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Olympia: Wintersport beim Palmenstrand

06.02.2014, von

Die nächsten Weltmeisterschaften im Bergsteigen sollten im platten Hamburg oder in Amsterdam stattfinden. Und die nächste Regatta für Fünfmast-Großsegler in, sagen wir, Sulz am Neckar, und Ulm an der Donau wäre auch nicht schlecht. Was die in Sochi können, können wir schon lange. Nichts ist unmöglich – auch nicht Wintersport im Sommerparadies. Skifahren an der russischen Riviera. Sochi war schließlich die Sommerresidenz Stalins, (das Haus steht übrigens noch, ein Museum, liebevoll hergerichtet), dort wo das Schwarze Meer am wärmsten ist und Palmen die Straßen zieren.
Tja, ein Teeanbaugebiet im subtropischen Klima des Schwarzen Meeres richtet olympische Winterspiele aus. Warum eigentlich nicht, aber warum eigentlich nicht gleich in Dubai , auch die Zentralafrikanische Republik würde sich anbieten. Das bischen Energiemehraufwand, das spielt doch keine Rolle.
Wir beherrschen die Natur, das war schon unter Stalin das Credo der Grossmannsucht, doch auch nach dem Tod des Tyrannen folgten in den nächsten Jahrzehnten allerlei umfangreiche Pläne zur Umgestaltung der russischen Natur. Real existierende Industrieagrarkultur, geprägt von völlig überzogenen Allmachtsvorstellungen. Gigantische Bewässerungsvorhaben, ewig lange Flussumleitungen sollten zeigen: Technik besiegt Natur, wir Menschen beherrschen alles, wenn wir nur wollen. Heute können wir am ausgetrockneten Aral-See das Resultat des Wahnsinns bewundern.

Der Schoß ist fruchtbar noch, geht mir da durch den Kopf, wenn ich die 700.000 Kubikmeter zwischengelagerten Schnees vom Vorjahr betrachte, mit dem der Winter 2014 in Sochi gepimpt wird. Oder die 400 festinstallierten plus 27 mobilen Schneekanonen, die für weiße Abfahrten sorgen sollen. Je nach Lesart kostete der olympische Wahnsinn sieben bis 50 Milliarden Dollar und da reden wir nicht von der energetischen oder ökologischen Bilanz. Dafür steht dann ein 40.000 Plätze fassenden Stadium im Imeretinskaya Feuchtgebiet, das einst für sein reichhaltiges Vogelleben bekannt war.

Offiziell freilich ist das ganz anders: „In Harmonie mit der Natur“, wirbt die Seite www.sochi2014.com für grüne Winterspiele. Null Müll soll anfallen, lautet das Versprechen der Grünen Spiele. Das passt zwar nicht zusammen mit diversen illegalen Bauschuttablagerungen von den Olympiabaustellen nördlich von Sochi. Und auch wie der benachbarte Sochi Nationalpark und das Biosphärenreservat Kaukasus ausgerechnet durch den Ausbau der regionalen Infrastruktur geschützt werden sollen, bleibt das Rätsel der russischen Verantwortlichen. Denn normalerweise gilt: je besser zugänglich eine Region ist, umso stärker wird sie besucht. Das ist schön für den Tourismus und das Bruttosozialprodukt, weniger schön allerdings für bisher eher weniger belastete Naturräume wie den Westkaukasus. Aber wen interessiert schon Natur bei soviel Olympia. (und soviel Geld…)

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