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Zwei Grad mehr weltweit – piepegal oder Desaster?!

19.11.2013, von

Zwei Grad – die werden total unterschätzt Ob ich jetzt bei 36 oder 38 Grad Sommerhitze schwitze oder bei 5 oder 7 Grad friere, das ist doch eigentlich egal, denken wir üblicherweise. Nur: Da vielleicht schon, aber sonst nicht. Ein Eisberg bei minus 1 Grad schwimmt weiter, bei plus 1 Grad schmilzt er weg. Zwei Grad Unterschied im Jahresdurchschnitt, das ist der Klima-Unterschied vom lausig-kalten Berlin zu Mittelmeer-Mailand.
Und zwei Grad plus im weltweiten Schnitt wirken noch stärker. Denn es ist ja nur der Mittelwert, Afrika zum Beispiel würde glatte drei Grad wärmer: Mehr Krankheiten, mehr Katastrophen, mehr Hunger. Für Süd- und Nordpol oder die Hochgebirge bedeutet ein Weltdurchschnitt von zwei Grad mehr regional sogar bis zu sieben Grad plus. Das heisst: Gletscher weg, Flüsse trocken, Polareis geschmolzen, Eisbären tot.

Das Grönlandeis braucht zum Schmelzen gerade mal zwischen 0,8 und 3,2 Grad zusätzlich, sein Ende ist damit nahezu vorprogrammiert. Zwei Grad, da steigt der Meeresspiegel Minimum einen Meter, es könnten aber auch weitaus mehr sein. Und ein Blick auf die Weltkarte und die Großstädte darauf zeigt. Zwei Drittel liegen nahe am Meer.

Zwei Grad verheißen also alles andere als eine gemütliche Zukunft. Außer vielleicht für die Dänen, die zuhause in ein paar Jahren leckeren Riesling anbauen können, der bisher noch an der Mosel wächst. Warum also dieses Zwei-Grad-Ziel für das Weltklima, als – dauerhauft nicht erledigte – Hausaufgaben für die Politik, Dauerthema für die Klimakonferenzen?
Sind zwei Grad plus die Grenze von „geht noch so“ zu „gefährlich“ oder eher von „gefährlich“ zu „sehr gefährlich“, wie manche Forscher meinen. Es ist viel einfacher. Zwei Grad sind einfach eine Zahl, die man sich gut merken kann, eine Hausmarke, wissenschaftlich aber schon lange nicht mehr untermauert, wenn sie es überhaupt je waren. Erfunden hat die Zwei-Grad-Grenze ein Wirtschaftsprofessor vor gut 30 Jahren. Aber seit damals ist viel passiert, heute wissen wir viel mehr über die Mechanismen des Klimawandels. Und mittlerweile sind uns die zwei Grad auch schon ganz nahe gerückt. Gegenüber der Zeit ohne Industrie haben wir schon plus 0,8 Grad geschafft. Da ist es bis 2 Grad nicht mehr weit.

Umweltschützer vom WWF wissen sogar von geheimen Berechnungen, die davon ausgehen, dass drei bis vier Grad überhaupt nicht zu vermeiden sind. Studien zeigen, dass die sibirischen Dauerfrostböden bei nur anderthalb Grad plus bis zum 60. Breitengrad auftauen werden. Das könnte mehr landwirtschaftliche Möglichkeiten für Russland bedeuten, heisst aber eins ganz sicher: die Freisetzung von riesigen Mengen im Boden gespeicherten Methans und Kohlendioxids und damit eine weitere Steigerung des Treibhauseffekts. Schon bei anderthalb Grad plus.
Viele der kleinen Pazifikinseln wie Tuvalu kann das eh alles egal sein. Die brauchen keine anderthalb oder zwei Grad. Die verschwinden schon im Meer, wenn es auch nur noch ein halbes Grad wärmer wird.

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