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Kabinetts-Blabla statt Insektenschutz

20.06.2018, von


Ein wirklich ernsthafter Plan, das Insektensterben zu beenden, müsste deutlich anders aussehen als das, was die Bundesregierung Anfang Mai als Eckpunkte vorgelegt und heute verabschiedet hat. Viel zu viele Formulierungen bleiben unkonkret und unverbindlich. Man merkt deutlich die Handschrift von Julia Glöckler, die ja  schließlich Landwirtschaftsministerin und nicht Insektenministerin ist. Da wird zwar eingeräumt, ja, wir haben ein Problem mit dem Insektenschwund, aber die Ursachen der zurückgegangenen Insektenzahlen werden dann verschwurbelt mit „Verlust und qualitative Verschlechterung von Insektenlebensräumen“ umschrieben. Im Klartext heisst das: Ausgeräumte, totgespritzte Industrieagrarlandschaft killt Insekten. Das steht aber nirgends deutlich drin und das, das hat System. Nur niemand von der eigenen Lobby verprellen, heisst offenbar das Motto.

Viele aufgelistete Vorschläge sind außerdem nicht neu. Den Glyphosateinsatz zu minimieren etwa. Dabei ist Glyphosat für Insekten im Vergeich zu Neonicotinoiden gar nicht mal das Hauptproblem. Ja, die sollten verboten werden, das ist aber bereits beschlossen und – in Frankreich längst geschehen. Eine noch zu erarbeitende Ackerbaustrategie soll auf den vergüllten, verspritzten Feldern alles richten – na prima, das dauert noch Jahre, wenn überhaupt, bis da was passiert. Überdüngung aber fördert Einfalt, macht Lebensraum für Wildkräuter kaputt. Viele Wiesen dienen letztlich nur als Endlager für überschüssige Gülle aus der Massentierhaltung, vor allem in Norddeutschland. Und was steht im neuen Programm Insektenschutz? Die Bundesregierung „prüft“ ob ins Aktionsprogramm weiterentwickelte Düngevorgaben aufgenommen werden sollen. Sie prüft also statt konkret was zu tun.  

Man kann einem einzelnen Bauern nicht vorwerfen, dass er seine Spielräume maximal ausnutzt, um wirtschaftlich überleben zu können, schwarze Schafe lassen wir mal außen vor. Aber man kann der Bundespolitik unter Merkel vorwerfen, dass sie in Brüssel nicht längst etwa eine viel stärkere Koppelung der Direktzahlungen an Landwirte an Umweltleistungen durchgesetzt hat. Da ist doch der Wurm drin in der GAP, der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU: Industrielles Wirtschaften am Acker zerstört die Vielfalt. Da wird jeder Baum gerodet, der früher mitten im Feld stand. Da wird der letzte Zentimeter an die Feldwege ran genutzt und gespritzt, so dass oft kaum noch Randstreifen existieren. Ausserhalb des Biolandbaus sind die Felder weitgehend wildkrautfrei. Wir wissen genug über die Zusammenhänge, um handeln zu können. Und was bekommen wir heute aus Berlin serviert: Modellprojekte.

Mit Modellprojekten aber wird so gut wie nichts erreicht, das ist Augenwischerei. Selbst in Naturschutzgebieten gehen inzwischen die Insektenzahlen zurück, was zeigt, dass die einzelnen Inseln der Vielfalt ohne ausreichende Vernetzung in der Fläche einer Zerstörung der ökologischen Vielfalt nicht aufhalten können. Und Und den Vorschlag, mehr Umweltpädagogik zu machen, muss ich sagen, den finde ich in diesem Zusammenhang fast schon zynisch. Die Zerstörer der Vielfalt erst nicht benennen, aber dann Kindern was vom Maikäfer erzählen wollen und das als Aktionsprogramm verkaufen – das stimmt mich als Umweltredakteur traurig bis wütend. Selbst an den Stellen, wo außerhalb der Landwirtschaft liegende Ursachen des Insektensterbens benannt werden, die nächtliche Lichtverschmutzung etwa, bleibt es unkonkret: insektenfreundliche Lampen, ja, aber wieviele und bis wann? Symptomatisch am Ende die Formulierung: die Bundesregierung wird regelmäßig über den Insektenschutz berichten – nur: alle 100 Jahre, alle 1000 Jahre oder was? Wieder nix konkretes. Nicht mal da. Insektenschutz sieht anders aus. Und er wäre so dringend nötig.

Kommentare zu „Kabinetts-Blabla statt Insektenschutz“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. sandhya verma
    schreibt am 16. Juli 2018 16:17 :

    the federal government will regularly report on the insect repellent.

  2. Axel
    schreibt am 11. Februar 2019 10:37 :

    Ich hoffe, dass die Wichtigkeit des Insektensterbens auch bald von der Politik erkannt & thematisiert wird.

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