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Plastik-Tod: ein Meister auch aus Deutschland

22.02.2017, von

Wir verdanken dem Plastik eine Menge. Seit die synthetischen Polymere 1907 erfunden wurden, haben sie unser Leben ordentlich umgekrempelt. Essen, Reisen, Anziehen, Verpacken – alles inzwischen kaum mehr ohne Verwendung von Plastik denkbar. Der Haken: fast zehn Milliarden Kilogramm (ich red mal nicht von Tonnen), also 10.000.000.000 Kilogramm Plastikmüll geraten jedes Jahr (!) in die Weltmeere. Beschädigen die empfindlichen Ökosysteme. Geraten als winzige, teils mikroskopisch kleine Partikel in die Nahrungskette und töten, mal schnell, mal langsam. Entweder ersticken die Tiere, weil sie sich in groben Teilen verheddern, mal vergiften sie sich durch als Nahrung aufgenommene Kleinstlebewesen, die selbst bereits voller Plastikteilchen stecken. Dabei müsste das Ausmaß bei weitem nicht so schlimm sein, oft wird Plastik ohne zwingende Notwendigkeit eingesetzt. Die weltweite Aufmerksamkeit für das Problem steigt langsam aber sicher. Selbst in Indien gibt’s inzwischen in manchen Städten zumindest Putzkolonnen für die völlig plastikvermüllten Ganges-Ufer. Und aus gesammeltem Plastik entstehen inzwischen neue Produkte, etwa in Chile. Dort baut ein junger Ami Skateboards und Sonnenbrillen aus Meeresmüll. Aber der Kampf gegen die Plastikverseuchung und – verschwendung ist zäh und bleibt eine große Herausforderung.

Seit heute gibt’s dafür noch mal etwas mehr an argumentativer Unterstützung. Die Weltnaturschutzunion hat einen neuen Bericht herausgegeben. „Primary Microplastics in the Oceans: a Global Evalutation of Sources“ schließt manche Wissenslücke. Er unterscheidet zwischen Plastikpartikel, die aus degradiertem Plastikmüll entstanden sind und Plastikteilchen aus Primärquellen wie Reifenabrieb oder textile Kunstfasern. Solcher Müll macht bis zu einem Drittel der jährlichen Plastikbelastung der Meere aus. Im Schnitt wirft rein statistisch jeder Erdbewohner Woche für Woche eine schwere Plastiktasche à 200 Gramm ins Meer.  Wobei die globalen Unterschied enorm sind, sie reichen von 110 Gramm pro Kopf und Jahr bis 750 Gramm.  So stammen, wie wir jetzt wissen, zwei Drittel des primären Plastikdrecks im Meer letztlich von textilen Kunstfasern beim Waschen und von Reifenabrieb oder Markierungsabrieb von den Straßen. Kann jetzt keiner mehr sagen: Och, wir wissen gar nicht wo dieser Plastikmüll herkommt.

Die Verschmutzung hat enorme Ausmaße und fängt bei uns vor der Haustür an. Als ich vor einigen Monaten mit dem Greenpeace-Messschiff Beluga auf dem Main unterwegs war, da reichte es, einen Filter für eine Minute in den Fluss zu halten, um massenhaft winzige Partikel im Wasser sichtbar nachweisen zu können. All das landet letztlich im Meer. Wir müssen und können die Art ändern, wie wir Plastik konsumieren, herstellen, designen und verwerten. Zum Beispiel mit Kleidung, die weniger Kunstfasern beim Waschen verliert bzw. mit Filtern in den Waschmaschinen. Das geht. Man muss es nur wollen.

Die Studie der IUCN auf englisch hier: https://portals.iucn.org/library/sites/library/files/documents/2017-002.pdf

Apple: Abkassieren durch Elektroschrott?!

30.11.2016, von

Wie lange will unser Gesetzgeber eigentlich noch zugucken ohne einzugreifen, wie Firmen wie Apple munter dazu beitragen, wertvolle Ressourcen wie Metalle zu verschwenden? Gerade mal fünf Jahre alte Rechner werden demnächst wohl faktisch zu nicht-reparierbarem Müll deklariert.

Apple will demnächst verschiedene bekannte Mac-Modelle nicht einmal mehr gegen Geld reparieren. Darunter sind Geräte, die noch nicht wirklich alt sind.

