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G20: zu wenig Klimaschutz

10.07.2017, von

Sagen wir mal so: Es hätte noch schlimmer kommen können. Immerhin: es gibt eine gemeinsame Gipfelerklärung, der Klimaschutz hat es ins Abschluss-Kommuniqué der G20 geschafft und alle wollen den Ausstoß von Treibhausgasen senken. Dass sich US-Präsident Trump und Russlands Putin ausgerechnet zu der Zeit trafen, als die anderen über Klimaschutz debattierten, darf man ruhig symbolisch werten, denn 19 der G20 kamen ja nicht umhin „zur Kenntnis zu nehmen“, wie das so schön heißt, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen will.Kein Verzicht auf fossile Brennstoffe bis 2050.

Nun gut, das ist nicht wirklich neu, umso erfreulicher, dass die G19 genau dieses Abkommen für „unumkehrbar“ halten und zügig umsetzen wollen. So haben sie’s in Hamburg beschlossen. Die Freude über soviel Entschlossenheit zum Klimaschutz trübt sich freilich gleich wieder ein wenig, weil die USA künftig anderen dabei helfen dürfen, fossile Brennstoffe, so die Formulierung, „sauberer und wirksamer zu nutzen“. Nix also mit dem kompletten Verzicht auf Kohle, Öl und Gas bis 2050. 

Gut, es wäre auch naiv anzunehmen, dass Staaten wie Saudi-Arabien, Indien oder Russland, die derzeit noch massiv an fossilen Rohstoffen hängen, sich vor den Decarbonisierungs-Karren der Klimaschützer spannen lassen. 2,3 Billionen Dollar verdienen die G20 derzeit jährlich laut Weltbank mit dreckiger Energie. Da können wir fast schon froh sein, dass sie überhaupt die Pariser Klimaziele mittragen. Aber Gebühren für den Ausstoß von Kohlendioxid – das durften in den Vorbereitungsrunden des Gipfels Wissenschaftler und Umweltschützer zwar debattieren, doch dabei blieb es dann auch.

Geld scheffeln mit fossilen Energien

Wenn man sich dazu deutlich macht, dass laut Internationalem Währungsfonds die fossilen Energien weltweit jährlich mit 4,8 Billionen Dollar subventioniert werden, weil die durch sie entstandenen Schäden an Umwelt und Gesundheit von der Allgemeinheit getragen werden, wenn man sich dann noch mal klar macht, dass die G20 vier Prozent ihrer Wirtschaftsleistung mit dreckigen Energien erzeugen, dann wird deutlich, warum es so unglaublich zäh ist, von der Droge Fossil-Energie wegzukommen. Damit wird einfach immer noch viel zu viel Geld verdient. 
Bleiben wir also bescheiden und sagen: der Hamburger G20-Gipfel war im Rahmen der Möglichkeiten ein kleiner Erfolg. Denn trotz Trump halten die anderen 19 an den Pariser Klimazielen fest. Deren dringend notwendiger Umsetzung sind sie damit allerdings noch keinen Millimeter näher gekommen, im Gegenteil: Der beschlossene freie Handel – ohne knallharte ökologische und soziale Spielregeln – beißt sich in der Praxis oft mit dem Klimaschutz.

Deutschland raus aus der Kohle

Immerhin haben die G20 einen Klima- und Energie-Aktionsplan beschlossen. Entwicklungshilfe und Investitionen in Infrastruktur sollen sich am Klimaschutz orientieren, Investoren ihre Klimastrategien offenlegen. Auch die Bedeutung der langfristigen Klimaschutzstrategien, die bis 2020 vorliegen sollen, wurde betont. Das klingt gut, klingt konkret, hoffentlich schwingt sich dann auch unsere Bundesregierung endlich dazu auf, den sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle zu schaffen. Der ist nämlich überfällig. 
Der türkische Präsident Erdogan will übrigens das Pariser Abkommen nur ratifizieren, verkündete er nach dem Gipfel, wenn die Türkei nicht als Industriestaat eingestuft wird, sprich: er will mehr Geld. Hoffen wir mal, dass so ein „Mimimi“ nicht generell der neue G19-Geist von Hamburg ist, denn dann gute Nacht Weltklima.

Lesenswert finde ich übrigens in Sachen G20 die Kommentare von Sonnenseite und die Einschätzung von German Watch

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