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Neues Vogelbuch: Die siehst Du!

07.04.2020, von

Vögel beobachten lässt sich selbst im Zug oder aus dem Fenster in Quarantäne. Zugegeben, das Spektrum der möglichen Arten ist dann etwas eingegrenzt, aber mit genau so einer „Fensterbeobachtung“ aus dem Zug beginnt die Lektüre von „Die siehst Du!“, einem neuen Vogelbuch aus dem Kosmosverlag.

Noch eins, als hätten wir nicht schon genug Vogelbücher, war zugegeben mein erster Gedanke, als das gut 220-seitige Buch vor mir auf dem Tisch lag. Aber: ich habe mich rasch überzeugen lassen. Das Konzept ist gut und es funktioniert: nur ausgewählte Arten präsentieren, die dafür aber der Häufigkeit nach an ihren Hauptverbreitungsorten sortiert. Also nicht wie bei den „professionellen“ Vogelbüchern die Arten nach Familienzugehörigkeit präsentiert, sondern Autor Michael Schmolz ordnet nach Innenstadt, Dorf, Park oder Stadtgewässer. Und das macht eine Menge Sinn.

Schließlich sind mit 139 Arten dann doch mehr als die Hälfte aller heimischen Vögel im Buch vertreten. Auch Arten, die nicht so häufig zu beobachten sind wie Kiebitz, Bluthänfling oder Wasseramsel. Dazu kommen noch Gesangsproben der meisten Vögel, die per App und Download anhörbar werden. Schön ist auch die Idee, ein bisschen über die Tiere  und ihre Biologie zu erzählen. Eine Krickente wird da als Schlammschlabberer skizziert, weil sie im flachen Wasser gründelt, und ich bin sicher, wer solche Formulierungen mal gelesen hat, vergisst das so schnell nicht. Dazu kommen Infos über mögliche Verwechslungen, räumliche wie zeitliche Vorkommen, kurz: alles Wichtige knapp zusammengefasst.

Eine kleine Schriftgröße, für’s eher junge Publikum leicht zu lesen, für Ältere weniger, erlaubt viel Information auf wenig Raum. Dabei erzählt Biologe Michael Schmolz sehr persönlich, in verbindlichem Tonfall und macht Lust auf eigene Beobachtungen. Vogelbeobachtung in jeder Lebenslage. Denn Vögel sind wirklich fast überall zu sehen, auch wenn Alpensegler am Stuttgarter Bahnhof jetzt nicht gerade die Regel sind. Aber das verspricht Michael Schmolz ja auch nicht, wenn er seine eigene Beobachtung launig schildert.

Natürlich hat das Buch gezielte Lücken: So ist der Grünspecht bei „Die siehst Du!“ gelistet – Sound -, der sehr ähnliche Grauspecht dagegen nicht – Sound -. Wer wissen will, ob er oder sie gerade einen Grünspecht oder einen Grauspecht vor sich hat, der hat dann aber mit „Die siehst Du!“ schon soviel Vorwissen erworben, dass es sich eh lohnt, eines der umfassenden Vogelbestimmungsbücher wie Petersons „Die Vögel Europas“ oder „Der Kosmos-Vogelführer“ anzuschaffen.  Die siehst Du!“, ein neues Vogelbuch von Michael Schmolz, Kosmos-Verlag Stuttgart, 17 Euro. 

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