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Dammbrüche von Minen: Umweltsauerei mit Systematik

26.11.2015, von

Wied-Rio DoceBrasiliens größte Umweltkatastrophe mit Giftschlämmen im Rio Doce steht in einer unschönen Systematik, mit der die Metallgewinnung in den letzten Jahrzehnten immer wieder die Umwelt massiv vergiftet hat.

Da sind 182.000 Tonnen Zyankali jährlich (!), mit denen etwa Gold aus dem Gestein gelöst wird. In Rumänien brach beim Ort Baia Mare ein Rückhaltedamm im Jahr 2000, Rumänien, Ungarn und Serbien erlebten eine wochenlange, massive Wasservergiftung.
Oder die gewaltige Ok-Tedi-Mine in Papua-Neuguinea mit ihren riesigen Abfallmengen. Über 30.000 Menschen leben südlich der Mine und sind massiv von den Umweltwirkungen der Mine betroffen. Immer wieder geriet auch Zynakali in die angrenzenden Flusssysteme. In den frühen 1990er Jahren waren zeitweilig die ersten 70 Kilometer des Flusses nach der Mine biologisch tot. Die Probleme sind bis heute massiv, wer sie thematisiert, lebt gefährlich (aber die Mine liefert eben auch das wichtigste Einkommen für das ansonsten bitterarme Land…).

1998 riss in Südspanien ein Damm, seine arsenhaltigen Schlämme vergifteten 4600 Hektar Ackerland und bedrohten eines der wichtigsten Naturschutzgebiete Europas, die Coto de Donana. Der Versuch, die seither geschlossene Mine wieder zu eröffnen, scheiterte diesen Sommer weniger an der Einsicht der betreffenden Firmen als an einer mutigen Richterin.

Und jetzt also Brasilien, wieder ein riesiges Gebiet betroffen, Dutzende Menschen starben nach dem Dammbruch am Rio Doce, die ökologischen Folgen bis hin zum Meer sind unabsehbar. Und warum? Letztlich wegen Profitmaximierung. Gier. Das Übliche halt.

Proben aus den verschlammten Flussabschnitten durch das städtische Abwasser- und Wasserversorgungsunternehmen der Stadt Baixo Guandu bestätigten die Giftfracht im Wasser: Aluminium, Blei, Kupfer, Arsen, Quecksilber. Wann und ob das Flusswasser wieder genutzt werden kann ist höchst fraglich.

Besonders bitter: der Rio Doce war nicht irgendein eh schon versiffter Flusslauf in industrieller Landschaft, sondern auf weite Strecken noch von ökologisch hohem Wert. Der hatte sich seit der Erkundung durch Naturforscher Maximilian Prinz zu Wied-Neuwied (siehe Bild) Anfang des 19. Jahrhunderts zwar um einiges verschlechtert, war dennoch hoch. Wie lange das System jetzt brauchen wird, um halbwegs wieder einen vielfältigen Lebensraum zu bieten ist offen.

Quelle: Brasiliens größte Katastrophe: Rio Doce | WWF Blog

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