lehmige Verstürze – das muss man mögen. 😉

Geführt hinein und sicher wieder hinaus begleitet haben uns die wunderbaren Petra und Markus Boldt vom Höhlenverein Blaubeuren.

Für mich und die mutigen Kamerakollegen von AV Medien war’s eine nachhaltige Erfahrung, tief unter der Erde mit den Naturkräften konfrontiert zu sein, die dort sichtbar gewirkt und gewütet haben, gigantische Trümmerwüsten unter Tage hinterlassend. 

Wirklich beeindruckend, diese Welt unter unseren Füßen, von der wir im Normalfall wenig mitkriegen. Mehr: 26.9., 18.15 Uhr bei „natürlich!“, SWR-Fernsehen, ab da auch in der Mediathek (einfach bei Google „SWR“ und „natürlich!“ eingeben).

Plastik vergiftet auch Nord- und Ostsee

27.07.2017, von

Ja, der große Strudel voller Plastikteile kreist in den südlichen Meeren. Aber was das Umweltbundesamt über Nord- und Ostsee schreibt ist auch bedenklich:

Auch in den heimischen Meeren ist die Belastung besorgniserregend. In der Nordsee haben bspw. 96 Prozent der tot gestrandeten Eissturmvögel Plastikteile in ihren Mägen, im Durchschnitt 25 Stück. Circa 98 Prozent der Nester in der Basstölpelkolonie auf Helgoland enthalten Kunststoffe, die Sterblichkeit erwachsener Vögel hat sich dadurch um das 2-5fache erhöht. Bei einem Pilotmonitoring von Plastikpartikeln in den Magen-und Darmtrakten von 258 im Freiwasser und 132 am Meeresboden lebenden Fischen in Nord- und Ostsee wurden in 69% der untersuchten Fischproben Mikroplastik nachgewiesen (untersuchte Arten waren Heringe, Sprotten, Fludern, Klieschen und Schollen).

Nicht schön.  Quelle: UBA

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