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Voll krasse Waldkarte in geiler Auflösung dank Google

15.11.2013, von

Es gibt gute Gründe, von der Datenkrake Google die Finger zu lassen. Meine Suchmaschine heisst längst wieder metager.de, speichert die IP-Adresse meines Rechners angeblich nicht und liefert trotzdem meist brauchbare Ergebnisse. Aber lassen wir das, manchmal, ja manchmal, da macht Google richtig coole Dinge. Zum Beispiel gibt es jetzt eine hochaufgelöste Karte des Planeten, auf der ist bis auf dreißig Meter genau zu sehen, wieviel Wald auf der Erde wächst oder besser: wuchs.

Vom Jahr 2000 bis 2012 wurde eine Waldfläche von der vierfachen Größe Deutschlands vernichtet.
Matt Hansen von der Uni Maryland in den USA hat die Ergebnisse in seinem Blog dargestellt und auch im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht.
Pro Minute verschwindet Wald in der Größe von 50 Fussballfeldern, also so jede gute Sekunde eins weg und jetzt eins und jetzt ein fussbaldfeld Wald und wieder eins weg na und so weiter. Im Blog ist das auch sehr schön grafisch umgesetzt und wer da nicht ins Grübeln kommt hat kein Herz oder ist Klimapolitiker und grade auf der UN-Konferenz in Warschau zum Klimaschutz, der keiner ist und noch nie wirklich einer wahr.
Mehr als eine Milliarde Menschen hängen weltweit mit ihrer Existenz am Wald und damit meine ich nicht unsere Schwarzwälder Sägewerke. Sondern Menschen in den Tropen und Subtropen, die Früchte sammeln und ihre Hütten aus Holz bauen. Da ist es bitter auf der Karte zu sehen, wie der Wald in Amazonien verbrannt wird, gerade mal wieder mit Spitzenwerten, oder auf Sumatra, das vor zwanzig Jahren als ich mal da war, noch weite Naturwaldflächen aufwies. Tja, Schluss aus peng, Profitgier und Not haben auch hier flächendeckende Kahlschläge hinterlassen. Indonesien und Brasilien sind allein für die Hälfte der Waldzerstörung in den Tropen verantwortlich. Aber juckt das jemanden? Nicht wirklich.

Wir nehmen sowas meist achselzuckend hin: Wald ist überschätzt und was kratzt uns das Elend, solange es nur weit genug weg ist. Menschengemachter Waldverlust ist für zehn Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen zuständig. Aber das kratzt auch niemanden. Aus Warschau kommt derzeit nicht mal mehr heiße Luft wie bei den letzten Klimakonferenzen, so wie‘ s grad aussieht. Und was all das mit Google zu tun hat? Achso, ja, die haben ihre Server für die Auswertung der 650.000 Satellitenaufnahmen für die Waldkarte zur Verfügung gestellt. Die Computer der Uni Maryland hätten sonst 15 Jahre rechnen müssen. Dem Wald freilich wäre das auch egal: Baum ab ist ab.
Und falls sich jemand über die Schlagzeile dieses Blogeintrags wundert: Wir testen gerade, ob sich a) jemand über solche Titel bzw. die Wortwahl aufregt, b) der Waldverlust dadurch von ein paar mehr Menschen bemerkt wird und c) ob die Klickzahlen im Blog bei Verwendung einschlägiger Begriffe wie sexy etc. eher hoch gehen oder von den Google-Algorhythmen eher abgestraft werden. Beim nächsten Mal wird’s dann wieder stockseriös und noch öffentlich-rechtlicher, versprochen. (Aber, unter uns: suchen Sie im Netz doch mal nach Earthporn – das sind Bilder, Wahnsinn) 🙂

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