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Glückliche Kühe, arme Bauern – die Milch macht’s?!

19.05.2016, von

Bizarr: da sinkt der Milchpreis und alle sind erstaunt. Es war ja auch nicht etwa seit Jahren angekündigt, dass der Milchmarkt dereguliert wird. Und dieser Beschluss ist damals auch nicht vom Himmel gefallen. Es waren auch unsere politischen VertreterInnen, die das letztlich gebilligt haben. Oder kann sich jemand an massiven, lautstarken Widerstand erinnern, als die Beschlüsse gefasst wurden? 80 Cent pro Liter Milch würde eine mittelgroßer Hof benötigen, um nachhaltig und wirklich tierfreundlich wirtschaften zu können.

An der Schweizer Grenze habe ich so einen Hof besucht, wo die Bauern es anders machen. Ohne das Wort von den glücklichen Kühen überstrapazieren zu wollen: mein Eindruck war zumindest der von sehr entspannten Tieren, denen es unter den besonderen Bedingungen auf dem Gasswies-Hof gut geht. Finanziell ist die mutterkuhgebundene Milchwirtschaft freilich eine schwierige Angelegenheit,  gezahlt werden – immerhin, muss man ja derzeit sagen – derzeit rund 40 Cent für Biomilch. Das ist zwar das Doppelte von dem, was viele konventionelle Bauern bekommen. Aber es reicht eben bei weitem nicht aus, um eine Milchviehwirtschaft zu betreiben, bei der:

  • Kälber eben nicht wie sonst üblich binnen wenige Tage nach der Geburt von der Mutter getrennt werden, was für die Kühe und Kälber als hochentwickelte Säugetiere eine Qual ist.
  • Kälber auch säugen dürfen und nicht nur minderwertige Ersatzmilch bekommen, was natürlich einen Verlust an gemolkener Milch bedeutet
  • alle Kälber einer Herde zwischen Februar und April zur Welt kommen und damit eine optimale Futterversorgung mit frischen Weidekräutern gewährleistet bekommen. Teurer und fragwürdiger Kraftfutterzukauf über Winter ist dann kaum nötig, die Wiesen können extensiver bewirtschaftet werden, aber: es gibt eine fast zweimonatige Milchpause zwischen Weihnachten und Februar.

Eine bessere, andere Milchwirtschaft ist machbar.  Ja, sie bedeutet Mehraufwand, für die Bauern wie für Verbraucher. Aber ich bin überzeugt, dass viele Menschen für Milch und Milchprodukte mehr zahlen würden, wenn sie wüssten, was für eine friedliche und ausgeglichene Atmosphäre in einem Stall herrscht,  in dem Kälber bei ihren Müttern sein dürfen. Immerhin, einige Kuh-Patenschaften hat Familie Rutschmann auf dem Gasswies-Hof inzwischen zur Unterstützung ihres Konzepts erhalten. Das ist nicht viel, aber ein Anfang. Und gerade in den Zeiten des Milchpreisverfalls ein wichtiges Zeichen wider den Irrsinn der tierfeindlichen Massenproduktion.

Quelle: Die ganze Sendung: natürlich! vom 17. Mai 2016

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