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RWE: Starkes Signal gegen Klimaschutz

14.09.2018, von

Es gibt Fälle, da muss man gut unterscheiden zwischen Im Recht sein und Recht haben. Und die Vorgänge um die Rodungen im Hambacher Forst sind genau so ein Fall. Rein formaljuristisch scheint alles korrekt zu laufen. Für die lange geplante Erweiterung des Braunkohltagebaus müssen zahlreiche Bäume weichen und dafür liegen dem Energieversorger RWE alle erforderlichen Genehmigungen der zuständigen Behörden vor. Im Gegensatz dazu sind die seit fünf Jahren errichteten Baumhütten der Braunkohlegegner – natürlich – nicht genehmigt. Rein formal steht und stand damit einer Räumung der Widerständler samt anschließender großflächiger Rodung des Waldes nichts im Wege.

Aber ich finde, sehr viel zynischer kann ein Konzern seine noch vorhandene Macht kaum ausspielen als es die RWE zum jetzigen Zeitpunkt tut, in dem sie auf ihr formaljuristisches Recht pocht. Zumal einige Waldbewohner deutlich gemacht haben, dass sie gegen den Räumungsbefehl gerichtlich Widerspruch eingelegt haben. Es geht ja mitnichten darum, dass die Schaufeln im wohl größten Braunkohltagebaubetrieb der Welt in Kürze stillstehen und Kraftwerke morgen abgeschaltet werden müssten. RWE hat selbst eingeräumt, dass eine betriebliche Notwendigkeit für eine Rodung erst ab Mitte Dezember, mithin in zwei Monaten, bestehen würde. Einige Umweltschützer bezweifeln selbst das vehement.

Noch am 10. September hatten die großen deutschen Umweltverbände mit RWE-Chef Rolf Martin Schmitz über einen Rodungsstopp verhandelt. Zumindest nicht roden solange in Berlin die Kohlekommission berät, die bis Jahresende den Weg zum Kohleausstieg ebnen soll. RWE ist das egal: die Kohle werde in den nächsten zwei Jahren benötigt, die Kommission denke über mittel- und langfristige Perspektiven nach, also wird eh gerodet, basta.

Fakt ist: Der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung ist notwendig, um überhaupt eine geringe Chance zu haben, die deutschen Klimaziele bis 2030 zu erreichen, um den Klimawandel zu bremsen. Ein Rodungsverzicht hätte symbolisch deutlich gemacht, dass ein Umdenken stattfindet. Und genau das ist nicht gewollt: Mit den angelaufenen Räumungen im Hambacher Forst macht das Unternehmen RWE unmissverständlich klar: Nach uns die Sintflut.

Der zweitgrößte deutsche Stromversorger wird seiner Verantwortung für die Umwelt nicht gerecht: Erst Festhalten an der Kernkraft, als die schon unübersehbar angezählt war. Dann Festhalten an der Kohle trotz deren fataler Rolle beim Klimawandel. Nachdem die – übrigens lange kommunal kontrollierte – RWE inzwischen endlich stärker auch auf Erneuerbare Energien setzt hätte es ihr gut angestanden, durch einen Rodungsaufschub zu signalisieren: Wir haben verstanden. Doch das Gegenteil ist der Fall.

In der Unternehmens-PR von RWE ist viel von Verantwortung die Rede. Für Gesellschaft und Umwelt. Man möchte denen, die das geschrieben haben, offen ins Gesicht sehen und sagen: Ihr solltet euch was schämen.

Kommentare zu „RWE: Starkes Signal gegen Klimaschutz“

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  1. Hans Wagner
    schreibt am 14. September 2018 10:15 :

    Es ist der alte Kampf: Ökologie gegen Ökonomie, Sauerstoff gegen Luftverschmutzung.
    Im Hambacher Wald wird die Natur unter dem Diktat von RWE zu einer reinen Funktion des Geldes. Und anscheinend gibt es kein Einhalten mehr, das große Geld setzt sich mal wieder durch!
    Die „Baumbewohner“ dieses Waldes werden als Sicherheitsrisiko dargestellt, der Kohleabbau derweil ökonomisch gesund geschrieben. Bürger die emotional (bundesweit) über den Raubbau in diesem Forst klagen werden von der Nordrhein-Westfälischen Landesregierung als inkompetent hingestellt.
    Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen spricht von „Pseudo-Umweltschützern“ und das Wort „Ökoterrorist“ macht die Runde. Die Umweltschützer könnten in ihrem Sinn von Energiefaschismus sprechen. Schließlich handelt es sich hier um die Geldpolitik eines Konzerns der ganz auf Raubbau eingestellt ist. Die Landesgrünen, mit öko-politischer Blindheit geschlagen, die vor Jahren diesen Raubbau im Verbund mit der SPD und RWE eingefädelt haben, waschen ihre Hände in Unschuld und wollen zunächst mal abwarten. Die GRÜNE Parteijugend hat wenigstens zu einer „Tanzdemo“ eingeladen, immer noch besser als die etablierte Elternpartei die 2016 gemeinsam mit ihren politischen und ökonomischen Partnern um das „goldene Kalb“ tanzte. Derweil kämpfen die Umweltschützer um den Hambacher Wald. Gewiss, da mischen sich auch Autonome darunter (leider), aber man muss auch jene Naturschützer miteinbeziehen die landesweit um diesen Wald zittern.
    Der Klimawandel scheint die Politiker in Nordrhein-Westfalen nicht beonders zu kümmern, Biodiversität und Nachhaltigkeit auch nicht, was zählt ist nur der Mammom. Der Kohleabbau ist für unser Klima tödlich jeder einzelne Baum ist Balsam für die kranke Umwelt und vor allem für den Menschen. Ein etwa 80 bis 90 jähriger Laubbaum tut uns nur Gutes und ist mit Geld nicht aufzuwiegen.
    Wenn solch ein Baum im Licht photosynthetisch aktiv ist, gibt er etwa genau soviel Sauerstoff an die Atmosphäre ab wie er an Kohlendioxid aus dem Luftraum zur Bindung in organischen Molekülen aufnimmt. Schon eine einzige ausgewachsene Eiche oder Buche kann an einem Tag ungefähr 7000 Liter Sauerstoff freisetzen. Das ergibt etwa 35 Kubikmeter sauerstoffreiche Atemluft- genug um den Tagesbedarf von über 50 Menschen sicherzustellen. Ohne diese ausgleichende und regenerierenden Leistungen der Bäume gäbe es auf Dauer kein höheres Leben in der jetzigen Form auf unserem noch blauen Planeten. Könnte es möglich sein, dass die verantwortlichen Politiker in Nordrhein-Westfalen davon noch niemals etwas gehört haben?

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