Bei allem Verständnis, dass der Support auch von Hardware nicht unbegrenzt lange gehen kann weil er sich irgendwann betriebswirtschaftlich nicht mehr rechnet: dass sich Apple wie auch die entsprechend authorisierten Werkstätten schlichtweg weigern, Geräte zu reparieren, die noch nicht alt sind, das ist ein echtes Ärgernis. Manches Apple-Produkt ist eh schon katastrophal reparaturunfreundlich konstruiert, wie z.B. die Timemachine, und dann auch noch die Totalverweigerung nach fünf Jahren für Laptops…

In Kalifornien und der Türkei scheint es allerdings auch anders zu gehen: dort gelten offenbar längere Fristen, in denen ein Hersteller sich noch um seine Gerätschaften kümmern muss. So etwas ist auch bei uns bzw. in der EU überfällig. Da könnte doch z.B. die Ecodesign-Richtlinie der EU mal entsprechend angepasst werden, dass sie längere Reparaturzeitfenster erzwingt.

Milliardengewinne einfahren auf Kosten von Lieferanten und Kundschaft und gleichzeitig Elektro-Schrottberge anwachsen lassen durch Reparaturverweigerung, das passt nicht in die Zeit und sollte auch politisch nicht noch länger geduldet werden.

 

Quelle: Ausgelistet: 2011er Macs werden „obsolet“ | Mac & i

Unterm Sarkophag strahlt’s weiter

29.11.2016, von

Dreißig (!) Jahre hat es gedauert, bis mit gigantischem technischem und finanziellen Aufwand ein erster großer Schritt zur Aufarbeitung der Atomkatastrophe von Tschernobyl gelang:

Der Reaktor von Tschernobyl ist unter einem gigantischen Hightech-Sarkophag verschwunden.

Leider ist damit das Problem nicht gelöst. Hundert Jahre hat die Ukraine jetzt Zeit gewonnen, um den hochproblematischen strahlenden Sondermüll unter der Hülle zu beseitigen. Hundert Jahre hält die Hülle. Danach? Mh. Tja. Also. Ähm. Soviel zum Thema: Atomkraft als Alternative zu fossilen und erneuerbaren Energien.

Quelle: Tschernobyl-Schutzhülle: „Yes! Wir haben es geschafft!“ | tagesschau.de

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Alle reden über Böhmermann, keiner über Salz

15.04.2016, von

Unbeachtet versalzen weltweit immer mehr Gewässer, mit fatalen Folgen für die Gewässerqualität. Eintags-, Stein- und Köcherfliegen sterben, begünstigt werden gebietsfremde Arten. Die Kosten für die Trinkwasserbehandlung steigen, wirtschaftliche Schäden sind die Folge. Ursachen: Landwirtschaft, Abwässer aus dem Berg- oder Salzabbau, der chemischen und der Kali-Industrie. Auch Fracking könnte zunehmend ein Problem werden, warnen Wissenschaftler von der Uni Landau. „Die Bedeutung der Versalzung von Gewässern wird unterschätzt“, heißt es in einer Mitteilung der Uni. Wohl wahr.

Game für Trashgeeks: Recycling Master

01.08.2014, von

Spielerisch Müll sortieren – wer’s braucht: da gibt’s ’ne App für:

Ihr habt keinen Plan, wo und wie alte Smartphones, zerfledderte Notebooks und durchgelaufene Socken entsorgt werden? Nicht so gut, aber dafür gibt es ja die Recycling Master-App.

via Recycling Master Kostenloses Casual-Game für iOS Android.

Handy und hopp – Vodafons Wegwerfmentalität

04.06.2014, von

Alle zwölf Monate ein neues Handy, verspricht Vodafone seinen Kunden, bemängelt die NGO Germanwatch. Und weist auf Ressourcenverschwendung hin, wie ich finde zu Recht:

Seit Mitte April versucht Vodafone mit dem Slogan „Jedes Jahr ein neues Smartphone“ Kunden zu binden. „Damit heizt Vodafone die Nachfrage nach Smartphones an und fördert Ressourcenverschwendung“, kritisiert Cornelia Heydenreich, Teamleiterin Unternehmensverantwortung bei Germanwatch.

via Vodafone fördert Wegwerfgesellschaft | Germanwatch e.V..

