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Und ewig grüsst das Flaschenpfand

31.05.2013, von

Jetzt mal ehrlich, dieses Pfandsystem bei Flaschen, da blickt doch keiner mehr durch. Erinnern Sie sich noch – vor gut zehn Jahren, da war die Welt der Getränkebehälter noch klar und übersichtlich. Es gab ein funktionierendes Mehrweg-Kasten-System mit einheitlichen Pfandflaschen in der Regel aus Glas. Die war ein halber Liter drin oder 0,7 und wenn man die Flasche im Zug in Stuttgart eingepackt hatte, dann liess die sich in Hamburg problemlos abgeben. Und jetzt sagen se nicht, Sie hätten eh immer nur Sixpacks getrunken.
50 Mal liess sich so eine Mehrwegflasche wiederbefüllen. Aber: Mit sowas lässt sich kein Wachstum generieren – laaaangweilig. Heute ist das ganz anders, da ist bei Flaschen die ganze Vielfalt angesagt. Bunte Farben, skurile Formen, vom Inhalt mit den herrlichen Chemiearomen selbst im reinheitsgebotenen Bier reden wir hier gar nicht. Für die meisten Flaschen ist auch Pfand fällig und zwar bis zu 25 Cent. Aber Mehrweg sind die deshalb noch lange nicht, auch wenn wir das meistens denken, solange wir nicht ganz genau auf die Flasche drauf gucken.
Erst kleingedruckt wird klar: Da gibt es Plastikflaschen aus PET-Kunststoff, die sind Wegwerfflaschen und es gibt welche, die sind auch aus PET, aber trotzdem Mehrwegflaschen. Es gibt aber auch sogenannte Rücklaufflaschen, die zu den bepfandeten PET-Einwegflaschen gehören, obwohl sie in einem Mehrwegkasten distribuiert werden. Geht’s noch? Das ist Anarchie ja noch geordnet dagegen und um im Pfandsystem durchzusteigen ist mal mindestens ein mittlerer Schulabschluss nötig. Und um klar zu kriegen, was denn nun wirklich eine ökologisch vorteilhafte Verpackung ist, reicht selbst das nicht, da wird’s inzwischen schon mit Hochschulabschluss schwierig.
Eine brauchbare Kennzeichnung der Flaschen in Einweg und Mehrweg gibt’s ja immer noch nicht, auch wenn die Mehrheit der VerbraucherInnen das in Umfragen immer wieder fordert. Ginge es nach den neoliberalen Ökoschweinchen in derzeitiger Regierungsverantwortung, dann wird’s eine klare Kennzeichnung auf den Flaschen auch nie geben, höchstens am Regal ein Hinweis. Selbst auf den warten wir seit Monaten vergebens. Zuviel Staat, zuwenig Markt… Fakt ist: Weil alle Welt die coolen kleinen Plastikfläschchen beim Discounter holt und selbst Trinkwasser inzwischen dort in Massen gekauft wird, ist die Mehrwegquote in nicht mal zehn Jahren von 70 Prozent auf weniger als die Hälfte gesunken, trotz Pfand auf fast alles außer Tiernahrung.
Da erleichtert es doch zu erfahren, dass Mehrweg inzwischen auch gar nicht mehr zwingend erste Wahl für den saufenden Gutmenschen ist. Seit die Großen der Branche immer mehr kleinere Getränkefirmen aufgekauft haben, werden die Transportwege immer weiter, wächst der Energieaufwand für den Rücktransport bei Mehrwegsystemen, vor allem beim schweren Glas. Ganz großer Sport ist übrigens inzwischen die Rückgabe von Getränkekästen woanders als bei dem Laden, wo der Kasten her ist. Schreiben Sie sich den Ursprung auf, falls Sie nicht immer am gleichen Ort kaufen. Sonst können Sie die 1,5 direkt in den Wind schreiben. Wobei Ihnen die nutzlose Kiste dann nicht mal gehört, denn Sie haben für 1,50 nur eine „leiheähnliche Gebrauchsüberlassung“ erhalten. Alles klar? Jaja, die allgemeine Destrukturierung, sie schreitet voran. Und wenn Sie mal wieder ein Beispiel dafür suchen, warum gut gemeint und gut gelungen nicht immer das gleiche sind, dann denken Sie künftig einfach ans Flaschenpfand. Da war’s wenigstens zu etwas nutze.

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