Ex unn hopp – die Ökoschweinchen von Mainz 05

09.06.2013, von

Werder Bremen? Pfandbecher. Borussia Dortmund? Pfandbecher. Mainz 05? Nur ein Karnevalsverein:

Ab sofort gibt es Getränke nur noch in Einweg- statt harten Plastik-Pfandbechern.

Superidee, sehr zeitgemäß. Und die Begründung (siehe Artikel) ist einfach nur peinlich.

via Allgemeine Zeitung – Streit um Trinkbecher bei Mainz 05 – Bundesligist wechselt von „Mehrweg“ zu….

Und ewig grüsst das Flaschenpfand

31.05.2013, von

Jetzt mal ehrlich, dieses Pfandsystem bei Flaschen, da blickt doch keiner mehr durch. Erinnern Sie sich noch – vor gut zehn Jahren, da war die Welt der Getränkebehälter noch klar und übersichtlich. Es gab ein funktionierendes Mehrweg-Kasten-System mit einheitlichen Pfandflaschen in der Regel aus Glas. Die war ein halber Liter drin oder 0,7 und wenn man die Flasche im Zug in Stuttgart eingepackt hatte, dann liess die sich in Hamburg problemlos abgeben. Und jetzt sagen se nicht, Sie hätten eh immer nur Sixpacks getrunken.
50 Mal liess sich so eine Mehrwegflasche wiederbefüllen. Aber: Mit sowas lässt sich kein Wachstum generieren – laaaangweilig. Heute ist das ganz anders, da ist bei Flaschen die ganze Vielfalt angesagt. Bunte Farben, skurile Formen, vom Inhalt mit den herrlichen Chemiearomen selbst im reinheitsgebotenen Bier reden wir hier gar nicht. Für die meisten Flaschen ist auch Pfand fällig und zwar bis zu 25 Cent. Aber Mehrweg sind die deshalb noch lange nicht, auch wenn wir das meistens denken, solange wir nicht ganz genau auf die Flasche drauf gucken. „Und ewig grüsst das Flaschenpfand“ weiterlesen →

Wir sind Papst. Zumindest im Recycling.

21.03.2013, von

Wir sind nicht mehr Papst, schade eigentlich. Obwohl: ein bisschen Papst sind wir immer noch. Wir sind Recyclingpapst. Zusammen mit Österreich und Belgien haben wir 2010 europaweit den größten Prozentsatz an städtischem Müll wiederverwertet, sagt eine Studie der Europäischen Umweltagentur im Internet, und nur unsere scharmanten Nachboan im Südostn ham uns um oan Prozenterl gedobt: 63% Recyclingquote in Österreich. Wir sind also mit glänzenden 62% präzise gesagt: Stellvertretender Europäischer Müllrecyclingpapst. Dann kommen die Belgier auf Platz 3 mit 58% und der Rest – geloost, selbst die Schweiz schafft nur 51% .
Im Schnitt haben die Europäer inclusive Norwegen, Schweiz, Kroatien und Türkei derzeit 35% Recyclingquote. Gar nicht übel, ein Drittel höher als noch 2001. „Wir sind Papst. Zumindest im Recycling.“ weiterlesen →

Die Römer waren genauso Ökoschweine wie wir?!

20.11.2012, von

Nächste Woche im Livestream näher beleuchtet: unser Umgang mit Wasser und Boden im Lauf der Jahrhunderte. Ich freu‘ mich schon auf Debatte und die Fragen und Anregungen live und aus dem Netz. Dienstag, 27.9., ab 19 Uhr aus und im Museum für Antike Schiffahrt in Mainz.

Zum Umgang des Menschen der Vergangenheit mit Wasser und Boden kann die Archäologie besonders viele Erkenntnis liefern. Seit der Jungsteinzeit greift der Mensch mit verschiedensten Methoden der Ackerbauwirtschaft in den natürlichen Boden und Wasserhaushalt ein. Besonders interessante Informationen liegen uns hier z. B. aus der römischen Antike und dem späten Mittelalter vor. Monokulturartige Wirtschaftsformen führten schon damals zu Umweltproblemen, die unseren heute verblüffend ähnlich sind.Wir können so vergleichen, wie es die Menschen früher getroffen hat und was sie dagegen unternommen haben, mit dem was wir heute kennen.

via Museumsgespräche 2012 – Livestream – Wissenschaftsjahr Zukunftsprojekt Erde.

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